Watzmann Ostwand - Berchtesgadener Weg


Published by RossiS , 28 September 2012, 17h59.

Region: World » Germany » Alpen » Berchtesgadener Alpen
Date of the hike:26 September 2012
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: III (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: D 
Time: 13:00
Height gain: 2100 m 6888 ft.
Height loss: 2100 m 6888 ft.
Access to start point:B305 Richtung Berchtesgaden; vor Engedey rechts ab nach Schönau hinauf; im Ort wieder rechts Richtung Hinterschönau und zum Parkplatz Hammerstiel. Alternativ kann natürlich mit dem Schiff nach St. Bartholomä angereist werden. In diesem Fall weiter bis Berchtesgaden und zum Großparkplatz Königssee.
Accommodation:St.Bartholomä Ostwandlager; Wimbachgrieshütte
Maps:AV BY21 Nationalpark Berchtesgaden

Die Watzmann Ostwand. Die höchste Wand der Ostalpen.  Ein Faszinosum, eine Legende die wohl jeden Bergsteiger in ihren Bann schlägt und einen ganz besonderen Reiz ausübt. Besonders wenn man sie - wie in meinem Fall -  mehr oder weniger direkt vor der Nase hat. Lange schon hatte ich die Tour im Kopf aber die vielzitierten Schwierigkeiten bei der Orientierung in der Wand haben mich abgehalten. Die Bedingungen schienen aber denkbar gut. Trocken, Föhnlage, kein Schnee mehr. Und mit dem bestens bebilderten Ostwandführer von Franz Rasp in der Tasche sollte es schon klappen. Wir waren jedenfalls guten Mutes.

1.Tag:
Für die Anreise/Zustieg nach St. Bartholomä haben wir uns entgegen der Norm für die "ehrliche" Variante entschieden und sind über die Kührointalm und den Rinnkendlsteig gegangen. Für den der es noch nicht kennt ist aber natürlich die Bootsfahrt über den See sicherlich auch ein besonderes Erlebnis. 
Los ging es also am Dienstag Nachmittag um 15:30 Uhr am Parkplatz Hammerstiel auf Forststraßen zur Kührointalm hinauf. Dann folgt der wunderschöne Abstieg mit tollen Tiefblicken auf Königssee und St. Bartholomä über den Rinnkendlsteig. Bis hinunter ist man ca. 3 Std. unterwegs und kann sich mit einem Blick in die Ostwand auf den nächsten Tag einstimmen. Allein das fast menschenleere St. Bartholomä ist schon einen Ausflug wert. Nachdem wir unsere Lager bezogen und uns im Hüttenbuch eingetragen hatten gingen wir zum Fischerwirt (er hat noch so bis 22:00 Uhr offen) und ließen uns Brezn und Saibling schmecken. Dazu gab es zwei halbe Bier für die Beruhigung der Nerven und als Schlummertrunk. Mit uns waren noch etliche andere Ostwand-Aspiranten da und die Stimmung war allgemein ziemlich gut. Um 22:00 Uhr war dann Zapfenstreich und es ging ab ins Lager und einer kurzen Nacht entgegen.

2.Tag:
Um 4:00 Uhr ging das unvermeidliche Gerumpel los. Die Zwei Führerseilschaften sind schon früh los. Unser Plan war es nicht vor der Dämmerung an der Eiskapelle zu sein um uns besser orientieren zu können. Das war auch ganz gut so denn der Anfang ist etwas unübersichtlich. Um 5:30 war unser Start an der Hütte und hinauf ging es auf breitem Pfad Richtung Eiskapelle wo wir dann auch pünktlich eine Stunde später bei erstem Tageslicht eintrafen. Ein wunderschöner Sonnenaufgang der die Wand rot färbte versprach vieles, hielt aber im Tagesverlauf nicht alles war er versprach. Der angesagte Föhn schaffte es nur manchmal die hohen Wolken zu vertreiben. Die Sicht war aber dennoch sehr gut und die Dimension der Wand war nur allzu gut zu erkennen. Atemberaubend!

