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Rund um Gitschenen, Tag eins: Zum Sonnenaufgang auf den Schwalmis (2246 m) und einmal drumrum


Published by Schubi , 21 October 2019, 19h10.

Region: World » Switzerland » Uri
Date of the hike:11 October 2019
Hiking grading: T3 - Difficult Mountain hike
Waypoints:
Geo-Tags: Bauen - Brisen - Bürgenstock   CH-NW   CH-UR 
Height gain: 1572 m 5156 ft.
Height loss: 1572 m 5156 ft.
Route:18,6 km
Access to start point:Isenthal - St. Jakob (Talstation Luftseilbahn) - Gitschenen (Bergstation Luftseilbahn)
Access to end point:s. o.
Accommodation:Berggasthof Gitschenen

Weil meine diesjährigen Aufenthalte in den Alpen recht verregnet waren, suchte ich für einen weiteren Ausflug nach einem Schönwetter-Fenster im Herbst. Letzte Woche entschloss ich mich dann, die sonnige Prognosen spontan für drei Tage Bergwandern in der Schweiz zu nutzen. Aber wohin da? Die Schweiz ist ja regelrecht voll mit schönen Orten ... ich stand ein wenig wie der Ochs vorm Berg (den ich dann im Wappen des Kantons Uri passenderweise wiederfand).

Eine ruhige Ecke sollte es sein, ohne zuviel Touri-Gewusel, aber auch keine zu lange Anreise. Und da es in den Wochen vorher schon paarmal Schnee gab, sollte es auch net zuuu hoch gehen und wanderbar bleiben. Die super Online-Karten von Swiss Topo helfen da weiter. Südlich vom Vierwaldstättersee fand ich so einige mittlere Höhen und dort entdeckte ich schliesslich die Ansiedlung Gitschenen. Sie liegt auf einem kleinen "Balkon" (1550 m) am Talhang hinter Isenthal, ist nur per Seilbahn erreichbar und besteht aus sieben Häusern, acht Lausbuben und einem Gasthof. Drumherum sind einige schöne wanderbare Berge, die ich mir hier bei Hikr dann natürlich mal angeschaut hab. Alles klang recht vielversprechend, im "Berggasthof Gitschenen" war noch was frei, also nix wie los.


Das letzte Stück der Anfahrt stimmte mich nun perfekt auf die Berge ein: Bei Seedorf am südlichen Zipfel des Vierwaldstätter Sees kurbelt man sich im Auto auf einem schmalen, in Fels und Tunnel gehauenen Sträßchens rasch in die Höhe und hat dabei atemberaubende Ausblicke auf den See und die umliegegende Bergwelt. Dann durchfährt man Isenthal und gelangt noch ein ganzes Stück dahinter schliesslich zur kleinen Ansiedlung St. Jakob, bei der dann die Seilbahn in die noch kleinere Ansiedlung Gitschenen hochgondelt.

Vorfreude pur also, gerade wenn man in der Mittagszeit direkt aus dem Büro in den kurzen Bergurlaub startet. Für den darauffolgenden ersten Wandertag nahm ich mir eine große Runde auf und um dem Schwalmis (2246 m) vor. Der liegt gleich nördlich meines Aufenthaltorts und weil sein Gipfel in nur zusätzlichen 700 Höhenmetern zu erreichen ist kam ich auf die Idee, dort oben die Morgendämmerung und den Sonnenaufgang zu bewundern und den Berg dann zu umrunden.

Gesagt, getan, Wecker gestellt: ich stiefelte am nächsten Tag also zeitig mit Stirnlampe los und ging bergan durch die Dunkelheit. Hilfreich waren dabei der GPX-Track auf dem Smartphone, aber auch die sehr guten Wegmarkierungen. Ein Lob für die schweizer Wanderweg-Warte. So kommt man auch im Dunklen lediglich mit Stirnlampe und etwas Logik ausgerüstet supergut voran. Trotz aller Finsternis und immerhin: der Sternenhimmel über mir ist beeindruckend.

(Einschub: Als Soundtrack für die Anfahrt, Rückfahrt oder zum Betrachten der Bilder empfehle ich passenderweise New Dawn Coming von den fantastischen Cowboy Junkies)

Der Weg führt von Gitschenen in nördliche Richtung und steilt direkt hinter dem Ort ordentlich an, vorbei an der Alp Unter Bolgen bis hoch zum P.1962. Nach ca 200 m geht es rechts uum Schwalmis-Gipfel hoch.  Linkerhand auf einem kleinem Felsturm steht hier bereits ein Gipfelkreuzchen und bietet Anlass, dann doch mal die Kamera aus dem Rucksack zu holen. Denn hinten im Osten beginnt die Morgendämmerung und färbt den Himmel am Horizont bereits pastellgelb ein, einige Berg-Konturen kann ich so aus der ansonsten noch pechschwarzen Landschaft trennen. Der letzte Kilometer ist ein bequem zu gehender Grasgrat. Währenddessen beginnt der Tag ganz langsam zu dämmern.

