Tessiner Hüttentrek 2: Der Campo Tencia – Die Überschreitung des Dreitausenders


Publiziert von Seeger Pro , 26. September 2009 um 11:09.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum:22 September 2009
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Pizzo Campo Tencia   Gruppo Pizzo Campolungo   Gruppo Pizzo Barone   prato sornico   cabanna soveltra 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1580 m
Abstieg: 980 m
Strecke:Capanna Soveltra SAV 1534m – Pradoi 2147m – Pt 2974 – Pizzo Campo Tencia 3072m – Ghiacciaio Grande – Pt 2271 – Capanna Campo Tencia CAS 2140m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Ö.V: Mit FART von Locarno nach Bignasco, Postautolinie Richtung Fusio bis Prato Auto: Ausgangs Prato in Richtung Fusio hat es links gebührenfreie Parkplätze. Aufstieg zur Capanna Soveltra siehe Tessiner Hüttentrek 1.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:1.) Anschluss an den Tessiner Hüttentrek 3 zur Capanna Sponda (T4) 2.) Talweg nach Dalpe (T2) 3 Stunden, dort Postauto nach Airolo
Unterkunftmöglichkeiten:Capanna Soveltra SAV, 1534m, komfortable und bewartete Hütte, offen von Mai bis Mitte Oktober Capanna Campo Tencia CAS, 2140m, komfortable und bewartete Hütte, Winterraum immer offen
Kartennummer:Campo Tencia 1272

In der Soveltra-Hütte gut genächtigt und bestens gefrühstückt packe ich meine Siebensachen und starte 08 00 Uhr zur strengsten Etappe meines 5 Tage dauernden Tessiner Hüttentreks. Die 1580 m hohe Wand des Campo Tencia-Massivs, unten grün und oben grau bis graubraun, türmt sich vor mir auf. Traumhaftes Wetter. Die Sonnenstrahlen kitzeln die Gipfel und teilweise ostorientierten Flanken. Mein Aufstieg liegt im morgendlichen Schatten.
Ein letztes „Auf Wiedersehen“ und „Danke vielmals“ in bestem St. Galler Dialekt. Abmarsch zur Brücke und jenseits des Baches auf herausgeputzten und blau/weiss markierten Weg in den eher rechtsliegenden Teil des Talbodens der Alpe Soveltra bis zum Bach, diesen ein zweites Mal querend, jedoch ohne Brücke. Der Weg folgt der orografisch rechten Seite des Ri della Gerra hinauf, im Zick-Zack-Kurs durch den ersten Felsriegel hindurch und später über liebliche Alpen mit dem Blick zum Pizzo Barone, 2864m – dem Tagesziel des Tessiner Hüttentreks 4. Nun steige ich gegen Pradoi hinauf und geniesse die Balkonlage über dem zweiten Felsriegel. Hier befindet sich eine einfache immer geöffnete Unterkunft mit Gasrechaud und „Camino“, Liegestätten ohne Wolldecken.
Jetzt wird es steil. Und wie. Zum Glück im Schatten. Jenseits der Hütten von Pradoi folgt der Weg etwa fünfhundert Höhenmeter quasi in Direttissima begrasten Runsen bis unterhalb den Felsen. Trotz der Anstrengung fröstelt es mich allmählich und so geniesse ich die ersten Sonnenstrahlen! „Good morning sunshine – the day says hello!“. Auf drei Seiten Felswände wie in einem Römischen Amphitheater und unter mir die tiefgrüne und im Schatten liegende Alpe Soveltra, in der Ferne grüssen der Basodino, das riesige Monte-Rosa-Massiv, nach rechts wie „im Bilderbüechli“ Viertausender und Dreitausender mit Eis oder drohenden Felswänden vom Wallis bis zum Berner Oberland. Jedes Mal von neuem ein Erlebnis. Könnte man dies Freiheit nennen?
Die blau/weissen Wegmarkierungen sind im folgenden Wirrwarr von Steinklötzen, Geröllhalden und abweisen Wänden sehr nützlich. Unschwierig können alle diese Passagen unter Ausholen nach rechts überwunden werden. (T4).Und schon bald ist der Sattel Pt 2974 zwischen dem Campo Tencia und dem Pizzo Pencia zum Greifen nah. Einige Schweisstropfen und ich stehe auf dem Grat. Ohne Pause – ich kann den Gipfel nicht erwarten – kraxle ich über den Ostgrat zum Gipfel hinauf. „Guten Morgen, bin wieder hier“, wir sind alte Bekannte.
Ich hatte einen Goegrafielehrer –Jacky Lanker - der die trockene Materie, welche viele zur Messlatte des Auswendiglernens degradieren, zum Erleben erweckt hat. Auch jetzt denke ich an ihn. Es sind die grösseren Zusammenhänge  welche wichtig sind und nicht ob jetzt dieser Berg „Giüsla veng“ heisst: Hier die Leventina, dort das Bedretto, hinter mir das Val Maggia und hinter dem Barone das Verzasca. Dies ist wichtig. Und dazu einmalig. Glücksgefühle. Mittagessen Menü 1, als Dessert Toggenburger Rolle. Eintrag ins Gipfelbuch. Sönnele – gnüüsse ….und die Walliserberge, dann – genau dort – das „Finschti“ und das Rheinwaldhorn. Sieht man die Berninagruppe? Könnte sein…
Abstieg. Der ist happig. Zum Ersten denke ich an Chaeppi und packe beim Einstieg zum Gletscher im Sattel Pt 2974 auch tatsächlich die Steigeisen aus und schnalle den Pickel ab, die Stöcke auf. Trotz warmen Wetters ziehe ich die Windjacke über und die Handschuhe an. Etwas grotesk. Aber die Story von Chaeppi ging mir unter die Haut. Sehr steil fällt der obere Abschnitt des Ghiacciaio Grande ab. Neuschnee kann trügerisch sein. Vorsichtig steige ich in Zick-Zack linkshaltend ab und erreiche die ebene Eisfläche unterhalb der Bocchetta di Croslina. Der Pizzo Croslina türmt sich imposant in Form einer Pyramide gegen Westen auf. Scheint ein schwieriger Dreitausender zu sein.
Gut sichtbar, logisch und markiert führt der Weg vom Gletscher weg ins Geröll entlang der Flanke unterhalb des Grates mit der Bezeichnung Pt 2857. Hier konnte man vor hundert Jahren bequem in den unteren Kessel des Gletschers auf dem Eis hinuntersteigen. Jetzt muss ich wegen dem Klimawandel in nicht leichten Kletterpartien (T5) die Höhe abbauen, werde jedoch von einem blassblauen Seelein an dessen unterem Ende für die Mühe entschädigt. Der auf der LK fragmentiert angezeigte Weg – in Realität weniger gut sichtbar und von oben her knapp markiert – führt über eine Rippe und ganz am Schluss durch ein Couloir auf Schutthalde und Weide der Flanke „Löita delle Giubine“ und horizontal zur Capanna Campo Tencia CAS, 2140m, hinüber.
„Ich bin Beatrice, redet sie doch Schwyzerdütsch!“, werde ich begrüsst. Die Hütte ist gut besetzt. Zum Glück. So nette Hüttenwart-Crew, Jean-Pierre inclus, verdienen besucht zu werden. Die Hütte ist den heutigen Anforderungen entsprechend grosszügig ausgebaut worden. Super Nachtessen – offenes Bier – Tourentee organisiert – Super Betten mit Düvet. Mein Herz, was begehrst Du noch mehr…
Bald gehe ich zu Bett, auch wenn meine Tischnachbarn - urchige Luzerner der besten Sorte – einen unterhaltsamen Abend garantiert hätten. Sie gehen morgen auf den Campo Tencia. Meinerseits bereite mich innerlich für den nächsten Tag vor. Tessiner Hüttentrek 3: Cap Campo Tencia – Pizzo Forno – Cap Sponda.Bettruhe. Komaschlaf.
Kommst Du morgen mit mir auf die Sponda-Hütte? Würde mich freuen.
http://www.hikr.org/tour/post16971.html