Links der Eiskapelle geht es auf deutlichen Pfadspuren steil bergan. Ein Mix aus grasigem Gelände, Rinnen und Schrofen. Die ersten leichten Kletterstellen sind auch immer wieder dabei. Es empfiehlt sich immer mal wieder einen Blick nach hinten zu werfen da die Route etliche scharfe Richtungswechsel macht die nicht immer offensichtlich sind. Verhauer sind hier oft möglich. Auch wir sind einmal falsch abgebogen bzw. nicht abgebogen und einer Rinne weiter gefolgt. Das hat uns etwa eine halbe Stunde gekostet aber es sollte unser einziger Verhauer des Tages bleiben.
Im Schuttkar (ca. 1400m) werden die Wasservorräte noch mal ergänzt und Helm und Gurt angelegt. Ab hier beginnt die ernsthafte Kletterei. Es sind noch kraftraubende 1300 hm bis zum Gipfel zu bewältigen.

Eine ausführliche Beschreibung der Route würde sicher den Rahmen sprengen und ist mir aus der Erinnerung bei der Länge der Tour auch gar nicht möglich. Empfohlen sei hier das Topo auf "Bergsteigen.at" und der sehr ausführliche Führer von Franz Rasp der uns etliche Male weitergeholfen hat. Logischerweise gibt es auch eine Vielzahl an Begehungsspuren, Steinmanndln und im oberen Teil Reste einer grünen Markierung die mit grauer Farbe überpinselt wurde. Also immer die Augen offenhalten und Aufmerksam sein. Dann klappt es mit der Orientierung eigentlich ganz gut.

Vom rechten Ende des Schuttkars quert man rechts über einen Felsriegel hinaus. Dann geht es im plattigen IIer Gelände immer der Wand entlang links hinauf bis zur Platte neben der Wasserfallwand. Die erste IIIer Stelle ist zu meistern. Es sind aber Bohrhaken zum Sichern vorhanden. Wir entscheiden von Fall zu Fall ob wir des Seil auspacken oder nicht. Wie sich zeigt werden wir es auf der gesamten Tour nicht brauchen. Dabei sein sollte es aber auf alle Fälle. Wenn es nass wird kann es sonst an vielen Stellen heikel werden. Am Ende der Platte scharf nach Rechts hinauf queren (roter Pfeil). Der Weg geradeaus auf breiten Platten bietet sich an führt aber in die Irre. Man kommt nun in die sog. Gipfelschlucht, die sich eine gefühlte Ewigkeit hinaufzieht. Mal klettert man direkt in ihr mal am rechten Rand. Es ist schöne, anregende Kletterei im II. Schwierigkeitsgrad mit einigen wenigen IIIer Stellen. Überhaupt gibt es ab dem Schuttkar weniger Gehgelände als ich erwartet hatte. Die Hände kommen durchgehend zum Einsatz. Man passiert die Biwakhöhlen und irgendwann kommt dann auch der mächtige Pfeiler in Sicht unter dem die leuchtend orange Biwakschachtel steht. Wir erreichen sie um ca.11:00 Uhr. Hier wird erst mal kräftig Brotzeit gemacht um die Energiereserven aufzufüllen. Die lange steile Kletterei macht sich jetzt doch schon langsam bemerkbar. Aber der Blick hinunter zum See und hinüber zu Mittelspitze und Kl. Watzmann ist gigantisch und entschädigt für alle Mühen.
Nach dem Biwak geht es rechts vom Pfeiler hoch und dann links durch eine brüchige Rinne. Ein kurzes Band endet im Nichts. Kurz vorher scharf rechts über eine Felsstufe empor und Richtung Ausstiegskamine. Diese fordern noch mal mit etlichen IIIer Stellen aber der Gipfel kommt schon in Sicht. Auch die Versicherungen am Watzmanngrat kann man jetzt schon erkennen. Es ist wenig los heute. Vielleicht sind die meisten Leute aber auch schon drüber. Nach einem Absatz kommt das letzte Hindernis in Sicht. Ein ca. 8 Meter hohes Wandl. Der Schwierigkeitsgrad III+ ist aber mit einer Schlinge entschärft. Ein Paar kräftige Züge und es ist geschafft.
Einige wenige Höhenmeter noch und der Gipfel der Watzmann Südspitze ist erreicht. Der Föhn bläst stark und drückt gerade rechtzeitig für das Gipfelfoto die Wolken für einen Moment hinaus. Wir läuten die Glocke und sind glücklich so gut durchgekommen zu sein. Es ist 12:30 Uhr. Sieben Stunden haben wir gebraucht. Das ganze Berchtesgadener Land liegt zu unseren Füßen. Die Lichtstimmung ist teilweise surreal. Wir genießen den Blick und vernichten die letzten Reste der Brotzeit wobei auch etwas für die Dohlen abfällt die uns zum Dank mit akrobatischen Flugeinlagen unterhalten.

