Skyrace umgekehrt


Publiziert von MasterFu , 17. September 2010 um 10:22.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum:15 September 2010
Wandern Schwierigkeit: T4- - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Poncione Rosso   CH-TI 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1860 m
Abstieg: 2190 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Postauto bis Lavertezzo
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Postauto in Lodrino

Im Juni findet alljährlich das Skyrace-Rennen von Lodrino nach Lavertezzo statt, 2190 m im Val Lodrino hoch und 1860 m im Val Pincascia runter. Weltrekord ist 2h49. Für mich, der ich vor allem wandern gehe, um Pause zu machen, ist das Rennen nicht interessant, die Strecke aber schon. 
 
Aus Postautofrequenzgründen gehe ich in entgegengesetzter Richtung und beginne am Ziel des Rennens in Lavertezzo. 8:15 Uhr: Start in die Welt der drei Täler (Agro, Pincascia und Carecchio) östlich von Lavertezzo, ruhige Wälder, rauschende Bäche, Felswände, bis halb elf keine Sonne, so tief ist das Val Pincascia eingeschnitten. Hinten im Talkessel komme ich auf 1600m aus dem Wald heraus in die Alpe Fümegna. Zwei Männer sind am Packen. Die Alpsaison ist vorbei, das Vieh schon im Tal. Eine Stunde später. von 400 Metern weiter oben schaue ich zu, wie der Helikopter kommt und die beiden samt Bagasch mitnimmt.
 
Bei der Capanna Alpe Fümegna wechseln die Markierungen von rot-weiss auf blau-weiss, denn nun folgt ein Stück auf der Via-Alta-Verzasca. Bis hinauf zum Pass ist aber alles noch ein leichtes T3. Zuerst folge ich der Richtung zur Cap. Borgna, dann an der Abzweigung geht's in Richtung Poncione Rosso.
 
Um 13 Uhr mache ich meine dritte Pause im spektakulären Ambiente der Forcarella di Lodrino. Auf der Krete führt der blau-weiss markierte Weg weiter zum Poncione Rosso, nicht unproblematisch wie der Bericht von Floriano (italienisch) zeigt. Mein Weg führt aber hinunter ins Val Lodrino, ein "extrem remotes" Gebiet laut der Diplomarbeit von Boller. Hier erwarten mich einige Überraschungen.
 
Erstens einmal habe ich erwartet, dass die Rennstrecke auf einem gut markierten, deutlich sichtbaren Weg verläuft. Dem ist aber nicht so. Der Abstieg verläuft über steile Hänge mit hohem Gras zwischen Felsrippen. Markiert ist er fürs Rennen mit Schweizerfahnen in grösseren Abständen. Nicht wirklich schwierig, aber Aufmerksamkeit ist nötig, damit der Grashang nicht unversehens zur unfreiwilligen Rutschbahn wird.
 
Auf der Suche nach dem Weg eine grosse Überraschung: herrliche Edelweiss (siehe Foto). Vor der Alpe Neghèisc sitzen drei Jäger, die Augen an die Ferngläser geklebt. Man habe mich gar nicht gesehen, meint der eine ironisch, auf mein leuchtend weisses Hemd anspielend. Sicher haben sie mich schon seit einer Stunde bei meinem ungelenken Abstieg beobachtet. Auch im remotesten Gebiet ist man nicht vor Beobachtung sicher. Ab Alpe Neghèisc ist der Weg tiptop T2.
 
Auf Alpe Stüell mache ich mal wieder Pause und blättere im Gästebuch. Aus dem Hikr bekannte Namen. Jemand ist auf dem nächsten Webabschnitt einem Steinbock begegnet. Ob ich den auch sehen werde?
 
Das nicht, aber es kommt mir ein Wanderer entgegen, der erste und einzige heute. Man grüsst sich und wechselt gleich auf deutsch. Er sei erst vor ein paar Tagen in Stüell gewesen und habe da etwas liegen lassen. Mir kommt ein Verdacht: "Du bist doch der Seeger?"  - Er ist's und kann's kaum fassen, so berühmt zu sein. Ja, ich habe seinen neusten Tourenbericht gelesen und den Namen im Hüttenbuch gesehen....  In einer Viertelstunde lerne ich unheimlich viel Interessantes und Nützliches von diesem begeisterten Tessinexperten. Eine viel memorablere Begegnung, als es ein Steinbock gewesen wäre!
 
Der weitere Abstieg über Capanna Alva und Lègri zieht sich in die Länge. Um 18:22 kommt in Lodrino das Postauto. Welch herrlicher Tag - und so viele Pausen!


Tourengänger: MasterFu

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Kommentare (1)


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Seeger Pro hat gesagt: Steinbock
Gesendet am 17. September 2010 um 22:33
Ciao Masterfu
Das Treffen unter der Felswand war wirklich einzigartig. Dass Du aber die gleichen Edelweisse fotografiert hast, scheint mehr wie nur ein Zufall zu sein. Typisches HIKR-Auge.
Steinbock hin oder her!
Cari saluti
Andreas


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