Tourengänger: Seeger

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Kommentare (3)


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Floriano hat gesagt: Dormito bene?
Gesendet am 26. September 2009 um 12:07
... immagino che l'atmosfera della Capanna Tencia ti sia stata molto favorevole per un sonno rigeneratore dopo la bella salita al Tencia!
Complimenti per la descrizione ... umana del tour!
Cari saluti
Floriano

Seeger Pro hat gesagt: RE:Dormito bene?
Gesendet am 26. September 2009 um 19:15
Ciao Floriano
Le bande di preghiera! Esatto. Hanno ajutato. C'è un Nepalese che lavora alla capanna.
Ho domandato, che lui ha messo anche una banda. M'ha esplicato quale era. Vedi!
Cari saluti
Andreas
P.S.: Saluti a Ewuska

MicheleK hat gesagt: Gipfel-Gluecksgefuehl
Gesendet am 26. September 2009 um 23:30
Ciao Andreas,
ich mag mich noch gut an das gleiche erinnern - ich glaub es war vor 2 Jahren. Ist es doch der hoechste Gipfel im der alleine im Tessin steht und es fliessen doch einige wichtige Bergkaemme hier zusammen. die Aussicht ist super - so zentral gelegen.

Gratuliere zur Etappe - ich kann schon fast nicht mehr auf den naechsten Bericht mit Senda del Ghiacciao, Passo di Ghiacciaone und Pizzo Forno warten...

Alles Gute!
Michele


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