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Allalinhorn 1971


Published by FJung , 14 May 2017, 17h25.

Region: World » Switzerland » Valais » Oberwallis
Date of the hike: 5 June 1971
Ski grading: AD
Waypoints:
Geo-Tags: CH-VS 
Time: 2 days
Height gain: 1158 m 3798 ft.
Height loss: 2229 m 7311 ft.
Route:Saas-Fee - Längfluh - Allalinhorn - Saas-Fee
Access to start point:Saas-Fee
Access to end point:Saas-Fee


Am Ortseingang von Saas-Fee mußten wir das Auto stehen lassen, so daß wir  alle unsere Lasten bis zur anderen Seite des Dorfes tragen mußten. Aber wir kamen noch rechtzeitig bei der Seilbahn an, die uns hinaus zur Längfluh bringen sollte.
Als Claude sicheren Schrittes einer Gondelbahn zusteuerte, die ganz offensichtlich auf einem Abstellgleis stand und dort seine Skier festmachte, war uns klar, daß uns ein lustiges Wochenende bevorstand, auch wenn das Wetter nicht mitmachen wollte.
Unter uns lag ein kleiner Gletschersee (das Ende der Moräne), links schauten wir hinauf auf den Egginer und die Seilbahn, die zum Felskinn führte. Dann gleitete die Gondel über riesige Gletscherspalten des Feegletschers. Die Schneebrücken sahen nicht sehr vertrauenswürdig aus.
Mit von der Partie waren Claude, mit ich auf der Rosablanche und Mont Fort war, Helena, die Krankenschwester aus Genf, die ich auf der Tour zum Mont Fort das  erste mal sah, und endlich einmal Verena, mit der ich schon so lange eine Tour machen wollte, und nun war es also Wirklichkeit. Initiator dieser Tour war der Frauen-Alpen-Club, aber wegen des unsicheren Wetters wollte man nicht ohne Männer gehen.
Wir waren alle ausgerüstet für eine Hochgebirgstour.
Auf der Längfluh (hier war damals Ende der mechanischen Aufstiegshilfen) kam die erste Überraschung: Als wir das Nachtessen warm machen wollten, mußten wir es in der Küche abgeben. Dort wurden die Suppen warmgemacht, und wir bekamen ganz andere Suppen serviert, als wir gegeben hatten, und das Hähnchen, das in der Migros 3.75 Fr. kostete, war nochmals 4 Fr teurer geworden durch das Aufwärmen. Wasser zum Tee kostete pro Person 1 Franken. Daraufhin tranken wir nur noch Wein.
Nach dem Essen schauten wir hinaus. Die Wolken gaben gerade die Felswände der Mischabelgruppe frei, die Felsgrate waren verwegen und scheinbar unbezwingbar. Durch das Fernglas  erkannte man noch die Mischabelhütte und das Ulrichhorn dahinter, während über dem Gletscher die Eismassen des Albphubels und des Allalinhornes leuchteten. Dem letzteren galten unsere Gedanken, das war unser Ziel. Der Weg führte nur langsam ansteigend über den Gletscher, wir müßten gut auf Spalten achtgeben, und erst kurz unterm Feejoch würde es steil angehen, das sahen wir nun.
Unter uns lag Saas-Fee, das nun schon seine Lichter angezündet hatte. Über dem Saas-Tal sahen wir das Dreigestirn Fletschhorn, Laquinhorn und Weißmies, und beim genauen genauen Hinsehen erkannte man die Weißmieshütte, mein ehemaliger Stützpunkt auf das Fletschhorn. 
Links und rechts von uns stürzten die Gletscher zu Tal, wir standen auf einem Felsen im Gletscher und schauten nicht gerade glücklich in den Himmel, denn es sah nicht so aus, als wenn es in der Nacht kalt werden würde.
Als es dann ans Bezahlen der Übernachtung ging, kam ein neues Problem: Die SAC-Mitglieder zahlten 4 Fr., Nichtmitglieder 14!!! Fr. pro Übernachtung. Claude und ich hatten unsere Ausweise mit, nicht aber die Mädchen!!! Weil auch die Frauen von SAC-Mitgliedern die gleichen Rechte in den Hütten besitzen, (besaßen) einigten wir uns schnell darauf, daß wir mit unseren Frauen unterwegsn. So wurde Helena Claudes Frau, Verena die Meinige. Welch ein denkwürdiger Tag! Wir machten natürlich darüber noch Scherze, und erst um 22 Uhr gingen wir in die Lager.
