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Über den Grat in die grosse Wüste


Published by flexa , 27 November 2020, 19h18.

Region: World » Switzerland » Valais » Mittelwallis
Date of the hike:27 July 2020
Hiking grading: T6 - Difficult High-level Alpine hike
Climbing grading: III (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-VS 
Time: 19:30
Height gain: 3960 m 12989 ft.
Height loss: 3960 m 12989 ft.
Route:46.64km
Access to start point:Postbus Veysonnaz (station)
Access to end point:Postbus Veysonnaz (station)
Accommodation:Veysonnaz

Ziel der Tour:

Im Val d’Hérémence und Val de Nendaz befinden sich die Stauseen der grössten Wasserkraftanlage der Schweiz (Lac des Dix und Lac de Cleuson). Die beiden Täler werden in Nord-Süd-Richtung durch einen fast 20km langen Grat getrennt, der von Thyon hinauf zu den Gletschern Glacier de Prafleuri und Grand Désert führt. Die beiden Gletscher speisen die genannten Stauseen und werden südlich durch einen bogenförmigen Grat eingefasst.

Die Tour folgt dem ersten Grat bis zum Ende und umrundet den Gletscher Grand Désert entlang des Gratbogens bis zum Wanderweg beim Col de Louvie.


Wegbeschreibung:

Start der Tour ist 3:20 in Veysonnaz nahe der Talstation der Seilbahn. Durch Wald und Wiesen geht es den Wanderweg hinauf zur Bergstation der Seilbahn Thyon. Ich bin den Weg die Tage vorher schon mal gegangen, sonst wäre die Orientierung und die Wahl der richtigen Abzweige im Dunkeln schwieriger. Bei der Bergstation gibt es einen Brunnen, bei dem ich ausgiebig trinke und Wasser auffülle.

Nun führt der Wanderweg den Grat hinauf und die Orientierung ist kein Problem mehr. Beim Skilift La Tsermatta setzt die erste Dämmerung ein. Der Wanderweg steigt ab hier sanft an und die Stimmung auf dem Grat ist sehr schön. Vorbei am Mont Rouge, endet der Wanderweg pünktlich zum Sonnenaufgang auf dem Le Greppon Blanc.

Im Morgenlicht geht es anfangs auf Wegspuren weiter, nach dem P.2786 werden die Wiesen auch immer mal von Felsklötzen unterbrochen, die aber umgangen oder leicht überstiegen werden können. Der folgende Bec de la Montau ist ein Doppelgipfel, wobei ein Kreuz auf dem etwa 70m niedrigeren Vorgipfel steht. Von hier hat man auf einen Blick einen schönen Vergleich zwischen dem bisherigen Grat mit Wanderwegcharakter und dem kommenden Weg, der nun deutlich zerklüfteter und brüchiger wird.

Der Grat führt nun ein paar mal über Felsen (Foto1, Foto2), die im Abstieg kletternd (II-III) überwunden werden müssen, auch die möglichen Umgehungen sahen recht steil aus. Zwischen Pointes de la Rosette und Les Louèrettes beginnen ausserdem die ersten Schneefelder, die aber für die Wanderschuhe kein Problem sind.

Der Abstieg von Les Louèrettes ist etwas zerklüftet, aber ab dem Col d‘Orchèra geht es recht gleichmässig über grössere Platten hinauf zum Le Métailler. Hier gibt es einen Blick auf den Lac des Dix, der sonst vom Grat aus kaum zu sehen ist. Der Abstieg führt mit Begleitung durch pfeifende Steinböcke über grössere Blöcke, einmal auch über eine steile Platte.

Der Grat hat beim Abstieg vom P.2983 nochmal eine steilere aber gut gestufte Stelle, danach geht es schön bis zum Col de Prafleuri. Dabei kommt man beim Fels-FensterFenêtre d'Allèves“ vorbei. Auf der Erhebung (P.3065) kurz vor dem Col de Prafleuri hat man einen schönen Blick auf die letzten zwei Grat-Gipfel, Grand Mont Calme und Petit Mont Calme.

Es sind nur noch 2km bis zum Ende des Grats auf dem Petit Mont Calme, aber nun geht die Kraxelei richtig los. Zur ersten Erhebung auf dem Weg zum Grand Mont Calme gibt es mehrere Möglichkeiten. Ich steige zunächst über die vorderste Kante auf und gelange so auf die flache Platte. Der Weg zieht sich hin, es gibt immer wieder auch steile Abstiege. Zum Abschluss steht man vor einem steilen Klotz aus festem Fels, der sich aber gut auflöst.

Vom Grand Mont Calme muss man ein ganzes Stück vorsichtig steil absteigen. Danach ist der Weiterweg relativ flach aber brüchig bevor eine Schutthalde immer steiler zum Petit Mont Calme hinauf führt. Oben klettert man in festem Fels und zum Schluss links haltend durch einen Kamin auf den Gipfel. Hier hat man einen schönen Rundumblick auf die „grosse Wüste“, über den Talkessel zum Mont Fort und den zurückliegenden Gratweg.

