Über den Wolken am Bälmeten


Publiziert von Bikyfi , 25. Juni 2018 um 08:13.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:28 Oktober 2017
Wandern Schwierigkeit: T5- - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR 
Zeitbedarf: 7:30
Aufstieg: 1466 m
Abstieg: 1483 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Schattdorf - LSB Haldi
Kartennummer:1192 Schächental

Kurz vor 9 Uhr parkierte ich an der Talstation der LSB und sputete mich die nächste Gondel noch zu erwischen um kein 30 min auf die nächste Bergfahrt nach Haldi warten zu müssen. Viel los war nicht, nur ein paar Kids in der Gondel die mit ihren MTB zum Downhill wollten.
An der Bergstation erkundigte ich mich nach den verhältnissen am Bälmeten. Doch eine konkrete Aussage erhielt ich vom Bahnpersonal leider nicht.
So spazierte ich los entlang Fahrstraßen bis ich den Zugang in den Wanderweg neben einem Bauernhof fand. Ab hier gewann ich dann rascher die ersten Höhenmeter durch ein kleines Waldstück welches mich auf eine Alm am Fuß vom Bälmeten führte. Den weiteren Weg am Berg konnte ich auch von hier nicht ausmachen, ich folgte erst mal stur den wrw Markierungen im Grasgelände und schlammte meine Sohlen voll.

Als ich dann in steiniges Gelände kam verzweigte sich der Wanderweg. Ich verpasste natürlich den Abzweig nach rechts hinauf Richtung Schwarzgrat. Markierung gabs hier keine, der Routenverlauf ließ erahnen dass ich falsch war. Ich kehrte um und machte mich dann in den Aufschwung. Der Boden wurde fester, hier und da schon überfroren und mit Schnee belegt. Ab 1800m dann war der Weg gefroren. Aber nichts wofür man Steigeisen benötigte. Steilheit war mässig, maximal T3. Auch die durchgängige Schneeauflage kurz vorm Schwarzgrat-Sattel 1993m war unproblematisch. Am Schwarzgrat 2037m selbst Richtung Griggeler 2021m waren die flachen Kiefer?gehölze grün und Schneefrei. Der Gang nach vorn zum Aussichtspunkt (20min) war schön, keine kraxelei von Nöten, trittfester Schnee. Schwindelfrei muss man auch erst beim Blick vom Griggeler hinunter nach Erstfeld sein. Es bot sich ein spektakulärer Anblick über den tief liegenden Nebel in den umgebenden Tälern.

Nach kurzer Pause Retour zum Sattel und über ein kurzes Stück hinauf über einen Buckel hinein in die schattige Nordflanke des Bälmeten. In dem Geröllfeld dann Eis. Nur mit Steigeisen gings hier weiter. Keine Spuren von Vorgängern. Steinmännchen wiesen hier und da den Weg der auch recht offensichtlich war. Nach der Querung gings in den hart gefrorenen Schnee über teils abschüssige Passagen (T4) zu einem kleinem Sattel der plötzlich den Anblick ins Schächental preisgab. Ab hier dann mit weiter in der Sonne über steile Hänge, gefühlt kreuz und quer zur Schlüsselstelle. Mühsames Stapfen durch Schnee, teils immer wieder einsinken bis zur Wade kostet Kraft. An der Schlüsselstelle kurz unterhalb des Gipfels dann eine Kettensicherung. Normal meide ich den Griff und versuche eher ohne Hilfsmittel vorbei zu kommen. Aber mit den Steigeisen an den Schuhen fühlte ich mich bei der kurzen T4+ Kraxelei wohler mit der kette in den Händen. Der SAC Alpintourenführer gibt hier T5 an, irgendwie sehe ich das aber nicht so.

Danach: flach ansteigendes Hochplateau bis vor zum Gipfelkreuz des Bälmeten 2416m. Ich war allein, doch nur kurz. Von Erstfeld her kam ein weiterer Wanderer in Trailrunner-Schuhen rauf. Ich staunte ja nicht schlecht und dann packte er auch noch seinen Geltischirm aus, warf sich Richtung Schwarzgrat über die Kante und verschwand rasant in den Lücken die im Nebel im Tal aufrissen.

Jetzt war ich wieder allein, genoss beinahe eine Stunde das Panorama und den Wolkentanz. Viele alte und auch neue Projekte konnte ich bestaunen. Ich mag Uri einfach. Ich bin gerne hier. Etwa 200m unter mir konnte ich 2 Gemsen auf Futtersuche beobachten bevor ich den Abstieg über den Bälmeter Grat 2252m begann.

Ohne vorhandene Spuren verfehlte ich meine urprünglich geplante Route zur Stafelalp und stieg statt dessen durch eine breite Rinne über ein steilen Hang (T3+) direttissima zügig ab nach Butzenstein 1800m. An der dortigen privaten Hütte mit tollem Blick nach Haldi luden mich die 2 Inhaber auf eine Dose Bier ein. Wir hatten ein super nettes Gespräch und redeten über Gipfel und Seen im Kanton Uri. Ich habe sehr gute Erinnerungen daran, es hat mich gefreut eine derart nette Bekanntschaft gemacht zu haben. Der Abstieg von Butzenstein zurück zur Bergstation ging wieder durch ein bisschen schlammiges Gelänge je tiefer man kam.

Der Himmel zog wieder zu als ich kurz vor der Bergstation war. Doch die Bilder im Kopf vom Nebelmeer bleiben.

Tourengänger: Bikyfi


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