Heuflerkogel (3245m) über Nordrinne/-platten und Westgrat (400m, 6-9 SL, IV+)


Publiziert von pete85 , 23. August 2018 um 21:51.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Ötztaler Alpen
Tour Datum:11 August 2018
Hochtouren Schwierigkeit: S
Klettern Schwierigkeit: IV (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 12:00
Aufstieg: 1000 m
Abstieg: 400 m

In der Früh erfolgte die Anreise bis nach Obergurgl. Von dort aus fuhren wir mit der Seilbahn bis auf die hohe Mut. Unser (unmarkierter) Weiterweg führte dann durch die Westflanke hinab ins Tal. Dort deponierten wir unser Biwakmaterial (und das meiste Klettermaterial (Haken, Friends, Exen, Kletterschuhe, etc....) für eine schwerere Route am nächsten Tag) und stiegen mit leichterem Gepäck Richtung Heuflerkogel auf.

Wohin unsere Reise gehen sollte, wussten wir noch nicht so genau. Die Internetrecherche für die Gipfel Heuflerkogel und Trinkerkogel brachte wenig zählbares (kein einziger Tourenbericht). Auf den wenigen guten Bildern und mithilfe von Google Maps erhofften wir uns aber eine brauchbare Route in einer der hoffentlich nicht ganz so brüchigen Nordwände für den Folgetag.
Heute stand eine eher leichte Hochtour auf dem Programm, ggf. (wenn es sich anbietet) eine leichtere Kletterei. 5 Klemmkeile hatte ich ja dabei, 3 Bandschlingen und 3 Exen, Stefan auch noch 2 Bandschlingen und 2 Karabiner.

Im Tal entschieden wir uns dann relativ schnell für den Heuflerkogel. Wir stiegen Richtung Nordwand auf um diese beurteilen zu können. Beim näherkommen entschieden wir uns dafür die kurze (aber steinschlaggefährdete) Rinne ein Stück aufzusteigen und sobald es möglich und sinnvoll erschien auf die linke Seite auszuweichen und mit dem Klettern über die nordseitig ausgerichteten Platten zu beginnen.
Diese sind schon von weitem sichtbar und mir schon ein ums andere Mal ins Auge gesprungen.

Nach der Rinne (ca. 30-40°, aktuell teilweise blank) geht man zunächst in brüchiges Kraxelgelände über. Schon nach etwa 50-80 Metern begannen wir mit dem Sichern. Die Schwierigkeiten bewegen sich zwar nur im 2.-3. Grad und es ist selten ausgesetzt, jedoch bewegt man sich in extrem brüchigem Gelände.
Die erste SL ist etwa 40 Meter lang, brüchig und ich bemerkte bereits, dass es mit 5 Keilen, 5 Bandschlingen und 3 Exen etwas schwer werden dürfte jeweils 2 gute Stände zu bauen und Zwischensicherungen zu legen. Da man für den ein oder anderen Stand schonmal einen Keil und eine Bandschlinge (oder aufgrund der Mehrzahl an Rissen und fehlenden Köpfeln in dem plattigen Gelände) oder auch 2 Keile für eine Standplatz brauchte, mussten zwischensicherungen sparsam platziert werden.
Die erste SL wies nur eine Stelle im 3. Grad auf, der Rest war 2. Danach folgte eine 3er Länge, an einem Riss relativ gut absicherbar, weniger brüchig.
Hierauf folgt ein breiteres Band, Stand konnte über dem großen Felstisch (schon von weitem gut sichtbar) an einem Köpfel bezogen werden. Von hier aus ging es in die Schlüssellänge unserer Tour (weiß man natürlich von unten nicht). Ich folgte gut ausgeprägten Rissen (mit meinen wenigen Sicherungsmöglichkeiten). Der Fels ist meist kompakt und weniger brüchig. Mit Keilen (und erst recht mit Haken) gut absicherbar. Weiter oben stieg ich einem Wulst entgegen, erkletterte diesen bis ich hinübersehen konnte und sah, dass es noch plattiger wurde. Vor allem aber sah ich keine Möglichkeit dort mit meinem wenigen mir noch verbleibenden Sicherungsmaterial einen Stand zu bauen mitten in den Platten (der Fels war meist kompakt und die wenigen Risse mit Dreck oder Moos gefüllt).
So querte ich nach rechts zum Grat (sehr kleingriffig, sehr kleine Tritte für die Bergschuhe) und konnte dort mit den mir verbleibenden 2 Keilen einen Stand einrichten. Schöne Länge, aber mit Bergschuhen und der Absicherung schon anspruchsvoller (nehmt halt mehr mit als wir bei unserem Spontanausflug).
Nun waren wir also am Grat. Der direkte Weiterweg über die Platten sah machbar aus. Macht aber sicher mehr Spaß in Kletterschuhen und man braucht mehr Material, weil es sonst sehr eng wird mit den Ständen.
Prinzipiell hätte man diese Längen aber auch leichter weiter rechts umgehen können (dafür waren wir aber nicht hier), bzw. man hätte auch direkt den westlichen Teil des Westgrates umrunden können und wäre von Süden leicht hochgestiegen Richtung Scharte.

Von der Scharte aus steigen wir ganz leicht rechts der Kante über Platten nach oben. Den Griff den ich zum weiterkommen verwenden wollte (und der einzig richtig große über die ersten 15 Meter) hatte ich sofort in der Hand. Alle Risse weiter oben waren viel zu klein für meine Keile. Also höher steigen an für Bergschuhe kleinen Tritten und kleinen Griffen (4+), bevor es etwas griffiger (aber auch noch brüchiger) wird und man nach etwa 40 Metern Stand beziehen kann. Es folgt eine weitere Länge über Platten (meist recht homogene Seillängen). Danach gingen wir am laufenden Seil bis zur kleine Scharte unterhalb des Gipfels (zunächst Gratkletterei (3), dann über eine Flanke (2) nach oben.

Das letzte Stück zum Gipfel ist wieder fester und leichter, bevor man auf einem Gipfel ohne Kreuz steht (ist heutzutage auch eine Seltenheit). Wir konnten den Blick auf die schöne Nordwand (die eigentlich für den nächsten Tag geplant war) des Trinkerkogels nur kurz genießen. Zu schnell mussten wir uns dem Abstieg widmen, schließlich wollten wir noch vor der Dunkelheit vom Gletscher runter sein und im besten Fall auch unseren Biwakplatz eingerichtet haben.

Der Abstieg erfolgt über die Südflanke. Wir stiegen wieder in die kleine Scharte ab und anschließend durch die Schotterrinne hinunter. Zunächst leicht nach links, unten nach rechts querend bis zu einer weiteren Rinne. Diese absteigen (2) und leichter nach links unten queren, dann steht man bald am Gletscher.
Dieser wird unschwierig abgestiegen. Unten über Möränen weiter bis zu unserem Biwakplatz auf 2360 Metern Höhe.

Route:
1. SL                    40m, 2-3
2. SL                    45m, 3
3. SL                    46m, 4+
4. SL                    40m, 4+
5. SL                    50m, 4-
6. SL          150-200m, 2-3
dann noch ca. 40-50 Meter (eine Stelle 2, Rest 1) bis zum Gipfel

Zeit für die Route:   5:30 h  (am meisten Zeit nahm das Sichern wegen zu wenig Sicherungsmaterial in Anspruch)

Tourengänger: pete85


Galerie


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