Rifugio Alpe Ribia mit 180 cm Schnee


Publiziert von Seeger Pro , 8. April 2009 um 16:23.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum: 8 April 2009
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Schneeshuhtouren Schwierigkeit: WT3 - Anspruchsvolle Schneeschuhwanderung
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Rosso di Ribia   CH-TI 
Zeitbedarf: 2 Tage 6:00
Aufstieg: 976 m
Abstieg: 976 m
Strecke:5 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto: Locarno – Ponte Brolla – Centovalli – Val Onsernone – Val Vergeletto – nach 4,5 km Abzweiger rechts nach Pièi mit Wanderwegtafel gut signalisiert (2 - 3 Parkplätze).
Zufahrt zum Ankunftspunkt:dito
Unterkunftmöglichkeiten:Capanna Alpe di Ribia, 1996m, Selbstversorgerhütte des Patriziato Generale d’Onsernone, Getränke im Verkauf, Übernachtungstaxen, Holz und Gas. Bezahlen mit PC.
Kartennummer:1311 Comologno, 1291 Bosco Gurin

Auf der Suche nach einer wirklich abgelegenen Gegend stiess ich vor Jahren in einem Buch von Ely Riva -  „Valle dimenticate“ -  auf die Alpe Ribia, Val Vergeletto. Bis etwa 1950 war die Alp noch bestossen und von der ganzen Siedlung mit etwa 30 Hütten sind noch eine Handvoll vorhanden, liebevoll der Nachwelt erhalten und dazu noch eine der Öffentlichkeit zugänglich gemacht in Form einer Selbstversorgerhütte. Ein einfaches hölzernes Kreuz grüsst vom nahegelegenen Grat herab und zeugt von der tiefen Religiosität, welche es den Älplern überhaupt ermöglichte, das karge und entbehrliche Leben hier oben zu fristen.
Ich besuche diese Hütte regelmässig und kenne den Weg in- und auswendig. Zum Glück! Bis auf die Alp Pianaccio 1585m geht alles planmässig. Vorsichtigerweise steige ich beim Morgengrauen auf, vorerst noch mit der Stirnlampe, da die Temperatur dem Schnee recht zusetzt und die Tragfähigkeit kritisch sein könnte. Und dann geht'slos! Knall auf Fall rund 100 cm Schnee, durchfurcht von kaum zehntagealten Grundlawinen mit Lärchen, Grasbüschel, Steinplatten………
Bewehrt mit Schneeschuhen kämpfe ich mich durch die Schneemassen, welche doch noch recht gut tragen. Mit Karte und Höhenmesser prüfe ich den Fortschritt meines Aufstiegs, da weder die rot/weissen Wegzeichen noch die Weganlage sichtbar sind. Neu lerne ich, dass es in Lawinenzügen leichter aufzusteigen ist als im Schnee. So gewinne ich relativ schnell an Höhe und kann bei 1800m den Fixpunkt – Kreuzen des Wanderweges mit dem Bach – erreichen. Der Weg steigt rechts des Baches (in Marschrichtung) hinauf. Ich wähle die linke Talseite, quere einige Lawinenkegel und sehe über mir den vorgelagerten Stall der Alpe Ribia. In Direttissima (und Steighilfe) geht’s hinan und da wäre die Hütte !?
Sie liegt unter 180 cm Schnee, schön eingepackt wie ein Ostergeschenk. Ja, was für ein Geschenk. Keine Schaufel weit und breit. Zum Glück habe ich noch den Eispickel bei mir und mithilfe der Schneeschuhe, welche ich als Schaufel einsetze, kann ich den oberen Teil des Eingangs freilegen. Robbender weise krieche ich ins Innere der Hütte und steige frisch und fröhlich zum Fenster im I. Stock (Matratzenlager) wieder auf gleicher Höhe des Schnees hinaus ins Freie.
Das leibliche Wohl geht vor: Einfeuern, Schnee schmelzen, Suppe und Tee machen; Makkaroni und Fleisch, Kaffee und Bisquits. Es ist mittlerweilen 14 00 Uhr.
Mit einem Schluck Rotwein (Barbera) trinke ich mir Mut an. In drei Stunden Schneeschaufeln sind der Eingang über eine Schneetreppe erreichbar und zwei Stubenfenster freigeschaufelt!
Ich entschliesse mich, hier zu übernachten. Und wie jedes Mal besuche ich das Holzkreuz und gedenke den vergangenen Generationen, welche es überlebt hat.
Ob wohl sich die Hütte nur auf etwa 15 Grad erwärmt hat, geniesse ich die heimelige Atmosphäre. Mit drei Wolldecken gut eingepackt schlafe ich bis sage und schreibe acht Uhr!!! Ich glaube, das Schneeschaufeln hat mir dazu verholfen.
Eigentlich wollte ich noch gegen den Rosso di Ribia aufsteigen. Es ist jedoch wegen der angestiegenen Temperatur zu riskant. So entschliesse ich mich abzusteigen. Dieses Mal bis auf 1640m westlich des Bachs entlang, dann in happiger Traverse zur Alp Pianaccio. Wieder mit Höhenmesser pingelig nachvollzogen.
Problemloser Abstieg zum Auto. Jedoch noch mehr Äste vom Weg geräumt wie im Aufstieg. Ist halt so eine Marotte eines alten Berggängers und Liebhaber der Alpwege.

Tourengänger: Seeger

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