Piz Julier/Piz Güglia (3380 m)


Published by rkroebl Pro , 2 August 2012, 14h42.

Region: World » Switzerland » Grisons » Oberengadin
Date of the hike: 1 August 2012
Hiking grading: T4 - High-level Alpine hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GR 
Time: 6:30
Height gain: 1330 m 4362 ft.
Height loss: 1330 m 4362 ft.
Route:Chamanna dal Stradin - Fuorcla Albana - Piz Julier retour (11 km)
Access to start point:Mit dem Auto von Bivio oder Silvaplana zur Chamanna dal Stradin am Julier (kleines Steingebäude am Strassenrand, ca. 8 PP)
Maps:2521 St. Moritz/Bernina / GPS etrex 30

Ein etwas lädiertes Muskelkostüm wegen der Tour vom Vortag konnte mich bei Kaiserwetter natürlich nicht daran hindern, den schon lange geplanten Piz Julier in Angriff zu nehmen. Auch hier ist mal wieder primär  Ivo66  dafür verantwortlich, dass ich mich für diesen Berg entschieden habe. Wer seinen begeisternden und begeisterten Bericht liest, wird verstehen, warum ich nicht widerstehen konnte.

Die Route ist ab Chamanna dal Stradin (wenige Parkplätze, ich hatte den letzten) an der Julier-Passstrasse bestens bis zum Gipfel weiss-blau-weiss signalisiert. Hier also lediglich ein paar Gedanken und Bemerkungen:

Der Aufstieg fängt gleich mal mit etwa 200 Hm ab Start ziemlich ruppig an. Ich war nicht der einzige, der das dritte Gipfeli vom Frühstück etwas verfluchte, in dem Moment. Wer also gern aufgewärmt lossteigt, schüttelt die Knochen besser schon auf dem Parkplatz warm. Auf etwa 2500 m beginnt dann ernsthaft, was schon in die Fussgelenke gehen kann, bei solchen Dosen. Scheinbar endlose Geröllfelder in den Körnungen 'Fussball' bis 'Pult' garnieren den weiteren Weg, den man nicht als solchen bezeichnen kann. Ich freute mich im Aufstieg schon darauf, später müde und erschöpft da auch nochmal drüber zu müssen.  Nach einem kurzen Abstieg folgt ein knackiger Gegenaufstieg zur Fuorcla Albana, dem eigentlichen Ausgangspunkt für den 'Angriff' auf den Gipfel. Hier treffen auch die vom Engadin kommenden Wanderer ein - ich schätze der Berg wurde am heutigen Nationalfeiertag von etwa 15 Personen bestiegen.

Der Pfad hinauf ist oft steil und muss an vielen Stellen leicht bekraxelt werden. Auf weiten Teilen ist er ausgesetzt, fast überall aber gut mit Ketten versichert. Trotzdem, nicht jedermanns Sache - es kamen mir separat drei Leute entgegen, die trotz idealen Bedingungen unterwegs aufgegeben und umgekehrt hatten. Der Piz Julier braucht neben der vielbeschworenen Trittsicherheit und einer ausgeprägten Schwindelfreiheit auch einiges an Kondition. Nach den Geröllfeldern im Aufstieg, dem Muskelkater vom Vortag und einem Hungerast, den ich mir angelaufen habe (etwas, das ich immer und immer wieder tue, obwohl ich nicht sollte!) war ich dann im Abstieg vom Gipfel auch hochgradig auf der Schnauze.

Im Aufstieg ist der gut signalisierte Weg kaum zu verfehlen. Im Abstieg hingegen gibt es doch einige Stellen, an denen nicht nur ich für einen Moment ratlos war. Als ich da noch weit oben etwas zögernd in den Felsen stand, kam gerade ein flottes Paar von oben, das nach kurzer Begutachtung  aus Distanz bestätigte, dass ich wohl falsch war. Ich stieg zu ihnen zurück, wir beschlossen, den weiteren Abstieg (in dem Moment meinten wir, wir seien die letzten drei am Berg)  gemeinsam machen würden. Keine 10 Minuten später haben wir uns dann zu dritt nochmal verstiegen. Also: beim Abstieg sehr genau auf den Weg achten, man verliert ihn leicht, von oben sind weniger Markierungen zu sehen, als von unten.

Apropos aufpassen: Wir waren schon fast an der Fuorcla Albana, als uns tatsächlich noch zwei junge Engländer entgegen kamen. Sie wollten noch zum Gipfel (in Trainingsschuhen). Unsere eindeutig gestellte Frage, ob sie wüssten, was sie tun und der Hinweis, dass auch niemand mehr oben oder auf der Strecke sei, hielt sie nicht davon ab, weiterzugehen. Tja.