Irgendwann hat dann aber auch die schönste Gipfelrast ein Ende und es folgt der unvermeidliche Abstieg. Und der ist ja bekanntermaßen lang und steil. Er ist auch genau so lang und steil wie ich ihn in Erinnerung habe. Leider wird er auch nicht kürzer je öfter man ihn gegangen ist. Im Wimbachgries freuen sich dann die Beine (bes. die Knie) endlich mal wieder flaches Gelände unter den Füssen zu haben. Wir schlendern zur Hütte und genehmigen uns das wohlverdiente Weißbier von dem wir schon seit dem Gipfel träumen.
Die restlichen 9 Kilometer bis zur Wimbachbrücke sind flach und angenehm zu gehen in beeindruckender Kulisse. Der Watzmann zieht noch einmal an einem vorbei und es ist Zeit zum Schauen und die Tour Revue passieren zu lassen. Außerdem sagt man ja dass lockeres Auslaufen gut gegen den Muskelkater ist. Naja...:P

Wir hatten ein Auto an der Wimbachbrücke stehen. Sonst muss man halt mit Taxi oder sonst wie zurückkommen.

Fazit: Für mich das absolute Highlight der Saison. Eine tolle Bergfahrt mit vielen verschiedenen Eindrücken die auch durch die Übernachtung in St. Bartholomä zu etwas ganz besonderem wird. Das nächste Mal dann bei Sonne.

Anmerkungen: 
- Seil und Sicherungsmaterial sollte auf jeden Fall dabei sein; auch wenn man es dann nicht braucht. Helm ist sowieso Pflicht. Steinschlag ist eine sehr reale und allgegenwärtige Gefahr in der Route. Besonders natürlich wenn Seilschaften vor einem unterwegs sind.
- Anfahrt mit Zwei Autos ist praktisch. Eins kann dann an der Wimbachbrücke geparkt werden
- wenn man die Route nicht kennt nicht zu früh losgehen. Auf Dämmerung an der Eiskapelle warten.
- am besten geeignet sind leichte Bergschuhe mit denen man auch noch gut auf Reibung klettern kann oder Zustiegsschuhe
- den Schlüssel fürs Ostwandlager bekommt man beim Wirt (wenn nicht eh schon offen ist) wo man sich auch ins Hüttenbuch einträgt und die 8 Euro Übernachtungsgebür bezahlt




Hike partners: RossiS


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Comments (4)


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hgu says:
Sent 28 September 2012, 19h56
Hallo RossiS,
Glückwunch zum Watzmann (auch an die Mitstreiter) und Danke für den lebhaften Bericht und die tollen Bilder.
Ich haben mich gut erinnern können und bin gedanklich noch mal mit gestiegen.
Gruss aus dem Rheinland, Hans-Gerd

ADI says:
Sent 29 September 2012, 09h26
guat hab's es g'macht, Buam!
Gratulation + Gruß!

ADI

Sent 30 September 2012, 20h47
Gratulation!!!
Bin selbst am überlegen, ob ich das Angebot des Wasserburger DAV mal annehme für Watzmannostwand. Da hat einer die Tour bald 30 mal gemacht und bietet sie fast jedes Jahr an. Leider nur ungesichert und darum bin ich noch am üben ;-)

RossiS says:
Sent 1 October 2012, 11h19
Danke Euch für die Kommentare und Gratulationen! War echt ein Erlebnis!


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