Hochfrottspitze (Westgrat - Ostflanke - Überschreitung)


Published by Kauk0r , 1 March 2018, 23h19.

Region: World » Germany » Alpen » Allgäuer Alpen
Date of the hike:25 August 2014
Hiking grading: T5- - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: D   A 
Access to start point:Wanderparkplatz Faistenoy (zum Zeitpunkt der Tour 2,50 € / Tag)

Das Wetter soll nur einen Tag gut werden...es soll nochmal ein richtiger Kracher werden, leider hat es in der Höhe Neuschnee gegeben. Trotzdem steige ich an einem regnerischen Nachmittag hinauf zum Waltenberger Haus, um vor dessen Umbau nochmal die Möglichkeit zu haben dort zu übernachten.
Mit Unterstützung der Hüttenübernachtung eine komfortable Tour auf den dritthöchsten und vermutlich einsamsten der höchsten Gipfel der Allgäuer Alpen. Für den geübten, trittsicheren Bergsteiger mit Erfahrung in solchem brüchigen Gelände ist die Besteigung wesentlich einfacher als es die geringe Besucherzahl glauben lassen könnte. Insgesamt ist der Westgrat etwas anspruchsvoller als die Variante am Nordostgrat (sofern man den vorgelagerten Felskopf umgeht). Die Ausblicke von der Hochfrottspitze sind genial, aber auch die tollen Impressionen in der wilden Umgebung des Bacherlochs und des Bockkars machen einen Besuch in dieser Ecke lohnend. Mit dem Westgipfel der Berge der guten Hoffnung besteigt man dazu noch einen richtig "kultigen" Gipfel.

Ausgangspunkt der Tour ist der Wanderparkplatz (904 m) ostseitig der Stillach in Faistanoy. Von hier geht es auf dem Talweg zunächst nach Birgsau (956 m) und weiter zur Straßenkreuzung, die die Straße ost- und westseitig der Stillach verteilt. Man hält sich hier nach links/ostseitig auf der Schotterstraße nach Einödsbach (1114 m). Am Gasthof links vorbei und vor der Kapelle den Teerabschnitt steil zu den letzten Gebäuden und bis zum Ende des Arbeitsweges oberhalb des Bacherlochbaches. Nun auf einem gemächlich ansteigenden Wanderweg hoch über dem Bach ins Tal nach hinten. Nach einer ersten buschigen Geländestufe wendet sich der Weg nach Osten. Zunächst gehts durch steiles Geröll zu einer Felsstufe an der erste Drahtseilsicherungen warten. Bald wird der Steig in der extrem steilen Flanke recht schmal und ausgesetzt, ab hier weitere Geländer-Drahtseile im Fels und zwei kurze Stahlbrücken über einen erodierten Wegabschnitt (Schwindelfreiheit und Trittsicherheit nötig, vor allem bei Nässe). Anschließend legt sich das Gelände wieder zurück und es geht in angenehmen Serpentinen durch das felsdurchsetzte Graskar die letzten 250 Höhenmeter zum Waltenberger Haus (2084 m). Hier wird laut den aktuellen Informationen 2016 ein Baujahr eingelegt, die neue Hütte soll dann 2017 dem Gast zur Verfügung stehen.

Am nächsten Morgen geht es bei Temperaturen um den Gefrierpunkt hinter der Hütte in Richtung Bockkarscharte. Der sehr geröllige Wanderweg zieht schnell kräftig an, so wird man zwar warm, aber einen brauchbaren Rhythmus zu finden ist nicht so einfach. Man geht nun so weit ins Bockkar hinauf, bis der Wandersteig einen deutlichen Knick in Richtung Süden auf die Bockkarscharte zu macht. Um in die Südflanke unter den Bergen der guten Hoffnung einzusteigen, sollte man sich ungefähr in Falllinie der Scharte zwischen Ostgipfel und Hochfrottspitze befinden (der AVF Seibert spricht von der "Stelle, wo man den Felsen am nächsten kommt"). Man steht unter zwei Rinnen die nach oben ziehen: eine Rechte, die etwas versteckt liegt und eine Linke mit breiterer, plattiger Öffnung. Jene linke Rinne muss man anpeilen, sie wird über einen kurzen Geröllabschnitt erricht. Über zunächst plattigen, festen Fels, später in splittrigerem Gelände geht es in leichter Kletterei (I. Schwierigkeitsgrad) zu einer kleinen Schotterscharte mit markantem Felszahn, von dieser zieht auf der anderen Seite ein deutliches Geröllband in die Scharte (2357 m) zwischen den beiden Bergen der guten Hoffnung. Nun über den kurzen Ostgrat unschwierig auf den Westgipfel (2388 m). Seit 8. Juni steht dort oben ein neues Kreuz mit neuem Buch, der schmackhafte Gipfelschnaps ist geblieben.