Die Stirnlampe habe ich nun ausgeknippst und auf den letzten 300 Meter bis zum Gipfel mache ich tatsächlich einen kleinen Sprint, weil ich weiß wie schnell sich das Licht kurz vor und nach dem Sonnenaufgang (quasi halbminütlich) ändert und ich auf keinen Fall zu spät oben ankommen will. Meine Rennerei weckt eine Gemse auf, die wohl nah neben dem Pfad ruhte und jetzt sehr flink den steilen Nordhang durchs Geröll hinunter flüchtet. Was für geschickte Tiere. Die Grasflanken der umliegenden Berge schimmern nun bereits schwach in der Dämmerung und ich beeile mich noch mehr.

Aber alles halb so wild: oben angekommen bleibt genug Zeit für Fotos in alle Richtungen und auch eine erste kleine Brotzeit. Gestern Abend hat die Bewölkung aufgerissen und neben einem sternenklaren Himmel auch Minusgrade gebracht. Es gibt schlimmeres, der Weg nach unten wird mich dann ja wieder aufwärmen.

Ich bin eh mehr mit der Justage der richtigen Kamera-Belichtung beschäftigt und natürlich mit Staunen. Die Mühe, so früh aus den Federn zu kommen und mit der Stirnlampe durchs Dunkle zu stiefeln hat sich definitiv gelohnt. Was für eine fantastische Stimmung, wohin man auch blickt. Die Sonne ist immer noch nicht ganz über dem Horizont gekommen, jedoch ändern sich Farbstimmung und Intensität des Lichts im Osten schon beständig: eben noch pastellig, jetzt schon kräftiger gelb-gold und schliesslich feurig orange-rot.

Direkt südlich von mir leuchtet (zunächst noch in rosa) so einige Berg-Prominenz der Kantone Uri und Obwalden. Nach Norden habe ich einen wunderbaren Blick auf den Vierwaldstättersee. Das Wasser des Sees schimmert anfangs dunkel- und nur wenige Minuten nach meiner Ankunft am Gipfel schon hell-blau. Eine prächtige Ambiance, wie man es in der Schweiz wohl formulieren würde. Nun endlich kommt die Sonne über den gezackten Gipfel-Horizont im Osten gestiegen, lässt die Bergflanken warm aufleuchten und beginnt nach und nach, die Landschaft mit langen, tiefen Schatten zu konturieren.

Supergutgelaunt mache ich mich wieder auf, es geht das gleiche Wegstück zurück und hinunter, bis ich wieder auf den in Ost-West-Richtung verlaufenden Pfad komme, auf den ich rechts abbiege und ein Stückchen nach Westen zum Hinter Jochli laufe. Unterhalb vom Schwalmis sehe ich Tümpel ("Bei den Seelenen/Seeleni") in den Grasflanken. Sie sind, wie so vieles in den Bergen, eiszeitliche Überreste, Teil eines hier oben angesiedelten Hochmoors und ein rechter Blickfang.

Am Hinter Jochli (2105 m) nun hat man wieder schöne Fernblicke, sowohl Richtung Gitschenen im Süden als auch zu einem Zipfel des Vierwaldstätter Sees im Norden. Dorthin geht es weiter, den Steig rechts runter duch das Kar zwischen Schinberg und Höch Stand. Über ihn hätte man auch vom Schwalmis tlw. weglos und sicher reizvoll abkürzen können, erfahre ich leider erst zuhause/zu spät hier bei Hikr. Es geht eine ganze Weile bergab. Mir begegnen mir die ersten Wanderer des Tages, die wohl von einer Seilbahnstation weiter unten heraufkommen. Dort liegt auch mein nächstes Etappenziel, das Bergrestaurant Tannibüel. Hier bin ich der erste Gast und ich setze mich mit Kaffee und Gebäck aus dem insgesamt recht lieblosen Speiseangebot auf die Terrasse. Die inzwischen schon kräftig wärmende Sonne kann die schlimme Beschallung mit Volksmusik-Gedudel leider nicht wettmachen ...

Auf einem Wirtschaftsweg geht es in östliche Richtung unterhalb des dem Schwamis vorgelagerten Hetlibergs entlang. Hier öffnet sich der Blick nun schön nach Osten mit dem Niederbauen-Chulm im Hintergrund.

