Rubihorn, Geißalphorn, Geißfuß und Entchenkopf


Publiziert von xing0r , 17. Juli 2011 um 15:05.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum:16 Juli 2011
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 
Zeitbedarf: 7:30
Aufstieg: 1600 m
Abstieg: 1600 m
Strecke:16.6 km Oberstdorf, Rubihorn, Geißalphorn, Geißfuß, Entchenkopf, Geißalpe und Wallraffweg zurück nach Oberstdorf
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem Zug Röthenbach - Immenstadt - Oberstdorf
Unterkunftmöglichkeiten:Oberstdorf
Kartennummer:UK L 8 Allgäuer Alpen LVG Bayern

Vorwort

Für heute war herrlichstes Wetter vorhergesagt nur die Bergkameraden waren verhindert. Da man jeden freien Tag mit bestem Wetter nutzen sollte, machte ich mich wohl oder übel alleine auf in die hüglige Landschaft der Allgäuer Alpen. Anreise war diesmal mit dem Zug nach Oberstdorf. Diese Art der Anreise ist nur noch bis Ende Juli(2011) möglich. Durch eine Brückenerneuerung wird die Strecke ab Sonthofen bis Ende Oktober(2011) gesperrt. Es werden aber Busse eingesetzt die den Zugverkehr ersetzen sollen. Wie man auf die Idee kommt so etwas in der Hauptferienzeit von Bayern und Württemberg zu machen, möchte ich hier jetzt nicht durchdiskutieren. Wenden wir uns lieber der unebenen Landschaft rings um Oberstdorf zu.

Tour beginn

Die Tour begann gleich morgens kurz vor 6 Uhr damit das ich meinen Zug um zwei Minuten verpasste. 5:53 sollte er fahren und ich war pünktlich um 5:55 Uhr am Bahnhof und sah meinen Zug noch in der ferne davon fahren. Laut Internet abfrage sollte erst um zwölf nach sieben der nächste Zug fahren. Über eine Stunde warten? Ich war enttäuscht und pilgerte am Bahngleis auf und ab. Da rollte ein Zug ein der eigentlich nur Werktags fahren sollte. Meine Rettung! Ich sprang rein und kam so gerade mal 30 Minuten verspätet am Zielort Oberstdorf an. War das einfach Glück oder ist bei der Bahn Samstags ein Werktag? Da es sehr heiß werden sollte war ich froh nur mit 30 Minuten Verspätung in Oberstdorf einzutreffen, so das ich die kühle des Morgens noch zum Aufstieg nutzen konnte.

In Oberstdorf

 Den Rucksack gesattelt begebe ich mich auf den Platz vor dem Bahnhof. Oberhalb des Platzes gehe ich links die Hauptstraße entlang bis zur Raiffeisenbank und da biege ich links in die Nebelhornstraße ein. Immer geradeaus bis die Straße eine Rechtskurve macht, an der Stelle gehe ich nach links über eine Brücke und da stehen dann auch schon die ersten Wanderschilder die auf das Nebelhorn verweisen. Am Faltenbach entlang geht man unter der Tribüne der Skisprungschanze durch und hier beginnt die eigentliche Bergtour. Leider war der Faltenbachtobelweg immer noch gesperrt, also musste ich wohl oder übel die Privatstraße nehmen. 

Der Aufstieg

 Man geht die Straße entlang bis an die Stelle wo der Faltenbachtobelweg auf der rechten Seite wieder kreuzt. Hier steht auch eine Flut an Schildern, wo das Rubihorn das erste mal erwähnt wird. Ich folge dem Schild nach links auf den Schotterweg Richtung Seealpe. Nach 100 Meter kommt ein Schild was geradeaus die Seealpe ankündigt. Leider fehlt hier ein Schild was nach links zeigt Richtung Rubihorn, da dort ein Weg über die Grasweide führt und man sich so den Riesen Bogen zur Seealpe spart. Etwas weiter oben kreuzen sich die Wege wieder. Es geht weiter über Grasweiden bis der Weg in den Wald führt. Nachdem die Sonne schon alles gab und ich durch die Anstrengung schon etwas verschwitzt bin, kommt der noch kühle Wald gerade recht. Doch nicht lange und man kommt auf eine große Lichtung auf der man nun Serpentinen mäßig hoch marschiert. Der Weg wurde wirklich gut angelegt. Die Kurven holen weit aus, so das sich der Anstrengungsgrad zur morgendlichen Stunde noch in Grenzen hält. Man macht trotz allem gut Höhe und der Wald geht über in Latschen und kurz drauf schon Fels. Ein paar Stellen wurden mit Drahtseilen gesichert um sich ganz elegant hinaufzuziehen. Die Sonne feuerte und ich kam nass geschwitzt auf dem Grat zwischen Geißalphorn und Rubihorn raus.

