Im und ums Valle di Sementina


Publiziert von Zaza , 31. August 2010 um 22:41.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum:31 August 2010
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Cima dell'Uomo 
Zeitbedarf: 7:15
Aufstieg: 2700 m
Abstieg: 1600 m
Kartennummer:1313

Am letzten Morgen des Sommers 2010 sahen die Berggipfel von Airolo bis Faido überraschend weiss aus - der heftige Nordföhn hatte die nächtlichen Niederschläge über den Alpenhauptkamm getragen. Zum Glück hatte ich den Braten gerochen und eine Tour im mittleren Tessin geplant, und dort war von der weissen Sürprise weit und breit nichts zu sehen. Dafür war der Nordwind zeitweise recht heftig, aber doch nicht so arg, dass die Seilbahn Mornera den Betrieb hätte einstellen müssen (uff!).

Geplant hatte ich 5 Ziele auf einmal: Ein Besuch im wilden Valle di Sementina, eine Begehung des mystischen Sentiero dei Frati und die Gipfel Cima di Morisciolo, Madonetto und Cima d'Erbea. Ein allzu kühner Plan! Denn den abseits gelegenen Madonetto liess ich letztlich aus - die Wegverhältnisse im Valle di Sementina sind nicht geeignet für einen hurtigen Aufstieg.

Man startet in Monte Carasso (Haltestelle Posta) und folgt zunächst dem Wanderweg Richtung Pientina-Mornera. Man verlässt ihn knapp oberhalb der schönen Kirche San Bernardo (Abzweigung nicht sehr gut zu erkennen) und geht auf einem gepflegten Pfad bis Monti Sella (Ferienhäuschen). Hier ändern sich die Wegverhältnisse schlagartig und man folgt einer Spur, die sich zuletzt zum Talbach absenkt. Nun folgt man einige Zeit dem Bachbett, bis man das Seitental Val di Galarescio (Bach) gequert hat. Sofort danach beginnt man auf dem Rücken Richtung Alpe Galarescio anzusteigen. Der alte Weg ist hier kaum mehr zu erkennen, stellenweise müht man sich durch brusthohen Farn. Oberhalb Galarescio tritt man in den Wald ein und die Begehung wird weniger mühsam (aber sehr steil). Erstaunlicherweise wird der Pfad weiter oben wieder besser erkennbar und führt zur Alpe Morisciolo. Hier waren heute zwei nette Jäger daran, sich einzurichten, da ja ab morgen die Jagd beginnt. Für einmal wurde nicht Caffè Grappa oder Bier, sondern Tee offeriert. Auf der Alpe Morisciolo gibt's auch Wasser; vor der anstehenden Gratwanderung lohnt es sich, die Flaschen aufzufüllen.

Nun folgt man dem Grat Richtung Cima di Morisciolo, zunächst entlang der blau-weiss markierten Route (Verbindung Mognone - Albagno). Nachdem man sie verlassen hat, erreicht man ohne besondere Probleme P. 2202. Etwas weiter nördlich ist ein höherer, unkotierter Gipfel mit einem grossen Steinmann, er ist mit einigen Kletterstellen (II) zu erreichen. Ich versuchte zunächst, von hier Richtung N über den Grat abzusteigen, aber die Sache wurde mir dann rasch zu heikel (ZS gemäss Brenna). Leider fand ich auch keine eindeutige Möglichkeit, um den Grat hier nach rechts oder links zu verlassen, also retour zur blau-weiss markierten Route, die in die Hänge oberhalb der Alpe d'Erbea leitet.

Von hier visiert man direkt den Pass links der Bocchetta d'Erbea an, dieser Aufstieg ist unproblematisch. Man deponiert nun den Rucksack und klettert über den Ostgrat auf die Cima d'Erbea West (WS). An der steilsten Stelle findet sich ein Schlaghaken, den man bei Bedarf als Griff missbrauchen kann. Nun steigt man kurz über den Westgrat ab, bis man den Beginn des Sentiero dei Frati erreicht. Dieses Weglein führt über ein ausgesetztes Band quer durch die Wand der Cima d'Erbea zurück zum Gepäckdepot. Es handelt sich um Gehgelände, ist aber ziemlich ausgesetzt. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind obligatorisch.

Danach überschreitet man ohne Probleme die Cima d'Erbea Ost und geht zum Pfad Richtung Albagno runter. Ein guter Weg führt sodann nach Mornera, wo die Seilbahn für einen knieschonenden Abstieg nach Monte Carasso sorgt. Die Seilbahn hat Automatikbetrieb, falls niemand bei der Talstation ist. Die einfache Fahrt kostet bescheidene CHF 9.-

Memo: Von 1. bis 20. September ist Hochjagd im Tessin. Manche Selbstversorgerhütten sind besonders in der ersten Zeit dieser drei Wochen von Jägern belegt und für Wanderer schlecht oder gar nicht zugänglich. Ausserdem empfiehlt es sich, in dieser Zeit besonders farbenfrohe Kleidung zu tragen, wenn man keinen Wert darauf legt, in die ewigen Jagdgründe einzutreten.

Man beachte auch diesen Hinweis auf der Seite www.alpi-ticinesi.ch, wobei ich die Sache weniger negativ beurteile als der Autor. Besonders im Tessin hatte ich noch nie unfreundliche Begegnungen mit Jägern (dafür jede Menge Einladungen zu Kaffee usw.), vereinzelt erwiesen sich bisher die Jäger im Misox als etwas grantiger.

Tourengänger: Zaza

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Kommentare (2)


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BaumannEdu hat gesagt:
Gesendet am 1. September 2010 um 15:06
Bravo. Schöne Tour.

Seeger Pro hat gesagt: Sentiero dei Frati
Gesendet am 11. September 2010 um 19:25
Ciao Manuel
Wieder eine Mega-Zaza-Tour.
Unglaublich schöne Bilder und instruktiver Text.
Bin noch auf Deinen Jägerwitzen gelandet und konnte herzhaft lachen.
Ist ja schon happig auf dem Rif. Negrös. Begreife den Ärger von Frank.
Noch nie sah ich eine so gute Foto vom Sentiero dei Frati. Danke. Jetzt weiss ich wenigstens, wo suchen.
Cari saluti
Andreas


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