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Ankogel (3250 m) - anstrengender Aufstieg ausm Anlauftal


Published by gero , 4 October 2011, 16h08.

Region: World » Austria » Zentrale Ostalpen » Ankogel-Gruppe
Date of the hike:27 September 2011
Mountaineering grading: PD
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: A   A-K 
Time: 13:00
Height gain: 2380 m 7806 ft.
Height loss: 2380 m 7806 ft.
Route:P Anlauftal (Böckstein) - Korntauern - Luggetörl - Elschesattel - (Hannover-haus) - Lassachkees - Kl.Ankogel - Ankogelscharte - Ankogel - Mallnitz (29,1 km)
Access to start point:In BÖCKSTEIN bis zum Bahnhof, an diesem vorbei gut beschildert zum großen, gebührenfreien Parkplatz Anlauftal.
Access to end point:In MALLNITZ muß man durch den Ort zum offiziellen Bahnhof laufen - die auf allen LKen fälschlicherweise noch eingezeichnete "Haltestelle Tauerntunnel" gibt es schon seit langem nicht mehr.
Maps:Freytag & Berndt Kartenbeilage (1:100.000) zum AV-Führer "Ankogel und Goldberggruppe"

Ankogel by fair Means - so könnte ich den Gewaltmarsch auch überschreiben, der mich von Böckstein auf den Ankogel führt und südseitig hinunter nach Mallnitz; mit der Bahn geht es dann zurück durch den Tauerntunnel nach Böckstein.

Teil 1: von Böckstein zum Hannoverhaus

Ich starte um 5 Uhr am großen Parkplatz Anlauftal (ca. 1150 m - der P ist mit extrem grobem Blockwerk gepflastert, vorsichtig befahren), etwas östlich oberhalb der Autoverladung gelegen. Bei völliger Dunkelheit geht es im Licht der Stirnlampe in das Anlauftal hinein; nach etwa 45 Minuten zweigt, deutlich beschildert, der Mindener Weg (Nr. 516) hinauf zum Korntauern ab. Es ist zunächst aber bestenfalls ein Steig: sehr steil, immer wieder von umgestürzten Bäumen verbarrikadiert, die ich kräfte- und zeitraubend entweder umgehe oder überklettern muß. Fast gebe ich unter diesen widrigen Umständen mein Vorhaben schon gleich zu Beginn auf ... wenn es derart mühsam weitergeht, komme ich nie an mein Ziel ! Hier, in diesem Waldstück, verliert mein GPS immer wieder den Kontakt zu den Satelliten - die Aufzeichnung ist somit ziemlich ungenau, ich mußte den Track nachträglich bearbeiten, damit er leidlich benutzbar ist.

Als es gegen 7 Uhr hell geworden ist, lichtet sich aber der Wald, und damit lasse ich die Hindernisse hinter mir. Der Steig führt, immer gut markiert, am Tauernbach entlang aufwärts und erreicht auf ca. 2000 m nach knapp 3 Std. Gehzeit ein grünes, sumpfiges Wiesengelände. Der Bach bildet hier etliche recht malerische Tümpelchen, der Weitertweg führt dazwischen geradeaus aufwärts. Ich lasse mich von einem Stück römischem Saumpfad anlocken und gehe auf historisch angehauchtem Pfad in einem Bogen um all die Tümpelchen herum, um jenseits wieder auf den heutigen Pfad zu treffen.

Östlich liegt der Große Tauernsee (2166 m) - er ist aber durch den Geländepunkt 2246 m verdeckt und vom Mindener Weg aus nicht zu sehen.

Nach diesem Intermezzo wird der Steig etwas ungemütlicher zu begehen: bis zum schon lange sichtbaren Sattel des Korntauern ist vielfach grobes Blockwerk zu begehen; es ist zudem teilweise zugeschneit und dadurch kräftezehrend. Aber - auch hier wieder eine Hinweistafel, daß man sich auf einem 5000 Jahre alten Saumpfad bewegt, der in somit weit vorchristlicher Zeit den einzig passierbaren Übergang darstellte. Jedoch, so sehr ich auch umherspähe: einen Zeitgenossen von Ötzi entdecke ich nicht.

