Wenden - Todo o Nada (6c+)


Publiziert von mde , 29. August 2010 um 00:12.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Oberhasli
Tour Datum:26 August 2010
Wandern Schwierigkeit: T5+ - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: 6c+ (Französische Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Titlis und Wendenstockgruppe   CH-BE 
Zeitbedarf: 13:30
Aufstieg: 1220 m

Nach nur 5 Tagen schon wieder an die Wendenstöcke? Ja, auf jeden Fall - genau so wie man Feste feiern soll, wenn sie fallen, soll, nein muss man Wendenrouten klettern, wenn Bedingungen, Partner, physische und psychische Form stimmen - denn sonst geht's nicht. Die häufigen Besuche im Mekka des alpinen Sportkletterns haben einen weiteren Vorteil: der sonst so überpräsente Knoten im Bauch, der einen die ersten Seillängen ehrfürchtig, verkrampft und (weiter oben dann fehlende) Kräfte verpulvernd klettern lässt, ist viel weniger ausgeprägt.

Nachdem jsp und ich früher in der Saison zwei (Wenden-)Gelegenheiten wegen möglicherweise suboptimalen Bedingungen mit der KIK am Oeschinensee und der Aura am Wellhorn überbrückten, stimmte dieses Mal nun alles. Blieb nur noch die Tourenwahl: zieht man von den ca. 80 existierenden Routen die 15 schon bekannten und die rund 25 auch unter grenzenlosem Optimismus zu schweren ab, so verbleiben immer noch 40 Träume, die auf der Anfahrt ausgiebigst diskutiert werden können.

Als wir um 7.30 Uhr auf der Wendenalp sind, haben wir die Wahl immerhin schon auf die ikonische Wenden-Kingline "Blaue Lagune" und die Sphinx "Todo o Nada" eingegrenzt. Was sollen wir nun wählen, harte, weltbekannte Sportkletterei oder lange, abenteuerliche Alpinkletterei? Den Ausschlag für die "Todo o Nada" gibt schliesslich die momentan noch genügende Tageslänge, und die Tatsache, dass wir uns versprechen, bei der nächsten Gelegenheit in den nächsten Monaten doch noch die "Blaue Lagune" anzupacken.

Zustieg, Bergschrund und Einstieg

Auf dem Anmarsch kommt es zwischenzeitlich noch zu einigen Rückfällen in Richtung "Blaue Lagune" - jedoch nie bei beiden gleichzeitig, so dass wir schliesslich doch an der "Todo o Nada" festhalten.  Der Zustieg folgt zuerst dem normalen Pfad bis zur "Steifrou" (Hind. Hublen, P.1884), von wo man mehr oder weniger horizontal nach rechts in die Rinne des Lägerbachs quert. Am besten ist es nun, gleich in dieser Rinne zu bleiben und so bald wie möglich den Firn zu betreten.

Wir entschieden uns fälschlicherweise für einen Aufstieg rechts auf dem Geröll gegen die Glogghüser hin. Leider war es dann an deren Fuss nicht möglich, über die harte und steile Seitenmoräne den Schnee zu gewinnen. So mussten wir etwas heikel und steil (T5+) neben und hinter den Glogghüsern kraxeln, bis wir weit oben dann doch noch den Firn erreichen konnten. Obwohl es nicht mehr weit bis zum Wandfuss war, waren Steigeisen im harten Schnee doch vonnöten. Der Einstieg, wo wir um ca. 8.30 Uhr eintrafen, befindet sich ca. 80m rechts des grossen Winkels, und ca. 15m rechts eines kleinen angelehnten Pfeilers. Er ist nur durch eine Seilschlinge am ersten, sich in 20m Höhe über dem Schnee befindlichen BH markiert. 

