Rund um das Kaisertal (Teil 2) - Über den Bettlersteig zum Stripsenjoch


Publiziert von Grimbart , 22. September 2015 um 22:26.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Kaiser-Gebirge
Tour Datum:25 August 2015
Wandern Schwierigkeit: T5- - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 4:45
Aufstieg: 1100 m
Abstieg: 810 m
Strecke:ca. 11,3 km
Unterkunftmöglichkeiten:Kaindlhütte (privat), Stripsenjochhaus (ÖAV)
Kartennummer:Kompass WK-Nr. 09 (Kufstein, Walchsee, St.Johann i.T.); AV-Karte Nr. 8 Kaisergebirge

Am zweiten Tag unserer Kaisertalumrundung stand der Übergang zum Stripsenjochhaus am Programm. Zunächst sollte es über den Bettlersteig hinab nach Hinterbärenbad gehen und im Anschluss hoch zum Stripsenjoch. Als kleines Schmankerl wartete dann noch der Aufstieg über den drahtseilversicherten Wintersteig (I) zum Hüttenberg des Stripsenjochhauses: dem Stripsenkopf.

 

Von der Kaindlhütte zum Stripsenjoch (T3):

Über Nacht war der Föhn eingebrochen und die Schlechtwetterfront hatte freies Spiel, sodass sich am nächsten Tag der Aufbruch ein wenig verzögerte. Bei leichtem Nieselregen ging es schließlich gegen 9:45 Uhr los in Richtung Anton-Karg-Haus in Hinterbärenbad. Gut verpackt ging es über die Almböden auf dem vom Vortag bereits bekannten Weg bis zur Wegverzweigung südlich des Brandkogels. Vom Wilden Kaiser zur Rechten war dabei nicht viel zu sehen. Von Wolken umhüllt, sollte er uns an diesem Tag erst ab Hinterbärenbad wieder sein Antlitz zeigen.

Der Nässe wegen war beim Abstieg über den Bettlersteig hinunter nach Hinterbärenbad Vorsicht geboten. Gleich zu Beginn führt der gut versicherte Steig in zahlreichen Serpentinen steil hinunter. Insbesondere die Wegabschnitte, die mit Holzplanken und Pflöcken versichert waren, erforderten höchste Konzentration. Nach dem Steilabstieg führt der Steig in leichtem Auf und Ab mehrere Gräben querend hinüber zur Straßwalch Jagdhütte. Diese wird nach einem kurzen Gegenanstieg erreicht und liegt auf einer der wenigen Lichtungen hoch über dem Straßwalchgraben.

Der Weiterweg nach Hinterbärenbad verlief weiterhin sehr abwechslungsreich, denn hinter jeder Ecke wartete mehr oder weniger eine Bachrunse oder ein Graben. Zwecks besserer Orientierung wurden diese durchnummeriert: Je kleiner die Zahl, desto näher kommt man Hinterbärenbad.

Gegen Mittag war schließlich das Anton-Karg-Haus in Hinterbärenbad erreicht. Der Nieselregen war bislang mehr oder weniger unser ständiger Wegbegleiter. Auch wenn der Großteil des Bettlersteigs unter einem dichten Blätterdach verläuft, so sorgte doch die Nässe von Innen dafür, dass die Einkehr nicht nur zur Stärkung, sondern auch zur Trocknung genutzt wurde.

Für den finalen 750 Höhenmeter Aufstieg zum Stripsenjochhaus hatte Petrus mit uns ein Einsehen. Die Wolkendecke lichtete sich während unserer Einkehr zusehends und einem trockenen Aufstieg stand so wenigstens nichts mehr im Wege. Vom Anton-Karg-Haus ging's zunächst dem Fahrweg folgend hinauf zum Hans-Berger-Haus. Dieses ließe sich allerdings auch über einen Fußweg erreichen. Die Zeitersparnis hält sich dabei allerdings in Grenzen.

Hinter dem Hans-Berger-Haus beginnt nun der eigentliche Anstieg zum Stripsenjoch. In angenehmer Steigung führt der Weg durch den Wald hinauf. Vorbei am Jagabründl wird bald darauf ein Bachbett gequert. Danach geht’s über ein paar Kehren hoch zu einer Lichtung mit Wegverzweigung. Hier nimmt man den links abzweigenden Steig, der nun ein wenig anzieht. Aus dem Wald heraus und die Hütte vor Augen steigt man schließlich in zahlreichen Kehren dem Stripsenjoch entgegen.

 

Stripsenkopf über Wintersteig (I, T5-):

Für tatendurstige unter uns wartete schließlich noch der Aufstieg zum nahen Stripsenkopf. Über den teils mit Drahtseilen und Eisenklammern versicherten Normalanstieg (T3+) ging's zunächst hinauf zu den Einstiegen in die Übungsklettersteige. Den kurzen Abstecher zum Hundskopf ließen wir uns allerdings nicht nehmen. Eine kurze Traverse erfordert dabei aber schon einfache Kletterfähigkeiten. Nach diesem Intermezzo ging's weiter zu den Einstiegen in die Übungsklettersteige Unterer Stripsenkopf (B/C). Da wir allerdings keine Klettersteigausrüstung mit uns führten, kletterten wir über den Wintersteig hoch zum Stripsenkopf.

Der Wintersteig hat zwar auch schon Klettersteigcharakter, kann aber dennoch auch ohne Klettersteigset begangen werden. Insbesondere im unteren Teil sind einfache Kletterstellen (I) zu meistern. Die vorhandenen Drahtseilversicherungen sind allesamt stabil und der Fels präsentiert sich griffig und gut gestuft. Schwindelfrei sollte man allerdings sein, da es am Grat doch recht luftig ist. Nach der Klettereinheit folgte noch ein kurzer Gang über den im oberen Teil mit Latschen bestandenen Grat und der mit einem Pavillon geschmückte Stripsenkopf war erreicht.

Die Mühen hatten sich gelohnt. Da waren Sie nun zum Greifen nah, die vielgerühmten Kletterberge des Wilden Kaisers: vom Predigtstuhl über die Fleischbank hin zum Totenkirchl. Eine solche Namensgebung kann wohl nur den Tirolern einfallen.

Nach dem obligaten Gipfelschnaps ging's dann allerdings über den Normalweg hinunter zur Hütte. Die Ostflanke des Stripsenjochs querend, gelangt man so wieder zurück an den bereits bekannten Einstieg zum Wintersteig. Unten an der Hütte angekommen wurden wir nun nicht nur kulinarisch verwöhnt, sondern es gab auch die Sonne ihr Stelldichein und belohnte uns mit einem unvergesslichen Sonnenuntergang. So verabschiedeten sich die Charaktergestalten des Wilden Kaisers in rot schimmernden Tönen in das Dunkel der Nacht und die müden Wandersleut' in ihr verdientes Lager.

 

Gehzeiten – Tag 2:

Kaindlhütte – Bettlersteig – Straßwalch Jagdhütte (ca. 1' 20'') – Hinterbärenbad, Anton-Karg-Haus (ca. 55'') – Hans-Berger-Haus – Stripsenjochhaus (ca. 1' 35'') – Stripsenkopf über Wintersteig (ca. 35'') – Stripsenjochhaus (ca. 25'')


Tourengänger: Grimbart


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