Grassen (2946m) via Südwand und -grat


Published by Garuda , 1 August 2015, 19h07. Text and phots by the participants

Region: World » Switzerland » Uri
Date of the hike:31 July 2015
Hiking grading: T4 - High-level Alpine hike
Mountaineering grading: AD-
Climbing grading: III (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-BE   CH-OW   CH-UR 
Time: 1 days
Height gain: 1100 m 3608 ft.
Height loss: 1100 m 3608 ft.
Access to start point:Mit Pw zum Parkplatz der Sustlihütte SAC oder mit dem Postauto bis "Meien, Sustenbrüggli".
Access to end point:(siehe Ausgangspunkt)
Accommodation:Sustlihütte SAC

Abwechslungsreiche Hochtour über einen spaltenarmen Gletscher, dann Wandkletterei in schönem Fels und zum Dessert wartet ein luftiger Grat. So die Route von Süden her auf den Grassen. Abstieg über ein steiles Schneecouloir, bevor einem der weiss-blau-weiss markierte Weg zurück zur gemütlichen Sustlihütte führt.

Der letzte Tag im Juli verspricht Sonne. Das glauben wir noch nicht so richtig, als wir am Vortag umhüllt von Nebel über den Leiterliweg zur Sustlihütte aufsteigen. Auch nach dem Znacht sieht es nicht besser aus. Die Sicht auf die Berge rundherum bleibt uns verwehrt.

Tagwach und Zmorge. Um 7 Uhr laufen wir los. Ich staune, welch Panorama sich jetzt zeigt. Die Sonne kitzelt die Bergspitzen, so auch den Grassen. Das Gipfelkreuz ist schon von weitem sichtbar. Die Südwand bleibt noch länger im Schatten. Wir hoffen, dass sie trocken ist, bis wir im Grassenjoch angelangt sind.
Auf dem wbw markierten Weg geht es von der Hütte leicht abwärts Richtung Stöss. Kurz nachdem wir den Bach auf 2250m überquert haben, verlassen wir den markierten Weg und gehen Richtung Stössenfirn. Der Untergrund wechselt von Stein auf Schnee, harter Schnee. Steigeisen sind aber nicht nötig. Die Felsinsel bei Punkt 2316 umgehen wir ostseitig im Firn. Auf ca. 2400m wechseln wir auf den Fels und steigen in nord-westlicher Richtung auf. Oben angekommen montieren wir Steigeisen und seilen uns an, um über den schneebedeckten Gletscher hinauf zum Grassenjoch zu laufen. Erst steil und schweisstreibend, später wird es flacher. Wir halten uns eher rechts an den Felsen, jedoch mit genügend Abstand, da Steinschlaggefahr besteht. 3 bis 4 eingeschneite Spalten umgehen wir in S-Kurven. Diese sind oben max. 50cm breit und zu unserer Beruhigung recht schmal. Kurz vor dem Grassenjoch gilt es noch eine Geröllstufe zu erklimmen. Oben angekommen bläst uns ein heftiger Wind entgegen. Schnell Steigeisen ab und Material für die Wandkletterei vorbereiten.

Südwand
Die ersten paar Meter bis zur Wand verlaufen über eine brüchige Rippe und steigen nur leicht an. Dann ab der Wand sind es 3 Seillängen III+. Am Anfang gibt es zwar gute Tritte, aber wenige Griffe. Später wird es einfacher. Der Fels ist inzwischen trocken und erfreulich griffig. Mein Seilpartner und Vorsteiger meistert die drei Seillängen ohne Probleme. Ich muss an zwei, drei Stellen etwas überlegen, wie ich hochkomme, weil ich die Griffe nicht immer auf Anhieb finde.

Südgrat
Nach den drei Seillängen geht es kurz über Blockgelände (Geh-Gelände). Danach sind die in der Führerliteratur beschriebenen drei Rippen sind gut ersichtlich. Den Einstieg auf der linken Seite der Rippe ganz rechts haben wir schnell gefunden. Eine kurze Pause, bevor wir den Schlussteil, den Grat, in Angriff nehmen.
Der Grat (III+) hat für mich ebenfalls ein, zwei Schlüsselstellen drin und ist zu Beginn ausgesetzter als die Wand. Auch hier wieder sehr solider und griffiger Fels.
Die Abkletter-Stelle in der 3. SL scheint von oben betrachtet schwieriger, als sie ist. Sie bietet gute Griffe und Tritte. Letztere sieht man jedoch erst beim Abklettern.
Im oberen Gratteil haben wir die Standplätze selber gebaut. Zacken-Schlingen erweisen hier wertvolle Dienste. Der Grat flacht nun ab. Die letzten Meter bis zum Gipfelkreuz sind Geh-Gelände.

Alternative: Wer nach der Wandkletterei genug hat, könnte auch zwischen den Rippen auf den Platten hochsteigen.

Abstieg
Vom Gipfel sind wir den Wegspuren abwärts gefolgt, erst im Geröll, später im Schnee (Firnalpelifirn). Immer wieder blicken wir vom Grat runter in steile Couloirs. Für den Abstieg vom Grat wählen wir das schneebedeckte Couloir kurz nach der Erhebung auf 2835m. Der Schnee ist weich, sodass wir keine Steigeisen brauchen. Das Couloir ist erst steil und flacht gegen unten allmählich ab.
Am Ende des Firns gehen wir über den aperen Gletscher den Steinmannchen folgend auf den wbw markierten Weg zur Hütte zurück.

Fazit
Sehr schöne Hochtour. Ideal, um sich an eine ZS-Hochtour heranzutasten und Klettererfahrung mit den schweren Schuhen zu sammeln. Dank dem kurzen Hüttenzustieg (40-50min über Leiterliweg) könnte man auch nach Feierabend noch anreisen oder wenn das Wetter am Vortag der Tour nicht so gut ist. Die Sustlihütte können wir wärmstens empfehlen. Und sie feiert dieses Jahr das 100-Jahr-Jubiläum. Happy Birthday!


Absicherung und Material für Wand und Grat
Es hat ca. 2-3 Bohrhaken pro Seillänge.
Einfachseil 50m, 4-5 Exen sowie Schlingen in diversen Grössen für Zwischensicherungen auf dem Grat. Friends/Keile hatten wir dabei, aber nicht gebraucht.

Topo Südwand (Quelle: Sustlihütte)

Hike partners: 8Samadhi, Garuda


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