Vordere Karlspitze (Kaisergebirge) Südostgrat


Publiziert von steindaube Pro , 10. Mai 2013 um 09:54. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Kaiser-Gebirge
Tour Datum: 9 Mai 2013
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: IV (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 10:30
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1300 m
Strecke:10 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:In Ellmau die Landstraße in nördlicher Richtung verlassen, der Beschilderung zur Wochenbrunner Alm folgend, zuletzt Mautstraße. An der Wochenbrunner Alm parken.
Kartennummer:Alpenvereinskarte 8 (Kaisergebirge)

Den Wecker auf 3:20 Uhr. Da kommt fast schon Hochtouren-Feeling auf! An der Wochenbrunner Alm sind wir dann wie geplant nach der Anfahrt um 5:30 Uhr gestartet und haben einen traumhaften einsamen Tag im Wilden Kaiser verbracht.

Tourencharakter
Die Tour hat einen alpinen Charakter und wurde nur durch 21 (wir haben nicht nachgezählt) Klebehaken etwas entschärft (Stände plus sehr wenige Zwischenhaken). Hin und wieder gibt es auch mal einen Normalhaken. Um die restliche Absicherung (Friends/Keile plus Köpfelschlingen) muss man sich selbst kümmern. Entsprechend ist auch etwas Orientierungssinn gefragt. Im dritten Grad sollte man sich schon einigermaßen routiniert bewegen und der Seilschaftsablauf sollte recht rund laufen um diese lange Tour mit etwa 15 Seillängen durchzuziehen. Die Route bewegt sich meist im dritten Grad, die Schlüsselstelle (4+) kann man auslassen. Wenn man die einfacheren Abschnitte ungesichert geht, kann man erheblich Zeit sparen. In der Route trifft man immer wieder auf loses Gestein. Ein Helm sollte also selbstverständlich sein. In den entsprechenden Abschnitten ist auch Vorsicht angesagt um den eigenen Sicherungspartner oder nachfolgende Seilschaften nicht unter Beschuss zu nehmen. Bereits von der Gaudeamushütte kann man den Südostgrat in seiner vollen Schönheit einsehen.

Zustieg
Von der Wochenbrunner Alm geht man richtung Gaudeamushütte los und folgt dort kurz dem Steig richtung Gruttenhütte, etwas später dann der Beschilderung richtung Ellmauer Tor. Im Kübelkar folgt man entweder dem Steig bis auf fast 1800 Meter Höhe und quert dann westlich eine Rinne zum Einstieg hinauf. Alternativ (unsere Wahl) kann man auch von westlicher Seite zusteigen. Der Einstieg liegt direkt hinter dem Vorbau (Latschenkopf und dahinter noch ein relativ spitzer Felszacken, den man eigentlich erst von der Seite erkennt; siehe Bilder). Am Einstieg befindet sich ein erster Klebehaken. Zustieg gut eineinhalb Stunden.

Route
Die Route beginnt mit einer Querung nach rechts und folgt einer Rinne aufwärts (ein paar Normalhaken). Dann schließt sich eine leichte Seillänge an. Nach drei 3er-Seillängen folgt einfaches Gelände (2SL 1), das wir einschließlich der folgenden Rinne (1SL 2+) ungesichert gegangen sind (bis hierher zweieinhalb Stunden vom Einstieg). Hier ist auch schon der Entscheidungspunkt: Entweder man seilt über den Matejak-Kamin ab oder man folgt der Route ohne weitere Abbruchmöglichkeit bis zum Gipfel. Dank regelmäßigen SMS-Updates zum Wetter durch Kreier konnten wir trotz zeitweise aufkommendem Nebel hier weitergehen (es wurde dann auch wieder richtig sonnig und der angekündigte Wettersturz kam erst recht spät abends).

Die nächste Seillänge sind wir bis in den ausgesprochen mühsamen Durchschlupf gegangen (Stand an Blöcken direkt im Durchschlupf). Den Kamin "außen" (4+) bin ich dann zuerst mit Rucksack angegangen, hab mich damit aber so hoffnungslos verkeilt, dass ich ihn an einem der Camalots für meinen Nachsteiger, der sich über einen zweiten Rucksack als Zusatzgewicht sehr gefreut hat, zurück gelassen habe und dann problemlos durchkam (Stand am Klebehaken kurz nach dem Ende des Kamins). Alternativ kann man wohl im Kamin gleich nach oben gehen ohne erst durchzuschlupfen, dann deutlich leichter (3).

Ab jetzt geht die Kletterei mehr auf den Grat und man sollte gut aufpassen, dass man den 3. Gratturm (siehe Topo) wirklich auf der Nordseite umgeht. Wir haben diesen "Zwischengipfel" ungeplant mitgenommen und hier etwas Zeit liegen lassen. Ab jetzt wird die Orientierung einfacher, das Topo (bergsteigen.at, siehe Link unten) meiner Meinung nach aber deutlich ungenauer. Nach den letzten 2er-Seillängen noch ein gute Stück zum Gipfel, das zwischenzeitlich deutlich schwieriger aussieht als es dann tatsächlich ist. Vom Einstieg bis zum Gipfel haben wir etwa sechs Stunden gebraucht. Dort durften wir uns dann als erste Besucher dieses Jahres ins Gipfelbuch eintragen.

Abstieg
Der Abstieg sollte nicht unterschätzt werden. Je nach Verhältnissen kann es bis ins Ellmauer Tor schon noch eine gute Zeit dauern. Vom Gipfelkreuz folgt man in nördlicher Richtung deutlichen Steigspuren dem Grat entlang auf die Hintere Karlspitze zu. Nach einiger Zeit tauchen erste blaue Markierungen auf. Man verkneift sich den Reflex zu früh nach rechts absteigen zu wollen und folgt dem Grat vom tiefsten Punkt wieder ein Stück aufwärts bis ein deutlicher roter Pfeil den Abstieg markiert. Der Abstieg ist durchgängig rot markiert. Schnee trafen wir erst im unteren Bereich an (Pickel waren hier angenehm obwohl der Schnee gut zu treten war) wo mit den versteckten roten Markierungen die Orientierung nochmal etwas schwieriger wurde. Trotzdem fanden wir den richtigen Durchstieg auf Anhieb. Vom Ellmauer Tor dann gemütlich die Schneefelder abgelaufen und wie beim Zustieg zurück. Für den Abstieg haben wir insgesamt zweieinhalb Stunden gebraucht wobei die Verhältnisse im Sommer sicher deutlich einfacher werden.

Literatur
Unterschiedlich detaillierte Beschreibungen der Route finden sich auf bergsteigen.at (mit gutem Topo), im Panico-Kletterführer von Markus Stadler, sowie in den Rother-Führern Kaisergebirge alpin und Kaisergebirge extrem.

Tourengänger: steindaube, Hajo (hajotka)

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Geodaten
 15791.gpx um die schlimmsten Sprünge bereinigt, aber wie üblich im Kletterteil sehr ungenau

Galerie


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