Bereits um 3 Uhr riß mein Wecker uns Schlafende aus den unruhigen Träumen, ungläubig rieb Helena sich die Augen, sollte es wirklich schon vorbei sein, sollten wir wirklich hinaus in die undurchsichtige und kalte  Gletschernacht? Aber die anderen sprangen wie auf Kommando aus den Decken, und wenige Minuten später herrschte ein emsiges Treiben im Restaurant, Kannen mit Wasser wurden zu Tische getragen, und wir schauten hinaus. Der Himmel war bewölkt, aber wir sahen die Berge um uns, geschneit hatte es in der Nacht nicht, wir konnten also aufbrechen.
Bereits nach einigen Meter waren wir auf dem Gletscher, und sofort entdeckten wir unter unseren Skiern eine tiefe Spalte. Das fing ja gut an.
Vor uns war eine Dreiergruppe, dann eine Gruppe mit etwa 15 Personen und Führer, dann folgten wir der Spur. Der Himmel färbte sich langsam rosa, die Wolken im Osten wurden mit Aquarellfarben überflutet, die Berge sahen aus, als hätten sie sich hinter einen durchsichtigen Vorhang versteckt. Aber dieses Schauspiel dauerte nur wenige Minuten. Wir mußten auch wieder auf die Spur achten.
Einmal wurde der Gipfel des Alphubels von der Sonne bestrichen, dann versteckte er  sich aber hinter einer Wolke, und wir sollten die Sonne heute nicht mehr sehen.
Mitten im Schnee packten wir unsere Rucksäcke aus und ließen alles liegen, was für die Gipfelbesteigung nicht notwendig war, denn wir wollten über das Felskinn bis weit nach Saas-Fee hinabfahren, was von der Längfluh nicht so gut möglich war.
Mit den leichteren Säcken gingen wir nun etwas schneller, aber leider hatte Vreni und ich zum Anfang etwas Pech mit den Fellen, die wir immer wieder verloren.
Wolken schwebten um unseren Gipfel, sie verdichteten sich, und besorgt schauten wir in die Zukunft. Bei einer Gletscherspalte hatten wir die große Gruppe eingeholt, denn diese Passage war etwas heikel. Danach ging es wieder gemütlicher. Die Wolken senkten sich jedoch herab und hüllten uns. Wir waren auf dem Feejoch, etwa 3810 m hoch. Die geführte Gruppe hatte ihre Skier abgeschnallt und in den Schnee gesteckt, Claude stieg auch schnell aus den Skier und versank gleich im Schnee. Wir einigten uns auf den Weitermarsch auf Skiern. Helena führte uns links in die Höhe, sie war schon einmal auf dem Gipfel gewesen. Der Aufstieg erwies sich als langweilig, weil wir nur unsere Vordermänner bzw. -frauen sahen, man sah keine Konturen und keinen Gipfel. Als sich endlich links über uns etwas Schwarzes erhob, waren das auch schon die Gipfelfelsen. Rechts davon schnallten wir unsere Skier ab und stellten sie neben die drei Paar der heutigen Erstbesteiger.
Es war nicht so angenehm in der Kälte und Nässe die Felle abzunehmen, zu säubern und die Skier für die Abfahrt einzustellen, aber dann gingen Helena und ich den schmalen Schneegrat bis zum Gipfel, wo wir auf Felsen standen. Claude und Verena kamen auch wir gaben uns den Gipfelkuß (es war so schön warm unter Vrenis Kapuze), und auch der Führer kam mit seiner Gruppe zu Fuß an. Es wurde gesungen, und als ich in all die frohen nd glücklichen Gesichter um mich sah und ich mir bewußt wurde, daß ich das erste mal in meinem Leben über 4000 m hoch war, da kamen mir zwei kleine Tränen, die aber weiter nicht auffielen, weil unsere Augenbrauen mit Schnee vollgeklebt waren und die Kälte die Tränen bald zu kleinen Eiszapfen machte.
Wir hatten nun noch die Abfahrt vor uns. Sie erwies sich als sehr gefährlich. Langsam glitten wir im Schnee hinab und überholten die "Fußgänger". Wir hatten Mühe, den Paß wieder zu finden. Auf der einen Seite waren Gletscherspalten, auf der anderen Seite konnte man über eine Wächte eine Felswand hinabsausen, und bei nur 10 m Sicht konnte das schnell passieren.