Auf dem gleichen Weg nun zurück bis vor die kleine Schotterscharte. Bevor sie erreicht wird, quert man in eine wesentlich schmalere Rinne, die in die Scharte zwischen Ostgipfel und Hochfrottspitze hinaufführt. Sie ist der bislang unangenehmste Abschnitt, der Rinnengrund ist geröllig und brüchig (Vorsicht: Unten verläuft der Wanderweg!), oben raus findet man schwierig Halt und Tritt (wohl noch I). Ich bin nicht direkt in die Scharte gestiegen, sondern nachdem ich die Verengung der Rinne aufgeklettert bin, nach rechts zum Westrücken gequert. Hier nochmals auf sehr schottrigen Bändern zum Beginn des Westgrats. Dieser ist zunächst etwas schmal, ein Felszacken wird in Aufstiegsrichtung rechts etwas abdrängend (I+) umgangen. Danach geht es kurz über einen großen, glatten Plattenschuss aufwärts, im Anschluss über den recht breit wirkenden Grat weiter. Hier wird es wieder schottriger, allerdings bleibt das Gelände gut gangbar, ich habe eine Reihe von Bändern vorgefunden die sich gut gehen ließen. Dies mag an der Schneeauflage gelegen haben. Trotz des weitläufigen Geländes bleibt die Route am Grat vorgegeben. Einen Felsaufschwung bin ich links umgangen, er sollte aber auch erkletterbar sein. Zurück am Grat nochmals im Geröll in Richtung der Gipfelfelsen. Zunächst über einen kleinen, vorgelagerten Kopf auf schmaler, ausgesetzter Schneide (I) mit eher kleineren Tritten an den Fuß der Felsen. Hier nach links auf einem breiten Felsband hinauf und auf einer bandartigen Struktur gegen eine kleine Scharte im Nordgrat. Dieses Gelände muss als Schlüsselstelle des Aufstiegs gesehen werden (teils um II). Da ein Großteil der entscheidenen Tritte mit Schnee und Eis bedeckt war, empfand ich diesen Abschnitt als heikel. Den letzten Abschnitt in die Scharte umging ich wegen der Verhältnisse mit einer kurzen, ebenfalls heiklen Kletterei (II) in der Flanke gegen den Gipfel, der dann über Geröll schnell erreicht ist. Auf der Hochfrottspitze hängt ein kleiner Gipfelbuchkasten, der seit heute wieder ein neues Gipfelbüchlein beiinhaltet, welches ich mehr zufällig im Rucksack dabei hatte (Bei der Rückkehr zur Hütte meinte der Hüttenwirt, dass das alte Buch desolat von Nässe zusammengebacken vor Kurzem zu ihm herab gebracht worden war.). Ein Abstecher zum Südgipfel ist lohnend, es geht vom Gipfel kurz hinab und über den luftigen, teils brüchigen Grat (um I+) zum großen Gipfelsteinmann.

Für den Abstieg wählte ich den Nordost-Grat bzw. bald mehr die Bänder in der Ostflanke der Hochfrottspitze. Man folgt vom Gipfel dem Nordgrat bei vor den markanten Felskopf (I+). Das Gelände präsentiert sich hierbei wie bekannt, etwas geröllig, etwas brüchig. Oben am Felskopf könnte man direkt am Grat weiterklettern (II), ich hatte aber bereits mein Tagespensum an Adrenalin verbraucht, so dass ich die unbekannte, schneeverfüllte Rinne nicht ins Unbekannte abklettern wollte. So stieg ich kurz mit einer Plattenquerung (I-II) vom Felskopf zu den Geröllbändern in der Ostflanke ab. Sie leiten verhältnismäßig komfortabel durch die Ostflanke (I) zurück zum Grat. An ihm entlang oder in die Ostflanke ausweichend mit unveränderten Schwierigkeiten in die Scharte (2563 m) vor der Mädelegabel. Um nun zum Schwarzmilzferner abzusteigen geht man bis an den Fuß des Mädelegabel-SW-Grats. Vom ihm leitet eine Rinne (I) zu der Schotterfläche hinab. Diese mündet in einer weiten Wasserrinne, die man etwas unangenehm zu den Felsabbrüchen oberhalb des Ferners absteigt. Nun je nach Schneelage mit etwas Routengespür in viel Schutt auf die Gletscherfläche (Nochmals Achtung: Wanderweg).

Vom Schwarzmilzferner lässt sich dann noch recht günstig die Mädelegabel auf dem Normalweg über die Ostflanke mitnehmen. Zurück geht es dann über den Ferner und einen kurzen Gegenanstieg in die Bockkarscharte (2504 m). Von hier zunächst steil über einen felsigen Steig teils mit Versicherungen ins Bockkar, dann auf dem schotterreichen Steig zurück zur Hütte und ins Tal.

Link zum Bericht mit Bildern auf Alpic.net.

Hike partners: Kauk0r


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