Lienzer Spitz über den NE-Sporn (Hoher Kasten 1791m)


Publiziert von Alpin_Rise Pro , 12. Mai 2009 um 23:45.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:12 Mai 2009
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SG 
Aufstieg: 900 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Lienz, mit dem PW kann bis kurz vor die Brücke P. 678 gefahren werden.

Der NE-Sporn des Lienzer Spitz ist ein baumbestandener, steiler Kamm: eigentliches Tösstalgelände, mit dem Unterschiede dass hier Kalk anstatt Nagelfluh vorherrscht. 700hm lang und damit grosszügiger als die meisten Astiege im Tösstal war die logische Linie am Hohen Kasten bis heute ein Fragezeichen. Jetzt wissen wir's: Der Sporn ist  auf über 300hm durchgehend mehr als 45° steil (Passagen bis 60°) und begehbar, aber anspruchsvoll: Wurzelkletterei, Erdtritte, lose Steine, morsche Äste und dergleichen - ein gepflegtes Bouquet für jeden Waldkletterer!
Mein Versuch am Sporn vor drei Wochen war halbherzig, dafür gings damals durch die Kastenwand.

Mit neuem Elan, Pickel, Steinschlaghelm und Wurzelboulderer Ossi hats geklappt - der NE-Sporn am Lienzer Spitz ist geschafft!


Den Einstieg wählten wir etwa beim "n" des Schriftzuges "Wannen" (LK 1:25000 Säntis) am Fahrweg oberhalb der Littenwand. Dort beginnt ein undeutlicher Forstpfad, der sich jedoch nach zwei, drei Windungen im Jungwuchs verliert. Ab hier erst harmlos leicht linkshaltend und über feste Felsstüfchen (T4, I) immer den erst wenig ausgeprägten Sporn hoch bis auf ca. 900m. Dort wird das Gelände beim ersten Aufschwung steiler und eine kurze horizontale Querung nach links in weniger bewaldetes Gelände scheint sinvoll (T6, "grossgriffige" Bäume, exponiert). Nun an Wurzeln, teils losen Steinen und Bäum(ch)en ca. 100hm sehr steil aufwärts (Achtung: lose Felsblöcke! T6 oder Z5? Stellen II). Das Gelände wird etwas flacher bis zum zweiten Aufschwung. Ähnlich,  aber etwas leichter als der Erste, Stellen T6. Wiederum flacher zum dritten und letzten Aufschwung (T5+, rechts der Kante etwas leichter, zuoberst durch eine zentrale Rinne). Oberhalb, auf ca. 1260m verflacht sich der Sporn deutlich. Der weitere Aufstieg am Grat ist leicht (max. T4). Spannender ists, nach links in die Kastenwand hinauszuqueren und auf einem der vielen Bändern zum Lienzer Spitz zu steigen (T5, I).

Am Gipfel des  wartet eine idyllische Feuerstelle auf Ossi's Bratwurstboulder-Opfer und auf uns die Entscheidung: Aufsteigen zum Hohen Kasten oder über die Kastenwand absteigen? Da keiner von uns entscheiden will, losen wir's aus und Ossi zieht den kürzeren Grashalm bzw. Weiterweg.
So steht uns ein spannender Abstieg über die mir bereits bekannten Bänder der Kastenwand bevor. Zu unserem Erstaunen wurde die Route irgendwann in den vergangenen drei Wochen mit blauem Spray zusätzlich markiert; das erleichtert uns die Wegfindung, dennoch zweifelte ich ein wenig an meinen grauen Zellen, welche innert Monatsfrist die genaue Routenführung fleissig überschrieben haben....  Item: Der Weg durch die Kastenwand ist nun von unten kommend nicht mehr zu verfehlen, dem einen gefällts so, dem anderen weniger... im Abstieg brauchts nach wie vor Routenkenntnisse.

Fast überflüssig zu erwähnen, dass man bei Nässe besser nicht einsteigt. Eine Begehung im Rudel ist ebenso gefährlich, da massig viel loses Material nur darauf wartet, losgetreten zu werden.

Ein Kafi als Belohnung und angeregte Diskussionen über zukünftige Projekte runden die aussergewöhnliche Tour ab. Der Nachmittag im Büro ist gerettet... danke, Ossi!


Tourengänger: Alpin_Rise, ossi

Galerie


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T6 II
12 Mai 09
Lienzer Spitz Nordostsporn · ossi

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