PantozolControl..............one pill a day!


Publiziert von Henrik , 12. September 2010 um 20:02.

Region: Welt » Schweiz » Zürich
Tour Datum:10 September 2010
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-ZH 
Zeitbedarf: 4:30
Aufstieg: 240 m
Abstieg: 270 m
Strecke:Elgg - Guhwilermühle - Schlatt - Bäntaltobel - Kollbrunn
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV
Zufahrt zum Ankunftspunkt:ÖV
Unterkunftmöglichkeiten:...wie immer zuhause (und alleine)
Kartennummer:map.wanderland


..... oder wer hier seine Wanderung beginnt, hat keine Meise!


 ...zur Zeit arbeite ich so, dass ich mit Edith jeden Freitag zu einem neuen Highlight des ZU oder ZO aufbrechen kann ... nicht etwa ein Basler Bebbi auf Abwegen, nein, gezieltes Kennenlernen, und das muss hier erwähnt werden ... ich zeige ihr ihre Umgebung, in der sie zuhause ist! Dessen ist Edith sich durchaus bewusst – einfach mitgehen und wieder gut nach Hause kommen, den Rest erledige ich gerne, mit viel Enthusiasmus, Wissen und Organisation.
 

Um meine Zeitungsstapel zu bearbeiten, ggf. Ausschnitte herauszutrennen und einfach entspannen, nehme ich den zeitigen Zug, sehr zeitig, mit Absicht: wieder bin ich am Freitagmorgen, wie zur Arbeit, um 04.55 aufgestanden. Kleine Toilette, Wanderschuhe an die Füsse, vorgepackten Rucksack in der einen Hand, vier Kilogramm Zeitungen in der COOP-Tasche in der andern Hand, draussen auf der Strasse aufs Taxi gewartet und flugs am Bahnhof SBB Eingang Süd (wie zur Arbeit) – sozusagen Alltag.
 

Dann wie üblich Platz im Pano-Waggon genommen – der Zug rollt aus dem Bahnhof – es ist nicht mehr so hell draussen, die kleine Skyline der Merian-Glasbauten wirkt noch gespenstischer als sonst: es IST Spätsommer. Liestal rauscht vorbei, der Tunnel nimmt den Zug wie schützend auf – Olten, ich bin so vertieft in die Lektüre, dass erst die Sonnenstrahlen über dem Sempachersee mein Interesse für einen Blick nach draussen wecken. Ich stehe auf und verfolge aus dem grossen Pano-Fenster die vorbeiziehende Landschaft ... und freue mich auf meine geplante Norwegen-Fahrt vom kommenden November/Dezember (nicht 9 ½ Wochen, aber 7), die mich wahrscheinlich durch mehr Weite führen wird als dass, was das Mittelland mir gerade zeigt – doch der noch anzubrechende Tag, diese Dazwischen-Zeit, bevor die Wuselei und Eiligkeit beginnt fast alles in Beschlag zu nehmen, dieses Halbdunkel und Monochrome – ich mag es sehr, das ist ein Teil meiner Zeit. Im Pano-Waggon ist lediglich das Atmen der Mitreisenden ganz leise zu hören: keine Handys, keine Klickgeräusche etwelcher Tastaturen, keine Debatten ... nur noch das Zeitungsrascheln und die Deckenlüftung.
 

Roger Federer trinkt Kaffee ... im Europabreitformat (JURA-Reklame), ein Fitnessstudio verheisst Kraft für jeden Tag und Pantozol tritt den Kampf an gegen die Magensäure (penetrant schweizweit). Nimmt man von Luzern die ersten drei Buchstaben weg und stellt ein B davor ... Wortspielerei während 15 Minuten, am Gleis 7.
 

Rotkreuz, Immensee ... der Zugersee feinkräuselnd, darauf ein paar kleine Motorboote, bei einem ist eine Angel an der Reling erkennbar, kurz vor acht Arth-Goldau. Der ICN steht schon auf Gleis 4, was unüblich pünktlich ist! Nur, auf den muss ich ja gar nicht – Berufsleute und Schüler stehen an Gleis 2, die S-Bahn der SOB hat Verspätung.
 

An der Station „Dritte Altmatt“ steigt der Rufer der SOB Biberbrugg ein, offenkundig noch den Schlaf aus den Augen vertreibend, ich grüsse ihn, er murrt zurück. Presslufthämmer und Betonmaschinen wie Lastzüge beweisen Bautätigkeit ... in einem Parcours werden die Fahrgäste auf die aktuellen Geleise gelotst.
 

Der Zürichsee liegt unter einer Nebelglocke, die Risse bekommen hat.


In Bülach treffen wir uns - beide entstiegen wir der S 5, die weiter nach Rafz fährt. Wir nehmen nicht zum ersten Mal den THURBO nach Winti, s’Edith eilt dort noch schnell zum Fielmann, ich habe beim COOP im UG den Sprüngli entdeckt, wo ich das obligate Brioche mit Truffes als Unterwegs-Bhaltis entdecke. Der 680er bringt uns wieder wie letztes Jahr (im Oktober) durch die Vororte von Winti Richtung Elgg: vorbei an Tolhausen und Waltenstein, via Sennhof (ob Elgg) und dann die Untergasse. Um uns Riegelbauten, Stille, entrückter Tag, keine Menschen und keine fahrenden Fahrzeuge. In dr Metzg kaufe ich mir noch zwei gluschtige Landjäger, wir besuchen die ref. Kirche, wo Grundmauern aus dem 1./2. Jhd. gefunden wurden, römische. Die mächtige Linde, der Waagenplatz mit-em Waagehysli lassen uns fast glauben, wir seien im MA. Das Gemeindehaus strahlt wie unlängst renoviert. Wir finden nicht gleich den Einstieg (auch das kann mir passieren), doch den Farenbach entdeckt, wissen wir: da geht es lang: Farenbachtobel – 45 Minuten bis zur Mühle.
 