Nicht unerwartet klaffte zwischen dem Firn und der Felswand ein eindrücklicher Schrund. Er war ca. 2m breit und rund 30m tief, ein veritables Hindernis also. Um ca. 9.00 Uhr ging es los, zum Glück hatte ich mit jsp einen "Chef-Alpinist" als Tourenpartner dabei. Er liess sich darauf ein, sich mit mir als Gegengewicht überhängend in den Schrund abzulassen, und dann eine Abschmelznase zu benützen, um jenseits an die Wand zu kommen. Dies gelang, bald war der erste BH erreicht und Stand gemacht. Ich meisterte den Schrund im Nachstieg dann mit einem Sprung an die Wand.

Kletterei, 1. Aufschwung

Die ersten paar Seillängen führen dann durch zwar festen und kompakten, stellenweise aber etwas von Schutt bedeckten Fels. Die Kletterei ist nicht schlecht, aber es sind keine Traumlängen - wenn man bedenkt, dass man auf den anderen Wendentouren auf dieser Höhe aber noch im Gras am kraxeln ist, ist's gar nicht übel. Graduell werden die Seillängen am 1. Aufschwung dann schwerer, die 4. und 5. sind schon ganz ordeli schön und fordern erstmals etwas, die 6. und 7. sind dann in wirklich tollem Fels mit gänzlich nichttrivialen Cruxen.

Kletterei, 2. Aufschwung

Nach der 9. SL steigt man über eine Grasrinne und tiefen Wasserrillen aus dem 1. Aufschwung aus und hat nun wirklich eine atemberaubende Aussicht auf den folgenden, extrem kompakten Routenteil, der nicht nur sehr vielversprechend aussieht, sondern dies auch voll und ganz zu halten vermag. Los geht es mit einer anspruchsvollen Wasserrillen-Seillänge (SL 10, 6b+). Diese weckt Erinnerungen an die Startlänge der "Voie de Frère", sind doch auch hier, anders als in den steilen Passagen, einige Runouts zu vergegenwärtigen. Der Erstbegeher Michel Piola muss wirklich ein hervorragender Platten- und insbesondere Wasserrillen-Kletterer sein.

Zu den schönsten Passagen der Tour zählen dann die 140 Klettermeter der 12.-14. SL. Homogen geht's im 6b-Bereich in supertollem Fels mit optimaler Reibung aufwärts, die typischen Wenden-Querschlitze dienen dabei häufig als Griffe. Nach der einfacheren und weniger schönen 15. SL nähert man sich dem Ende des 2. Aufschwungs. Der dort ansetzende, horizontale Grat wird nicht erstiegen, sondern rechts (östlich), wenige Meter unterhalb der Schneide auf Bändern umgangen. Regelmässig stecken Markierungs-BH und nach 50m wird ein Stand erreicht. Von diesem erneut nicht links auf den Kamm, sondern nach rechts querend ins Amphitheater, der Stand folgt nach 25m und ist gut von weitem sichtbar, da hier noch jemand einige museumsreife Stücke (Messerhaken, Plättli, Trittleiter) hat hängen lassen.

Kletterei, 3. Aufschwung

jsp führt die folgende, schon steile 18. SL (6b+), welche in einer Querung an abschüssigen Griffen in eine Biwakhöhle führt. Diese ist tatsächlich eingerichtet, es scheint als ob hier tatsächlich mal jemand eine Nacht verbracht hat. Komfortabel liegen kann man wohl, doch viel mehr auch wieder nicht - uns erschliesst sich der Sinn einer Nacht hier nicht ganz, zum Ausstieg ist's ja nicht mehr allzu weit...

Tja, zwar vielleicht nicht mehr so weit, aber dafür schwer, wie es sich bald entpuppt! Der Ausstieg aus der Höhle (19. SL, 6c) ist schon steil und fordernd, und die Seillänge geht anhaltend weiter. Ein richtiges Ausdauerproblem, ähnlich wie die steilen Längen der "Voie de Frère", mit den schwierigsten Zügen zum Schluss - ich bin ganz schön froh, als ich den Stand klippen kann. In der folgenden, 20. SL (6c+), lässt mir jsp den Vortritt, und es kommt noch dicker. Vom Stand weg wartet ein heftiger Boulder, danach anhaltende, ausdauernde Kletterei.

