Die Rücksichtnahme des Buschauffeurs ...Linie 191


Published by Henrik , 17 August 2019, 15h40.

Region: World » Switzerland » Tessin » Bellinzonese
Date of the hike:15 August 2019
Waypoints:
Geo-Tags: CH-TI 
Time: 0:45
Route:Rodi - Osco/Piottino
Access to start point:ÖV
Access to end point:ÖV
Maps:Antipasto Nostrano

... die Taktung führt dazu, dass ich nach einem Termin von acht bis neun Uhr doch schon um halb zehn den Zug nach Olten nehmen kann, dessen Ziel Interlaken ist. Spürbar weniger Menschen sind unterwegs, die Ferien in der Deutschschweiz sind zu Ende. Das Gewusel auf der Passarelle hingegen ist intensiver. Meine Reisezeiten haben sich verschoben: um sechs Uhr der Frühe aufzubrechen, das ist wahrscheinlich keine Intention mehr. Obgleich im Zielgebiet, z. B. wie zurzeit im Tessin, die Luft noch frischer sein dürfte. Wichtig ist mir nun das Mittagessen irgendwo in der Leventina zwischen Airolo und Biasca. Montags lädt das Hotel-des-Alpes (Airolo) ein mit ihrem Pizzafestival „jede Pizza für 13 Franken!“. Halbleere Tische habe ich auch schon vorgefunden.
 
... die Bauarbeiten zwischen Olten und Luzern bestehen nach wie vor... und dürften ab kommenden Montag beendet sein (so der online-Fahrplan), und damit sind die 15 Minuten in Luzern wieder Alltag: somit gereicht die Fahrt nochmals durch das Freiamt, mit seinen weiten Landschaftseindrücken und der ruhig dahin fliessenden Reuss. Es erforderte Umsteigen in Olten, Lenzburg, Arth-Goldau und Erstfeld. Übrigens, am Zugersee-Ost ist Christo am Werk: In Walchwil ist eine Brücke mit hellem „Stoff“ eingepackt, gut erkennbar vom Zugersee-West. Jetzt, da der Sommer ... in eine vielleicht kühlere Phase eintritt, werde ich dorthin aufbrechen, um mir das bauliche Prozedere näher anzusehen. Ausgestattet mit einem vielseitigen pdf., das mir die SBB zugestellt hat.
 
... der Bahnhof Arth-Goldau – eine Baustelle – wickelt den gesamten Verkehr mit Ausnahme der S 31 über diese drei Geleise 5, 6 und 8 ab. Inklusive Güterverkehr. Ferrophile, die Bauzüge sich ansehen möchten, können das zurzeit in Arth-Goldau. Mir ist dabei SERSA aufgefallen. Im Gegensatz zu Rotkreuz sind übrigens die Perrons lang genug für Doppeltraktionen ICN und ETR. Was noch aussteht, sind zusätzliche Sitzgelegenheiten am Übergang jeweils vis-à-vis Gleis 6 und 8, immerhin wird der Zugersee-Ost erst wieder zum Fahrplanwechsel Dezember 2020 eröffnet. Und ab diesem Zeitpunkt sind dann auch alle TRAVERSOs ausgeliefert.
 
... der Bahnhof Sisikon ist nur einspurig befahrbar, es kommt aber zu keinen Wartezeiten.  Hier wird das seeseitige Gleis erneuert. Die Baustellenübersicht auf der Betriebslagen-Karte der SBB ist dünner geworden. Die Millionen Passagiere dürften m. E. auch mal positiv darauf reagieren...!
 
... in Airolo fällt mir auf: die übliche Betriebsamkeit fehlt – ein Feiertag! Nur im Tessin. Da ich den Bus zur halben Stunde nach Dalpe nicht am Bahnhofsplatz vorfinde, denn einige Fahrplandaten schaue ich online gar nicht mehr nach, sind eingeprägt im Kopf ... frage ich nach in der gelben Klasse der dort stehenden Fahrzeuge: Heute ist Sonntag! Um ~.31 fährt er vor, die 117! Ich bin der einzige Fahrgast, mein Ziel Rodi Posta. Das Hotel Baldi. Von der Kantonsstrasse aus hat man immer wieder Sicht auf die Autobahn – da stehen sie. Ab Quinto. Wer stundenlang im Stau zu stehen hat, wird doch ganz menschliche Bedürfnisse haben... und jede Menge Zuschauer, wie „macht“ man das? Und wer dann noch auf einer Brücke zu stehen kommt, erst recht? „... aber hallo, was kommen denn dir für Gedanken?“. Rodi Posta, Hotel Baldi!
 
