Toggenburg: 5 Gedeckte Holzbrücken zwischen Stein und Ebnat-Kappel


Publiziert von Seeger Pro , 2. Dezember 2010 um 21:06.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:30 November 2010
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SG 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 624 m
Abstieg: 832 m
Strecke:18.9km: Stein SG 838m – Wyssthurbrücke 830m – Schwand 831m – Laaderbrücke 761m – Nesslau 757m – Inselibrücke Neu St. Johann 740m – Krummenau 717m – Mülibrüggli Schluecht 752m – Wintersberg – Hexenbrüggli 980m – Bendel 1001m – Schuflen – Horben 732m – Brandholzbrücke 657m – Ebnat-Kappel 630m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Ö.V: SOB nach Nesslau – Postauto nach Stein SG Auto: Wattwil – Stein SG, Parkplätze bei dem Gemeindehaus
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Rückfahrt: Ö.V.: SOB ab Ebnat-Kappel Auto: Rückfahrt nach Stein von Nesslau im Stundentakt ..39
Unterkunftmöglichkeiten:Einkehr: Hotel Adler in Krummenau ist sehr Wanderer freundlich. Nette Wirtsleute. Mo und Do Nachmittag geschlossen. Einkaufsladen im Parterre. 071 994 10 30
Kartennummer:swissmap

Ich suchte Gedeckte Brücken und fand ein Paradies: Der Thurweg von Stein nach Ebnat-Kappel ist wohl der interessanteste Abschnitt der ganzen Strecke von Wildhaus nach Lütisburg (www.toggenburg.org).
In Stein SG 838m parke ich mein Auto beim Gemeindehaus und folge auf dem orographisch linken Uferweg der Thur, nachdem ich die Brücke gleich neben der Kirche überschritten habe. Schmuckes Dorf, dieses Stein, mit Konditorei und Wirtshaus. Putzsaubere Anlagen mit vielen Einfamilienhäusern. Einziges Manko wird die vor allem am Wochenende viel befahrene Hauptstrasse sein. Dies stört mich absolut nicht, bin ich doch total im Grünen. Das heisst: Grün wäre schön – aber 30cm Neuschnee ist noch viel schöner! Der Thurweg ist sehr viel begangen und der Trail bestens getrampelt. Hunde machen hier Gassi und der Robydog ist omnipräsent.
Schon nach 800m erscheint sie: Die schnügelige, nur zwölf Meter lange, etwa 300 Jahre alte Gedeckte Brücke über die Wyssthur, Wyssthurbrücke 830m, mit hübschem Schneehäubchen dekoriert. Frisch renoviert. Eigenartige, fast unbeholfene Trägerkonstruktion macht sie irgendwie sympathisch. Ich habe mich spontan in sie verliebt.
Nach diesem ersten Highlight weiter über die Schwemmebene auf dem linken Ufer zum spektakulären Einschnitt der Thur, dem Oberen Giessenfall. Der Weg ist am linken Rand im Wald geschickt eingefügt. In der Tiefe das Brausen. Etwas unheimlich. Doch bald öffnet sich eine Hügellandschaft mit alten Häusern in typischem Toggenburger-Stil: Das Spezielle sind die geschindelten Klebdächern, welche in der Südfassade die Schieb-Fensterchen schützen. In Schwand 831m befindet sich linker Hand eine Selbstbedienungs-Vitrine mit anmächeligen Selbstverfertigtem. Jetzt müsste ich im Tiefschnee steil zur Thur hinunter. Mit dem Risiko, eine gedeckte Brücke zu verpassen (Welch Schande!) verzichte ich darauf. Die gepfadete Strasse ist zu verlockend. Auf dieser zuerst etwas ansteigend, nachher abfallend von einer wunderschönen Aussicht auf Nesslau/Neu St. Johann begleitet.
Nach einer kleinen Abkürzung erreiche ich an Holzverarbeitungshallen vorbei dieLaaderbrücke 761m, moderne, ungedeckte, etwa 30m lange Holzbrücke, erstellt 1996. Holzhetzer-Konstruktion. Einmaliges Design mit horizontaler Geländerschalung. Befahrbar ohne Gewichtsbeschränkung! Holz hat im Toggenburg einen hohen Stellenwert. Somit auch die äusserst hochstehende Zimmermannskunst. Ich bin beeindruckt.
Auf dieser Brücke überquere ich die Thur und spaziere an heimkehrenden Schülern vorbei nach Nesslau 757m. Nach einigen Metern auf der Hauptstrasse nach links gut bezeichnet zur Thur hinunter. Nach der Brücke folgt der Thurweg dem linken Ufer, Neu St. Johann links herum umgehend.
Nach Wald- und lieblichen Wiesenabschnitten erscheint zur Rechten die Gedeckte Inselibrücke Neu St. Johann 740m. Erbaut 1992. Privat. Zugang zur Kapelle und (wahrscheinlich) Andachtswiese. Picknicks Platz mit öffentlichen Toiletten. Weiter flussabwärts vorerst noch im Wald, später über eine Ebene zur Brücke der Verbindungsstrasse Neu St. Johann – Oberfeld – Krümmenschwil. Nach der Brücke gleich nach rechts unter der Eisenbahnbrücke hindurch. Zwischen Eisenbahn und der Thur schlängelt sich der Weg rund 1,5km in Auf und Ab.
Die Eisenbahn überwindet den Thurgraben elegant mittels einer riesigen Brücke nach Krummenau. Ich habe es nicht so feudal und steige zur Thurbrücke steil hinab. Die einstige Gedeckte Holzbrücke soll in den 1930igern nicht nur abgebrochen, sondern gesprengt worden sein. Armes Ding! Nun steht eine riesige Eisenkonstruktion auf 3 massigen Pfeilern. Für den Verkehr gesperrt. Drei Wirtschaften sind in Krummenau 717m. Schnurstraks steige ich zum altehrwürdigen „Adler“ hinauf und werde herzlichst willkommen geheissen. Nach einem Kaffee mit Kuchen besorge ich im Laden noch schnell meine Suchtstängel und weiter geht’s.
Ich könnte jetzt gemütlich über die Brandholzbrücke gegen Ebnat-Kappel ziehen. Aber nein: Das Brücklein unterhalb Bendel lockt mich dort hinauf. Immerhin gute 300 Höhenmeter. Was man für eine Gedeckte Brücke nicht alles in Kauf nimmt! So zottle ich auf dem Wanderweg nach Schluecht hinauf und Ei, Ei, Ei….eine neue kleine Gedeckte Holzbrücke. Mülibrüggli Schluecht 752m .Ausser der gekonnten Ständerkonstruktion eine Holztafel, worauf der Zimmermann seinen Lehrling im 3. Lehrjahr namentlich erwähnt. Lob für den Chef – Stolz für den jungen Fachmann!
Diese Überraschung bringt mich auf den Gedanken, die mittlere Brücke bei Wintersberg über den Lütisbach könnte auch eine neue gedeckte sein. Doch dem ist (noch) nicht so. Ich steige querfeldein zum Hexenbrüggli 980m. Wieder ein Gesellenstück von Werner Brunner mit seinen Lehrlingen. Interessant ist die gegen oben konisch erweiterte Seitenkonstruktion. Das macht sie breiter und edler. Die Tafel lässt den Stolz seiner Erbauer spüren. Meister und Lehrling. Ich bin gerührt.
Und wenn ich Mal da oben bin, besuche ich den Bendel 1001m, welcher für Schneeschuhtouren von Hemberg her ins Toggenburg bekannt ist. Nach 300m muss ich konstatieren, dass die Wirtschaft am Dienstag ihren verdienten Ruhetag geniesst. Kein Problem. Dann halt weiter auf dem Wanderweg über Schuflen – Horben 732m zur Brandholzbrücke hinunter. Schneller gesagt als getan. Keine Spuren. Die Stöcke kommen zum Einsatz. Beim Eindunkeln erreiche ich die Gedeckte Brandholzbrücke 657m. Baujahr 2000. Spannweite stolze 37m, Fachwerkbau auf den zwei seitlichen, doppeltem Polygonstab aufliegend. Dieselbigen ruhen auf massiven Fundamenten. Nicht vollverschalt. Dadurch kommt die wunderschöne Brückenarchitektur zur Geltung. Unter der Brücke scheint ein beliebter Badeplatz zu sein. Picknick-Platz mit Feuerstelle.
Aus meinem Brückentraum wache ich etwas unsanft auf: Der Wegweiser gibt 40 Min. zum Bahnhof Ebnat-Kappel an. Ich habe noch 39 Minuten zur Verfügung. Die Situation kommt mir irgendwie bekannt vor!?!?.... Doch ich schaffe es und erreiche rechtzeitig den Zug.
Viele Schüler sind auf dem Heimweg. Ist vielleicht auch ein junger Brückenbauer dabei? 
 


