Nordwände von Hochvernagtwand und Petersen Spitze


Publiziert von steindaube Pro , 13. August 2012 um 18:42.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Ötztaler Alpen
Tour Datum:10 August 2012
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A   A-T 
Zeitbedarf: 3 Tage
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Pitztal bis Mandarfen, Parkplatz bei der Pitztaler Gletscherbahn
Unterkunftmöglichkeiten:das fast hotelartige Taschachhaus mit netten Wirtsleuten und gutem Essen; Christoph erteilt gern und kompetent Auskunft zu den Tourenbedingungen

Unsere ersten Nordwände! Mit maximal 45-50 Grad und 150 Höhenmetern sicher noch nicht die Extremstufe aber doch schon eine eindrucksvolle Sache. Ein bisschen Erfahrung mit steilerem Eis an Wasserfällen und auf Gletschern brachten wir schon mit. Über die Tourenbedingungen kann man nicht meckern obwohl recht spät in der Saison.

1. Tag (Hüttenzustieg)
Am Freitag erstmal gemütlich zum Taschachhaus (2 Stunden) über den infolge eines beachtlichen Bergsturzes frisch verlegten Zustiegsweg. Bis zur Materialseilbahn ist der Zustieg unverändert, dort wird klar auf den neu angelegten und gut markierten Steig hingewiesen (links weiter statt rechts über die Brücke). Auf der Homepage des Taschachhauses heißt es zu dem Bergsturz:

Am 29.05.2012 fand oberhalb des Zustiegs zum Taschachhaus - im Bereich der Ostflanke des Vorderen Köpfles - ein massiver Bergsturz statt. [...] Der bestehende Zustiegsweg zum Taschachhaus ist mittlerweile auf ca. 150 Meter teils meterhoch von Felsbrocken verschüttet - der Weg wurde unsererseits sofort gesperrt. [...] Der Zustiegsweg zum Taschachhaus wird im Talboden auf die orographisch rechte Seite des Taschachbaches verlegt.

Am Nachmittag haben wir noch einen Abstecher auf die Zunge des Taschachferners gemacht (einfach 40 Minuten).

2. Tag (Hochvernagtwand Nordwand)
Um mehr Routine im Umgang mit Sicherungsmethoden, Steigeisen und Eisgeräten aufzubauen sind wir heute den unteren Teil der Hochvernagtwand durchstiegen und haben im Abstieg die östlich angrenzende Spaltenzone durchquert. Eine perfekte Eiswand, auf unserer Route ohne Stein- oder Eisschlaggefahr und komplett einsam. Die Eiswand war vollkommen aper was man in den Waden natürlich spürt... dafür fördert es eine saubere und kraftsparende Steigeisentechnik und die Eisschrauben setzen sich fast wie von allein. Knapp über zehn Stunden.

Zustieg zur Wand: Nach dem Frühstück sind wir um 6:30 Uhr aufgebrochen und zuerst dem markierten Steig Richtung Sexegertenferner gefolgt (T3). Wo die Markierung endet haben wir uns zuerst noch auf der jüngsten Moräne gehalten, bereits hier links am Hang aufwärts zu steigen wäre akut steinschlaggefährdet. Die Steilstufe haben wir dann ganz links meist unmittelbar neben dem Gletscherbach der hier in Stufen herabfällt überwunden (T5, I). Auch hier sollte man darauf achten sich möglichst selten und kurz in steinschlaggefährdeten Bereichen aufzuhalten, der Pitztaler Urkund sendet unwillkommene Grüße... Man kann die Steilstufe auch rechts auf dem Gletscher überwinden, wie gut die Bedingungen hier aktuell sind kann ich nicht beurteilen. Nach der Steilstufe auf dem aperen Gletscher problemlos Richtung Urkundsattel. Bereits kurz vor dem Urkundsattel sind wir nach rechts an den unteren Teil der Hochvernagtwand gequert.
Eiswand: Diese etwa 150 Höhenmeter messende komplett apere Eiswand mit einer maximalen Steilheit von knapp 50 Grad haben wir in etwa fünf Seillängen überwunden. Den oberen Teil der Hochvernagtwand in dem teilweise noch eine Schneeauflage auf dem Eis war haben wir dann nicht mehr gemacht sondern sind statt dessen Richtung Urkundsattel durch die Spaltenzone in teils halbwegs steilem Gelände wieder abgestiegen (teils Standplatzsicherung, teils laufendes Seil). Den Weg durch die Spaltenzone haben wir eigentlich mehr aus Spaß und zur Übung gewählt, etwas weiter oben hätte man sie großteils umgehen können. Auf diesem Weg hätte man auch die gesamte untere Steilstufe vermeiden und nur den oberen Teil der Hochvernagtwand machen können. Wir jedenfalls fanden unsere Route sehr attraktiv und auch ohne Gipfel sehr lohnend, zumal es uns auch darauf ankam Routine beim Eisklettern aufzubauen. War auch ein sehr ruhiges Eckchen, wir haben weit und breit keinen einzigen Menschen gesehen.
Abstieg: Vom Urkundsattel zum Taschachhaus zurück wie Aufstieg.

