Fuchskarspitze (Süd-Nord) und das Übel der Nacht


Published by AlpineAdventure , 6 December 2020, 11h10.

Region: World » Germany » Alpen » Allgäuer Alpen
Date of the hike:14 November 2020
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: III (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: D   A 
Time: 11:00
Height gain: 1500 m 4920 ft.
Height loss: 1500 m 4920 ft.
Route:19
Access to start point:Nach Hinterstein bis zum Ortsende, Parkplatz "Auf der Höhe"

"Failing to plan is planning to fail" - Benjamin Franklin


Ausgangspunkt der Wanderung
Mit dem Fahrrad vom Parkplatz "Auf der Höh" (10€ Parkgebühr, Sauerei!) über die Teerstraße links vorbei am Giebelhaus bis zu einem Parkplatz auf ca. 1.200hm. Hier haben wir die Räder an alten Betonteilen abgeschlossen (00:54h


Aufstieg bis zur Balkenscharte
Vom Abstellort der Fahrräder ging es dann an den "Bargündele-Wasserfällen" vorbei immer weiter in Richtung Prinz-Luitpold-Haus. An einer Abzweigung auf ca. 1.450hm links/geradeaus halten, d.h. nicht in Richtung der Materialseilbahn und Bäche gehen, außer man will einen Umweg laufen...
Am Prinz-Luitpold-Haus haben wir uns den Winterraum zu nutze gemacht und windgeschützt kurz unser zweites Frühstück eingenommen bevors dann weiter in Richtung Balkenscharte ging. Hier einfach dem Weg folgen und auf dem letzten Stück die vorhandenen Treppen nutzen.


Balken
Als kleines Warmup bietet sich hier der "Balken" an. Außerdem bietet er sich als kleiner Test an - wer da nicht problemlos bis zum "Plateau" vor dem Gipfel aufsteigen kann, der sollte die Überschreitung besser sein lassen. Laut einem anderen Tourenbericht kann man sich vom Gipfel aus abseilen, da wir aber ohne Seil aufgestiegen sind, ging es für uns eben so wieder nach unten.

Weg zum Südgipfel
Ich wollte den Weg bestmöglich auf meiner neuen GoPro festhalten, leider sind meinem Anfänger-Vermögen geschuldet die Videos nur mäßig geworden. Deshalb erfolgt die Beschreibung nun eben so.
Im ersten Stück haben wir uns in der Mitte der Wand gehalten und sind dann recht weit nach links gegangen. Auf den Normalweg sind wir dann erst spät am Grat oben wieder getroffen, deswegen wäre es das nächste mal einen Versuch wert, etwas weiter rechts im Aufstieg zu bleiben. An einigen Stellen muss man sich seinen Weg suchen, andere sind offensichtlich oder man sieht bereits einen kleinen Pfad.

Madonna
Der Weg vom Südweg zur Madonna (Mittelgipfel) gestaltete sich deutlich schwieriger als der Weg auf den Südgipfel. An zwei Stellen sind Abseilringe angebracht, allerdings jeweils nur einer (Prinzip der doppelten Sicherung negativ). Wir haben sie, da sie ziemlich neu waren trotzdem genutzt und sind jeweils gesichert ca. 20m abgeklettert. Es wäre mit Sicherheit auch ohne Seil gegangen, aber wieso etwas riskieren^^
Im weiteren Weg ist es wunderschöne Gratkletterei, der Fels ist allerdings einwandfrei und im Gegensatz zur Mädelegabel deutlich besser!
Im letzten Stück zur Madonna sind ebenfalls Ringe angebracht die wir auch benutzt haben (Vorstiegsklettern), diese würde ich aber das nächste mal nicht benutzen. Hält man sich leicht links von den Ringen ist ein Aufstieg ohne weiteres möglich (II bis II+).
Das letzte Stück sind wir dann schon mit Stirnlampen geklettert und aufgestiegen. Auf dem Gipfel der Madonna findet sich ein kleines Holzkreuz, jedoch leider kein Gipfelbuch. Das wäre eine Idee für den/die Nächste(n)...
Einige Meter entfernt vom Gipfelkreuz befindet sich eine Seilschlinge, in der man sich super selbst sichern kann, gerade wenn man dort länger ausharren muss (siehe unten)