Die Original-Bewertung von 6c der Erstbegeher erschliesst sich mir hier nicht ganz - vielleicht wollte man potentielle Wiederholer nicht abschrecken und griff deshalb zu diesem Dumping-Grad. Es ist mit klarem Abstand die schwierigste Seillänge, und möglicherweise wäre sogar eher ein 7a als das 6c+, das wir vorschlagen, angebracht. Auf jeden Fall ist's auch klar härter wie etwa die Crux der "Voie de Frère".

Anyway, nachdem der Boulder geschafft und die nächsten paar Meter geklettert sind, geht mir nach bereits über 8 Stunden Kletterei langsam der Saft aus. Nach dem letzten BH gerate ich in eine prekäre, instabile Position und meine Finger fangen an von den Slopern zu rutschen. Im letzten Moment gelingt ein Schnapper an die letzte Rettung, einen tatsächlich etwas besseren Griff, ich kann die Füsse umsetzen und manteln, und dann im einfachen Gelände zum Stand klettern, ohne dass ich die Sicherungskette belasten muss.

Die 21. SL (6b) bietet zum Glück nur eine kurze schwere Stelle, so dass ich mich nochmals ein bisschen erholen kann, was für die folgende, 22. SL (6b+) auch nötig ist. Dieses bietet nochmals tolle, steile und griffige Kletterei - und sie bringt mich zum Schluss nochmals an die Grenze. Im überhängenden, "nur noch" 6b-Gelände gilt es, den letzten BH zu klippen. Da es etwas Seilzug gibt, resultiert beim Seil hochziehen ein Bizeps-Krampf links und rechts spüre ich, wie mir gleich die Finger aufgehen und vom Henkel rutschen.

Puh, in Extremis kann ich mich noch abfangen, bevor es zum Abgang kommt. So in Position bleiben kann ich zwar, ein Erholen durch Schütteln geht hingegen nicht mehr wirklich. Was nun? Die bisher makellose Begehung am letzten BH noch scheitern zu lassen, kann nicht sein. Nach einigen virtuellen Motivationstritten in den Allerwertesten kann ich schliesslich 3 zusätzliche Expressschlingen einhängen, so dass ich das Seil nicht über Kopf zu ziehen brauche. Schliesslich ist das Seil im Karabiner, und ich wuchte mich mit dem letzten Saft auf das Plateau oberhalb.

Ausstieg und Abseilen

jsp kommt nach, und es bleibt nur noch eine brüchige, kaminartige Rinne zum Ausstieg. Diese stellt keine Probleme mehr, um 18.10 Uhr sind wir nach über 9 Stunden Kletterzeit oben. Der Weg über die Geröllhalde zum Sattel zwischen Gross und Klein Wendenstock ist nicht weit (2 Minuten). Dies will ich mir nicht entgehen lassen, denn noch nie nach einer Wenden-Klettertour (die Routen enden (fast) alle vor dem Grat) konnte ich auf die andere Seite runterblicken.

Irgendwie hatte ich noch gehofft, dass wir nicht nur den Sattel, sondern sogar einen Gipfel ersteigen können. Dies ist aber im Angesicht der Zeit, der sehr brüchig, aber dennoch steil und schwierig scheinenden Felsen völlig unrealistisch. Wir treten also den weiten Weg nach unten an. Die Abseilerei verläuft eigentlich problemlos, dennoch braucht es wegen einiger flacherer Zwischenstücke etwas Zeit. Die 16. SL über die Bänder unter dem Grat müssen wir sogar abklettern, wofür Standplatzsicherung nötig ist.

Abstieg

Dann bleibt zum Schluss nur noch der Schrund. jsp klettert als Erstabsteiger wieder über die Nase raus, indem er mit einem Stein Tritte in den harten Firn ritzt. Ich folge dann und kann mich bequem über den Schrund ziehen lassen. Mittlerweile ist es gegen 20.30 Uhr, das Abseilen hat fast 2 Stunden gekostet, es beginnt langsam einzudunkeln. Wir räumen zusammen und machen uns mit den Lampen an den Abstieg.