3. Tag (Petersenspitze Nordwand)
Einer der großen Klassiker vom Taschachhaus: Die Durchsteigung der Petersenspitze Nordwand. Wir haben sehr gute Bedingungen vorgefunden: Der Bergschrund war problemlos zu überwinden, die Wand wies noch einen Hauch von Firnauflage auf wodurch die Eisgeräte oft butterweich zu setzen waren und Eisschrauben trotzdem ohne Zusatzaufwand. Während sich an der Wildspitze die beeindruckende Ameisenstraße der Gipfelasprianten abzeichnete teilten wir uns die Nordwand mit gerade einmal sechs weiteren Tourengehern. Knapp zehneinhalb Stunden von der Hütte bis zur Hütte, dazu der Abstieg zum Auto.

Zustieg zur Wand: Um vier Uhr Frühstücksbuffet da noch einige andere Gruppen früh starten wollten (vielen Dank an Christoph der so früh aufgestanden ist um das zu ermöglichen!). Um 4:30 Uhr sind wir dann zum Taschachferner aufgebrochen, eine ganze Reihe Stirnlampen-Punkte sind dabei hinter uns hergetanzt, die meisten wohl zur Wildspitze. Über den unteren Teil des Gletschers sind wir zum Gämsköpfle hinübergequert, man kann alternaiv auch komplett auf den Moränen bleiben. In der Rinne am linken Rand hinauf (deutliche Steigspuren) und bei einem Steinmann links aus der Rinne hinaus, teils weiteren Steinmännern folgend problemlos hinauf auf den Grat (T4, I). Auf den Gletscher etwas mühsam (etwa 30 Grad, Firnreste, viel Geröll auf dem Gletscher) und dann recht flach aber teilweise doch spaltig dem breiten Gletscherband folgen. Eine moderate Steilstufe (vielleicht 30 Grad) gilt es zu überwinden, dann gelangt man in eine gewaltige Spaltenzone die links recht problemlos zu überwinden ist während sich rechts gewaltige Eistürme aufreihen. Danach über gute Firnauflage erst flach dann steiler zur Petersenspitze Nordwand.
Eiswand: Der Bergschrund war eigentlich problemlos zu überwinden, wir wählten eine Brücke ziemlich in der Mitte. Weiter links wäre es auch gegangen. Gesichert haben wir am Bergschrund einfach nur dadurch, dass [Kraxlerin] am Seil eingebunden ein ganzes Stück weiter unten am Hang wartete und so einen Sturz hätte halten können. Direkt nach dem Bergschrund erster Standplatz. Da wir die Seillängen nicht immer ganz ausgegangen sind (wir hatten nur drei Eisschrauben für Zwischensicherungen dabei, in Zukunft werden wir eine mehr mitnehmen) brauchten wir fünf (oder sechs?) Seillängen bis zum Gipfel. Hier natürlich angesichts des Wetters und der prominenten Gipfel in der näheren Umgebung (Hinterer Brochkogel, Wildspitze, ...) eine grandiose Sicht.
Abstieg: Über die flache Gletscherzone auf den Normalweg der vom Taschachhaus zur Wildspitze führt. Diesem folgend abwärts. Aufgrund der bereits dünnen Firnauflage gab es viele dunkle Löcher die bereits der eine oder andere Tourengeher unfreiwillig mit einem Bein geöffnet hatte... Ab etwa 3100m Höhe war der Gletscher aper, jetzt einfach nach Gefühl den größten Spaltenzonen ausweichend hinab und zurück zum Taschachhaus. Nach gemütlicher Rast mit Suppe, Kaffe und Kuchen zurück zum Auto in Mandarfen. Nach Heimfahrt mit etlichen kleineren Staus bei Garmisch und in München endete ein langer Tag erst nach neun Uhr Abends zuhause.

Fazit: Gelungener Einstieg in die Welt der ZS-Eiswände der nach mehr verlangt...

Tourengänger: steindaube, Kraxlerin

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Geodaten
 12374.gpx Hochvernagtwand (Tag 2), ein paar Sprünge im Track während der Kletterei
 12375.gpx Petersenspitze (Tag 3)

Galerie


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Kommentare (2)


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Wagemut hat gesagt: A ned schlecht
Gesendet am 17. August 2012 um 15:25
Respekt. Wenn i groß bi, mach i sowas a moi.:-)

steindaube Pro hat gesagt: RE:A ned schlecht
Gesendet am 17. August 2012 um 16:11
*grins*, alles gar nicht so tragisch. Man muss sich nur behutsam vortasten und nicht alles auf einmal wollen.


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