Schwierigkeit
  • Balken: II (im obersten Teil evtl. II+)
  • Balkenscharte - Südgipfel: I bis II
  • Südgipfel - Madonna: II, Schlüsselstellen III bis III+
  • Die Angaben zu Zeit/Höhenmeter/Distanz sind geschätzt, wenn man die Tour komplett macht. Hinzu kommt die Strecke mit dem Fahrrad, also körperlich doch sehr fordernd!

Das Übel der Nacht
Dadurch, dass der Hinweg (Fahrrad) sich deutlich länger gestaltete als erwartet und wir mäßig früh aufgebrochen waren, saßen wir um ca. 17:30 Uhr (Sonnenuntergang 16:45 Uhr) auf dem Gipfel der Madonna und überlegten, was wir jetzt machen. Von der Schwierigkeit her war die Tour kein Problem, nur bei Nacht sah die Sache nun wortwörtlich anders aus.
Letztendlich entschlossen wir uns (vernünftigerweise) die Bergwacht zu rufen und um Hilfe zu bitten.
Nach 01:50h (nach dem Notruf) wurden wir schließlich durch die Rega St. Gallen und die Bergwacht Hinterstein mit dem Helikopter im Schwebeflug geborgen. Dafür unseren größten Dank und Respekt.
Auch wir (Marathonläufer, Ironman, in den Bergen seit der Kindheit...) haben hier die Lektion mit der Dunkelheit schmerzhaft (trotz entsprechend guter Kleidung waren wir sicher unterkühlt) gelernt.

Unterschätzt den Abstieg nicht, nur weil ihr ihn im Hellen aufgestiegen seit! Plant Puffer ein!! Bei Nebel und/oder Sturm wären wir festgesessen, gerade bei Gratüberschreitungen gibt es da einfach (nahezu) keine Rettungsmöglichkeiten!
Gold wert waren hier wirklich unsere doppelte Kleidung, unsere Regenjacken, Buffs, Mütze und schwere Bergstiefel! Auch eine kleine Isomatte (Standard in meinem Gregory-Rucksack) war super um nicht auf dem kalten Fels sitzen zu müssen. Mit einer kleinen Prusik haben wir uns und unsere Rucksäcke an der Schlinge gesichert - nicht, dass einer wegen der Kälte einschläft und abrutscht.

Die Überschreitung werden wir mit Sicherheit wieder machen - allerdings dann im Sommer bei 11 Stunden Sonne und einem dementsprechend früheren Start.

Youtube-Video zur Tour: https://www.youtube.com/watch?v=x7ifsY5azPQ&ab_channel=AlpineAdventure

Hike partners: AlpineAdventure


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Comments (10)


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hannes80 says:
Sent 6 December 2020, 11h51
Das "Übel der Nacht" hättet ihr euch durch eine bessere Tourenplanung ("mäßig früher Aufbruch" im November!) und einen rechtzeitigen Abbruch ersparen können ... Gut, dass euch nix passiert ist, aber mit Stirnlampe noch weiterklettern anstatt umzukehren, war leider nicht besonders clever.

Sent 6 December 2020, 13h47
Bei dem ersten Teil gebe ich dir vollkommen Recht, das wird mir auch nie wieder passieren.
Es wäre ja auch nicht der erste Abstieg bei Nacht gewesen (Jubiläumsweg als Abstieg bei Nacht war geplant), wir/ich bin auch schon T4 bei Nacht abgestiegen. Aber eben nicht geklettert...

Weitergeklettert sind wir noch vielleicht 25m Wegstrecke bis zum Gipfel, da war es ja sowieso schon dunkel. Die Umkehr hätte locker 2h bedeutet. Problem war, dass man nur auf den Gipfeln und einzelnen Erhöhungen Empfang hatte...

