Überschreitung Silberplattenchöpf


Publiziert von pboehi Pro , 18. August 2018 um 13:42.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum: 9 August 2018
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SG   Alpstein   CH-AR 
Zeitbedarf: 4:30
Aufstieg: 1066 m
Abstieg: 368 m
Strecke:7.8km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV oder Auto zur Schwägalp
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Säntis Bergbahn Masten #2
Unterkunftmöglichkeiten:Schwägalp, Tierwis

Die Silberplatten sind eine bekannte Formation im Alpstein, deren pultdachartiger Gipfel abends durch ihr Glänzen auffällt und auch dem Tageswanderer über einen leichten Weg offen stehen. Diesem Gipfel vorgelagert sind die Silberplattenchöpf, welche sich vom Stosssattel zum Gipfel der Silberplatten erstrecken, 6 an deren Zahl. Die Überschreitung der Köpfe 4-6 wird im Kletterführer Alpstein mit 2b bewertet (S. 229).

 

Die Überschreitung aller Silberplattenchöpf ab Stosssattel ist weniger populär, da für Kletterer nicht attraktiv. Aber für uns T6-Freunde ist diese Route ein wahres Eldorado, ich mache sie immer wieder gerne. Ossi hat die Route bereits ausgezeichnet beschrieben, diesem Bericht möchte ich nur noch meine eigenen Eindrücke, Erfahrungen und Tips hinzufügen.

 

Den Zustieg mache ich jeweils über den alten Weg zum Stosssattel ab Schwägalp - Kegelboden. Bei der Kiesgrube in der Falllinie in mehr oder weniger schottrigem, gestuftem Gelände aufsteigen, kurz oberhalb des Einstiegs zum Grossen Band stösst man links an der Felswand auf die erste rote Markierung. Dann der Felswand entlang weiter, später Traverse nach rechts über ein Bachbett und Aufstieg rechtshaltend durch eine Scharte zum “toten Baum”, von dort weiter immer Höhe gewinnend den roten Markierungen nach bis zum Stosssattel. Der Weg ist im hohen Gras nicht immer klar definiert. Achtung: Sich nicht von Schafpfaden verleiten lassen, zu weit nach rechts zu queren, im Zweifelsfall Höhe gewinnen.

 

Beim Stosssattel direkt einsteigen, die ersten Felsen übersteigen, den letzten grossen Gendarm vor dem ersten Kopf westlich in ausgesetztem Gelände umgehen.

 

1. Kopf: Direkt über die Scharte zum Gipfel (nicht umgehen wie andernorts beschrieben), in der Scharte müssen einige Blöcke überklettert werden. Dahinter zweiter kleiner Gipfel des 1. Kopfs, Abstieg auf der westlichen Seite über gut gestuftes Grasgelände.

 

2. Kopf: Direkt anpeilen, man stösst auf ein Couloir, über welches die Südseite leicht erklettert werden kann, in der logischen Linie weiter auf den grasigen Gipfel. Von dort westlich in gestuftem Grasgelände absteigen, kurz vor der Scharte 2/3 kommt für mich die Schlüsselstelle: eine 3m hohe Steilstufe, welche etwas heikel abgeklettert werden kann (nicht in Flanke ausweichen!), es gibt dort auch die Möglichkeit abzuseilen (Schlingenstand).

 

3. Kopf: Auf der Westseite umgehen ist am einfachsten und die Normalroute, auch die Ostseite ist möglich, ist aber mit mehr Klettern verbunden. Danach immer dem Grat folgen, ein Felskopf lässt sich nicht überklettern (Sackgasse), vor diesem kurz ins gestufte Grasgelände der Westflanke ausweichen, aber nicht zu weit absteigen, sondern gleich wieder an den Wandfuss und zurück zum Grat. Bei der Scharte 3/4 kann man gut und kontrolliert abklettern, es gibt dort bei Bedarf ebenfalls einen Schlingenstand.

