Lenzspitze (4294m) Nordwand und Nadelhorn (4327m)


Publiziert von Alpin_Rise Pro , 8. Juli 2007 um 14:03.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Mittelwallis
Tour Datum: 7 Juli 2007
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: S
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Klettersteig Schwierigkeit: L
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 10:30
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 2800 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Saas Fee Gondelbahn Hannig spart 500 hm und eine knappe Stunde Aufstieg. Halbtax 9 Fr.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Saas Fee Achtung: Mühsames und umständliches Reservationssystem für die Postautos in Tal. Tel: 027 958 11 45
Unterkunftmöglichkeiten:Mischabelhütte
Kartennummer:1:25'000 Randa

Lenzspitze und Nadelhorn sind zwei bekannte Viertausender zwischen dem Matter- und Saastal. Die Lenzspitze bildet den Angelpunkt zwischen der Mistgabel-Gruppe und dem Nadelgrat. Sie besticht vor allem durch ihre ebenmässige, firnglänzende NO-Wand und ist auf allen Routen eine anspruchsvolle Hochtour. Im Gegensatz dazu ist das Nadelhorn auf dem Normalweg (SE-Grat) in der Regel problemlos erreichbar und dementsprechend populär.
Die kombinierte Runde über beide Gipfel bietet alles, was eine Hochtour ausmacht: steile Firnwände, ausgesetze Grate mit Felskletterei, Gletscherhatsch - und eine straff geführte Hochgebirgsunterkunft.
Bei Traumwetter und guten Verhältnissen wie angetroffen ist die Tour ein ausserordentlicher Genuss - auch wenn man in dieser Gegend selten alleine unterwegs ist.



Klassische, grandiose Hochtour in beeindruckender Hochgebirgsatmosphäre

Zur Abwechslung mal einen Hochtouren-Bericht: Unsere Route führt uns durch eine der grossen, klassischen Eiswände der Walliser Alpen auf die Lenzspitze und weiter über den Verbindungsgrat zum Nadelhorn. Abstieg über den Normalweg und mit kurzem Abstecher zum Ulrichshorn zurück zur Mischabelhütte.

Zufälle gibts: Auf der Anreise mit dem Zug steigt in Bern hikr-Prominenz zu. Sputnik geht ans Rimpfischhorn - in Brig trennen sich unsere Wege.

Von Hannig in gemütlichen zweieinhalb Stunden zur Mischabelhütte (3330m). Der Hüttenweg windet sich aussichtsreich entlang der Rippe, die sich vom Schwarzhorn nach Saas Fee hinabzieht. Im oberen Teil ist er mit einer Leiter, vielen Eisenbügeln und Drahtseilen gesichert; die Bezeichnung als "Klettersteig" hat wohl eher Marketing-technische Gründe. (T4 bzw. KS L?)

Start um 3:30 in der grossen, zum Glück mässig belegten Mischabelhütte. An der Felsrippe in leichter Kraxelei am Schwarzhorn vorbei über den Hohberggletscher an den Wandfuss. Einstieg in die Wand (durchschnittlich 50°, Stellen bis 55°) um 4:50. Bei fantastischen Bedingungen in gut  anderthalb Stunden auf den Gipfel. Beim Bergschrund und kurz vor dem Gipfel der Lenzspitze etwas tiefer, pulvriger Trittschnee (danke fürs Spuren!), im Mittelteil perfekt. So sind weder Eisgeräte noch Eisschrauben nötig. Die Bewertung im Führer mit S ist bei diesen Verhältnissen kaum zutreffend, mit der heutigen Eisausrüstung ist bequemes hochstampfen möglich. Jedoch ist die Wand im Juli oder später im Jahr selten in diesem Zustand - bei Blankeis wird die Sache schnell um einiges haariger und zeitraubend. Auf dem Gipfel empfängt uns ein eisiger Westwind, der uns auf dem Verbindungsgrat zum Nadelhorn begleitet.
Über den verschneiten, ausgesetzten N-Grat mit einigem auf und ab ins Nadeljoch. Über Gendarmen (5 an der Zahl) in festem Gneis  zum Nadelhorn. Die Türme haben gut gestufte Südseiten und fallen gegen Norden plattig ab. Sicherungsstangen auf den Türmen erleichtern die Abstiege nach N. Wir benötigten, mit Spuren und  ohne nennenswerte Pausen knapp 4h von der Lenzspitze bis zum Nadelhorn - die schöne Kraxelei auf über 4200m ist anstrengend, wird aber mit einer grandiosen Aussicht belohnt . Die Bewertung mit ZS, III+ ist zutreffend, nur kann die Zeitangabe von 2h  wohl nur bei perfekten Verhältnissen, guter Akklimatisation und Umgehung einiger Türme eingehalten werden.
Problemloser Abstieg vom Nadelhorn über NO-Grat in gut ausgetretener Spur. Im Windjoch, das seinem Namen alle Ehre macht, kurzer Abstecher aufs Ulrichshorn. Der  Hohbalmgletscher ist noch gut eingeschneit und entsprechend aufgeweicht. Bevor wir absteigen (be)suchen wir noch das Schwarzhorn, das auf der LK kotiert ist, aber keinen wirklichen Gipfel darstellt.

Abstieg nach Saas Fee am frühen Nachmittag mit Abstecher zum Oberen Distelhorn. Normalerweise sind Hüttenabstiege ziemlich langweilig und mühsam. Doch die bunte Prozession, die einem am Samstag Nachmittag entgegenkriecht, ist durchaus amüsant - die Mischabelhütte hat Vollbelegung gemeldet. Wieder einmal lohnt es sich, antizyklisch unterwegs zu sein ;-)



Tourengänger: Alpin_Rise, petitNic

Galerie


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Kommentare (6)


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Sputnik Pro hat gesagt: Gratuliere euch !
Gesendet am 8. Juli 2007 um 14:38
Hätte ich mich doch auch für die Lenzspitze entschieden! Bei mir lief es wenigier toll (siehe Bericht). Freue mich schon auf die Fotos!

Viele Grüsse Andi

Delta Pro hat gesagt: Bravo!
Gesendet am 9. Juli 2007 um 07:19
Wohl definitiv eine der grössten Hochtouren, die auf hikr.org eingetragen ist.
Herzliche Gratulation!

joschi77 hat gesagt: Oh mann...
Gesendet am 10. Juli 2007 um 20:19
...ich bin grün vor Neid.

Alpin_Rise Pro hat gesagt: Auf Hochtouren gelaufen
Gesendet am 10. Juli 2007 um 20:32
Danke Hikr's für die Comments!

Seit langer Zeit wieder mal auf einer "richtigen" Hochtour. Ist erstaunlich flott gelaufen - Voralpengrate sind gar kein so schlechtes Training !
Sone Tour dürfte ruhig öfters vorkommen, bin ja jetzt auf den Geschmack gekommen.

Rosegg-NO wäre mal schön, wenn möglich mit Scerscen. Vielleicht halten die guten Verhältnisse ja noch?

Wünsch euch allen erfolgreiche Sommersaison und freu mich auf spannende Berichte!

anles hat gesagt: Grandios
Gesendet am 14. Dezember 2008 um 21:06
Auch wenn die Tour schon eine Weile her ist: Ich bin sehr beeindruckt von der Tour und den Fotos. Das ist einfach grandios. Herzliche Gratulation!

Hochtourer hat gesagt: Kann nur zustimmen
Gesendet am 27. Juli 2009 um 19:24
Merci für den schönen Bericht. Tour Lenzspitze - Nadelhorn haben wir gestern auch gemacht und Beschreibung trifft zu.

Stephan


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