Um 21.20 Uhr sind wir wieder auf der Wendenalp, nichts wie los nach Meiringen, so dass es dort (vor 22.00 Uhr!) noch eine Pizza und ein kühles Getränk gibt! Zu gerne stossen wir mit durstigen Kehlen an, und läck, war das eine Supertour!

Fazit

"Todo o Nada" ist anders als die anderen Wendenrouten - uns hat es mehr ans Wellhorn, oder dann auch an den Drusenfluh-Westgipfel erinnert. Nicht jeder Meter der Route ist lohnend, d.h. es sind einige einfachere, etwas schuttige Teilstücke zu klettern. Alpin orientierte Kletterer wird dies kaum zu stören vermögen. Und es gilt einfach zu sagen, dass in Anzahl und Qualität nicht weniger schöne Klettermeter warten, als in den anderen Wendenrouten auch.

Die Route wurde durchdacht und mit Sorgfalt eingerichtet. Man merkt, dass mit Michel Piola ein absoluter Erschliesser-Profi am Werk war. Ich denke, dass auch die Erstbegeher davon ausgingen, dass die Route ein Hit wird. Dies ist nicht eingetreten, Begehungen dürften nur sehr, sehr selten erfolgen. Warum dem so ist, ist mir auch nicht so ganz klar, denn am Wellhorn und der Drusenfluh tummeln sich die Kletterer...

Auf jeden Fall ist die Route gut eingerichtet: in allen steilen, athletischen Passagen stecken die BH dicht, die Absicherung entspricht dort Stufe 4 (xxxx) von 5 gemäss der Skala im Schweiz Extrem. Auf Platten und in Wasserrillen-Seillängen sind die Abstände etwas grösser, dort würde ich Stufe 3 (xxx) für richtig halten. An leichteren Stellen trifft man vielfach auf gefädelte, teils aufgebohrte Sanduhren. Deren Schlingen sind arg verrottet und sollten ersetzt werden - da an den Schlüsselstellen immer Bolts stecken, ging's für uns aber auch mit diesen ausgebleichten "Schnürsenkeln".

Wirklich fordernde, zwingende Stellen warten keine, die Anforderungen sind durchaus mit der "Voie de Frère" zu vergleichen. Nur ist die Tour halt viel länger, deshalb ist ein zügiges Klettertempo wie auch genügend Ausdauer nötig - die schwersten und steilsten Seillängen folgen erst ganz am Schluss der Tour. Etwas an alpiner Erfahrung und Spürsinn kann auch nicht schaden, mit meinem Topo sollte sich die Route nun aber gut finden lassen.

Schwierigkeits-Hitliste der Wendentouren

Zum Schluss noch die Hitliste meiner 15 in den Wenden gekletterten Touren, geordnet nach deren Anspruch, von einfach zu schwierig, mit den obligatorisch und maximal geforderten Schwierigkeiten, dem Datum meiner Begehung und einer Kurz-Charakterisierung:

 