 

4. Kopf: Hier kommt der mit einem Fixseil gesicherte Kletterzustieg in die Scharte 3/4 hinauf, dieser Kopf ist der einfachste und besteht hauptsächlich aus gestuftem Grasgelände, dieser wird überschritten, westlich wieder absteigen und sich wieder an den Grat halten, unten kurz über einfache Platten abklettern.

 

5. Kopf: Hier beginnt die eigentliche Kletterei. In einer senkrechten Wand mit guten Griffen und Tritten 2-3m hochklettern, dann auf einem kleinen Band nach links weg und wieder in gestuftes Grasgelände. Weiter oben kompakter, einfacher Kalk, nach rechts auf den Grat, dieser wird auf dem höchsten Punkt nach links verlassen, wo man auf ein kleines Plateau stösst, wo die erste Abseilstelle ist. Von hier 8m in die Scharte 5/6 abseilen.

 

6. Kopf: Von der Scharte aus rechts um die Ecke und in einfacher Plaisir-Kletterei weiter, sich wieder am Grat orientieren, am höchsten Punkt nach Westen weg auf ein breites Plateau, wo sich die nächste Abseilstelle befindet. In Marschrichtung gesehen links runter 8m abseilen, dort hat es wenige m rechts eine weitere Abseilstelle. Man könnte mit einem 50m Seil die gesamte Strecke in einem Mal machen, aber da man schräg abseilt, erspart man sich Probleme beim Abziehen des Seils, wenn man 2x macht. Vom unteren Stand aus wieder schräg nach rechts in die Scharte etwa 15m abseilen.

 

Nun alles zusammen packen, links um die nächste Felswand herum und zum Wandfuss des Silberplattengipfels, wo wiederum in leichter Plaisir-Kletterei in kompaktem Fels in kurzer Zeit der Gipfel erreicht werden kann.

 

Abstieg über den Wanderweg zum Silberplatten-Sattel und zur Tierwis.

Material: 30m Seil, Abseilausrüstung, Helm, Handschuhe*

 


Zeitbedarf:
Aufstieg Schwägalp - Kegelboden - Stosssattel: 2h
Überschreitung Silberplattenchöpf bis Gipfel Silberplatten: 2h
zur Tierwis: 35min

Tour im Alleingang, ungesichert

GPS Track mit Garmin Forerunner 935 aufgezeichnet.

Bei Bedarf buchen: Hampi Schoop, Bergführer (Tierwis-Wirt und Kenner der Region). Mit ihm habe ich diese Tour das erste Mal gemacht, was mir geholfen hat, später zu entscheiden, ob ich das Ganze solo machen will.

* Falls ich hier noch etwas Werbung machen darf: Black Diamond Crag, billig und widerstandsfähig, das Beste, was ich für diesen Zweck bisher gefunden habe.


Tourengänger: pboehi


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Kommentare (4)


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carpintero Pro hat gesagt:
Gesendet am 18. August 2018 um 14:29
Danke für die gute Beschreibung und die hilfreichen Topos!

maggotist hat gesagt:
Gesendet am 19. August 2018 um 14:22
danke für den schönen&ausführlichen bericht. die fotos sind wie immer hilfreich und von toller qualität!

Kaj hat gesagt: Ausführlich & bebildert
Gesendet am 19. August 2018 um 18:26
Danke pboehi,
T6/II ist kein Pappenstiel und doch macht mich dein Bericht gluschtig
ciao Kaj

pboehi Pro hat gesagt: RE:Ausführlich & bebildert
Gesendet am 19. August 2018 um 18:42
Lieber Kaj - vielen Dank für Deinen Eintrag. Diese Tour ist für sichere T6-Gänger gut machbar, braucht aber ein gewisses Mass an Sicherheit und Erfahrung in diesem Gelände. Beim Klettern dito: Solo braucht es Sorgfalt, saubere Technik und mentale Stärke. Im Zweifelsfall buch Hampi Schoop, dann bist Du auf der sicheren Seite. Peter


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