4 Std. nach Abmarsch stehe ich auf dem Korntauern (2459 m), auch Hoher Tauern genannt. Ein schöner Aussichtspunkt - und gleichzeitig Grenze zwischen den Bundesländern Salzburg und Kärnten. Nach kurzer Pause gehe ich südseitig hinunter, nach 15 Minuten erreiche ich ein Wegkreuz - hier geht es wahlweise zur Mindener bzw. Hagener Hütte, oder Richtung Ankogelbahn-Mittelstation bzw. Hannoverhaus. In jedem Fall ist dies hier der Göttinger Weg. Ich wähle natürlich die zweite Variante, vom Hannoverhaus will ich ja zum Ankogel hinauf. Nach weiterem Abstieg komme ich am malerischen Kleinen Tauernsee (2284 m) vorbei. Kurz danach nochmals eine Abzweigung: von hier aus kann man entweder zur Mittelstation der Ankogelbahn hinunterwandern, oder - ab jetzt wieder ansteigend - über das Luggetörl zum Hannoverhaus gelagen.

Eine Stunde nach dem Korntauern habe ich das Luggetörl (2380 m) erreicht - leider geht es nochmals abwärts, dieses dauernde Auf und Ab spricht am Schluß der Tour gegen die Rückkehr auf gleichem Weg, da man knapp 300 m Gegenanstieg in Kauf zu nehmen hätte! Ich erreiche - weiterhin auf dem sehr gut zu begehenden Göttinger Weg - das weite Gelände unter der Seilbahntrasse der Ankogelbahn (sie schwebt im Sommer von Mallnitz hinauf zum Hannoverhaus, jetzt ist sie bereits in Revision, deshalb ist das Hannoverhaus wie alle Hütten der Gegend bereits geschlossen!). In etlichen Kehren komme ich dann am Elschesattel (ca. 2600 m) knapp unter der Bergstation der Seilbahn an. Ich habe ab Korntauern knapp 2 Std. gebraucht, somit muß man von Böckstein bis zum Hannoverhaus (2722 m) 6 Std. Gehzeit veranschlagen.

Teil 2: vom Hannoverhaus auf den Ankogel

Das (bereits geschlossene, s. vor) Hannoverhaus (2722 m) liegt rund 100 m oberhalb der Seilbahn-Station; es ist nicht notwendig, dort hinauf- und anschließend wieder abzusteigen. Ich quere auf einem Steig direkt hinüber auf die Südhänge östlich des Hauses, die im folgenden auf dem Goslarer Steig Nr. 502 weit unterhalb der Kammlinie ständig leicht fallend zu queren sind. Mein Ziel - der Ankogel - ist ausgeschildert und schon lange zu sehen. Etwa 45 Min. ab Elschesattel erreiche ich eine weitere Wegverzweigung (ca. 2500 m): geradeaus geht es weiter auf dem Goslarer Steig zur Osnabrücker Hütte, ich aber folge dem Wegweiser zum Ankogel.

Der Steig Nr. 520 ist ebenfalls hervorragend markiert; er führt zunächst durch Rasenflecken, die aber sehr schnell grobem Geröll weichen. Die Steilheit nimmt beständig zu, damit auch die Anstrengung; schließlich erreiche ich nach einigen Geröllabsätzen die Reste des Lassachkeeses. Das ziemlich schuttbedeckte Gletscherchen ist als solches kaum zu erkennen, es wird an seinem obersten Ende in wenigen Minuten gequert, Steigeisen oder Pickel sind nicht erforderlich. Ich erreiche den Aufschwung des Südgrates des Kleinen Ankogel - das grobe, steile Blockwerk bringt mich mächtig ins Schnaufen.  Alle paar Meter ist ein dicker, roter Tupfen aufgemalt - es ist kaum möglich, sich hier zu versteigen. Die Aussicht ist inzwischen genial - gegenüber die Hochalmspitze, tief drunten das Anlauftal, und über mir funkelt schon seit längerem das Gipfelkreuz des Ankogel.

Den Kleinen Ankogel (3097 m) und damit gleichzeitig die Ankogelscharte habe ich gegen 12:50 Uhr erreicht; jetzt trennt mich nur noch der im ersten Moment recht abweisende Südgrat des Ankogel vom Gipfelerfolg. Doch auch hier ein Markierungstupfen hinter dem andern; der Steig weicht in die Ostflanke aus, er führt teilweise sehr steil die letzten 150 Hm hinauf. Zwei-, dreimal heißt es kurz mit den Händen zupacken, um kleine Absätze zu erklimmen - nur und ausschließlich diese Kraxelstellen kurz unterhalb des Gipfels sind der Grund für die Zuweisung des Schwierigkeitsgrades I; außerdem bedarf es hier der üblichen Trittsicherheit und Schwindelfreiheit !

