Königspitze (3851m) - langer Suldengrat - bei Ausaperung deutlich schwerer!


Publiziert von pete85 , 6. Oktober 2018 um 19:54.

Region: Welt » Italien » Trentino-Südtirol
Tour Datum:12 September 2018
Hochtouren Schwierigkeit: S+
Klettern Schwierigkeit: IV (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2300 m
Abstieg: 1500 m

Primär war nach der Vertainspitze die Ortler Nordwand angedacht. Wir stiegen nach der Vertainspitze auch zur Tabarrettahütte zu - nur um einen Tag später wieder abzusteigen.
Die Wand befindet sich in einem erbärmlichen Zustand und gerade im unteren Bereich (die untere Hälfte) muss man schnell sein um vom Hängegletscher wegzukommen. Dieser deckt nämlich den kompletten unteren Bereich ab.
An schnell war nicht unbedingt zu denken bei den Bedinungen, zumal man max. 2-2,5 h bis zum Flaschenhals brauchen möchte. Die würde man wohl überziehen....
Schade, denn der obere (steile) Teil der Wand sah sehr gut aus und machte Lust auf mehr - aber die Vernunft hat Gott sei dank gesiegt.

Nun brauchten wir aber eine Ausweichtour und entschieden uns für den langen Suldengrat an der Königspitze. Auch hier war uns bewusst, dass die Verhältnisse bei weitem nicht perfekt sind. Schon im Hochtourenführer wird angegeben, dass es sich um einen sehr schönen Grat im Schwierigkeitsbereich S- handelt - aber nur bei den richtigen Verhältnissen. Das heißt zum richtigen Zeitpunkt und der befindet sich im Frühsommer.
Bei ausgeaperten Verhältnissen und wie bei uns dafür Schnee im oberen Bereich trifft man auf deutlich schwierigere Bedingungen (deswegen auch die Aufwertung auf wenigstens S+).

Zur Route:
Man startet an der Hintergrathütte und folgt zunächst für wenige hundert Meter dem Weg Richtung Hintergrat, bevor man nach links über 1-2 Moränen hinweg den Weg Richtung Königpsitze sucht (am besten am Vortag erkunden, es gibt auch irreführende Wegspuren).
Danach quert man ein paar Bäche und steigt am Schluss hoch Richtung Rampe, welche zum Grat führt (Nachts bei Ausaperung nicht ganz einfach zu finden - deswegen starteten wir auch erst 4:30 Uhr und konnten den Einstieg bei Tagesanbruch inspizieren).
Im Frühjahr/Frühsommer kann man hier bequem eine 45° Rampe/Rinne nach oben pickeln. Bei Ausaperung rutscht man zu Beginn auf dem Rest des Gletschers nach oben, bevor man sich an den ersten losen Blöcken festhalten kann. Über Steilschutt (kaum bis keine Sicherungsmöglichkeiten bei aktuellen Verhältnissen und Kletterei bis III) geht es weiter. Je weiter man nach oben kommt an der Rampe umso fester wird das Gestein und umso eher könnte man sichern. Aber wer bis dorthin gekommen ist, braucht das dann auch nicht mehr.

Es folgt der erste steilere Aufschwung (3) über einen Riss. 2 alte NH weisen den Weg. Klemmgeräte (auch größere) lassen sich sehr gut einsetzen.
Stand kann nach diesen ca. 20 Metern an einem BH bezogen werden. Es folgt eine 4+ Seillänge (offenbar neueren Datums). Eigenscheinlich könnte wohl auch links daneben etwas leichter hochgestiegen werden. Mit Bergschuhen und schwerem Rucksack sowie teilweise arg staubigem Fels ist diese Seillänge die anspruchsvollste am heutigen Tag für uns - konnte aber dennoch rasch gemeistert werden.
Es folgt leichteres Gelände, wir kletterten am laufenden Seil (offenbar die im Topo angegebenen 3er Platten). Weiter oben schien es wieder steiler zu werden (es soll dort einen 4er Kamin geben), wir blieben aber etwas weiter rechts und stiegen am laufenden Seil oder seilfrei bis max. II weiter nach oben bis auf den Gletscher.

Im Frühsommer könnte man nun einfach einem Firngrat bis zur Firnflanke folgen. Bei uns gab es einen Felsgrat. Sah nicht besonders schwer aus - aber der lange Suldengrat ist lang und wir dachten uns, dass wir den Teil vielleicht tiefer umrunden können wenn wir Glück haben. Hatten wir nicht.
So stiegen wir nach 1/3 Umrundung über den Bergschrund nach oben in eine Scharte und von dieser direkt über eine 20 Meter Wand (brüchig, senkrecht, max. II-III) bis auf den Grat und am laufenden Seil weiter. Die Kunst liegt darin keine Steine auszulösen und den nachfolgenden zu gefährden. Von Stand zu Stand sichern wäre aber schlicht zu langsam.
Am Ende dieses Grates steht man wieder am Gletscher, wechselt auf Steigeisen und steigt der Firnflanke entgegen. Eine Firnflanke war es bei uns leider lange nicht mehr. Es handelt sich um losen Schotter mit Stellen bis 70° (meist 50-60°) und Schneeüberzug. Zumindest teilweise war eine Firnschicht vorhanden.

Direkt nach oben geht es sowieso nicht mehr - ein 20-40 Meter hoher Felsriegel versperrt den Weg.
So quert man nach rechts und dann weiter Richtung Vorgipfel.
Unsere Hoffnung hier schnell durch seilfreies Klettern vorankommen zu können wurden schnell zerschlagen. Bereits beim Queren nach rechts rutschte ich auf den Felsplatten hin und her, die Pickel fanden im brüchigen Fels nicht immer Halt. So stiegen wir dann aufs Sichern um.
Diese ca. 300 Hm bis zum Vorgipfel konnten wir in 2 langen Seillängen (laufendes Seil) hinter uns bringen. Das ganze Equipment wurde benötigt (Haken, Tricams, KK, Friends, Bandschlingen) um in diesem brüchigen, von Schnee bedeckten Gestein halbwegs vernünftige Sicherungen anbringen zu können.

Am Vorgipfel angekommen hatten wir dann wiederum mehr Schnee als gewünscht (war aber schon lange klar). So kletterten wir in 3 langen Seillängen vom Vorgipfel bis zum Hauptgipfel mit Steigeisen bis zum 4. Grad (also echtes Bergsteigen, was wie auch die "Firnwand" Spaß machte). Das kostete aber auch mehr Zeit als bei "guten" Bedingungen.

13 Stunden nach dem Einstieg  kamen wir am Gipfel an.

Nun ging es an den Abstieg, den wir trotz einer weitgehend blanken Firnflanke von 40° (seilfrei runtergepickelt) nach etwas über 3 h geschafft hatten und uns an der Hütte noch ein Bier gönnten.  :)



Zeiten:
1:30 h bis zum Einstieg
1:30 h vom Einstieg bis Ende der Rampe und Beginn der Kletterei
2:30 h vom Ende der Rampe bis zum Gletscher
2:15 h bis Einstieg Firnflanke
3:00 h für die Firnflanke bis Vorgipfel
2:45 h für Gratkletterei bis Gipfel
3:15 h für den Abstieg bis zur Hütte




Tourengänger: pete85


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