1.      Spasspartout (6a+, 6a obl., ***, xx, 16.8.1998)
Schöne und interessante Route - sie würde, wäre sie in einem anderen Gebiet, sicher viel mehr Aufmerksamkeit geniessen. Unten geneigte Wandkletterei, im oberen Teil schöne Wasserrillen. Die Route ist (vor allem in den einfacheren SL) nicht so gut abgesichert, wie die Kletterführer suggerieren. Selber absichern ist stellenweise möglich und gefragt.
Material: 10 Express, Klemmkeile, Camalots 0.3-2.
2.      Sonnenkönig (6c, 6a+ obl., ***, xxx, 7.6.1997)
Sehr schöne und beliebte Kletterei, vielfach plattig mit einer steil-griffigen Cruxlänge. Ambiente und Ausgesetztheit bieten (nur) einen Vorgeschmack auf das, was in den Nachbartouren wartet. Die Sicherungspunkte werden 2010 ersetzt, die Absicherung in der Schlüssellänge ist prima, und auch sonst trotz einigen weiteren Abständen gut.
Material: 10 Express, Camalots 0.3-2.
3.      Excalibur (6b, 6b obl., *****, xx, 15.7.2007)
Äusserst lohnender Klassiker von 1983. Nach einem Einstieg über die grosse Platte (Crux) folgt die Route einer logischen Linie von Verschneidungen. Die harte Bewertung, die oft athletische Kletterei, die wenigen fixen Sicherungspunkte (2010 ersetzt) und die Tatsache, dass viel selber abgesichert werden muss, erfordern gewisse Reserven.
Material: 12 Express, Klemmkeile, Camalots 0.3-3.
4.      El Condor (6c+, 6b obl., ****, xxx, 25.7.2008)
Weniger häufig begangene, aber sehr lohnende, abwechslungsreiche Wendentour. Nebst einer spektakulären, athletischen und gut gesicherten Cruxlänge meist Wandkletterei an wasserzerfressenem Fels (unten) und Knobs (oben). Auch die einfacheren SL sind echte Perlen, und erlauben mit der etwas spärlichen Absicherung kein Durchmarschieren.
Material: 10 Express, Camalots 0.3-2.
5.      Voie de Frère (6c+, 6b obl., ****, xxx, 12.9.2009)
Fantastische, zugängliche Kletterei mit einer leider psychisch anspruchsvollen, knapp abgesicherten Wasserrillen-Einstiegslänge. Danach über mehrere SL griffig, athletisch und fast klettergartenmässig gesichert, bevor zuletzt nochmals einige plattigere Passagen folgen. Man lasse die letzte SL links über den Wulst nicht aus!
Material: 12 Express, Camalots 1-3 (nur für die 1. SL nötig).
6.      Passion (7a, 6b obl., ****, xxx, 21.8.2010)
Völlig zu Unrecht etwas vernachlässigte, sehr schöne Steilplatten-Kletterei im linken Teil des Pfaffenhuts. Die athletischen Stellen sind weniger häufig als in den Touren weiter rechts. Die Absicherung an den schwierigen Stellen ist gut, im leichteren Gelände muss jedoch hin und wieder deutlich über die Haken gestiegen werden.
Material: 12 Express, Camalots 0.3-2.
7.      Todo o Nada (6c+, 6b obl., ***, xxx, 26.8.2010)
Die etwas andere Wendenroute, im Charakter mehr dem Wellhorn ähnlich. Lang, mit 23 SL und 960 Klettermetern. Nicht jeder davon ist super, aber es gibt in Anzahl in Qualität mindestens so viele sehr lohnende Meter wie in jeder anderen Wendentour auch. Die Absicherung ist auf den Platten gut, im Steilen sogar sehr gut.
Material: 12 Express, Camalots 0.3-3, evtl. Rocks 4-9.
8.      Inuit (6c+, 6c+ obl., ****, xxx, 29.10.2009)
Tolle und abwechslungsreiche Wendentour aus der Pionierzeit (1986), die dem einfachsten Weg folgt und dadurch, wie auch durch mehrere Quergänge, mehr alpines Flair als ihre Nachbarn hat, und auch weniger athletisch ist. Die Sicherungspunkte wurden 2009 ersetzt, Bolts stecken nicht allzu häufig, sie sind aber optimal platziert.
