Pass da Casnil Sud , Albigna-Fornogletscher-Maloja


Publiziert von Minor , 7. Oktober 2007 um 13:09.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Bregaglia
Tour Datum: 2 September 2007
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 9:00
Aufstieg: 850 m
Abstieg: 1150 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Kantonalstraße nach Pranzaira im Bergell. Parkplatz an der EWZ Seilbahn Albigna.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Kantonalstraße, Parkplatz am Straßenrand am Ortsausgang Maloja Richtung Bergell.
Unterkunftmöglichkeiten:Keine erforderlich. Möglich Capanna da'l Albigna und Capanna da'l Forno CAS.
Kartennummer:1296 - Sciora

Hallo zusammen. Dies ist mein erster Tourenbericht hier im Forum und ich würde mich über konstruktive Kritik und eine Diskussion freuen.

Zum Routenverlauf:

Pranzaira im Bergell - zum Albignasee mit der EWZ Seilbahn - Albignahütte - Casnilpass - Casnilgletscher - Fornogletscher - Val Forno - Cavlocsee - Maloja

Schwierigkeit lt. SAC Wanderskala: T4/Alpinwandern Markierung: weiß-blau-weiß

Aufstieg ca. 800hM Abstieg ca. 1150hM

Wir waren zu zweit unterwegs.

Ausrüstung: Wanderschuhe, kurze Hose, T-Shirt, Pullover, Windjacke, Verpflegung, 3 Liter Wasser, Sonnebrille, Sonnenhut, Fahrradhandschuhe.

Dies ist also die Überschreitung des Pass da Casnil Sud (2941m) im Bergell an der Grenze zum Oberengadin.

Am 2. September 2007 haben wir diese Tour endlich mal gemacht . Schon lange wollten wir dies mal gehen. Heute ist es soweit.

Um kurz nach 8 Uhr morgens stehen wir an der Talstation der EWZ Seilbahm Pranzaira-Albigna. Wir schweben mit der kleinen 8 Personan Kabinenbahn hoch über dem Wald und eine beeindruckende Schlucht zum Fuß der Staumauer des Albignasees. Allein die Bahn ist schon ein Erlebnis, oben gibt es kein Gebäude und kein Personal. Man muss die Tür selbst öffnen und schließen, alles ist sehr urtümlich. Das mag ich.

Unterhalb der Staumauer steigen wir über eine eigentümliche Infrastruktur zur Mauer hinauf. Es sieht fast aus, wie eine alte, vergessene Betonstraße, die von nirgendwo kommend zur Staumauer führt.

Dann wandern wir über die Staumauer, von wo sich bereits die ersten Ausblicke auf das Bergeller Granit, zum Beispiel die Bondasceragruppe und den Albignagletscher bieten.

Es werden auch Besichtigungen der Staumauer im Inneren angeboten. Das dürfte auch interessant sein.

Weiter links über dem See die herrlich gelegene Albignahütte. Im Hintergrund und überall um uns herum das Klettereldorado, wo sich Top-Kletterer der ganzen Welt treffen um die schroffen Granitspitzen zu erklimmen. (Nichts für mich)

Vom Hüttenweg aus hat man nochmal einen Überblick über die Staumauer.

Von der Capanna da 'l Albigna hat man den schönsten Blick auf den Lägh und Vadret da'l Albigna.

Die Muskeln sind warm, der Weg verliert sich und die Markierung weiß-rot-weiß endet. Gute weiß-blau-weiße Markierung leitet uns über griffige Granitterrassen, die sich mit leichten Klettereien abwechseln über einen schmalen, sehr aussichtsreichen Rücken mit gutem Höhengewinn weiter. Immer wieder tauchen neue Blicke auf schroffe Spitzen mit dazwischen eingelagerten Gletschern auf. Ein Genuss für jeden Wanderer, der spannende, weglose Routen im Hochgebirge mag.

