Alvier Rundherum


Publiziert von rojosuiza , 27. November 2012 um 01:15.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:21 Oktober 2012
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alvier Gruppe   CH-SG 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 800 m
Abstieg: 1000 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto, gebührenpflichtige Strasse
Unterkunftmöglichkeiten:Gipfelhütte Alvier

Geht es mir jetzt, beim Schreiben des Berichts, genau wie vor einiger Zeit in der Wirklichkeit?– Wo ist das Auto? Wo haben wir es abgestellt? Es war einer der P, von P1 bis P6, aber welcher? Schwester und Schwager wissen es genau, die sind Autofahrer. Ich nicht, bei mir heisst es lapidar: ‚weiter oben‘, dem Gefühl nach…
 
Der Alvier stand auf meinem Wunschzettel. Wer ihn aber mit den ÖV machen will, an einem Tag rauf und runter, hat die nötigen Höhenmeter zu bewältigen. Eine beinah hochalpine Sache. Ein Privatauto könnte helfen. Jetzt, wo ich drin sitze, wird mir Angst und Bange. Nicht nur ist mein Fahrer ein sogenannter ‚sportlicher Fahrer‘ – was dem Magen des Normalmenschen zusetzt! – immer mehr von meinem Berg verschwindet unter den Rädern: höher und höher schrauben wir uns hinauf, und wenn es so weiter geht, ist der ganze Berg aufgebraucht… Darum energisch Halt gerufen und auf einen einsamen Parkplatz am Strässchen gezeigt. Ab da marschieren wir; es mag P6 gewesen sein. Das Strässchen ist übrigens gebührenpflichtig. Ganz St. Gallen ist darauf unterwegs. Am Morgen alles hinauf, am Abend alles hinab… Mehr Platz ist nicht.
 
Nach einigen Höhenmetern lavierend auf einem Pfad zwischen den Kurven des Strässchens erreichen wir Hinterlabria, rund 1600m. Da es scheint, als wolle der Weg hier der Strasse folgen, wird eine kleine Wildeinlage gegeben und gehen wir den Hang direkt an, hinauf auf den Chamm. Bei etwa 1780 Metern erreichen wir ihn, folgen ihm auf einem alten Weg durchs Gebüsch. Schliesslich gibt es eine Abzweigung Richtung Vorderpalfries. Da will ich nicht hin, da sind nämlich die Autofahrer wieder. Es zeigt sich, dass man noch weiter, und noch viel weiter hinauf hätte fahren können. Zum Glück bleibt der Weg doch etwas oberhalb des Autofahrerglücks und führt bald straff in die Höhe, dem Alvier zu. Nach dem Gebiet ‚i de Stei‘ geht’s ‚obsi‘, am Schluss folgt ein ‚leiterli‘ in einem Kamin und bald kann man auf beiden Seiten hinabschauen. Hier hat man eine schöne Ansicht des Gipfels, der letzte Aufschwung auf den Alvier beginnt.
 
Oben gibt es viel Volk und eine bewirtschaftete Hütte, wie es sich bei uns gehört. Die Berggänger stellen sich fotogen auf; rojosuiza sieht es gern. Die Dohlen werden bewundert und gefüttert. Die Aussicht wird genossen. Es wird kommentiert und bezweifelt. Mancher kennt vieles ganz genau und lässt es jeden wissen.
 