Der Abstieg vom Petit Mont Calme über den Westgrat ist ebenfalls ein Geröllhaufen, geht aber besser als er aussieht. Ziel ist es, Steine der richtigen Grösse zu wählen, welche klein genug zum Absteigen aber nicht lose sind. Bei etwa 3050m ist der Fuss des Westgrats erreicht und ich quere den Gletscher Grand Désert Richtung Südwesten zum Col de Cleuson, vorbei an einem Felsblock in der Mitte des Gletschers. Dieses ist das schmalste Gletscherstück und ohne erkennbare Spalten (auf der Karte und auch vor Ort). Es ist auch relativ flach und trotz Sonne hart genug zum Gehen.

Der Weiterweg vom Col de Cleuson umrundet den Gletscher in westlicher Richtung. Zunächst führt ein schneefreier Streifen im Bogen zum P.3112, danach weiter über spannende Stufen hinauf und brüchige Platten hinab auf ein Hochplateau. Hier nehme ich bei einem Schneefeld noch etwas Wasser auf. Von der letzten Erhebung, dem Tête de Momin, hat man noch einmal ein tolles Panorama auf den gesamten zurückliegenden Weg, bevor man auf dem Col de Louvie den Wanderweg erreicht.

Über bequeme Schneehänge und gar nicht so leicht zu querende Bäche führt der Wanderweg hinab zu den Wiesen des Lac du Grand Désert. Kurz vor dem Lac de Cleuson zweige ich ab auf den Ancien Bisse de Chervé – der höchsten Suone im Zentralwallis. Der Wanderweg führt zwischen Stausee, Murmeltier und wunderschöner Abendstimmung auf gleichbleibend 2200m Höhe bis nach Thyon. An der Seilbahn Thyon schliesst sich der Rundweg, durch den Wald geht es auf gleicher Strecke wie am Morgen zurück nach Veysonnaz.


Zusammenfassung:

Der Weg auf dem Grat in das Tal hinein war fantastisch. Je weiter man ging, desto wilder wurde die Landschaft und ab der ersten Dämmerung gab es durchgehend tolle Rundum- und Tiefblicke. Die meiste Zeit war man einsam abseits der Wanderwege, ich habe nur zur Mittagsstunde am Col de Prafleuri einige Läufer getroffen.

Im Grunde hat alles super geklappt, vor allem im Vergleich zur Unsicherheit bei der Planung. Da es nur wenig Tourenbeschreibungen in dieser Ecke gibt war überhaupt nicht klar ob der Weg durchgehend möglich ist.

Der anspruchsvollste Teil war auf jeden Fall die Umrundung des Gletschers Grand Désert zwischen Col de Prafleuri und Col de Louvie, die fast 5 Stunden gedauert hat. Die Strecke war sehr anstrengend, nicht alleine wegen der Höhenmeter oder einzelner Kletterpassagen sondern vor allem wegen der lockeren Steine und des ständigen Wechsels zwischen Auf- und Abstieg. Insbesondere der erste Teil zum Petit Mont Calme hat durchgehende Konzentration erfordert. Hier habe ich vorher am Col de Prafleuri eine Weile überlegt ob ich auf den Wanderweg umschwenke, mich aber für den Weiterweg entschieden, da noch gut Zeit und Energie vorhanden waren.

Der lange Rückweg unterhalb des Grats forderte dann nur noch Ausdauer. Das Tal zeigte sich hier in Gegenrichtung noch mal aus völlig anderer Perspektive – viel friedlicher und einladender als der Grat vom Vormittag, der rechterhand nur ein paar hundert Meter höher liegt.


Durchgangszeiten:

03:20 Veysonnaz
04:38 Brunnen bei Bergstation Seilbahn Thyon
05:12 La Tsermatta
06:16 Greppon Blanc
06:48 P.2785
07:13 Bec de la Montau 1
07:33 Bec de la Montau 2
08:39 Pointes de la Rosette
09:20 Les Louerettes
10:27 Le Métailler
12:20 P.3065
12:31 Col de Prafleuri
13:46 Grand Mont Calme
14:45 Petit Mont Calme
15:18 Anfang Querung Grand Désert
15:33 Ende Querung Grand Désert
16:45 Tête de Momin
17:21 Col de Louvie
18:30 Lac de Grand Désert
18:57 St Laurent
19:13 Cleuson La Gouille
20:34 Combatseline
22:43 Veysonnaz

Hike partners: flexa


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Comments (2)


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dominik says:
Sent 28 November 2020, 20h00
Wow, gratuliere zu dieser tollen Tour!

flexa says: RE:
Sent 2 December 2020, 11h27
Vielen Dank!


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