Nach weiteren 2 1/2 Stunden erreichen wir einen breiten Sattel. Hier haben wir nochmal eine Aussicht, wie man sie sich wünscht.

Kurz darauf erreichen wir die Passhöhe und legen eine Rast ein.

Der Abstieg soll es in sich haben. Ich habe von Steinschlag, instabilen Moränen und steilen Schutthalden gelesen.

Der kleine Casnilgletscher ist stark abgeschmolzen, so dass man direkt nach dem Pass eine steile Felsstufe überwinden muss, wo vor einigen Jahren das Eis noch bis an den Pass heran reichte. Ein Schritt und es ist klar, dass jetzt noch wesentlich mehr Konzentration angesagt ist. Alles ist locker, Steine und Blöcke rutschen oft weg, wenn man sie betritt. In der Mulde, die wir zu durchqueren haben hören wir das Geräusch von Steinschlag.

Gemsen springen durch die fast senkrechten Felswände, als ob es nichts einfacheres gäbe.

Wir folgen der Markierung, die nach kurzer Zeit neben dem Eis im Geröll endet. Ich spreche einen entgegenkommenden Wanderer an, ob er Markierungen gesehen habe. Der sagt nur: Die sind alle weggerutscht. Die Route wurde übrigens 2007 neu markiert, es ist also in diesem einen Sommer alles weggerutscht und verschüttet In diesem Moment poltet 10 Meter vor mir auch schon Geröll durch die Route. Jetzt begreife ich, dass der Gletscher sich unter dem Geröll, auf dem wir stehen weiter erstreckt. Das Geröll ist also nicht frei geworden, weil der Gletscher hier ausgeapert ist, sondern es ist aufgrund des abschmelzenden Permafrostes alles aus den umliegenden Felswänden auf das Eis gefallen, um dort bei Gelegenheit weiter zu rutschen. Wir befinden uns also auf schuttbedecktem, antauenden Eis.

Wieso führt die Route nicht in der Mitte über das freie Eis, was viel sicherer wäre???

Also wird die Mulde schnellstmöglich auf großen Blöcken durchquert. Weiter unten sind auch wieder Markierungen zu finden.

Wir überschreiten eine Geländestufe und ich erblicke erstmals den Fornogletscher und die rechts gelegene Torrone-Gruppe. Wir steigen weiter ab und kommen in eine sehr steile Rinne. An einer Seite hat sich Gras angesiedelt und es findet sich sogar eine Wegspur, die mir mit enormem Höhenverlust, entspannt und guter Dinge beinahe im Wettlauf herunter eilen.

Die Wegspur endet und wir schwenken, der Markierung folgend nach rechts, einen Bach querend zum Fuß einer Fleswand herüber.

Hier endet die vor wenigen Monaten erneuerte Markierung erneut.

Vom Fuß der Felswand erstreckt über schätzungsweise 100-150 Höhenmeter sich ein Wegloser, ca 45° steiler Hang aus losem Geröll und Schutt herunter zum Gletscher, an dem er direkt endet. Die Moräne.

Eigentlich könnte man ja Schuttsurfen, was sich aber als problematisch herausstellt, da sich ständig Steine und Felsen lösen. Die Gefahr, dass sie in die Tiefe donnern ist viel zu groß.

Wir steigen also, nach Tritten suchend ab, bis wir an einer ca. 1m tiefen Rinne stehen, die die in der Optik einem abgerutschten Schneebrett ähnelt. Gegenüber ist an einem großen Fels eine Markeirung.

Ich suche mir eine Stelle, um die 1-2m hohe Kante zu überwinden und in die Rinne zu gelangen. In der Rinne befindet sich eine vollkommen plane, graue, fein strukturierte Fläche mit ca. 45° Neigung. Dann mal los - natürlich rutsche ich seitlich weg, was ich durch schnelle Schritte ausgleiche. Unter meinen Füßen befindet sich eine ca. 10cm starke Schicht aus feinem, nassen Sand, der auf einer angetauten, glitschigen Eisunterfütterung liegt Der ca. 2 Meter hohe Fels mit der Markierung liegt gegenüber am anderen Rand der Rinne auf der Kruste, die diese Eisunterfütterung bedeckt. Am Fuß des Felsens ist sie schon eingerissen. Wir befinden uns also auf einer eisunterfütterten, instabilen Kruste.