Zum Rubihorn 

 Es ging auf dem Grat entlang nach links Richtung Rubihorn, dabei hatte man rechts das Kar im Auge in dem der untere Geißalpsee liegt und sah die Massen an Menschen die sich scheinbar alle zum Rubihorn quälten. Das Rubihorn ist leider immer sehr überlaufen. In der ferne sah ich auch den Gipfel des Rubihorns, an dem sicher auch schon gut 25 Gipfelstürmer saßen. Ich dachte mir "Gott sei dank sind die anderen Gipfel des heutigen Tages ruhiger". Auf dem felsigen Grat entlang ist es ein auf und ab und hier und da wurden Seilsicherungen angebracht für eine sichere Überquerung (T3). Am Rubihorn kreuzt nun auch der Weg der vom unteren Geißalpsee kommt. Es gleicht einem Pilgerweg auf dem sich eine große Anzahl an Menschen hinauf schleppt. Nun geht es zum Gipfel. Hier kamen mir sicher 20 Leute entgegen und so musste man immer wieder warten. Der Gipfelaufstieg erfordert etwas Drittsicherheit ist aber dank der Sicherungen wirklich kein Thema. Am Gipfel ist zum Glück ausreichend Platz um die ganzen Leute unterzubringen. Hier sieht man schön den Oberen und Unteren Geißalpsee und auch gegenüber den Entchenkopf der mir heute noch bevor stand.

Zum Geißalphorn

 Nach einer kurzen Stärkung machte ich mich direkt wieder auf den Grat von dem ich kam, Richtung Geißalphorn. Am Abzweig nach Oberstdorf könnte man meinen das es hier nicht weiter geht außer eben runter nach Oberstdorf. Richtung Geißalphorn ist nicht angeschrieben? Ein weiteres Schild "Kein Abstieg möglich Lebensgefahr" soll wohl die Sonntagsgänger davon abhalten hier weiterzugehen. In der Karte ist dieser Weg auch nur leicht angedeutet. Es wechselt nun auf T4. Der Weg verläuft auf dem Grat entlang und geht links und rechts weeeiiiit abwärts. Irgend wann steht man vor einem Felsen an dem ein Drahtseil mit zwei Schlaufen herunter hängt. Da es links und rechts nur abwärts geht soll man sich da wohl hochziehen. Meine Vermutung war richtig. Zwei Meter weiter oben sind auch noch ein paar Drahtseile zur Sicherung angebracht. Zwischen durch kommt noch eine Leiter bis man endlich am Gipfel des Geißalphorn ankommt. Wieder nass geschwitzt bei gefühlten 30 Grad stand ich diesmal alleine am Gipfelkreuz. Das Schild "Lebensgefahr" am Abzweig nach Oberstdorf scheint zu wirken. Beim Blick zum Unteren Geißalpsee sah ich wie sich immer noch unzählige Menschen den Berg hoch schleppten. Man könnte meinen es gibt Freibier auf dem Rubihorn, da ich aber schon dort war wusste ich das dem nicht so ist. Kann also nur noch sein, daß das Rubihorn wohl in jedem gängigen Bergführer als Geheimtipp beschrieben wurde. Während ich ein paar Gleitschirmflieger beobachtet und ich mein Schweissspeicher mit frischen Wasser befüllte, machte ich mich langsam wieder auf den Weg.

Zum Geißfuß

 Naja Weg ist gut gesagt, 2 Meter unterm Gipfel führt ein 30cm Schmucklerpfad am Fels entlang auf die andere Seite des Geißalphorns. Dort geht es sehr steil über Fels vom Gipfel runter auf einen weiteren grün bewachsenen Grat zum Geißfuß. Ab hier wieder T3 wenn nicht gar T2. Hier hat man eine herrliche Aussicht auf die verrosteten, aber wichtigen Lawinenverbauungen Richtung Nebelhorn. Nach kurzen Fußmarsch, etwa 20 Minuten, erreicht man schon den Geißfuß. Ein Windrichtungsschlauch dient hier als Kreuz Ersatz. 

