Lagginhorn Solo über Normalweg (WSW Grat)


Publiziert von MatthiasG , 21. August 2012 um 15:13.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum: 7 Juli 2010
Wandern Schwierigkeit: T5- - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 7:30
Aufstieg: 800 m
Abstieg: 800 m
Strecke:WSW Grat (Normalroute)
Kartennummer:Schweizer Landeskarte "Saas" und "Simplon" 1:25.000

Verlängertes Wochenende im Wallis, da muß unbedingt ein 4000er her. Bei uns zuhause (Vorarlberg) sind die ja Mangelware.

Also ohne jegliche Akklimatisierung rauf auf Hohsaas mit der Bahn, dann erstmal ein paar hundert Meter sinnlos abgestiegen, weil wir den Einstieg nicht gefunden haben. Also wieder rauf, meiner Partnerin geht leider die Luft aus. Belastungsasthma und 3200 Höhenmeter ohne Akklimatisierung waren doch etwas viel. Ab 3700 Meter hab ich dann selbst etwas schwer Luft bekommen.

Netterweise meinte sie, ich soll den Gipfel ruhig machen, sie fotografiert so lange in der Gegend herum. Also im Eiltempo nix wie rauf, zum Glück ist der Minigletscher aper und spaltenarm.

Fast ganz oben hab ich dann noch einen deutschen Touristen mit zwei Begleitern ohne Helm getroffen (die Begleiter hatten Helme). Kurz nachher treten weiter oben andere deutsche Touristen einen faustgroßen Stein los, der mit lautem fauchen an mir vorbeischießt. Alle Anwesenden sind eng an die Wand gepreßt in Erwartung des Steinschlages, nur der Mann ohne Helm nicht, der ist bereits halb im Delirium und kriegt trozt mehrerer Warnrufe nix mit. 

Und wie der Teufel so will, trifft ihn der Stein genau am Kopf. Zum Glück nur ein Streifschuß, das hätte er sonst garantiert nicht überlebt. Und zum Glück auch kein Absturz, sonst hätte er garantiert seine zwei Begleiter aus der Wand gerissen. Dennoch war er kurz bewußtlos, der Kollege hinter ihm hat ihn am Rucksack gefangen und den Absturz verhindert.

Nachdem genug Handys und Erste Hilfe Equipment vorhanden waren, bin ich weiter gegangen, als Solo-Geher ist man sehr schlecht für Hilfeleistungen geeignet. Der Hubschrauberklang auf den ich gewartet habe kam nie. Die müssen wieder abgestiegen sein. Äußerst verantwortungslos! Kopfverletzungen mit Bewußtlosigkeit -> Hubschrauber, sonst Lebensgefahr. Bei so großer Erschöpfung würde ich sogar mit einer leichten Verletzung zum Hubschraubereinsatz tendieren, denn man gefährdet ja auch seine Kollegen zusätzlich, wenn man in dem Zustand absteigt.

Am Gipfel: zwei echte Berg-Walliser. Ich krieg so kaum Luft, die rauchen beide :)

Fast ganz ohne Pause zurück, die Freundin erschlägt mich, wenn wir die Bahn verpassen :) Gletscher dann im Laufschritt. Am Ende hab ich ein ganz leichtes Lungenödem, das aber schon am nächsten Tag wieder abgebaut war.

Das einzige was ich als etwas heiß in Erinnerung habe war das letzte Firnfeld kurz vorm Gipfel. Es ist nicht schwierig steil, aber daneben geht es ganz schön runter und man hat kaum Bremsweg zur Verfügung, also ausrutschen möchte man hier sicher nicht (deswegen auch gerade nicht mehr T4 nach meiner Einschätzung)! In der Gegend sind im Juli 2012 fünf Leute zu Tode gekommen (siehe http://www.hikr.org/post52064.html).

Tourengänger: MatthiasG, SylviaB

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Kommentare (6)


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Zaza hat gesagt:
Gesendet am 21. August 2012 um 16:29
Es ist mir schleierhaft, warum so viele Leute über die Gletscherroute aufsteigen, die doch sattsam als steinschlägig bekannt ist. Der Aufstieg über den ganzen WSW-Grat ist viel sicherer und einfacher.

LG, zaza

MatthiasG hat gesagt: RE:
Gesendet am 21. August 2012 um 16:40
Ich weiß nicht wo der Gletscher jetzt ist, aber 2010 ging der Normalweg noch ein stückweit über diesen. Zumindest erschien es mir so, vielleicht bin ich aber auch einfach falsch gegangen.

Aber es stimmt auf jeden Fall mit dem Steinschlag, am Nachmittag kamen ständig Steine aus der Westwand. Also wirklich nicht schlau ohne Helm!

Gelöschter Kommentar

MatthiasG hat gesagt: RE:
Gesendet am 21. August 2012 um 21:22
Meinst du jetzt mich oder die Leute ohne Helm? Falls du mich meinst: ein ganz leichtes Lungenödem äußert sich durch einen leichten Husten mit Flüssigkeitsauswurf, das hast du vielleicht schon 20 mal gehabt, ohne dass es dir auffiel.

Da ich auch Berglauf betreibe (ich jogge manchmal bis in den T3+ Bereich) finde ich ein hinunterjoggen nicht schlimm. Der Gletscher war ja total aper.

Gelöschter Kommentar

MatthiasG hat gesagt: RE:
Gesendet am 21. August 2012 um 22:42
Die Wildnis verzeiht keinen Stolz und kein Ego. Die einen brechen ab und können nachher berichten warum. Die anderen versuchen es mit dem Kopf durch die Wand. Da berichtet dann halt die Zeitung.

Ist beim Tauchen auch nicht anders. Immer wenn ich mit jemand neuem gehe, erkläre ich ihm davor, dass wenn einer "Abbruch" sagt für alle "Abbruch" gilt, ohne Diskussion.


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