83_Stefan says:
Sent 6 December 2020, 12h25
Das ist ja nochmal glimpflich ausgegangen - entscheidend ist nun, was ihr daraus lernt. Ich finde es jedenfalls sehr gut, dass ihr die HIKR-Gemeinde an eurer misslungenen Tour teilhaben lasst. Vielleicht kann der eine oder andere einen Nutzen für sich selbst und seinen Umgang mit dem Risiko daraus ziehen. Ich hatte das Glück (ja, das gehört immer dazu!), dass ich noch nie auf eine Rettung am Berg angewiesen war; den Schritt, so ein Erlebnis dann öffentlich anzusprechen halte ich allerdings für einen schwierigen. Insofern gilt euch dafür mein Respekt. Beste Grüße und stets eine gesunde Rückkehr!

Sent 6 December 2020, 13h52
Hey Stefan,
Danke für deinen Kommentar.
Aus genau dem Grund habe ich mich auch dazu entschlossen, die Tour zu veröffentlichen - um vielleicht die ein oder andere Bergnot zu verhindern und den Leuten aufzuzeigen, wie schnell es gehen kann, auch wenn man gut trainiert etc ist!

Öffentlich unter einem Pseudonym (hier) ist ja noch Recht einfach, das Problem war eher im privaten und familiären Bereich, da waren die Reaktionen doch Recht unterschiedlich. Aber was will man von Sofasportlern auch erwarten...

Sputnik Pro says: Hallo Poseidon
Sent 6 December 2020, 13h04
Danke für den Bericht. Es ist toll das du auch über eine "misslungene Tour" berichtest die glücklicherweise ohne Unfall endete.

Berggruss, Sputnik

AlpineAdventure says: RE:Hallo Poseidon
Sent 6 December 2020, 13h54
Hey Sputnik,
Welcome Back on earth ;)

Meines Erachtens sollten nicht nur tolle Touren und "alles gut" zu einem Profil gehören, sondern auch Fehlschläge und Erfahrungen, die man gelernt hat. In der Hoffnung, dass daraus auch andere lernen...

Nyn says: Schutzengel
Sent 6 December 2020, 13h42
Zum Glück ist es bei Euch glimpflich ausgegangen.

Kürzere Spätherbsttage erfordern neben ggf. noch früherem Aufbruch einfach kürzere oder andere Touren.
Und wenn es denn schon eine knackige Tour mit Kletterei sein muss, dann wähle ich doch ein Ziel, von dem ich leicht, am besten per gutem WW und notfalls auch bei Nacht wieder sicher runterkomme. Wie schnell die Nacht -und so was von rabenschwarz!- kommt, habe ich am Abstieg vom Heubatgrat auch einsehen müssen. Am Breitenberg oben schätzte ich noch deutlich länger Helligkeit. War total daneben getippt und wir waren unten gottfroh über einen richtigen Weg.

Insofern ist mir eure Tourenplanung/Taktik in der Tat unverständlich und muss kritisiert werden. Zumal ihr laut eigener Aussage schon seit Kindheit in den Bergen unterwegs wart, ist es für mich noch weniger nachzuvollziehen, bei erkennbarem Eindunkeln nicht deutlich früher abzubrechen. Das Vertrauen auf gute Ausrüstung und ggf "halt die Rettung rufen" zu können, befreit nicht von Mitdenken und Verantwortung. So gesehen war euer Verhalten mindestens mittelgradig fahrlässig.

Da wir alle nur Menschen und sind und Fehler machen, steht es jedoch niemandem zu, nur zu verurteilen, was da passiert ist. Das Versagen öffentlich zuzugeben, finde ich mutig und gut. Die Einsicht und Berichterstattung hilft vielmehr Euch und Anderen, Ähnliches in Zukunft zu vermeiden.

Bleibt gesund!