Auffallend: Die Leute, die mir im Aufstieg entgegenkamen, strahlten und sprudelten begeistert darüber, wie sehr sich der Krampf am Berg hier gelohnt habe. Ich darf kritiklos zustimmen - der Ausblick vom Piz Julier sucht seinesgleichen! Wenn auch die Sicht in die grossen Weiten etwas durch die dramatische Bewölkung behindert war, kann ich hier getrost zum Superlativ greifen: Ein sensationeller Berg!

Hike partners: rkroebl


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 12145.gpx Piz Julier

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Comments (5)


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rkroebl Pro says: RE:Super Tour!
Sent 2 August 2012, 22h17
Herzlichen Dank!

ygnaz says: Revival
Sent 25 April 2014, 22h20
Sehr schoener Bericht + feine Bilder - vielen Dank. Mich erwischte auf derselben Route - genauer: unterhalb d. F. Albana - eine Steinlawine, so dass ich mit Muehe aus eigener Kraft zur Ch.Stradin zurueckkam...
-> http://www.hikr.org/tour/post16301.html
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Waere interessant zu wissen, ob der Abstieg heute sicherer gestaltet bzw. genauer markiert ist. Alles Gute - mein Bergwanderleben ist aus anderen Gesundheitsgruenden leider
zu Ende.

rkroebl Pro says:
Sent 25 April 2014, 23h28
Dass Du Dein Bergwanderleben an den Nagel hängen musst, tut mir wirklich unsäglich Leid. Ich habe jetzt schon Angst vor dem Tag, an dem auch ich die Waffen strecken muss, zugestehen muss, dass "es" nicht mehr geht.

Womit wir aber in gewissem Sinn auch beim Thema sind und bei Deiner Frage. Ich denke, ich kenne die Stelle, wo Du verunfallt bist ganz genau. Das ist eine nicht unheikle Passage, hängt, ein schmaler Pfad in rutschigem Geröll. Zu signalisieren braucht es da nichts eigentlich, da ist ziemlich klar, wo's durchgeht. Gefährlich sind allenfalls Leute, die über einem gehen und was lostreten.

Es braucht da aber nichts getan zu werden. Da ist Natur, da erodiert Gestein vor sich hin, jeden Winter mischt der Schnee die Sache neu auf. Wenn wir da hinaus gehen, da hinauf steigen wollen, dürfen wir Menschen uns der Sache anpassen. Es liegt an uns, einzuschätzen, was geht und was nicht. Auch ich hatte schon böse Stürze, Steinschlag, Blitzschläge in der Nähe, das kommt halt so zusammen, über die Jahre. Aber "meine" Berge speziell entschärft sehen, will ich nicht eigentlich. Ich passe mich dem an, das geht. Und dann brauche ich halt noch etwas Glück und Geschick. Wann immer (das mag ein schwacher Trost sein) ich ernsthaft in Gefahr war, war es in eigentlich ungefährlichem Gelände, genau dort, wo ich es nicht erwartet hätte. Das darf ich dann nur mir selber ankreiden, nicht der Natur, stürzenden Steinen oder fehlenden Wegmarkierungen.

Du siehst, wir sind da nicht ganz gleicher Meinung. Dein absolut verständlicher Groll wegen dieser Passage da bei der Fuorcla Albana, die Dich schwer verletzt hat, ist Groll gegen die Natur.

Und damit sinnlos. Die ist eh stärker als wir alle.

Ich wünsche Dir Versöhnung mit dem Piz Güglia und sonst auch nur alles Gute.

Beste Grüsse,

Ray

ygnaz says: RE: Danke + alles Gute Dir!
Sent 16 June 2014, 21h17
Danke fuer Deine guten Worte. Deinem Eintrag auf der Karte nach
koennte ich zu direkt zur Fuorcla Albana hoch- bzw. auch wieder abwaerts gestiegen sein - den Bogen nach Westen hab ich so nicht in meiner Erinnerung, d.h. versaeumt?
Uebrigens blieb b. mir kein Hader_ schon gleich nach dem Sturz
dachte ich, dass mir der Berg eine wichtige Lektion erteilt hat,
die zu beherzigen ist und ich ja immerhin ziemlich Glueck hatte,
aus eigener Kraft noch zurueckzukehren. Wollte durchaus
keine Entschaerfung, sondern lediglich eine Markierung vor Ort,
die zur besseren Einschaetzung des Risikos dienen kann. Halte es fuer gut moeglich, dass ich damals eine solche einfach uebersehen habe. - Las jetzt erst mit Bedauern, dass vor kurzem erst eine Frau am Julier zu Tode stuerzte, die noch eine Ecke juenger war ... Jedenfalls Dir alles Gute, viel Freude in den Bergen + die noetige Prise Glueck dabei! Allegra + Servus
Burger


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