Tourengänger: Seeger

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (6)


Kommentar hinzufügen

Henrik hat gesagt: Schnügelige 39 Minuten
Gesendet am 2. Dezember 2010 um 22:16
und

> putzsauber und omnipräsente Suchtstängel

Herligge Zyyle und gueti Helgge

Danke und LG

silberquäki

Seeger Pro hat gesagt: RE:Schnügelige 39 Minuten
Gesendet am 3. Dezember 2010 um 00:05
Ciao Henrik
Lieben Dank für das Echo.
Cari saluti
Andreas
P.S.: Du warst der Erste, welcher die Bahn prämierte :-))

UpTheHill hat gesagt: Grazie Andreas
Gesendet am 3. Dezember 2010 um 08:24
Bella anche questa serie, e che splendidi paesaggi: vi invidio, in Ticino non abbiamo niente che gli somigli :-(

Attendo la prossima passeggiata!!!

Seeger Pro hat gesagt: RE:Grazie Andreas
Gesendet am 3. Dezember 2010 um 09:50
Ciao Nino
Vedi, alcuna reggione ha la sua bellezza: Imaggini, che inizio cogli ponti in pietro! La mia vittà non basterebbe.
Grazie per i complimenti.
Cari saluti
Andreas

Felix Pro hat gesagt: da hast du ja wieder aus dem Vollen geschöpft ...
Gesendet am 6. Dezember 2010 um 18:50
und bei mir einige heimatliche, vertraute Erinnerungen geweckt, Andreas:
Eine gewisse Zeit lebte ich im Bendel, unterhalb der Wirtschaft, und arbeitete im Johanneum - von da her kenne ich doch einige deiner Prunkbauten und die Gegend ... Mir scheint, es seien ein paar neue entstanden ...
Auf jeden Fall: prächtig hast du sie wieder geschildert und beschrieben, deine Touren und Erlebnisse - Bravo!

lg Felix

Seeger Pro hat gesagt: RE:da hast du ja wieder aus dem Vollen geschöpft ...
Gesendet am 8. Dezember 2010 um 18:07
Danke Felix für die Komplimente.
Was für einen Zufall!
Aufgefallen ist mir, dass das untere Toggenburg sozusagen Neuland ist für die HIKR.
Ob sich dies wohl (noch) ändern wird?
Liebe Grüsse
Andreas


Kommentar hinzufügen»