Material: 12 Express, Camalots 0.3-2.
9.      Millenium (7b, 6b+ obl., *****, xxxx, 13.9.2007)
Traumlinie in Premium-Fels. Nach 3 Aufwärmlängen an Wasserrillen folgt knapp senkrechte, feingriffige Kletterei. Oben dann steiler und athletischer an scharfem Tropflochfels, mit 2 steilen Dächern (Crux). Die Route ist an den Schlüssenstellen üppig abgesichert. Auf den Platten auch gut, dennoch wollen diese geklettert werden.
Material: 12 Express, Camalots 0.3-1 (für die einfacheren SL zu Beginn und am Schluss).
10.   Patent Ochsner (7a, 6c obl., *****, xxx, 11.9.1997)
Fantastische und direkte Kletterei zentral durch die Pfaffenhuet-Südwand. Eine der besten und beliebesten Routen an den Wenden. Nach einem plattigen Start meist griffige, anhaltende und athletische Kletterei bei guter Absicherung – nicht gerade wie im Klettergarten, aber besser wie bei vielen anderen Touren am Massiv.
Material: 10 Express, Keile und Camalots sind kaum nützlich und einsetzbar.
11.   Sternschnuppe (6c+, 6c obl, *****, xx, 7.7.2010)
Absolute Weltklasse-Tour in meist hervorragendem Fels. Unten direkt durch das „graue Meer“, an den für den Pfaffenhuet typischen Löchern. Gegen oben athletischer werdend über den Steilriegel hinweg. Die Bolts stecken eher spärlich, sind aber immer genau dort wo man sie am meisten braucht. Zusätzlich abgesichert werden kann nur selten.
Material: 10 Express, Camalots 0.3-1.
12.   Caminando (7a+, 6c obl., *****, xxx, 25.7.1999)
Vielleicht die Beste der Besten: lang, grosszügig, perfekter Fels. Unten noch nicht allzu steile Wandkletterei, dann 2 steil-athletische Aufschwünge (Klage- und Brötlimauer), zuletzt eine logische Linie in scharfem Fels. Die Absicherung ist gut mit perfekt gesetzten Bolts, in den einfacheren SL müssen z.T. Klemmgeräte platziert werden.
Material: 12 Express, Camalots 0.3-2.
13.   Lancelot (7a, 6c obl., ****, xx, 31.8.2009)
Schöne, anspruchsvolle und kompromisslos-direkte Linie am Excalibur-Pfeiler, die zumeist steile Tropflochkletterei bietet und Ausdauer fordert. Die Stellen über 6c sind gut abgesichert, darunter ist vielfach etwas Überwindung nötig. Nicht alle BH und erst recht nicht die Stände sind logisch platziert. Selber absichern ist in der 1. SL und am Ende Pflicht.
Material: 12 Express, Camalots 0.3-2, Grössen 1 und 2 evtl. sogar doppelt.
14.   Legacy (7b+, 6c obl., **, xx, 20.7.2010)
Anspruchsvolle, nicht ganz so lohnende Kletterei an steilem Gemäuer. Nebst der nicht immer überzeugenden, teilweise unnötig im Zickzack eingebohrten Linie ist auch der Fels nicht top, vielfach etwas staubig/dreckig mit mehreren etwas brüchigen Stellen. Die Stellen >=7a sind eng gesichert, darunter spärlich behakt, mit öfters heikel-gefährlichen Passagen.
Material: 12 Express, Klemmkeile 4-9, Camalots 0.3-2.
15.   Painkiller (7b, 7a obl., ****, xx, 20.9.2003)
Hammerlinie mit viel Ambiente und meist Topfels durch die eindrückliche Arena des Reissend Nollen. Sehr fordernd und abwechslungsreich, mit plattigen Passagen, scharfen Tropflöchern und dem superathletischen Dach. An den steilen und schwierigen Passagen gut gesichert, in den einfacheren/plattigeren immer wieder wilde Runouts.
Material: 10 Express, Camalots 0.3-2.

