Güntlespitze (2092m)


Publiziert von quacamozza , 9. April 2011 um 14:25.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum: 7 April 2011
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Schneeshuhtouren Schwierigkeit: WT5 - Alpine Schneeschuhtour
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 4:30
Aufstieg: 875 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Oberstdorf ins Kleinwalsertal bis zum Talschluss nach Baad (1220m), hier Parkplatz 3 € / Tag, 5 € / 2 Tage; umweltfreundlicher ist es, mit der Bahn nach Oberstdorf zu fahren und in den Walserbus einzusteigen
Kartennummer:Topographische Karte Allgäuer Alpen 1:50 000

Die Güntlespitze (2092m) ist ein klassischer Skitourenberg im Talschluss des Kleinwalsertals. Momentan sind die Bedingungen schlecht: Tiefgründiger, vollkommen weicher Schnee schon am Morgen und vor allem: eine erhebliche Steilheit und Gefährlichkeit (rutschiges Geläuf, abtauender Schnee, darunter Gras: Absturz muss unbedingt vermieden werden; ich habe mich richtig hochgearbeitet) am obersten Ostgrat. All dies führt dazu, dass man alleine für die obersten 50 Meter zurzeit eine gute Viertelstunde rechnen muss! Als Abstieg wählte ich die Südostroute über Lawinenabgänge (große, meterhohe Schneeblöcke), sehr mühsam, zeitraubend, und auch hier darf man sich in der großen Hangtraverse keinen Fehltritt leisten. Aufstiegszeit wie Abstiegszeit! Deshalb muss ich hier die Schwierigkeit im Vergleich zu den Vorberichterstattern deutlich anheben. Die Tour ist allerdings durchaus lohnend, wenn man über alpinistische Routine und Erfahrung im nassen Steilgras verfügt (bei weiterer Ausaperung Steigeisen mitnehmen). Vorteil: Bei den aktuellen Verhältnissen sind garantiert nicht so viele Begeher zu zählen wie bei hgu. Ich hatte den Berg für mich alleine, ein Genuss.

Vom Parkplatz in Baad (1220m) kurz nach Norden, dann am ersten Wegweiser links abbiegen und zur Breitach, die sich bald gabelt. Über eine Brücke nach links (nicht gerade hoch, Achtung: nicht markiert) und bald steil aufwärts. Auf ca. 1320m findet man hoffentlich den Abzweig zur Unteren Spitalalpe (Wegweiser). Wir gehen rechts weiter bei gleichbleibend starker Steigung, bis sich der Weg etwa auf 1400m nach links wendet. Hier befindet man sich hoch über dem Derrenbachtal und kann bereits den Abstiegsweg studieren. Vorübergehend lässt die Steigung etwas nach.Knapp 40 Minuten sind von Baad verstrichen, dann lässt man die Mittlere Spitalalpe (1574m) rechts liegen und nimmt den weiteren einheizenden Aufstieg zur Oberen Spitalalpe (1778m) in Angriff. Man kann bereits vorher links Richtung Derrenalpe steigen, ich wollte mir jedoch unbedingt die erste Pause an der Oberen Spitalalpe gönnen, und nahm daher den Umweg gerne in Kauf. Gehzeit: knapp 1 Std von Baad. Hier mussten die Schneeschuhe angeschnallt werden. Ab hier geschlossene Schneedecke und erhöhter Zeitbedarf.

Als nächstes steht die Hangquerung zur Derrenalpe (1813m) an, hier bereits schlimmer Sulz - und abgerutschter Lawinenschnee, aber noch nicht heikel. Bei guten Verhältnissen dürfte es allerdings schneller als 20 Minuten gehen. Im weiteren Verlauf wühlte ich mich peu a peu aufwärts. Trotz guter Kondition hatte ich immer das Gefühl, nicht so richtig vorwärts zu kommen. Ja, und dann der immer stärker aufsteilende Ostgrat. Die letzten 50 Höhenmeter waren knackig, sehr alpin und anspruchsvoll, mit ständiger Absturzgefahr. Die einzelnen Trittstufen, die ich setzte, wurden teilweise einen Meter tief, so sehr sank ich bei Belastung ein. Also musste ich den Schnee oft verdichten. Das hatte ich in der Form eigentlich nicht erwartet, denn die Route wird zwar als steil (rassige Abfahrt), aber eben doch nur als mittelschwer eingestuft. Ich war froh, als ich kurz unter der Gratkante einige rutschige Grasbüschel zu fassen bekam und endlich mal meine Klimmzugqualitäten ausspielen konnte. Am Gipfelgrat angekommen ist noch ein kurzer ausgesetzter Firngrat zu queren, bevor es in schneefreiem Terrain noch 50 Höhenmeter auf dem Bergweg zum Gipfel der Güntlespitze (2092m) geht (knapp 2 Std 15 sind für die besch...Verhältnisse noch relativ vernünftig, bei guten Verhältnissen und ohne Umweg über die obere Spitalalpe auf alle Fälle unter 2 Std machbar).

Ein traumhafter Tag mit super Aussicht. Auf dem Gipfel ist wenig Platz, aber die Gedanken sind frei, und die Brotzeit hat man sich wirklich verdient. 1,5 Stunden blieb ich oben, nahm die Abstiegsroute über die Südostseite in Augenschein, prägte mir die Lawinenstriche ein, die es an bestimmter Stelle zu queren galt. Aber wie es eben ist...die Realität sah dann so aus: zeitraubend, mühsam, und der Weg nicht erkennbar.

Zuerst geht's noch schnell die ersten 200 Höhenmeter abwärts, dann beginnt die lange Hangtraverse. Man soll im Idealfall stetig etwas Höhe verlieren, die Verhältnisse sorgten aber für ein ständiges Auf- und Absteigen über rutschige Lawinenhänge, Schneeblöcke, tiefen Sulzschnee, also alles kein Hit. Und vor allem: zeitraubend. Mittlerweile wurde es richtig sommerlich warm, so wurde der Rucksack um einige Liter Wasser erleichtert. Alles in allem ein kalorienfressender Abstieg ohne Spurhilfe. Ich orientierte mich in der Richtung grob an einem schneegefüllten Band, das von oben und ab einer Höhe von 1500m sichtbar war, wahrscheinlich der Sommerweg. Anschließend wechselte das Gelände, mal frei, mal Buschwerk, mal ging's über einen schon stark strömenden Bach,dann wieder tief verschneit einen steilen Hang runter, also:Schneeschuhe an, Schneeschuhe ab, Schneeschuhe an, Schneeschuhe ab...wirklich sehr nervig. Nach fast 2 Std bin ich im Derrenbachtal angekommen, hier nun endlich die Schneeschuhe an den Rucksack. Der kurze Talweg versöhnt dann wieder. Die nassen Schuhe, Gamaschen und Socken habe ich dennoch gespürt.  Nach einer Viertelstunde empfängt mich der kleine Ort Baad wieder. 

Fazit: Ein schöner Gipfel mit Tücken. Auch ich würde die Route das nächste Mal andersherum gehen, aber dann im Abstieg den Nordgrat, nicht den Ostgrat.   





  

Tourengänger: quacamozza


Minimap
0Km
Klicke um zu zeichnen. Klicke auf den letzten Punkt um das Zeichnen zu beenden

Galerie


In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentar hinzufügen»