Der erste Weiher mit seinen schon herbstlichen Blätterschiffchen und dem aufgeschreckten Fischreiher muten uns verwunschen an – ein Naturschutzgebiet. Der Weg ist einhundertjährig (so ein Gedenkstein zu Beginn des Tobels), umgestürzte Bäume dürfen so liegen wie sie wohl gefallen, Brücken und Stege wie Wasser, dass über eine Fallstufe hinabfliesst – kurz eine weitere Idylle auf ZH-Kantonsgebiet. Wahrscheinlich sind wir einiges schneller gewandert als angegeben, denn Edith ruft stauend aus ... was wir sind schon da!

Ja, denn das ist ein Must: Essen in der Guhwilermühle. Die BILANZ hatte 2005 darüber berichtet. Wir hadern, ob wir trotz der Sonne uns drinnen setzen wollen oder ... der runde, nicht als Stammtisch ausgewiesene überzeugt, halb im Schatten. Edith entscheidet sich für die Röschti (ein Franken Zuschlag da als Beilage) und ich fürs Guhwilermühli-Plättli. Ein Schmaus! Dazu einen Riesling aus dem Aargau (...) und obligat Hahnenburger. Den Espresso lassen wir aber sausen, denn wenn schon in Winti ... davon aber ganz zum Schluss, gäll ossi!


Statt jetzt noch grosse Anstiege in Angriff zu nehmen, das war meine Planung und auch ein kleines Versprechen an Edith, lediglich 150 Meter noch nach oben sich  bemühen, wanderten wir auf den nächsten Höger bei Schümberg. Von dort folgten wir der Strasse bis Pt. 705, verliessen ausserhalb Ober Schlatt’s den Hartbelag, nahmen kurze Zeit später den „Weg“ via Wiese (gemäht) und wanderten entlang eines Maisfeldes. Leicht erhöht über der Verbindungsstrasse zwischen den beiden Schlatt’s die Anhöhe bei Widen mit seinem Schützenhaus. Hier stach uns dann doch die spätsommerliche Sonne ins Genick, erstaunlicherweise. In Unter Schlatt wurde rasengemäht, laut und benzinluftgetränkt – auf Bürstenschnittlänge!
 
Durch Unterschlatt kamen wir schon letztes Jahr, am Milchhysli verhiess ein handgeschriebenes Plakat das Ende der Badesaison in der ortseigenen Badi zum Plauschnachmittag Ende Monat. Die Beschilderung ist ausreichend und genau, und so fanden wir den Einstieg in den Rörlitobel. Wir begegneten hier nur einer einzigen Wanderin und drei Bikern – das wieder an einem Freitag. Wie schon im Farenbachtobel scheint hier die Natur sich weitestgehend selbst überlassen, aber unverkennbar gut gepflegte Waldwege und Stege/Eisenleiter. Wir kommen an Nagelflühen vorbei, wissen, dass Millionen von Jahren zurück hier ein europäisches Meer geflutet hat (Tafeln am Wegesrand erhellen dies) und die doch teils üppige Natur stimmt uns zufrieden, dass man hin und wieder diese so lässt, gezieltes Weniger ist wohl immer besser als das Zuviel!

Als sich der Wald zu einer Lichtung öffnet, gerade wird hier noch gemäht, gelangen wir nach Kollbrunn. Hartbelag erneut (!), der Bahnhof lädt nicht zum Verweilen ein, ganz im Gegenteil dazu sozusagen zum „After-Hiken“ setzen wir uns ins Restaurant National am Bahnhof Winterthur auf die Terrasse – und werden vom Servicepersonal sogleich wieder erkannt .... „dr chömed us em Tösstal“, die Frage. Ja, antworten wir beide – sieht man das, nein, aber davon war schon letzten Freitag an ihrem Tisch die Rede ...
 
So bleibt man als Bebbi mit Edith sogar in Winti im Gespräch ...

 



 

Tourengänger: Henrik

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Kommentare (3)


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Felix Pro hat gesagt: die Henrik'schen "Klein"-Wanderungen ...
Gesendet am 14. September 2010 um 00:14
mit vielen Infos und persönlichen Anmerkungen schätze ich doch sehr - Dankschön!

lg Felix

ossi hat gesagt: Wunderbar!
Gesendet am 17. September 2010 um 19:09
Krieg ich ein Autogramm von Dir, wenn ich Dich mal im National, im Sprüngli oder gleich nebenan im Spettaccolo treffe? Das Rörlitobel ist ein wahrer Augenschmaus, ein gutes Gespür für die richtige Routenwahl; gratuliere.

Wortspielereien: Ich vertreib mir die Zeit damit, bei Wörtern möglichst schnell die Buchstaben zu zählen (natürlich alles virtuell) und dazu die Wörter umzudrehn, also von rechts nach links zu lesen (auch das virtuell).....kann ich Dir wärmstens empfehlen.

bulbiferum Pro hat gesagt:
Gesendet am 17. September 2010 um 21:57
Wunderbarer Bericht

Liebe Grüssse, Markus


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