Tourengänger: mde

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Kommentare (13)


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Christian1 hat gesagt: Grosses Kino!
Gesendet am 29. August 2010 um 12:57
Alle Achtung, da seid ihr ja top in Form. 7ner Routen frei klettern ist schon was für ganz grosse Könner. Komme selbst gerade vom El Capitan zurück wo wir einen Versuch an der Nose wegen Hitzschlag eines Guides (kein Scherz!) abbrechen mussten. Dort ist das Gelände ähnlich steil, wobei ich selbst schon mit dem "aided climbing" genug zu tun hatte.

mde hat gesagt: RE:Grosses Kino!
Gesendet am 30. August 2010 um 11:08
Vielen Dank, Christian!

Ja, die Nose ist ein grosser Traum - den ich bisher leider nicht realisieren konnte. Immerhin, an deren Zehenspitzen bin ich schon einmal etwas rumgekrabbelt (es gibt einige tolle Baseclimbs am El Cap!).

Bei unserer Wendentour haben wir tatsächlich noch an den Feat "Nose in a day" gedacht. Das steht schon noch einmal ein paar Schuhnummer über der Todo o Nada, denke ich. Länger, schwerer und anhaltend steiler.

Und dann gibt's ja noch die Spezialisten, die drei (?) El Cap Routen in einem Tag gezogen haben, da muss man dann echt fit fit sein!

Stani™ hat gesagt:
Gesendet am 29. August 2010 um 13:21
Vraiment joli!
PS: Le lien pour la 8eme longueur "Inuit" ne marche pas.


mde hat gesagt: RE:
Gesendet am 30. August 2010 um 11:05
Thanks, Stani!

The link is fixed - but I had some troubles with the formatting of that last part besides that. It is copied from a MS-Word file, and integrated into the report with your little tool. There, I hit the checkbox "remove font definitions", but I left the checkbox "ignore style definitions" intentionally blank, since I want to keep the style (i.e. the indentation).

But then, the tool happily keeps the indentation, but seems to fail to remove some of the font definitions (i.e. font size) within the style definition - it's still there, I can see it in the source code. I could remove it manually from there, but that's very cumbersome work.

I don't know whether this is a bug or a feature - for me, keeping the font size in the code is undesired, anyway. Maybe you want to look into that.

Stani™ hat gesagt: RE:
Gesendet am 31. August 2010 um 22:50
Hi mde,

No, it's not a feature, all the garbage from Word should be gone, but... In fact we use this editor and looks like they have a new version now. I just tried now and this new version manages the copy from word much better. We need to upgrade it.

Privet,S

Henrik hat gesagt: Ich staune immer wieder...
Gesendet am 29. August 2010 um 14:52
als Flachländer wie ihr das klettert...und jede Rille hinterher noch in Erinnerung habt und sogar aufs Papier bringt...da ist mein Erinnerungsvermögen geradezu banal schlecht ausgebildet!

Klettert ihr da mit Finken oder mit Vibram?

Wirklich grossartig - für mich nicht als Kino, sondern in der Leistung!

LG

silberlocke

mde hat gesagt: RE:Ich staune immer wieder...
Gesendet am 30. August 2010 um 11:15
Ciao Henrik!

> als Flachländer wie ihr das klettert...und jede Rille hinterher noch in Erinnerung habt und sogar aufs Papier bringt...da ist mein Erinnerungsvermögen geradezu banal schlecht ausgebildet!

Das ist auch das Faszinierende am Klettern. Wenn es passt, so fokussiert sich alles um den Mikrokosmos um einen herum, nur das nächste Leistlein für die Hände, oder die Delle für die Füsse zählt. Das ganze kann so intensiv sein, dass sich das (fast) unwiderruflich in der Festplatte einbrennt. Darum sieht man immer wieder Kletterer, welche sich am Boden irgendwelche Griffkombinationen vorzeigen. Von besonders einprägsamen Passagen kann ich z.T. auch 10 Jahre danach noch die genaue Sequenz wiedergeben.

> Klettert ihr da mit Finken oder mit Vibram?

Schon mit Finken, mit schweren Schuhe wäre das kein Genuss, bzw. für mich auch gar nicht möglich. Das schöne an den Finken ist ja gerade, dass man damit den Fels viel besser spürt, sanft treten und damit eins werden kann. Mit den Klötzen zu klettern hat für mich etwas brachiales, ich mache es überhaupt nicht gern.



