Wiggis (2.282 m) in Wolken


Publiziert von dulac Pro , 28. August 2012 um 01:36.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum: 9 August 2012
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Oberseegruppe 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1850 m
Abstieg: 1850 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Netstal
Zufahrt zum Ankunftspunkt:dito
Kartennummer:SLK 1:25.000 Klöntal

„Wiggis in Wolken“ als Alliteration durchaus reizvoll, nach 1850 m schweißtreibendem Aufstieg jedoch eine arge Enttäuschung: Kein Tiefblick auf Netstal oder Glarus und das Linth-Tal, kein eindrückliches Bergpanorama, kein Weiterweg zum Rautispitz.
 
Wuchtig und mächtig ragt er steil in den Himmel gleich hinter Netstal am Eingang zum Glarnerland. Von unten ist es schwer vorstellbar, wie man da hinaufkommen soll.
 
Daß es dennoch möglich ist, macht die Sache umso reizvoller!
 
Start um Viertel ab Acht an der Bahnstation von Netstal. Zunächst in etwa südwestlicher Richtung bis zur Durchgangsstraße, ein kurzes Stück ihr entlang, vor der Brücke über die Löntsch nach rechts, ein Stück parallel zum Bach, auf Höhe des E-Werks und kurz vor der Talstation einer Materialbahn nach rechts. Der Aufstieg kann beginnen.
 
Es geht in den Wald und wird steil. Stufe um Stufe geht es anstrengend, doch effizient in die Höhe. Über gut 900 Höhenmeter geht es in dieser Form hinauf. Dann wird der untere Rand der Alp Aueren Unter-Stafel erreicht. Das Gelände wird flacher. Die Alp selbst auf 1500 m.
 
Auf dem Weiterweg zur 200 m höhergelegenen Alp Aueren Mittel-Stafel ist erstmals über die Geländekante ein Tiefblick zum Klöntaler See möglich. Direkt gegenüber der Glärnisch.
 
Beide Glärnisch und Klöntaler See freilich zeitweise teilweise von Wolkenfetzen umhüllt.
 
Drei Stunden sind mittlerweile seit dem Start in Netstal bis Mittel-Stafel vergangen. Wenig oberhalb dieser Alp teilt sich der Weg. Zum Wiggis geht es hier nach rechts, lt. Wegweiser noch 1 ¾ h bis zum Gipfel. Um einen Rücken herum ist bald das schottrige Couloir von Ober-Bützi erreicht, durch das hochgestiegen wird bis es an einer überhängenden Wand in dieser Richtung nicht mehr weitergeht und der Weg sich nach rechts wendet auf einen Durchlaß zu.
 
Ab dort relativ flache Bergwiese, auch der Gipfel kommt in Sicht. In 20 Minuten ist er dann tatsächlich erreicht, nach insgesamt rund 4 ½ Stunden seit dem Aufbruch in Netstal.
 
Selten so geschwitzt, schön jetzt den Rucksack runter tun zu können und das Panorama geniessen zu können. Doch Nein, mit dem Panorama ist es heute so eine Sache: Es sind mittlerweile immer mehr Quellwolken aufgezogen. Während der Glärnisch noch gelegentlich zumindest in Teilen aus ihnen auftaucht, ist vom Rautispitz und der Gegend um den Obersee leider so gut wie nichts zu sehen.
 
Wirklich schade! Nicht nur weil ich mich um den Preis für den anstrengenden Aufstieg geprellt fühle, sondern auch weil ich meinen ursprünglichen Plan der Überschreitung zum Rautispitz mit anschließendem Abstieg zum Obersee begraben muß.
 
Zumindest nach meiner Einschätzung: Die Wege sind wohl auf meiner Karte verzeichnet, doch ist mir nicht bekannt, ob und wenn ja wie zuverlässig sie markiert sind. In den Wolken ohne Sicht und Orientierungsmöglichkeit am Gelände erscheint mir dies zu risikoreich.
 
Drum wohl oder übel auf dem gleichen Weg wieder hinab ins Tal, nachdem eine gute halbe Stunde mit Verpflegung und Eintrag ins Gipfelbuch verstrichen ist.
 
Bei der überhängenden Felswand entdecke ich nun eine Gedenktafel für einen hier im Jahr 1796 (!) verunglückten Gemsjäger, einen 57-jährigen „Greis“. Greis mit 57 ???  Ich kann da nur den Kopf schütteln!!!  Doch vor zwei Jahrhunderten lag die mittlere Lebenserwartung wohl noch irgendwo zwischen 30 und 40, da muß er ihnen mit 57 fast schon steinalt vorgekommen sein. Doch dann hätte er wohl ohnehin nicht mehr viel vor sich gehabt. Wozu also die Gedenktafel?
 
Noch ehe ich diese Überlegungen zu Ende führen konnte, nahm der Abstieg durch das geröllige Couloir meine volle Aufmerksamkeit in Anspruch.
 
Von der Alp Mittel-Stafel sollte lt. Karte ein Weg Richtung Klöntaler See abzweigen. Nach etwas Suchen in von Kühen umgepflügtem Gelände gelang es mir tatsächlich, ihn ausfindig zu machen. Doch nach einer Viertelstunde führte er nach unten, prinzipiell ok, doch leider auf der verkehrten Seite einer Geländekante. Markiert war er nicht und durch die Wolken blieb leider verborgen, ob er weiter unten in die richtige Richtung weiterführen würde. Da ich auch im weiteren Verlauf mit ähnlichen Problemen rechnen mußte, kehrte ich wieder nach Mittel-Stafel um und blieb dem vom Aufstieg bekannten Weg treu.
 
Bereits im Abstieg vom Gipfel war mein Wasservorrat bis auf eine kleine Notreserve aufgebraucht. Doch nirgends ein Brunnen oder dgl. Erst auf Unter-Stafel entdeckte ich einen Hahnen und das Problem war gelöst.
 
Gegen Ende des Abstiegs ein weiterer Stolperstein: Ein Schild, das vor einem Schießstand warnte. Ich war schon dabei, es zu ignorieren, da schaute ich doch noch drauf. Oh, zum heutigen Datum ab 17.30 sollte der Durchgang gesperrt sein! Der Blick auf die Uhr zeigte 17.15! Der Abstieg bis zum Ende des Schießplatzes sollte in 15 Minuten zu schaffen sein, doch es war keine Zeit zu verlieren!
 
Tatsächlich hat die Zeit gereicht, doch es war knapp: Wenige Minuten nachdem ich den Bereich verlassen hatte und nur kurz nach 17.30 fing es hinter mir an zu ballern.
 
Deshalb mein Rat an alle Nachahmungstäter: Nehmt genügend Wasser mit und informiert Euch über allfällige Sperrungen des Wegs am Schießplatz.
 
Einerseits voller Befriedigung, die 1.850 Höhenmeter im Auf- und Abstieg geschafft zu haben, doch etwas enttäuscht, nicht auch die Überschreitung zu Rautispitz und Obersee realisiert zu haben, bestieg ich gegen 18 Uhr den Zug Richtung Heimat.
 
 
 

Tourengänger: dulac

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