Pico Viejo - Herbivorenkontrolle auf dem zweit höchsten Berg Teneriffas


Publiziert von Bembelbub , 5. Juni 2009 um 22:44.

Region: Welt » Spanien » Kanarische Inseln » Santa Cruz de Tenerife
Tour Datum:22 Mai 2009
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Wegpunkte:
Geo-Tags: E 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1150 m
Abstieg: 1150 m
Strecke:Mirador de Chio - Narices del Teide - Pico Sur - Pico Viejo - Pico Sur - Mirador de Chio
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Über die TF-38 zum Mirador de Chio (Narices del Teide)

Extra früh aufgestanden, mich aus dem Haus geschlichen, die Serpentinen von Masca hinter mich gebracht, zum Mirador de Chio (Narices del Teide) hoch gedüst und dann das: die beiden freundlichen Park-Ranger informieren mich, dass die Route zum Pico Viejo gesperrt ist; ja, die andere von der Boca Tauce aus auch. Es wäre Jagd, bzw. "control of herbivores" wie auf dem Schild stand, dass ich später sah. Ich wollte schon wieder Richtung Auto gehen, als sie meinten ich könne schon durch, aber auf eigenes Risiko; solle Augen und Ohren offen halten. Die spanische Auslegung einer Sperrung. Nach dem Motto: wenn ich erschossen werde, darf ich mich nachher nicht beschweren. In der Hoffnung, dass die Jäger einen Omnivoren von einem Herbivoren unterscheiden können, trottete ich dann den Sendero No. 9 entlang. Die Ohren waren gespitzt, schliesslich wollte ich ja nicht als Conejo en Salmorejo enden. Um es vorneweg zu nehmen, ich hörte keinen einzigen Schuss auf der ganzen Tour, fand jedoch auf ca. 2700 m eine (schon angerostete) abgefeuerte Schrotpatrone und musste feststellen, dass eine Herbivorkontrolle wirklich nötig ist – kein Teideginster, der nicht angeknabbert war und neben dem keine Kaninchenknöddel lagen, selbst in hohen Lagen.

Aufstieg: Der Weg zum Pico Viejo verläuft über den Sendero No. 9, zunächst für ca. 1 km in nordwestlicher Richtung parallel der Strasse leicht bergab durch Lavafelder, bis er in ein kleines Kiefernwäldchen kommt. An einem Abzweig, am Ende des Wäldchens, ging es dann nach rechts (östlich) dem Pico Viejo entgegen. Wenig später folgte ein Tälchen mit stark duftenden Teideginster und nach einer kleinen Steilstufe vegetationsarmes Lavagelände, eine sehr herbe und schöne Landschaft. Auf ca. 2450 m gelangte ich zu einer deutlichen Weggabelung. Ursprünglich hatte ich vor die im Rother-Wanderführer beschriebene Route zu nehmen (Route 60 in der 6. Auflage, 2007). Ich dachte mir auch, dass diese Weggabelung der erwähnte Abzweig vom Sendero No. 9 sein könnte, aber irgendwie passte das nicht mit der Beschreibung im Führer und mit dessen Karte überein. Ich blieb daher auf dem Sendero No. 9, der in den Sattel zwischen Pico Viejo und Teide hinauf zieht. Wie ich später sah, wäre es der besagte Abzweig gewesen; auch im Nachhinein muss ich sagen, dass das im Rother-Führer komisch beschrieben ist. Auf dem Weiterweg zu den Narices del Teide wurde der Wind immer stärker, so dass ich ein windstilles Plätzchen im oberen Teide-Nasenloch für Rast und Anlegen der langen Unterwäsche nutzte. Auf ca. 2875 m, bei einem Ginstergebüsch, das rechts von einer Felsrippe begrenzt wird, wurde der Weg etwas unübersichtlich und nach ein paar Aufstiegsmetern merkte ich, dass der eigentliche Weg (Sendero No. 9) weiter unterhalb lag. Verblasste grüne Markierungen und Pfadspuren deuteten aber darauf hin, dass dieser Aufstieg auch irgendwo hin führt. Er führte mich teilweise über Schroffengelände auf den Pico Sur. Nach einem ausgiebigen Blick in den Krater, ging ich dem südlichen Kraterrand entlang Richtung Hauptgipfel und kam bald wieder auf den Sendero No. 9. Der botanische Höhepunkt der Tour wartete hier auf mich in Form eines Teide-Veilchens. Alexander Humboldt soll vor ihnen niedergekniet sein, als er sie am Teide 1799 entdeckte; ich begnügte mich mit ein paar Fotos. Für den Weiterweg auf den Hauptgipfel musste ich bald den Sendero No. 9 verlassen und Pfadspuren am Kraterrand folgen, dann war es geschafft, der Pico Viejo war erreicht.

Abstieg: Für den Abstieg wollte ich dann die Rother-Route nehmen. Also ging ich zurück zum Pico Sur. Aber der Weiterweg war alles andere als klar. Als ich am westlichsten Ende des Plateaus des Pico Sur war, konnte ich von dem schmalen Felsgrat, der dieses südlich begrenzt und hier steil nach Westen hin abfällt, eine mögliche Abstiegsroute erahnen. Über Schroffengelände kletterte ich westlich ab (maximal Iter Grad) und stiess dann bald auf eindeutige Pfadspuren, die kurz später zu einem markanten ockerfarbenen Felskopf führen. Nun weiter in westlicher Richtung bergab. Zwischen ca. 2750 und 2650 ist der Weg teilweise etwas undeutlich, aber trotzdem immer wieder gut zu finden. Bei 2520 m stösst man auf einen tiefen Krater (Vorsicht nicht zu nahe ran treten) und wenig später wieder auf den Sendero No. 9. Der Rest wurde dann doch noch wie Kaugummi, besonders der letzte Kilometer wieder leicht bergauf durch die mittlerweile aufgeheizten Lavafelder.

Fazit: Super schöne Tour, die meines Erachtens - bis auf die Gipfelaussicht - landschaftlich und bergsteigerisch interessanter und reizvoller ist, als der "Normalaufstieg" auf den Teide; und durch das feine Lavageröll auf den Pfaden auch anstrengender.


Tourengänger: Bembelbub

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