Gamsjoch Ostwand Schmid/Moser – eine Schokoladenseite im Karwendel


Published by algi , 6 October 2018, 09h36.

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Karwendel
Date of the hike: 5 October 2018
Hiking grading: T6- - Difficult High-level Alpine hike
Climbing grading: IV (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Time: 6:00
Height gain: 1250 m 4100 ft.
Height loss: 1250 m 4100 ft.
Access to start point:Parkplätze bei den Engalmen

Über den Karwendel-Auswahlführer des Panico-Verlages bin ich auf die Gamsjoch-Ostwand aufmerksam geworden, dort ist zwar nicht die klassische Schmid/Moser-Führe beschrieben, aber da die neuere Route „Roots“ und die Schmid/Moser im unteren Teil wohl weitgehend identisch verlaufen, möchte ich mich erst vor Ort für mein heutiges Projekt entscheiden. Im Panico-Führer ist auch der anspruchsvolle Zugang zum Tränkkarl beschrieben.

Kurz vor den offiziellen Parkplätzen in der Eng zweigt rechts eine gesperrte Straße zu den Engalmen ab, vor der Brücke über den Bach gibt es mehrere Parkmöglichkeiten.
Nach Überschreitung der Brücke folgt man einem Fahrweg westlich des Baches bis unter den felsigen Abbruch des untersten Tränkkarls (ca. 10 – 15 Min). Nun über steile Schroffen mühsam nach links empor zu dem von links nach rechts emporziehenden sehr steilem Schroffenband. Da die Erde noch feucht ist sehe ich mich tatsächlich genötigt meine bequemen Wanderschuhe gegen den Kombi-Kletterschuh zu tauschen, und das will was heißen. In der Querung sind auch 2 Haken angebracht, meine ungeteilte Bewunderung gilt mal wieder den Gämsen, es ist einfach unglaublich mit welcher selbstverständlichen Sicherheit sich diese Tiere in glattem Fels und steilstem Schroffengelände mit Ihren Hufen fortbewegen können.

Die Steilstufe nach Erreichen des Baches wird rechts von ihm überwunden, nun im blockigen Bachbett weiter bis zu einer Engstelle. Lt. Beschreibung verlässt man hier das Bachbett nach links und muss sich den Weg entlang von schwach erkennbaren Steigspuren (Gamswechsel) bis unter die Nordwand suchen. Da ich keine Lust auf Latschenkampf habe und der Wasserstand des Baches sehr niedrig ist, orientiere ich mich weiterhin am Bachbett, zunächst am linken Rand im Bereich der angrenzenden Latschen weiter, oben dann direkt im Bachbett. Im Großen und Ganzen bin ich mit dieser Aufstiegsmöglichkeit recht zufrieden, die eine oder andere III-er Stelle muss allerdings schon geklettert werden. Bei höherem Wasserstand scheidet dies Alternative jedoch aus. Zuletzt auf losem Geröll mühsam zum Einstiegsbereich empor, anhand der Gesteinsverfärbung kann man ganz deutlich erkennen, wie mächtig das Schneefeld mal gewesen war, jetzt steigt man gut 15 – 20 m unterhalb des einst höchsten Punktes ein.

 

Die linke Seite der Ostwand ist noch komplett nass, damit hat sich auch der Gedanke an eine Begehung der Route „Roots“ erledigt, aber bis zur markanten Wandeinbuchtung unterhalb der Wandmitte sieht‘s noch ganz passabel aus. Typische Plattenkletterei in weitgehend festem Fels klassischer Prägung (kaum Wasserrillen vorhanden) bringt mich Seillänge um Seillänge nach oben. Immer wieder sehe ich auch gebohrte Zwischenhaken und Standplätze, aber man muss schon genau hinsehen, da man in diesem Gelände fast überall klettern kann. An der großen  Wandeinbuchtung zeigen sich die Auswirkungen der jüngsten Schneefälle auf den linken Wandteil noch eindringlicher als vom Wandfuß, auf den Bändern liegt noch viel Schnee rum, der langsam schmilzt und sich nun in flüssiger Form über die darunterliegenden Bereiche ergießt. Daher entschließe ich mich spontan diesen ganzen Bereich in einer großen Rechtsschleife zu umgehen, oberhalb des über mir liegenden steilen Wandgürtels scheint man mittels flacherer Felsstrukturen wieder zur Original-Linie zurückkehren zu können.

 

Glücklicherweise bewahrheitet sich der Spruch „wer wagt, gewinnt“, die Kletterei ähnelt den Stellen der unteren Passagen, alle angedachten Problemstellen lösen sich wunderbar auf, und beim Erreichen der Falllinie der Gipfelschlucht bin ich mir sicher, dass ich mich wieder auf den Spuren des Originalwegs befinde. Die Gipfel der Ruederkar-und Roßkopfspitze treten ins Blickfeld, die Ruederkar wird sogar besucht. Mit der schwierigsten Seillänge wird die kleine Gipfelschlucht angeklettert, und die hat es in sich: ausgesetzt, überschaubares Griff- und Trittangebot und unübersichtlich. Erst mitten in der Schlüsselstelle wird mir klar wie man diese Stelle tatsächlich klettern muss. Leider ist der Schluchtgrund noch recht feucht, jedoch kann man zum überwiegend Teil auf die rechte Schluchtbegrenzung ausweichen.

 

Beim Ausstieg zum Ostgrat fällt der Blick sofort auf die beeindruckende Mauer der Grubenkarspitze-Nordwand, dieser Blickfang ist schon der Hammer. Nun anfangs noch etwas alpin zum Ostgipfel und schließlich, immer leichter werdend, über den Mittel- zum Hauptgipfel. Abstieg mittels Normalweg zu den Engalmen, dort wo man den Bach überquert ist die Bodenerosion so stark, dass der Weg wohl jedes Frühjahr oder nach starken Niederschlägen neu eingetreten werden muss.

 

Fazit: tolle Wand mit viel Reibungskletterei und sehr guter Felsqualität (für Karwendel-Verhältnisse). Trotzdem wird sich die Ostwand wegen dem alpinen Aufstieg zum Tränkkarl wohl nie zum Renner entwickeln. Habe auch keinerlei Fußspuren, sondern ausschließlich Gamsspuren gesehen.

 

Viele Grüße

Albert


Hike partners: algi


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