Nach der Rast verlassen wir den Alvier. Dieselbe Route zurück? – Gewiss nicht! Ziemlich steil gehen Kehren hinab, nach OstNordOst. Aber bald sticht rojosuiza der Hafer. Die Seelein da drüben. Wie hübsch sie sind. Schwupps, rojosuiza ist vom Pfad weg und linea recta darauf zu. Schwester und Schwager folgen dem Weg. Sie sind ortskundig, waren sie doch schon mehrfach in Oberschan, wo ein Bekannter wohnt. Durch Osmose kriegt man gleich den Berg dazu! Karten brauchen sie nicht, gibt es doch Wegweiser zuhauf. rojosuiza hat eine 1:50000 dabei, nicht ideal, aber wenigstens ahnt man, wo man ist. rojosuiza ist am Teich ‚bi de Seen‘, 1988 m Höhe. Wasser fürs Vieh, beim Zustandekommen der Seen hat man nachgeholfen. Schwester und Schwager queren dieweil frei unterhalb der Seen, OstSüdOst. Der Wanderweg muss sich laut Karte etwas unterhalb unserer Position befinden, aber das Wildwandern sagt rojosuiza mehr zu. Man folgt der Nase und dem Gespür, im Hinterkopf hilft das Kartenbild. Es ist eine Ebene, wenn auch ziemlich schief. Die Wiesen weichen, das Gelände verwaldet.  In der Nähe, oberhalb Stofel, muss man auf den Wanderweg treffen. Den  eigenen Weg durchs Dickicht zu finden wird schwieriger, obwohl die Kühe gute Vorarbeit geleistet haben. Immer wieder verbergen die Äste Pfad und Richtung, und sie schlagen die kleine Reisegruppe ins Gesicht. Die Schwester macht‘s nicht froh. Die Situation wird penibel; zum Glück meldet sich jetzt der offizielle Wanderweg mit weithin sichtbarer Markierung. Er meldet sich mit Paukenschlag, mit rasselnden Ketten sozusagen. Bei Guggstein, 1490 m, geht’s direkt am Felsen rasant hinab, kettengesichert in die Tiefe. Die Passage ist ausgesetzt, aber gut zu begehen bei schönem, trockenem Wetter. Nach dem Steilstück schliesst sich eine fast ebene Wanderung über den Türlenweg an. Der Weg scheint direkt zum Parkplatz zu führen. 
 
Ist das unser Parkplatz? – Oder doch nicht? – Wo ist das Auto? – Müssen wir hinab oder hinauf? – Ach, rojosuiza hat nicht aufgepasst. Also folgt man dem Gefühl, hinauf! Die Schwester will keinen Meter mehr gehen; eine schöne Wanderin wird leicht von jedem Autofahrer  mitgenommen. Die Männlein ziehen lachend ab: die Autos fahren nur zu Tal zur Stund!
 
Hat das Gefühl getrogen? – Nein, das Auto wird richtig gefunden. Es stand noch genau am selben Ort, wo es abgestellt worden war, vor etlichen Stunden. Rundherum in 6 Stunden - die Schwester ist stolz.
 
Das Privatauto hat einen Vorteil. In den gleichen Tag lässt sich ein zweiter Ausflug stopfen. Die Schwester ist stolz: so schnell sind wir marschiert. Also jetzt unter ihrer Leitung auf nach Buchs, zum Ortsbesuch. Wir sehen den Werdenberg-See, mit cappuccino (und mit absolut riesigem Autofahrerglück: ein unmässiger Riesenparkplatz), und danach geht‘s zur Kultur nach Schloss Werdenberg. Die Kultur ist einen Besuch wert! Nach der Kultur nochmals zum ‚Schalter‘, um da einzukehren bei der lieblichen Frau Schlossbesitzerin. Der ‚Schalter‘ ist auch einen Besuch wert.
 
Die Werdenberger haben nicht nur Kultur, sie sind auch ausgelassen sportlich wie sich beim Dämmern am Werdenberg-See zeigt…

Tourengänger: rojosuiza

Galerie


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Kommentare (2)


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Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 25. Dezember 2012 um 08:21
Hallo Rojosuiza,

So ein Zufall, wir waren ja am gleichen Tag auf dem Alvier. Vielleicht findet ihr euch auf einem HIKR-Foto von mir wieder :-)

Viele Grüsse und frohe Festtage,

Sputnik

rojosuiza hat gesagt: RE:
Gesendet am 25. Dezember 2012 um 22:29
Da werd ich besonders aufmerksam hinsehen müssen... Ja, die hikrs sind überall, keiner ist unbeobachtet.

Auch ein gutes Fest, und eine prachtvolles Jahr 2013


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