Dreifaltigkeit 1800m und Marwees 2056m


Publiziert von Bergamotte Pro , 2. Dezember 2016 um 18:22.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum:29 November 2016
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-AI   Alpstein 
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1300 m
Kartennummer:1115 Säntis

Die Marwees ist DER Klassiker für die Nebensaison, denn die sonnenverwöhnten Südosthänge apern jeweils schnell aus. Selbst im Hochwinter liegt dort nicht immer eine geschlossene Schneedecke. Um der Tour noch eine gewisse Würze zu verleihen, besteige ich zuvor den Westturm der Dreifaltigkeit, was einfacher geht als erwartet.

Das Thermometer zeigt -5°, als ich im Schattenloch Wasserauen (868m) loslaufe. Stören tut das nicht, denn es ist windstill. Um im Aufstieg durchs steile, wilde Hüttentobel bekommt jeder warm. Auf der Seealp sorgen Nebelfetzen für mystische Stimmung. Die Wolkendecke liegt nun unter mir, über mir stahlblauer Himmel ohne ein einziges Wölklein. Steil geht es weiter hinauf in die Bogartenlücke (1709m). Trotz der Nordexposition ist der Wanderweg in einem guten Zustand, nur zuoberst liegen etwas Wassereis und ein kleines Schneefeld.

Den kurzen Abstecher aufs Bogartenmannli (1730m) lasse ich mir nicht entgehen. Trotz Seil ist und bleibt das für mich eine recht knifflige Angelegenheit. Bevor ich den Westturm der Dreifaltigkeit angehe, möchte ich noch den Ostturm begutachten. Hierzu quere ich ab Bogartenlücke in relativ direkter Linie die steile Ostflanke hoch (T6-). Das ist Blödsinn. Besser man folgt weiter dem Wanderweg bis zum nördlichen Ausläufer des Turms, von hier lässt sich der Schlussaufschwung einfach erreichen. Gar nicht einfach wäre eine Begehung des Ostturms, vor allem die Ausgesetztheit ist extrem. Ich schätze T6+/II+ bis III. Selbst bei trockenen Verhältnissen hätte ich wohl die Finger davon gelassen.

Über die Rippe gelange ich zurück zum Wanderweg und folge ihm nochmals ein kurzes Stück. Anschliessend weglose Querung durch Steilgras zur Rippe vom Westturm (T5), am besten hält man sich möglichst hoch. Über die Rippe erreicht man ohne grössere Schwierigkeiten, die ersten paar Meter ausgesetzt (T5+), die Dreifaltigkeit (1800m).

Wer nun die Marwees anhängen will, kann praktisch in direkter Linie zum Gipfelkreuz hochsteigen. Haupthindernis ist ein kleines Felsband, welches ich nach kurzer Querung überklettere (T6/II), siehe Topo. Wem das zu heikel ist, quert stattdessen zurück zum Wanderweg. Nach dieser Schlüsselstelle erreiche ich den Grat ohne Probleme über die gut begehbare Grasflanke und folge ihm Richtung Hauptgipfel. In der Nordflanke liegt eine mehr oder weniger geschlossene Schneedecke, auch wenn die Mengen gering sind. Die Stelle, wo der wbw-Wanderweg kurz auf diese Seite ausweicht, ist zurzeit gut begehbar. Weglos, aber unschwierig steige ich schliesslich den Schlussaufschwung zur Marwees (2056m) hoch, Zeit für die Mittagsrast. Dank meiner dicken Daunenjacke lässt es sich angenehm und ausgiebig pausieren. Trotzdem, wann immer etwas Wind aufkommt, wird es sogleich empfindlich kühl.

Weil ich den Schrennenweg noch nie gegangen bin, wähle ich für den Abstieg diese Variante. Natürlich entgehen mir dadurch ein paar zusätzliche Minuten in der Sonne. Ein Umweg via Meglisalp ist hierfür nicht nötig. Stattdessen steige ich vom Widderalpsattel (1855m) weglos in die Bötzelmulde ab. Auf dessen Nordseite setzt ein ganz passabler, etwas rauher Pfad ein (s. LK). Die Schneeresten liegen hier häufiger als zuvor, aber im harmlosen Gelände stören sie nicht weiter, im Gegenteil. Nur bei einem kurzen Durchschlupf ist erhöhte Konzentration gefragt, doch dank guten Trittspuren von Vorgängern bleibt der Pickel am Rucksack. Unten angekommen, in der kleinen Ebene von Taa, schaue ich noch beim Kreuz P. 1491 vorbei.

Der Schrennenweg ist für den erfahrenen Bergwanderer zurzeit noch gut begehbar. Kurze Stellen mit Wassereis können sicher passiert werden, auch weil das Trassee an den meisten Stellen recht breit ist. Unter normalen Umständen ist diese Variante für die aktuelle Jahreszeit aber gänzlich ungeeignet, ja sogar gefährlich. Zum Abschluss verbleibt nochmals der Weg durchs Hüttentobel, welcher um diese Jahreszeit herrlich eingelaubt ist, eigentlich... denn tatsächlich kreuze ich drei Arbeiter, die mit ihren Laubbläsern für Ordnung sorgen. Sönd willkomm in Absurdistan!


Zeiten
1:30  Bogartenmannli
0:40  Dreifaltigkeit
1:00  Marwees
1:50  Wasserauen

Tourengänger: Bergamotte


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