Um 13:30 Uhr stehe ich dann auf dem Kreuzgipfel des Ankogel (3250 m) - und erstarre: hinter dem Kreuz gibts noch einen höheren Punkt! Aber was im ersten Moment wie eine alpine Schikane aussieht, erweist sich als harmloser Zusatzaufwand. Innert weniger Minuten habe ich auch noch die beiden etwa 10m höheren Hauptgipfel erklommen, der Ankogel hat einen in Nord-Südrichtung langgezogenen Gipfelkamm mit zwei praktisch gleich hohen Kulminationspunkten (3250 m), der Kreuzgipfel ist etwa 10 m niedriger.

Einziger Wermutstropfen: der morgens noch wolkenlose Himmel hat sich inzwischen mit allerlei spätommerlicher Quellbewölkung verhängt - die vielgerühmte Aussicht bekomme ich nicht geboten.

Teil 3: Abstieg vom Ankogel nach Mallnitz

Der Rückweg zum Elschesattel (Bergstation Ankogelseilbahn bzw. Hannoverhaus) erfolgt auf dem Aufstiegsweg - nur benötige ich dafür kaum die Hälfte der Zeit, trotz etwa 100m Gegenanstieg. Vom Elschesattel aber steige ich hinunter nach Mallnitz ab; würde ich über den Korntauern zurückgehen, hätte ich zunächst 300 Hm Gegenanstieg zu absolvieren, der Weg ist als solcher wesentlich länger und auch weniger flott zu gehen.

Mehr oder weniger direkt geht es die Skipisten hinunter; nur gelegentlich halte ich mich an den offiziell markierten Steig. wie dieser passiere ich die Mittelstation der Ankogelbahn (1926 m), von hier aus sind es weitere 700 Hm hinab zur Talstation (1282 m). Von dort geht es auf geteerter Fahrstraße etwa 2 km talauswärts zur Haltestelle Tauerntunnel. So ist sie jedenfalls in allen Landkarten eingetragen, unmittelbar am Südportal des Tauerntunnels.

Als der erste Zug vorbeifährt, kommen mir Zweifel; auch der zweite Zug macht keinerlei Anstalten zu halten. Eine einheimische Person sagt mir, daß diese Haltestelle schon seit Jahrzehnten nicht mehr bedient wird, und daß ich zum offiziellen Bahnhof von Mallnitz laufen muß. Dies bedeutet nochmals 3 km marschieren, quer durch Mallnitz, zum Bahnhof Mallnitz-Obervellach. Am Fahrkartenautomaten erstehe ich eine Karte, sie ist mit 3,60 Euro erfreulich preiswert, und mit dem nächsten Verladezug kann ich mitfahren, zurück durch den Tauerntunnel nach Böckstein. Nach weiteren 15 Min. Marsch habe ich mein Auto am Parkplatz Anlauftal wieder erreicht - eine sehr lange Tour ist Vergangenheit.

Epilog:
Die Rückfahrt von Mallnitz nach Böckstein kostet 3,60 Euro, benutzt werden können normale Züge (alle 2 Std.) sowie Autoverladezüge (alle 30 Min.)

Hike partners: gero


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Geodata
 7715.gpx Ankogel - von Böckstein nach Mallnitz

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Comments (3)


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83_Stefan says:
Sent 4 October 2011, 16h27
Ich gratuliere dir zu diesem herrlichen Gipfel. Schade nur, dass das Wetter oben nicht mehr gut war!

Alpenorni says: Geros aktuelle Touren...
Sent 4 October 2011, 16h31
..wecken alte Erinnerungen : Der Ankogel war mal mein erster Dreitausender, da war ich 9 Jahre alt und das Abschleppseil vom Auto diente mir Leichtgewicht als Sicherung, wenig UIAA-genormt ;-)
Unsere DAV-Sektion Hannover betreibt ja nicht nur seit ewigen Zeiten das Hannoverhaus, sondern hat in Person vom legendären alten Vorsitzenden Karl Arnold auch dereinst freundschaftliche Beziehungen zu Mallnitz aufgebaut, dem Talort, und den Fremdenverkehr dort zeitweise mitgeprägt. Auch zu Sektionsjubiläen u.ä. findet heutzutage noch ein Austausch statt.
LG
Martin

ADI says:
Sent 4 October 2011, 16h49
Hi, Gero!

Gratuliere zur schönen Ankogeltour; nur das Wetter hätte ein bisserl AKW-mäßiger sein können, oder?

Beste Grüße aus München!

GUNTER


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