Wir folgten unserer Aufstiegsspur. Helena fuhr voran, sie hatte ein hervorragendes Orientierungsvermögen, und in einem phantastischen Schnee, weich und lautlos, fuhren wir langsam abwärts. Schwünge konnten wir keine machen, weil Spalten von den Wolken verdeckt wurden und wir keine Überraschungen erleben wollten. Auch die Brücke über die eine große Spalte fanden wir wieder, wir schauten hinab, in diesem diffusen Licht sah sie ganz andersartig aus, gar nicht gefährlich, sondern unnatürlich.
Nun war es nicht mehr so gefährlich, und Vreni fuhr in einer gekonnten Technik hinab. wir suchten unser Depot im Schnee wieder. Nirgends war etwas zu sehen. Wahrscheinlich waren wir schon daran vorbeigefahren, und wir sahen ein, daß wir bis zur Hütte zurückfahren mußten, um dann wieder unsere Spur hinaufzugehen bis zum Depot. Eine Dohle hatte aber von unserem Lager profitiert und einen Apfel angehackt. Durch sie fanden wir das Depot, das von einer dünnen Schneeschicht überzogen war.
Den Umweg über das Felskinn hatten wir wegen des schlechten Wetters schon lange aufgegeben, und wir fuhren wieder über die große Spalte vor dem Berghaus, wo wir es uns bequem machten und die Kleidung zum Trocknen aufhängten. Auch aßen wir noch etwas, und dabei schauten wir auf die Uhr: Es war erst 11 Uhr und wieviel hatten wir schon erlebt an diesem Tage!
Die Skier gaben wir bei der Gondelbahn auf, und wir stiegen mit den Rucksäcken hinab. Aber überall lag noch Schnee! Das hatten wir vom Restaurant nicht gesehen, und wir trauerten unseren Skiern nach, die so ganz untraditionell hinabfuhren. Wir sanken bis zu den Knien im Schnee ein und konnten dann auf der Moräne gehen. Links von uns war war der Gletscher. Vreni und ich gingen auf der Moräne, bis es nicht mehr weiterging. So stiegen wir im Felsen bergab, aber der Weg war nicht mehr zu finden. Claude und Helena waren oben geblieben, und wir beiden irrten zwischen den F elsen umher. Da sahen wir die anderen unter uns auf einem Stein sitzen, sie hatten die Passage gefunden, und gerade, als wir wieder hochklettern wollten, sah ich zwischen den Felsen etwas Längliches liegen: ein Ski. Er war unversehrt, mit einer Adresse versehen, die Bindung funktionierte auch, und ich trug ihn zum Weg.
Nun sahen wir auch die Spuren, die zu der Brücke führt, auf der die Skifahrer die Felswand überwanden. Es lag noch viel Schnee, und ich band mir den Ski an und fuhr abwärts. Natürlich lag ich oft auf der Nase, mit Rucksack, ohne Stöcke, nur mit einem Ski ist das Abfahren gar nicht so einfach, aber wir kamen bei den beiden Wartenden an, lachten über unsere Blindheit und gingen weiter hinab zur Mittelstation der Bahn.
Ich hatte noch einen herrlichen Hang gefunden und beherrschte nun auch die Technik etwas besser und fuhr, immer aufs Gleichgewicht nach allen Seiten achtend, hinab bis zur tür des Restaurants, wo ich mir wegen der nun nassen Hose einen Café Kirsch erlaubte.
Später kamen auch meine drei Freunde. Sie hatten ein Murmeltier gesehen und fotografiert, das sich ihnen ganz zutraulich auf dem Weg näherte und auch zu Fressen annahm.
Wir stiegen weiter hinab und näherten uns den Blumen, die eifrig von den beiden Mädchen gepflückt wurden. Auch hier näherte sich uns ein Murmeltier. Wir gaben ihm eine Nuß. Er nahm es zwischen die Pfoten und knabberte daran. Mit den beiden großen Schneidezähnen in der Mitte sah es ganz lustig aus, das Fell war struppig und hart, und immer schaute es nach irgendeiner Gefahr, aber wir streichelten es nur.
Später sahen wir ein Schild, daß es verboten sei, die Tiere zu füttern, und wir taten es nicht wieder. 
Bei der Talstation holten wir unsere Skier ab, und dann begann noch die Traversierung des Dorfes. Die drei Skier drückten nicht schlecht auf den Schultern, und wir waren froh, als wir beim Auto ankamen.
In Sierre tranken wir unseren Vier-Tausender-Schluck, in Montreux endete der Sonntag.



Hike partners: FJung


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