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Der Große Ramolkogel, W-Flanke und NW-Grat


Published by kardirk , 30 August 2012, 13h02.

Region: World » Austria » Zentrale Ostalpen » Ötztaler Alpen
Date of the hike:28 August 2012
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Mountaineering grading: PD-
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Time: 12:00
Height gain: 1800 m 5904 ft.
Height loss: 1800 m 5904 ft.
Route:14 km
Access to start point:Von München über Kufstein, Innsbruck, Oetz nach Vent, unter 3h nicht zu schaffen.

Auf die Route bin ich beim Betrachten einiger Bilder von der Brochkogeltour von Stefan *Vorderer Brochkogel (3565 m) - Überschreitung gekommen. Sah irgendwie ähnlich aus, wie die W-Flanke des Schrankogels in den Stubaiern, über die ja ein Steig hinaufführt und versprach einen gletscherfreien Aufstieg auf diesen stolzen Gipfel. Soviel zur Ausgangslage und zur Theorie. Die Realität sah dann doch etwas anders aus.
Start war in Vent, wenn man vor 8 Uhr ankommt gibts den Parkplatz kostenfrei, bedeutet aber von München aus bei 3h Anfahrt sehr früh aus den Federn zu kommen.
Zunächst auf dem Wanderweg zur Ramolhütte durch wunderschönen Zirbenwald hinauf zur verfallenen Ramolalm (2218m), knapp 1h. Steil gehts nun einen Wiesenrücken hinauf zu P. 2583, bevor der Steig nun gemässigt an einer Quelle vorbei talein ins Ramolkar hinein führt. Noch vor dem kleinen Bach der vom Rotkarle herabfließt, habe ich dann den Steig verlassen und bin die Wiesenhänge ansteigend zum kleinen Almboden mit See unterhalb des Rotkarle angestiegen, 2875m, sehr lauschiges Plätzchen, 1,30h von der Alm. Hier war auch die Flanke schon komplett zu übersehen, gut 500hm, alles im Geröll, mässig steil - also machbar.
Vom Boden aus stieg ich nun über grüne Flecken hinauf auf einen Schuttrücken und über diesen an die untere Steilstufe , mit der die Flanke unten abschließt. Sie war an dieser Stelle durch steilen Schutt ganz gut zu überwinden und da hier auch ein Steinmann stand konnte ich nicht allzu falsch sein.
Doch jetzt wurde es ätzend. Nicht allzusteil aber durch komplett losen Schutt gings nun rechtshaltend aufwärts zu einem weitern Schuttrücken, dann weiter oberhalb glatter Platten durch teilweise erdiges Gletschergries (anscheinend Reste einer ehmaligen Firnflanke) und losen Bruchschutt, zuletzt leicht links durch eine schwach ausgeprägte Runse hinauf zum Sattel im NW-Grat, den ich nach elend langen 3h endlich erreichte. Ich kam mir vor wie am Mount Everest, nein das war mein Mount Everest, unglaublich wie anstrengend und ermüdent diese Schuttflanke war, kein Wunder das diese Anstiegsmöglichkeit nirgends erwähnt wird.Auch darf man nicht vergessen, das man hier über 3000m ist und die Luft doch schon recht dünn wird.
Am Sattel sah ich auch schon den nahen Gipfel, die Aussicht war grandios und entschädigte voll für die Mühen. Es galt nur noch den steilen Vorgipfel zu erklimmen - haha, von wegen " nur noch". Wenn ich gehofft hatte am Grat würden die Verhältnisse besser werden, Pustekuchen. Der Fels ein einziger Bruch, türgroße Brocken wackelten schon vom Hinsehen.Der kleinen Steilaufschwung zu Beginn wollte ich direkt nehmen, vergiß es.Rechts gings wieder durch erdiges Rutschterrain aufwärts, über Vorgipfel und einen kleinen Buckel hinweg an den Gipfelaufschwung, der mit gebotener Vorsciht leicht zu erklimmen war - nach sage und schreibe 7h stand ich endlich oben.
Anscheinend mögen die Einheimischen diesen Gipfel nicht besonders - ein windig selbstgenageltes Holzkreuz und kein Gipfelbuch, echt enttäuschend. Dafür war die Rundsicht einfach grandios - von den Zillertalern über die Dolomiten, Brenta, Ortler, ja sogar die Bernina war zu sehen, einfach super.
Leider konnte ich mir nur 20 Min. gönnen, da wartete ja noch ein kleiner Abstieg auf mich.
Ich hätte natürlich den Normalweg über den Mittleren Ramolkogel nehmen können, aber da ich die Route nicht kannte und dazu eine längere Gletscherpassage dabei sein sollte wählte ich lieber die Aufstiegsroute.
Um mir die Gratbröselei zu ersparen schien die obere Gletscherflanke ganz geeignet, wozu hatte ich schließlich die Steigeisen mit raufgeschleppt. Gesagt getan schon stand ich auf dem Eis und wurde arg enttäuscht. Obwohl die Neigung oben nicht allzu steil war, die weiße Oberfläche bestand nur aus einem Hauch von Schnee/Firn, darunter betonfestes Blankeis.
Wie auf Eiern lavariete ich  nun vorsichtig hinab zum Sattel, denn obwohl die Eisen gut griffen war mir vollkommen klar, der kleinste Rutscher oder Fehler würde das Ende, sprich einen flying Rutsch in die nächste gierige Spalte bedeuten, die nicht allzu weit unterhalb ihre riesigen Mäuler aufsperrten.
Glücklich erreichte ich wieder den Sattel. Es folgte ein ewiger Abstieg durch rutschigen Bruchschutt, gut 2h bis ich das festere Gelände unterhalb der Steilstufe erreichte, dann hinab zum Almboden und über den Steig nach Vent zurück - gut 5h. Zuletzt wurde sogar noch das Wetter entgegen der Vohersagen schlecht und es regnete leicht.
Und schließlich mußte ich mein Vorhaben am nächsten Tag noch den Vorderen Brochkogel zu machen aufgeben, da in ganz Vent kein Quartier mehr aufzutreiben war, vor den Hotels stapelten sich förmlich die Autos - frage mich, was die alle hier machen, denn unterwegs sah ich bis auf eine Seilschaft am benachbarten Hinteren Spiegelkogel niemanden.

Fazit:
Eine Tour, die man auf dieser Route nicht unbedingt empfehlen kann, vielleicht ist der NW-Grat besser (laut AV II-III), aber ich bezweifle das, vermute auch da einen ziemlicher Bruch.
Landschaftlich großartig, sehr lang, anstrengend, nur was für absolute Geröllmasochisten (weiß echt nicht was mich geritten hat, da hinaufzusteigen - wenn ich jetzt die Bilder sehe - och so schlimm wars doch nicht (:- )
Technisch nicht allzu schwer, am Grat Stellen I, bei Nebel aber Orientierung in der riesigen Flanke schwierig.
P.S.:
Mittlerweile Bericht von Kameraden im Netz gefunden, der diesen Aufstieg in 3,5h gegangen ist, also der Hälfte meiner Zeit, sakradie, Respekt, es geht also auch schneller.

Hike partners: kardirk


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