Es lässt sich mit Bestimmtheit sagen, dass die Alpen jedes Jahr um 10-12 mm wachsen


Publiziert von Henrik , 5. Juli 2009 um 19:38.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Surselva
Tour Datum:22 Oktober 2006
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 3:30
Aufstieg: 470 m
Abstieg: 10 m
Strecke:Castrisch - Chrummwag - Caumasee - Flims
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV
Zufahrt zum Ankunftspunkt:ÖV
Unterkunftmöglichkeiten:Allerorten
Kartennummer:ivs - gis

Dass bis in die Achtziger Jahre der Vorderrhein an Teilstrecken fast ausschliesslich nur mit der Bahn besucht werden konnte, macht ihn auch heute noch ein wenig exklusiv. Dank der Bündner Arbeits-gemeinschaft für Wanderwege (BAW) kann man von Trin Mulin dem Rhein entlang bis nach Ilanz wandern kann und von dort noch weiter talaufwärts. Als Flachländer mit sehr langer Anreise von Basel bzw. Zürich über Chur gelangten wir nach Castrisch (705 m): das Tor zum Naturmonument Ruinaulta, der Rheinschlucht. Begonnen hat die Geschichte der Ruinaulta mit dem gewaltigen Flimser Bergsturz vor etwa 10'000 Jahren. Der Rhein wurde aufgestaut und bahnte sich in Tausenden von Jahren seinen Weg - er formte so die Ruinaulta. Als wir dem Zug entstiegen, umgab uns zuerst wahrgenommen ein feines Rauschen und vor allem Stille! Sogleich kann hier die Wanderung begonnen werden, der WW führt hier entlang des Trasses der RhB, die eingleisig das Tal hinauf zieht bis zum Oberalppass. Noch lag der Talboden im Schatten, das Gras sowie die sonstige Flora waren feucht von der Nacht; Spinnenwaben waren erkennbar, da sie Tautropfen zurückhielten und im Gegenlicht auszumachen waren. Ja nicht „hudle“ war die Devise: denn die heutige Wanderung mit Regula versprach wissens- und erlebnisreich zu werden – immerhin befanden wir uns in lebendiger Geologie unterwegs! Dazu hier ein Link:

http://www.ruinaulta.ch/de/offer-RuinaultaGR-NatureRuin-88445.html.

Die gewaltigen Steilwände der Rheinschlucht werden Ruinas genannt. Sie erreichen eine Höhe von bis zu 350 Metern und bestehen vorwiegend aus kleinen Gesteins-Stückchen. Der Flimser Bergsturz häufte sie vor beinahe 10'000 Jahren auf. Ein feines, weissliches Pulver verbindet die Gesteinstrümmer lückenlos, so dass der ganze Komplex fast wie eine feste Felswand aussieht. Direkt am Vorderrhein wächst Auenwald mit Weisserlen. Er ist typisch für das Ufer von Gebirgsflüssen und stets bedroht durch zerstörerische Hochwasser. Bleiben Überschwemmungen jedoch über längere Zeit aus, verdrängen bald Fichten, Buchen oder Tannen die typischen Auenwaldbäume. Zu den Auenlandschaften der Ruinaulta gehören auch offene Kiesbänke und Inseln. Sie werden bei jedem Hochwasser vom Vorderrhein neu geformt. Wir befanden uns auf dem Auenweg und folgten diesem in leichtem Gefälle bis zum Chrummwag, wo Eisenbahn und Fussgänger (wie Biker) die Flussseite zu wechseln haben. Die kleinen Bahnstationen von Valdenas und Versam scheinen einer Modell-Eisenbahn zu entspringen – bemerkenswert ist, das letztere sogar in der Online-Bibliothek Wikipedia ihren Platz gefunden hat: Im Bahnhofsgebäude gibt es einen Fahrkartenautomat, einen Warteraum, ein Sportgeschäft für Paddler sowie das Büro der Kanuschule Versam. Neben dem Bahnhof liegt eine Holzverladestelle, die über das Stumpfgleis angefahren werden kann. Dort wo der Weg durch Sturzzonen hindurchführt, verläuft er auf einer künstlichen Rampe: unterhalb des Islahalda und kurz vor Versam. Diese Zonen sind egal aus welcher Optik allein schon Grund anzuhalten, zu verweilen, abzulichten: das Spiel der Sonne verstärkt die Eindrücke. Eine Steigerung ist das Gebiet, wo Bahn, WW und Fluss ganz nahe zusammenkommen: der Rhein mäandert hier eindrücklich fast um seine eigene Achse – die Chli Isla. Offenbar reichten 10 000 Jahre nicht aus, den Durchfluss in gerade Linie aufzubrechen! Während die Bahn hier einen Tunnel erhalten hat, wird der Wanderer über diesen Felsen geführt – und staunt schon wieder: Geologie zum Anfassen und was für Farben. Etwas später folgt der Weg neben der Bahn über den Rhein und steigt unvermittelt recht steil und eng hinauf aufs Plateau Ransun nach Conn:  Das Ausflugsrestaurant Conn liegt auf einer idyllischen Waldlichtung, darüber der wuchtige Flimserstein. Beim Wegweiser unbedingt den 5-minütigen Abstecher zur neuen Aussichtsplattform wählen! Sensationeller Tiefblick in die Ruinaulta, wie die Rheinschlucht hier genannt wird. Tisch und Bänke stehen fürs Picknick zur Verfügung.

http://www.wandersite.ch/Tageswanderung/542_Graubuenden.html.

Hier halte sich lediglich auf, wer kurz „Muss“, ansonsten zu viele Leute! Die letzte halbe Stunde bis Flims Waldhaus führt zum Caumasee (allein dieser Flurnamen versetzte mich irgendwohin in den hohen Norden...), meist auf Asphalt, der Kurgäste wegen wohl, die hier herumwuseln und dann in die Mondänität des bekannten Kurortes Flims. Hier mussten wir allerdings aufs Poschti warten, der dann schon sehr gedrängt voll nach Chur zurückfuhr. Auf dieser Wanderung gibt es keine Höhenmeter zu schinden – das Einzigartige ist die sichtbare Schaffenskraft des Wassers und man mag eigentlich kaum glauben, dass der Rhein hier lediglich 10 000 Jahre gebraucht haben soll, die Landschaft so zu gestalten, wenn man sich sonst die unvorstellbaren Millionen von Jahren vor Augen hält am Beispiel der  Alpen!
 
Regula war auch noch nie hier!
 
 

Tourengänger: Henrik

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Kommentare (1)


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Seeger Pro hat gesagt: Ruinaulta à la Henrik
Gesendet am 5. Juli 2009 um 23:51
Ciao Henrik
Herrlich, Deine Beschreibungen und Fotos!
Sehr informativ die prägnanten Links und die "indirekte" Beschreibung der Station Versam. Würdest Dich als Werbetexter im temperierten Bereich bewegen :-))
Danke und hoffentlich bis bald
Dein
Andreas


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