Zum Entchenkopf

 Ohne Kontrolle ob am Windrichtungsschlauch ein Gipfelbuch hängt, mache ich direkt weiter zur Geißfußscharte. Hier halte ich mich links Richtung Oberer Geißalpsee. Noch oberhalb des Sees gibt es ein Abzweig halb rechts zum Entchenkopf und Retterschwangertal. Die weiß-blau-weiße Markierung auf dem Hinweisschild zeigt an, daß es hier wieder auf T4 wechselt. Gleich am Anfang kommt eine ehemals gesicherte Stelle. Da die Eisenhaken samt Drahtseil nur so herum lagen, entschied ich mich die Finger vom Seil zu lassen und meine Stöcke zur Sicherung zu nutzen. Ein schmales Gängele führt zum Teil auf und zum Teil am Grat entlang Richtung Entschenkopf. Der Weg zieht sich aber, dafür das der Entchenkkopf so nah aussieht. Es ist ein leichtes auf und ab bis man endlich den Gipfel des Entchenkopfes erreicht. Hier war wieder etwas mehr los, aber bei weitem nicht so wie am Rubihorn. Schweissspeicherbefüllung und eine kurze Stärkung wirkten wahre wunder. Die Sonne trocknete in Rekordzeit mein durchnässtes Hemd.

Abstieg zur Geißalpe

 Frisch gestärkt und getrocknet machte ich mich nun zum Abstieg. Dieser ist in Richtung Schnippenkopf/Sonnenkopf etwas schwieriger. Im steilen, teilweise weglosen Gelände geht es abwärts über Fels und Geröll. Kurze ungesicherte Klettereinlagen machten den Weg aber sehr interessant. Dennoch alles ohne Ausrüstung machbar. Der Fels geht über in einen Latschengrat und führt in einen Wald. Ich halte mich Links Richtung Geißalpe. An der unbewirtschafteten Rubihütte vorbei geht es mal durch ein Stück Wald mal über Grasweiden direkt zur Geißalpe. Es ist zwar sehr voll hier, aber da meine Zunge schon am Gaumen klebte blieb mir nur eine Wahl: "Ich musste hier einkehren!" Bemerkenswert wie so ein kaltes Bier vom Fass die Zunge langsam vom Gaumen löste und die allgemeine Stimmung hebte. An der Geißalpe befindet sich auch ein Brunnen an dem ich meine Wasserflasche noch mal füllen konnte.

Zum Wallraffweg

Erfrischt und zufrieden ging ich die Straße von der Geißalpe hinab bis zur Brücke. Rechts von der Brücke führt der Tobelweg nach Reichenbach. Auch ein guter Ausgangspunkt für die Runde die ich hier gemacht habe. Da ich aber mit dem Zug gekommen bin musste ich zurück nach Oberstdorf. Also geht es über die Brücke weiter auf der Straße, bis nach einer Linkskurve eine kleine Kapelle steht. Hier startet der Wallraffweg nach Oberstdorf. Der Weg führt direkt zurück nach Oberstdorf. Ein breit angelegter Schotterweg an dem jede paar Hundert Meter eine Bank zum verweilen einlädt. Am Ende dieser tollen Runde wirklich schön um noch locker aus zu laufen. Kurz bevor man auf die Straße zur Skisprungschanze kommt lockt ein weiteres schön gelegenes Cafe (Cafe Breitenberg) die Berggänger und Wanderer vom Weg ab. Durch mein Zungen-Gaumen-Dielämmer konnte ich auch hier nicht wiederstehen noch ein frisches kaltes Bier zu tanken.

Zurück zum Bahnhof

Der Rest des Weges führt wieder auf die Straße auf der ich am Morgen gekommen bin, unter der Schanzentribüne durch geht es nach Oberstdorf runter. Dort konnte ich mich nicht zurückhalten, an einer geeigneten Stelle (kurz nach dem Spielplatz), meine verschwitzten misshandelten Füße ins kalte Wasser des Faltenbaches zu hängen.

Schlußwort

Alles in allem wieder eine gelungene Tour bei bestem Wetter, die wirklich zu empfehlen ist. Ich war insgesamt 10 Stunden unterwegs. Aber davon gehen 2,5 Stunden auf Pause und einkehren. Also reine Gehzeit 7,5 Stunden. Bei guter körperlicher Verfassung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit ist die Tour für jeden gut zu machen. 


Tourengänger: xing0r


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