Vom Mariental über die Sörenberger Dolomiten


Publiziert von lorenzo Pro , 20. Dezember 2016 um 15:48.

Region: Welt » Schweiz » Obwalden
Tour Datum:18 Dezember 2016
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS-
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-OW   Hagleren und Giswilerstöcke   CH-LU 
Zeitbedarf: 6:45
Aufstieg: 1305 m
Abstieg: 1305 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Sörenberg Rothornbahn
Zufahrt zum Ankunftspunkt:dito
Kartennummer:LK 1189 Sörenberg; W. Auf der Maur und F. Ineichen, Clubführer Zentralschweizer Voralpen, SAC 1984

Vom Waldemmental, dem Brienzergrat, dem Rosenlaui und dem Haslital waren mir die Giswiler Stöcke schon oft aufgefallen. Laut Clubführer sollen seine Klippen aus 200 Millionen Jahre altem Dolomit- und Kalkgestein der Jura- und Triaszeit bestehen. Bisher waren wir erst einmal vor vielen Jahren vom Ländli aus auf die Schafnase gestiegen. Angeregt durch die Berichte auf Hikr wollte ich auch einmal seine Überschreitung versuchen, und zwar mit einem Auftakt über die alte Chringenkante, wie sie im alten Clubführer noch beschrieben ist. Laut diesem sollten sich im unteren Teil der Route, die zuerst rechts und dann links der Kante und erst im oberen Teil über diese verläuft, 3 Haken befinden. Vermutlich einen davon fand ich ziemlich verrostet unter der Rampe im Gras liegen, von den beiden anderen fehlte beim weiteren Aufstieg aber  jede Spur...dafür war der obere Teil, der gemeinsam mit der neuen Chringenkante verläuft, umso grosszügiger mit Bohrhaken ausgerüstet. Das verfügbare öV-Zeitfenster schien mit ca. 7h 30min zunächst etwas knapp bemessen, reichte aber trotz einigem Zeitaufwand für die abenteuerliche Zustiegsvariante (siehe unten) und das Einrichten einer Seillänge im brüchigen Niemandsland dank ein paar Speedeinlagen zum Glück schliesslich doch noch.

Zustieg
Von der Talstation der Rothornbahn (Schönenboden, 1240m) auf der Pass- oder Panoramastrasse zum Glaubenbielenpass bis zum Emmenrank (1378m) und auf dem weiss-rot (wr) markierten Bergweg über Chli Witi, Jänzimatt (1619m), Fontanen (1676m) und Heidenboden (1822m) zur Chringe (1913m, 3 Hochspannungsmasten), 1h 45min, T3 (Der auf dem Kartenblatt von 1986 noch eingezeichnete Bergweg über Stafel, 1467m, und Mittlist Arni, 1610m, nach Fontanen ist zwar landschaftlich und technisch sehr abwechslungsreich und interessant, stellenweise aber von Stauden überwuchert, abgerutscht oder kaum mehr auffindbar, die noch vorhandenen weiss-roten Markierungen sind zudem verblasst, T4+).

Alte Chringenkante
Von der Chringe nach NNE unter den 3 Hochspannungsmasten hindurch und links der Felsen zur Chringenkante. Ca. 50m nach E zum Beginn einer markanten Rampe und auf dieser (Gras- und Felsschrofen, I-II) nach links hinauf zu einem breiten Geröllabsatz über dem 1. Kantenaufschwung. Links des 2. Kantenaufschwungs über Geröll, gemischte Schrofen und eine Kaminrinne (10m, III-) zu einem schmalen Absatz. 1. Stand an einem Block und 1 halbe SL über eine abdrängende Stufe (5m, III+, z.T. brüchig, oben Grasgriffe, Zwischensicherungen mit 1 Schlinge und 1 Kk möglich) und steile Grasschrofen rechts haltend zu 2. Stand an einem Block. Auf einem abschüssigen Schrofenband ausgesetzt nach rechts zurück auf die Kante. Über den sich zurücklegenden 3. Kantenaufschwung in Genusskletterei (II-III, Bh), die letzte Stufe rechts umgehend (II), auf die Hintere Rossflue (2081m), 1h bis 1h 30min, ZS-.

Giswiler Stöcke
Von der Hinteren Rossflue über den NW-Grat (Pfadspuren) hinunter in den Sattel ca. 2020m und über den felsigen SE-Grat (I-II, Bh) auf die Vordere Rossflue (2071m). Über den N-Rücken (Pfadspuren, Steinmänner), zuletzt den felsigen Gratabschnitt E umgehend, zur Furgge (1909m, Depot des Klettermaterials). Dem S-Grat entlang auf einem Pfad zur Schafnase (2010m) und über den NE-Grat (Pfadspuren) steil hinunter zum Sattel 1895. Über den SW-Grat zuerst auf einem bewaldeten Abschnitt (Pfadspuren) zu P. 1912, dann auf einem ausgesetzten Felsgrat (I-II) zu P. 1925 und auf weiter (Pfadspuren) zu P. 1940 (Kreuz). Auf dem NE-Grat über P. 1876 und 1855 (Pfadspuren, zuletzt wr) zum Stockkreuz (1825m), 1h 30min, T5.

Abstieg
Auf dem Bergweg (wr) hinunter zum Telti (1642m) und Wiederaufstieg zur Furgge, 45min, T3. Auf dem Bergweg (wr) steil hinunter nach Fontanen und auf der Zustiegsroute zurück, 1h 30min, T3.

Verhältnisse: schattseitig griffige Schneereste und vereiste Bäche, Chringenkante trocken, auf dem Grat schattseitig Reif (Vorsicht). Inzwischen hat es wohl etwas Schnee gegeben.

Fahrplan: 9.15 Rothornbahn, 12.15 Hintere Rossflue, 13.45 Stockkreuz, 14.30 Furgge, 16 Uhr retour (letzte Post 16.45).

Material: zusätzlich Leichtpickel, reduzierte Kletterausrüstung mit 50m 7,5mm Seil, 5 Express, 3 Schlingen, 3 kleinen und mittleren Friends sowie Kk-Set.

Tourengänger: lorenzo

Galerie


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10 Jun 16
Giswiler Stöcke · Bergamotte
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Kommentare (2)


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Bombo hat gesagt:
Gesendet am 20. Dezember 2016 um 21:05
Salü Lorenzo

Schon wieder ein Tourenbijou von Dir - herzliche Gratulation einmal mehr und danke für diesen spannenden Leseausflug!

Frohe Festtage und für das neue Jahr weiterhin spannende, wilde, nachhaltige und unfallfreie Erlebnisse.

Gruess

lorenzo Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 21. Dezember 2016 um 07:21
Hallo Bombo

vielen Dank und Dir natürlich meine Gratulation zu eurer Mönchbesteigung und zu den prächtigen Bildern!

Ich wünsche Dir auch erholsame Feiertage und alles Gute im neuen Jahr.

Herzliche Grüsse

lorenzo


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