Na gut, schleißlich kraxeln wir durch ein Chaos von Schutt, losem Geröll und verschieden Großen Blöcken zum Fuß des Gletschers herunter. Teilweise sind Wegweiser an Felsen gepnselt, die liegen aber zum Boden hin oder befinden sich zwischen 2 Felsen und sind somit unbrauchbar - alles ist in Bewegung. Ach ja, aus den Felswänden um uns herum kommt der eine oder andere Stein gefallen.

Wir gehen nicht hinter- sonden nebeneinander, um uns im Falle von losgetretenen Steinen nicht gegenseitig unnötig zu gefährden.

Am Fuß des Fornogletschers angekommen steht ein verbogener Wegweiser. Er weist direkt gerade, die Halde, die wir herunter gekommen sind herauf zum Pass Casnil, in die andere Richtung quer über den Gletscher zur Fornohütte und den Gletscher entlang Richtung Tal nach Maloja.

Ich muss fast 10 Minuten auf meinen Freund warten, der weiter rechts als ich unterwegs war. Ich mache mir schon Sorgen, aber dann kommt er schließlich wohlbehalten an.

Wir diskutieren kurz, welche Richtung wir einschlagen sollen. Quer über den Gletscher wäre eine Option und wenn ich damals schon gewusst hätte, dass der Fornohüttenweg auf der anderen Seite sicherer ist, hätten wir gequert. So entschieden wir uns, dem Wegweiser folgend am Gletscherrand gen Tal abzusteigen. Wir halten uns möglichst noch auf dem schuttbedeckten Eiskamm am Rand der Zunge, da die Moräne links wesentlch steinschlaggefährdeter ist.

Wir finden eine gute Stelle zum Verlassen des Gletschers und blicken noch einmal zurück. Am von unten gesehen rechten Rand sind wir abgestiegen.

Wir machen uns an den Rückweg durch das Val Forno. Viele Kilometer liegen noch vor uns. Zunächst im Gletscherboden noch weglos, bis wieder Markierungen und Wegspuren auftauchen.

Im gegenüberliegenden Hang hören wir Geschrei und Steinschlag. Dann kommt ein Hubschrauber. Ob der etwas mit dem Steinschlag und dem Geschrei zu tun hat, wissen wir aber nicht.

Es geht weiter durch das Val Forno, die Landschaft wird immer grüner und lieblicher; das Licht bereits abendlich.

Den größten Teil des weiteren Weges im Val Forno wandern wir im Schatten, kilometerlang am Cavlocsee vorbei, bis wir schließlich die ersten Häuser von Maloja sehen und in das, wie immer lichtdurchflutete Engadin kommen.

Am Malojapass haben wir mein Auto abgestellt. Wir holen noch schnell das andere Auto aus Pranzaira ab. Und fahren nach Hause, um kurz vor 7 sitze ich auf der Couch.

 

Fazit:

Eine traumhaft schöne, äußerst lohenende Tour mit einem nicht ungefährlichen und psychologisch etwas beanspruchenden Abstieg, die ich wenn, dann eher im Frühsommer nochmal machen würde, wenn zumindest weiter obern noch Restschnee liegt und die Steinschlaggefahr geringer ist.


Tourengänger: Minor

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Kommentare (7)


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Taka hat gesagt: Willkommen
Gesendet am 7. Oktober 2007 um 14:30
Hi 3303

Gratuliere zum ersten Beitrag. Ausführlich geschrieben und super Fotos!Schöne Tour!