Alpin_Rise hat gesagt: Wendentraum
Gesendet am 29. August 2010 um 22:54
Tolle Doku und packende Actionshots!
Von der Länge wär das schon ein reizvolles Unternehmen, nur von den Schwierigkeiten in der jetztigen Form zwei Nummern zu hoch - saubere Begehung, Jungs!
G, Rise

mde hat gesagt: RE:Wendentraum
Gesendet am 30. August 2010 um 11:22
Merci Rise!

Ich glaube, die Route ist nicht zuletzt darum weniger beliebt, weil sie so lang ist und in dieser Hinsicht mehr Engagement verlangt. Aber zum Glück denken nicht alle so: Du nicht, jsp nicht, und ich auch nicht.

An den Wenden gibt's zwar noch (einige wenige) andere lange Routen, die bis ganz hoch gehen, die verlangen aber alle noch mehr. Doch es gibt auch anderswo guten Fels und grosszügige Touren, die nicht ganz so viel Kletterform verlangen, und da bin ich gerne mal mit dabei!

Gelöschter Kommentar

mde hat gesagt: RE:Engelhörner
Gesendet am 30. August 2010 um 13:37
Salut Mark!

Tja, das ist eine Frage, die gar nicht so einfach zu beantworten ist. An den Engelhörnern gibt es auch sehr tolle Klettereien in schärferer Richtung, zB die Touren in der SW-Wand am Grossen Simeler, oder dann in der SW-Wand am Rosenlauistock. Es sind allerdings im Vergleich zu den Wenden nicht so viele, und sie sind auch eher kürzer. Landschaftlich ist's an den Wenden schon auch schön, die Sicht zum Sustenhorn und ins Triftgebiet bietet schon etwas.

Die Wenden zeichnen sich mE schon insbesondere dadruch aus, dass die Touren meist von A-Z steil, schwierig und anspruchsvoll sind, d.h. es gibt wenig bis keine einfachen Seillängen, und auch kaum welche von minderer Qualität (die hier beschriebene Todo o Nada ist darum wie oben bereits erwähnt eine etwas atypische Wendentour).

Was sicher auch mitspielt, ist das Renommee. Die Wenden sind halt ein Gebiet von internationaler Bedeutung. Jede Route die man dort begehen kann, ist wie eine Plakette am Revers. Die Engelhörner würde ich als Klettergebiet jetzt als "nur" von nationaler bzw. überregionaler Bedeutung sehen. Irgendwie ist's ähnlich, wie wenn Du 4000er-Touren gegen hohe 3000er vergleichst.

Und das Fazit kann nur sein: das eine (Wenden, 4000er) tun, das andere (Engelhörner, hohe 3000er) nicht lassen.


elvio hat gesagt: Hi
Gesendet am 1. September 2010 um 11:54
It's very nice from you to climb and then publish such a beautiful route so that other climbers (maybe me, too...) have a chanche to climb it, good job!

Another route that I'd like to climb but don't have infos about it (especially regarding the state of bolts, belays...) is As de Coeur, it must be an awesome tour! Do you know if it is/will be rebolted?

Thank you and good climbs.

Elvio

mde hat gesagt: RE:Hi
Gesendet am 1. September 2010 um 14:04
Hi Elvio,

Thanks a lot!

Regarding "As de Coeur", I don't really know. When I climbed "Millenium" in 2007, I had a glance at it as we rapelled. I didn't get the impression that anything was rebolted then - and I don't have any hint that some rebolting has happened in the meantime. Thus I don't think the bolts and pegs are very much up-to-date, but the route should still be climbable, I'd say.

Just from looking, as little as one can see when climbing one of the neighboring routes and using the rappel stations, the rock quality is good to excellent (as on all routes at Reissend Nollen). "As de Coeur" didn't look exactly trivial and the equipment did seem to be properly spaced, too...


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