Gross Fusshorn über den WSW-Grat


Publiziert von Alpin_Rise , 24. August 2010 um 10:03. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:20 August 2010
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS+
Klettern Schwierigkeit: IV (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Aufstieg: 1050 m

Wer vom Briger Bahnhof Richtung Aletsch schaut, erspäht einen stolzen Felsgipfel: das grosse Fusshorn. Der Gipfel ist aus bestem Granit aufgebaut und entsendet als spektakulär zerissenen Zackengrat zwölf weitere Fusshörner nach Süden. Königstour ist die Traverse aller Spitzen, was uns doch etwas zu wild war.

Die klassische Tour ist der WSW Grat, eine grosszügige Kletterei im zweiten und dritten Grad mit einer knackigen Schlüsselstelle. Nachdem uns der Neuschnee von den geplanten hohen 3000er in tiefere Regionen trieb, durften wir in der Gipfelregion doch noch etwas Schneewühlen, was ich besonders liebe...


Ein wunderschöner Klettergrat bei nicht ganz optimalen Verhältnissen

Am Vortag steigen wir zügig über den neuen, in schönem auf und ab angelegtem Höhenweg zur Oberaarhütte. Diese liegt genau am Beginn des WSW-Grat (ZS+) zum Gross Fusshorn.
So starten wir im Dunkeln direkt hinter der Hütte. Entlang blauer Markierungen werden die ersten Aufschwünge des hier breiten Grates geschickt umgangen, T5. Einige Umgehungen und wenige Kletterstellen bis II führen zu P. 3128. Etwa hier zweigt die Normalroute in die Geröllhalden der Südflanke ab. Wir bleiben weiter auf dem Grat, wo auf ca. 3250m die ersten IIIer Stellen zum Anseilen raten. Praktisch überall wo der Grat schwieriger als II ist, steckt ein neuer Borhaken... dutzende Türme werden umgangen oder überklettert, ganz nach Lust und Laune. Gegen oben wird der Grat luftiger und immer schöner, etwa 100hm unter dem Gipfel die Schlüsselstelle: eine Platte, bei uns unangenehm verschneit, wird abwärtshaltend gequert und ein kleiner Überhang rechtshaltend überwunden. Es stecken 2 Bh und 1 NH mit Schlingen dran. Klettert man A0, ists ein kräftiger IV-, frei ein guter Fünfer an grossen Griffen, aber wenig Tritten. Danach wird noch ein Turm in der Südflanke umgangen, darauf gehts mit zunehmener Schneeauflage, was die Kletterei nicht einfacher macht, zum Gipfel. Die letzten Meter zum Gipfelkreuz sind wieder leichter.

Abstieg über die Normalroute (ZS) durch die verschneite Südwestflanke. Erst etwas dem Gipfelgrat entlang, dann vor dem grossen Couloir links in eine Parallele Rinne, absteigen oder evtl. abseilen (Schlingen) bis durch eine markante V-förmige Scharte Richtung grosses Couloir "durchgeschlüpft" werden kann. Einer Rippe parallel zum Couloir folgen, bis man das (ehemalige) Firnfeld erreicht. Von dort rechtshaltend über bequeme Schuttfelder auf den Hüttenweg hinunter und in 10min zur Hütte zurück. Alternativ kann auch zu P. 3128 gequert und auf dem Grat die Hütte erreicht werden.

Zeitbedarf: je nach Sicherungsmodus 3 bis 6 Stunden. Es kann oft am halblangen Seil gegangen werden. Wir sicherten ab Stand die Schlüsselstelle und ein paar andere, im Neuschnee heikle Stellen, gebremst durch den Neuschnee brauchten wir etwa 4:30. Der Abstieg ist in 2 bis 3 Stunden geschafft.

Material: mind. 30m Seil, falls man in der SW-Flanke abseilt (alternativ IIIer Stellen abklettern), besser 50m. Einige kleinere Friends und Schlingen. Der Grat hat im unteren Teil an den exponierten Stellen und an der Schlüsselstelle Borhaken, oben etvtl. auch, diese waren bei uns unter dem Schnee unauffindbar. In der SW Flanke einige - manchmal marode - Abseilstellen. Helm, denn auf dem Abstieg Vorsicht vor Steinschlag bei mehreren Partien!




Tourengänger: Delta, Alpin_Rise

Galerie


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Kommentare (2)


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Aendu hat gesagt: Oberhammer 2
Gesendet am 25. August 2010 um 07:52
....mich auch!!! Gratuliere!!!
Aber auch ein wenig Schade, dass die Verhältnisse am Nesthorn wohl nie mehr so sind wie früher...:-(

Gruss, Aendu

Alpin_Rise hat gesagt: Oberaletschhammer
Gesendet am 25. August 2010 um 11:23
Danke für die Felsblumen!
Geht mir genau so - mir gefallen die Felstouren wie hier viel besser als die Hatscher z.B. am Aletschorn. Braucht mehr "Brainwork" und ist spannender.
Das Nesthorn ist evtl. noch früh im Jahr machbar, scheinbar gibt es einen Alternativen Einstieg, welcher mutmasslich nicht ganz trivial ist...
G, Rise


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