Zum Glück biege ich nach 1,5 km rechts wieder auf einen schönen Fußpfad ab, der mich zunächst runter zum (leider trocken gefallenen) Bett des Ängibachs (P.1260) führt und dann sehr wurzelig abwechslungsreich wieder hinauf durch einen Bergwald in prächtig herbstlicher Laubfärbung. Hier komme ich ins Gespräch mit einer brotzeitenden einheimischen Wanderin. Als ich erwähne, wie beeindruckt ich von den guten Wegmarkierungen in der Schweiz bin, erzählt sie mir von einer Volksabstimmung vor ca. 40 Jahren, in der der Unterhalt der Wanderwege wohl ein Thema war. Und seitdem passt alles, immer. Wir laufen ein Stück gemeinsam und bewundern einen recht sehenswerten Wasserfall in der Felswand rechts von uns: es ist der Fernitalbach, der da herunterrauscht. Seiner unscheinbaren Quelle begegne ich weiter oben.

Am P.1321 verabschiede ich mich von der freundlichen Wanderin und steige steil bergan auf Zickzack-Pfad in die besagte Fels-Szenerie. Sie bildet ein durchgehend felsiges Band vom Schwalmis über Gandispitz und Zingel bis zum Oberbauenstock. Langsam tritt die Vegatation zurück und große Steinbrocken aus den Wänden über mir bestimmen die Szenerie. Bei P.1650 halte ich mich rechts, steige weiter bergan nun in eine Geröll-Wüste hinein, die unterhalb des Grats ausgebreitet liegt, den die eben genannten kleineren Gipfel bilden. Er ist mein nächstes Zwischenziel. Und obwohl (oder gerade weil?) ich ihn ständig vor Augen habe, rückt er nur sehr laaangsam näher. Es ist fast wie eine Fata Morgana :-/ Dazu gibt die Oktobersonne nochmal ihr Bestes und ich öle ganz gut.

Endlich angekommen am Vorder Jochli (2001 m) gibt es erstmal eine tiefen Schluck aus der Wasserflasche. Wie man es an einem Joch gerne so hat, bietet sich hier ein Blick in zwei Täler und damit recht unterschiedliche Szenerien: nach Norden zurück auf den Vierwaldstättersee und dahinter das weite Mittelland sowie den nach nach größer werdenden, aber noch "rund-sanften" Bergen drumrum. Nach Süden ins Tal von Gitschenen/St. Jakob und der schrofferen Bergwelt dahinter: Uri Rotstock, Brunnistock (mit Blüemlisalpfirn), Engelberger Rotstock und Ruchstock krönen das beeindruckende Panorama.

Ich beschliesse, noch eine kurzen Abstecher rüber auf den Jochlistock (2070 m) zu machen. Der zu ihm hochführende Pfad ginge dann noch weiter auf dem eben erwähnten Grat bis  zum Oberbauenstock. Die sicher reizvolle Gratwanderung darauf ist z.B. hier schön beschrieben.

Das Abendessen im Berggasthof Gitschenen ruft und ich mache mich dran, wieder nach unten zu kommen. Also erstmal ein Stück westwärts zurück bis P.1962. Dort dann links runter auf demselben Steig, den ich heute morgens im Dunklen hochgestapft bin. Nur, dass ich jetzt auch sehe, in welch schöner Umgebung ich eigentlich unterwegs war. Und so entstehen hier dann auch die letzten Bilder. Einen weiteren (kleinen) Wasserfall kann man entdecken, wenn man ca. auf der Hälfte zwischen P.1962 und Ober Bolgen mal dem deutlich hörbaren Rauschen nachgeht (links ca. 15 m durch die Heidelbeeren).

Fazit: Ein erlebnisreicher Auftakt zu meinem dreitägigen schweizer Wanderurlaub. Na gut, der Erlebniswert vom Stirnlampen-Gehen in stockdunkler, nur erahnbarer Bergwelt ist, äh, überschaubar. Aber es hat sich gelohnt und ist sozusagen der Preis des Sonnenaufgangs.
Die alpine Umgebung so zwischen 1500 und 2500 m find ich immer super, da sie viel Abwechslung hinsichtlich geologischer Formen, Vegetation, Wegführung und Fernsichten bietet. So war meine Planung  und die Entscheidung für Gitschenen ganz gut, denke ich.

Hike partners: Schubi


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Comments (2)


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Sent 22 October 2019, 16h32
Serverl Frank!

Wow, das ist ja herrlich! Und so schöne Bilder - gratuliere zu der schönen Tour!

Gruß,

Nik

Schubi says: RE:
Sent 22 October 2019, 21h00
Servus Nik.

Merci vielmals für das Lob!

Schönen Gruß, Frank


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