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Karlspitzen - Überschreitung vom Hohen Winkel zum Ellmauer Tor


Published by relaxfex , 31 August 2016, 15h41.

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Kaiser-Gebirge
Date of the hike:25 August 2016
Hiking grading: T6- - Difficult High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Time: 7:00
Height gain: 1350 m 4428 ft.
Height loss: 1200 m 3936 ft.

Nachdem ich hier schon mehrfach sehr hilfreiche Anregungen und Ideen erhalten habe, möchte ich mich nun mit einer Aufstiegsvariante revanchieren, die ich lediglich im alten AV-Führer beschrieben gefunden habe (koasakrax hat diesen Weg hier auch schon erwähnt).

Als ich 2012 die Karlspitzen das erste Mal bestiegen hatte, kam die Frage auf, ob es denn nicht einen Weg in den Hohen Winkel hinunter geben könnte (bzw. von dort herauf). Nach ein bisschen Stöbern bin ich dann im AV-Führer (11. Aufl.) tatsächlich auf einen solchen Weg gestossen.

Bei meiner ersten Erkundung im Hohen Winkel vergangenes Jahr war ich dann leider zeitlich knapp dran und konnte den Einstieg auf die Schnelle nicht finden. Daher wollte ich meinen gestrigen Ausflug auf die Kleine Halt (via Klettergeheimnis) auch dazu nutzen, mir einen Überblick über die Westflanke der Karlspitzen zu verschaffen (siehe Bild 1). Das hat auch bestens funktioniert, nicht zuletzt weil mir ein ortskundiger Bergführer den Routenverlauf recht genau beschreiben/zeigen konnte. Und da ich am nächsten Tag eh' vom Hans-Berger-Haus zurück zur Wochenbrunner Alm musste, war der nächste Sondierungsausflug in den Hohen Winkel beschlossene Sache.

Am nächsten Morgen also bei strahlendem Sonnenschein ganz gemütlich gegen 09:45 vom HBH los, den Weg Richtung Stripsenjoch eingeschlagen, auf halber Strecke dann Richtung Kopftörl abgebogen und nach gut 1:30 Stunden im Einstiegsbereich angekommen (Bild 3). Etwas unschlüssig, auf welcher Höhe ich denn nun mit der "richtigen" Suche am Wandfuss beginnen sollte, kam mir mit lautem (Steinschlag-)Gepolter ein Rudel Gämsen zuhilfe. Gebannt schaute ich zu, wie eine nach der anderen im Zickzack die Wand herunter kam - wie ich dann später feststellte, waren sie im unteren Bereich exakt auf dem von mir gesuchten Weg unterwegs! Ich also, nachdem die letzten Steine unten angekommen waren, zum Wandsockel und entdecke direkt vor meiner Nase am plattigen Fels eine verwaschene rote Markierung (Bild 4)! Mission erfüllt, Einstieg gefunden!

Nachdem ich ursprünglich nicht wirklich vor hatte, den Weg auch tatsächlich in Angriff zu nehmen, wollte ich dann zummindest die ersten paar Meter doch ein bisschen genauer inspizieren. Also wie im Führer beschrieben leicht links haltend die Rinnen hoch und über eine Querung (Bild 5) bis auf einen etwas größeren Grasflecken. Vereinzelte verblasste Markierungen bestätigten dabei die Wegewahl. Im Führer wird der bisherige Weg mit "mäßig geneigten Platten" beschrieben, Ausrutscher sollte man sich dennoch nicht leisten! 

Nachdem ich die Schlüsselstelle (Bild 6) von dem Grasflecken aus etwas genauer unter die Lupe genommen hatte, beschloss ich, dass ein Versuch ja nicht schaden könnte... Technisch nicht allzu schwierig (II), hab' ich mir aber ob der luftigen Ausgesetztheit doch lieber ein bisschen länger Zeit damit gelassen. Ging dann letztlich recht gut, allerdings war dann auch klar, dass ich zumindest heute diese Stelle im Abstieg nicht mehr zurück wollte und ich daher heute also doch den kompletten Weg kennen lernen würde...

Oberhalb der Schlüsselstelle führt dann eine kurze Querung nach links zu einem "fast ebenen Geröllplatz" (AV-Führer), auf dem dann eine Art (sehr) breite Rampe beginnt, die sich bis zu einem markanten Turm, der auch vom Hohen Winkel aus gut sichtbar ist, nach rechts oben zieht. Das Gelände ist hier abwechselnd schrofig, plattig, grasig, felsig, schuttig und durchgängig steil. Ich hab' mir hier über weite Strecken meinen eigenen Weg gesucht, die hin und wieder entdeckbaren Markierungen habe ich lediglich als grobe Orientierung/Bestätigung genommen, wobei das Gelände den Weg letztlich vorgibt.