 
... unter dem Sonnendach nehme ich am Tisch Platz. Ein paar Gäste sitzen drinnen im Saal, ein kettenrauchender Biker an einem Nebentisch und ein paar einheimische. Es ist nicht tiefblau, es ist sogar fast zu kühl, um draussen zu verbleiben. Ich verschiebe mich nach innen. Die Gäste sind weg, der Saal leer und ich. Da Sonntag ist, ist viel los auf der Kantonsstrasse. Dann auch noch der Stau am Gotthard. Am Hang zwischen Dalpe und Prato /Leventina sind von blossem Auge Fahrzeuge zu sehen. Das ist ungewohnt und ein Hinweis auf einen besonderen Tag – eben ein sonntags-ähnlicher Tag, da sind die Ticinesi in ihren Wochenburgen. Ich beschliesse doch noch ein paar Kilometer zu gehen. Und mir den Ticino näher anzusehen: am Dienstag war ich ja auch schon in der Leventina - während wolkenbruchartigem Regenwetter. Selten habe ich den Ticino so lebendig gesehen: Eine braune Brühe wälzte sich nach Süden hinunter. Im geschützten Shuttle von Airolo nach Bodio waren immer wieder Blicke möglich auf den reissenden Fluss. Imposant die Biaschina.
 
... Von Rodi Paese zur Haltestelle Osco/Piottino die kleine Fussstrecke. Obwohl Sonntag, hätte ich Gegenverkehr vermutet. Ich traf niemanden – Gola Piottino. Und einen völlig beruhigten Fluss, nicht mehr braun, sondern glasklar blau – einzig geschobene Stämme und viel Geschiebe-Holz. Die Passage am flugrostbraunen Bahnhof Rodi-Fiesso kann mich auch noch nach 30 Passagen beeindrucken, die gesammelten Abfallhaufen und die Betonruine am WW. Am PP des Dazio Grande nur ein Fahrzeug!
 
... Postautohaltestelle Osco/Piottino – ich warte lediglich 20 Minuten, dann kommt der 191-er nach Bellinzona. Einige Fahrgäste, Einheimische. Wie an der Haltestelle Faido, Casa per Anziani auch: Mitarbeiter und Bewohner/Gäste. Bewegungseingeschränkt und etwas langsamer. Mit Gehhilfen. Der Bus fährt nicht einfach weiter. Er hält inne. Der Fahrer schaut nach hinten, schaut in die Spiegel aussen und innen. Und wartet ab! Eine kleine Zeit verstreicht, es fällt mir  auf und beeindruckt mich sehr. Es ist wie eine Pause. Gegen den Fahrplan, gegen die Geschwindigkeit. Wieso es mir gerade jetzt so auffällt, kann ich gar nicht erklären – offenkundig bin ich so offen, wo auch immer im jetzt... denn ich bin ja Hunderte Male schon im Bus 191 unterwegs gewesen, und es war auch immer so, dieses Abwarten, bis die Menschen so Platz genommen haben, dass beim Anfahren niemand Angst zu haben braucht, verletzt oder umgestossen zu werden. RÜCKSICHTNAHME. Ich schreibe es in kapitalen Buchstaben. Es passt so gut zu den aktuellen Threads.
 
... ich bekunde meine Bewunderung dem Chauffeur der Linie 191, als ich in Biasca den Bus verlasse. Er sagt, das tun die meisten: er möchte keine Unfälle in seinem Bus!  
 
... im Restaurant Lucomagno gegenüber dem Bahnhof sitzen palavernd und rauchend Einheimische an ihren Bieren. Auf der sonst boulevard-artigen Kantonsstrasse herrscht Ruhe. Ein Bild rückt in meinem Kopf in diese Szene: Edward Hopper.
 
... im RE nach Airolo füllt sich der Zug mit Bikern, sodass man über die Rahmen fast hinweg stolpert. Über dem Lauerzersee dräuen Broccoli-Wolken... für Basel ist Regen angesagt.


Die Bilder stammen aus früheren Exkursionen und sind als Symbolbilder eingebracht.

Hike partners: Henrik


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Comments (1)


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mong Pro says:
Sent 22 August 2019, 21h55
Geniales Bild von Hopper.

Das schon.

Aber, in den Ristoranti der Einheimischen
ist diese Atmosphäre nicht oft der Fall. ;-)


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