Du kannst deinem Bericht noch Wegpunkte beifügen. Das bewirkt, dass diese in deinem Gipfelverzeichnis aufgeführt werden und dass man deine Tour auch über die Suche findet. Ausserdem werden dann noch verwandte oder gleiche Tourenberichte in einem Modul neben dem Bericht angezeigt.

Gruss Taka

Minor hat gesagt:
Gesendet am 7. Oktober 2007 um 22:13
Hallo Taka,

Danke für das Lob und Deine Tips.
Habe gleich mal schnell 2 Punkte hinzugefügt :D

Wenn ich es schaffe, kommen in der nächsten Zeit noch 3 weitere Berichte.

Gruß, 3303

steinziege hat gesagt:
Gesendet am 11. Oktober 2007 um 22:45
wunderschöne fotos von dieser gigantisch schönen ecke, danke!
aber eure orientierungsprobleme verstehe ich nicht... wir sind einen tag vor euch andersherum (übrigens mit kindern) über den casnilpass gegangen und fanden die route fast durchmarkiert vor. am sichtbaren teil des gletschers musste man manchmal etwas schauen, aber vom gelände her war eigentlich klar, wo es langgehen musste, und dann ist meist auch ganz schnell die nächste markierung wieder aufgetaucht.
kann mir aber gut vorstellen, dass die bei dem instabilen hang da alle paar jahre drüberpinseln müssen... der weg gegenüber (aufstieg zur fornohütte) hatte sehr gelitten.

guckst du:
http://www.sektion-alpen.net/cgi-bin/yabb2/YaBB.pl?num=1190061041

servus
alwine

Minor hat gesagt: RE:
Gesendet am 12. Oktober 2007 um 00:05
Hallo und danke für Deinen Kommentar.

Vielleicht ist das falsch rüber gekommen, aber wir hatten natürlich keine Orientierungsprobleme.
Ich fand es nur bemerkenswert, dass die Markierungen nach einigen Monaten teilweise schon wieder weg(gerutscht) waren.
Wo man hin musste, war ja klar.
Riskant fand' ich eben den Steinschlag.

Ich hab' Euren bericht gelesen. Danke dafür.

Ich wusste noch gar nicht, dass der Cacciabella jetzt oben auch eine Leiter hat, früher war da nur irgend so ein Seil, hatte ich gelesen.

Du schreibst allerdings, dass der Casnilgletscher umgangen wird.
Wir haben gesehen, dass das Geröll, durch das man geht, auf dem Gletscher liegt, der sich darunter noch bis zu den Felswänden herauf erstreckt.

Gruß 3303

Gelöschter Kommentar

steinziege hat gesagt: RE:
Gesendet am 12. Oktober 2007 um 21:59
der klettersteig auf der südwestseite vom cacciabellapass ist ganz neu und führt kaum noch durch die schuttrinne (steinschlag), sondern meist seitlich davon am festen fels entlang, jede menge leitern.

was den casnilgletscher angeht, hab ich mich unpräzise ausgedrückt, sorry - umgangen wird der SICHTBARE teil des gletschers, wie weit der unter dem geröll noch runterreicht, hab ich nicht erforscht ;-)
steinschlag ist in all dem schutt natürlich ein problem, wir haben, so weit möglich, immer schön abstand zu den seitenhängen gehalten. sollte ich da nochmal hinkommen, nehme ich einen helm mit, auch wenn der eine oder andere das lächerlich finden mag.

ja, das mit der orientierung ist wirklich so rübergekommen... nach meinem eindruck lagen die meisten markierungen da, wo sie hingehörten, und die markierungskette war weitgehend lückenlos.
habe aber schon oft erlebt, dass man markierungen aus der einen richtung besser sieht als aus der anderen - vielleicht ist es im aufstieg alles deutlicher.

wünsch euch noch weitere schöne touren!
mal sehn, wo eure versprochenen anderen 3 berichte die besucher dieser site hinführen...

servus
a.

Gruefi hat gesagt:
Gesendet am 8. April 2008 um 07:50
Schöner Bericht. Bin auf die weiteren gespannt.


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