Kurz vor dem markanten Turm erreicht man dann eine kleine Scharte ("Felsenfenster" lt. Führer), die man durchsteigt und dann etwas ausgesetzt in eine Rinne links unterhalb des Turms quert. Hier kann man sich dann über richtig schöne Blockkraxelei freuen, bevor es dann wieder in ähnlichem Gelände weiter geht wie auf der Rampe zuvor. In der Rinne habe ich übrigens noch 2 oder rote Punkte gesehen, bevor ich weiter oben die Markierungen endgültig verloren habe.

Von hier war allerdings bereits die Vordere Karlspitze zu sehen, so dass die grobe Orientierung nicht weiter schwierig war. Allerdings bietet hier das Gelände noch mehr Möglichkeiten für die Wegewahl als weiter unten. Ich war hier erst relativ weit links unterwegs (im Aufstiegssinne), bei einer Wiederholung werde ich mich tendenziell weiter rechts orientieren. Aber egal wie, der Weg führt hier durch spannendes, abwechslungsreiches Gelände mit teilweise bizarren Felsformationen und völlig neuen Einblicken in die wilde Kaiserwelt!

Schließlich und endlich war ich dann nach ca. 3:30 Stunden (ab Einstieg) auf dem Verbindungsgrat der Karlspitzen; die im Führer angegebenen 02:30 sollten bei Wiederholung problemlos machbar sein. Rausgekommen bin ich übrigens nur ca. 30m südlich der Stelle, wo der Normalweg auf den Grat führt. Die Sicht war phänomenal, v.a. für den diesjährigen Sommer! Nach ausgiebiger Rast machte ich mich dann an den Abstieg über den Normalweg zum Ellmauer Tor, der wie bekannt auch nochmal Konzentration erfordert. Ab dort ging's dann auf dem schnellsten Weg über die Schotterfelder zur Gaudeamushütte und direkt weiter zur Wochenbrunner Alm!


Fazit
- Eine super Tour, die ich bei nächster Gelegenheit als Tagesrundtour wiederholen werde!
- durchgängig steiles bis sehr steiles, teilweise sehr ausgesetztes Gelände
- die Perspektive auf den Fotos lässt es allerdings teilweise noch steiler aussehen
- sehr abwechslungsungsreicher Anstieg mit hohem Abenteuerpotential
- v.a. im oberen Bereich kreative Wegewahl möglich bzw. notwendig
- Einsamkeit im Aufstieg garantiert ;-)
- Helm unabdingbar, Steinschlaggefahr durch Gämsen sehr hoch!

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Comments (5)


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Koasakrax says: Jetzt weis ich
Sent 2 September 2016, 17h29
endlich wo es rauf geht.
Danke für die detaillierte Beschreibung und Gratulation zur erfolgreichen Tour.
Andy

relaxfex says: RE:Jetzt weis ich
Sent 4 September 2016, 14h59
Hallo Andy,

danke und sehr gerne ;-)
Wünsche Dir viel Spaß und Erfolg für Deinen nächsten Karlspitzen-Ausflug!

Viele Grüße
Jürgen

Chiemgauer says: Danke für die Beschreibung!
Sent 18 September 2016, 21h00
Habe ich auch schon ewig auf meiner Liste und nun auch neben der Beschreibung im AV-Führer eine aktuelle.
Gut auch zu wissen, ab wann (Schlüsselstelle) es kein zurück mehr gibt ;-)
Gruß
Hans

Riebmann says: "Nicht lohnend"
Sent 17 July 2020, 14h42
Servus, hab die Tour letztes Jahr im Herbst gemacht und werde sie vermutlich diesen Sonntag wiederholen. Eigentlich eine Schande, dass der 2006er AV-Führer den Anstieg aus dem Hohen Winkel als "nicht lohnend" abmoderiert :)

Gruß
Philipp

relaxfex says: "Sehr lohnend"
Sent 18 July 2020, 11h05
Hi Philipp,

tja, Geschmäcker sind halt verschieden ;-) Liebhaber der etwas raueren Gangart dürften diese Tour bzw. den Anstieg jedenfalls viel eher als "sehr lohnend" einstufen!

Dir viel Spass bei der Wiederholung. Würde mich gerne anschließen, leider passt's am Sonntag zeitlich nicht... Vielleicht ein anderes Mal.

Viele Grüße
Jürgen


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