Nyn

AlpineAdventure says: RE:Schutzengel
Sent 6 December 2020, 14h05
1. Der Abstieg bei Nacht über den Jubiläumsgrat war geplant, aber eben nicht der Weg Madonna - n. Fuchskarspitze. Wir haben einfach für die Überschreitung zu lange gebraucht...dass das allein unser Fehler ist, möchte ich gar nicht abstreiten

2. Das Problem mit dem abbrechen war, dass wir ungefähr auf der Mitte festgestellt haben, dass es eng wird mit dem Sonnenuntergang, wir aber wussten, dass wir zwei Abseilstellen wieder hochklettern müssen beim Abbruch. Deswegen die Entscheidung weiterzugehen, weil das (den Tourenberichten nach) auch der einfachere Weg und Abstieg ist.

3. Das mit der Rettung stimmt schlicht nicht. Es ist ja nicht so, dass wir uns darauf verlassen haben. Nachdem es doch gut gewindet hat, bin ich selbst nicht sicher gewesen, ob eine Bergung überhaupt möglich ist.
Aber genau aus solchen Gründen hat man eben auch dementsprechende Notfallausrüstung dabei, mit der man eine Nacht zumindest überleben kann...Ich hoffe du verstehst, wie ich das meine

4. Ich hoffe, dass ich Bergsteigern wir mir damit aufzeigen kann, wie schnell es doch gehen kann. Wenn das nur bei einem funktioniert, war es der Bericht schon wert!

yeti11 says: Danke
Sent 6 December 2020, 18h10
Vielen Dank für den Bericht. Euch ist nichts passiert, Ihr werdet daraus gelernt haben und eine tolle Tour habt ihr auch noch vorgestellt. Alles gut und Danke für Euren Mut, die Tour so zu berichten.
Mir ist sowas ganz ähnlich auch mal passiert. Bei mir war es an der Südost des kleinen Drusenturms. Wir haben vor 20 Jahren im Oktober viel zu lange für die Tour gebraucht, hatten uns mehrfach verstiegen und kamen genau zum Sonnenuntergang oben an. Meine damalige Freundin konnte sich kein Freibiwak vorstellen, die Abstieg war durch ein hartes Firnfeld versperrt, dass sie sich nicht traute ohne Steigeisen zu betreten... wir haben uns dann zu Fuss von der Bergwacht abholen lassen. Wir waren damals auch gut ausgerüstet, der 6 alpine Grat war unser Zuhause und wir hatten die Steigeisen auf Anraten des Hüttenwirts der Carschina Hütte dort gelassen...sowas passiert.

mntn1954 says: zur youtubeverlinkung:
Sent 9 December 2020, 09h17
in diesem video wird der balken fälschlicherweise mit der schwierigkeit UIAA II anstelle III+ deklariert. dies mag bis zur scharte unterhalb des letzten aufschwungs zutreffen an welchem ihr wohl trotz eures mitgeführten seils (unten liegen gelassen?!) UND des angebrachten fixseils umgekehrt seid. vom gipfelkreuz existiert nämlich kein foto+videomaterial. soviel zum warmup und der oben stehenden falschaussage "zunächst kletterten wir auf den balken". das nächste fahrlässige und absehbare fiasko hat sich bei der überschreitung der fuchskarspitzen abgespielt. dort seid ihr trotz fortgeschrittener uhrzeit und der aussage das ihr trainierte marathonläufer und "von kindheit an in den bergen" seid vom südgipfel zum nordgipfel aufgebrochen und musstet dann auf halber strecke von der bergwacht st.gallen gerettet werden. hiervon wird weder etwas im text noch im video erwähnt. dafür die lapidare frage: wo habt ihr bisher euren schönsten sonnenuntergang erlebt? das ist grob fahrlässig!!!!! plant beim nächsten mal mehr zeit ein oder kehrt rechtzeitig um wenn ihr den grat nicht frei klettern könnt anstatt euch hinterher im internet zu profilieren. ihr hattet nochmal glück im unglück. es hätte auch anders ausgehen können. was hätten dann die sofasportler zu hause gesagt??? deshalb die ausdrückliche warnung an alle die dieses video hier sehen: nicht nachmachen wenn ihr nicht über eine langjährige praxis verfügt. ganz klar daumen nach unten


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