Vom Sanetsch in die Gelte: Überschreitung Geltenhorn - Aprelistock - Arpelihorn


Publiziert von Alpin_Rise , 15. August 2015 um 10:43.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Saanenland
Tour Datum:12 August 2015
Wandern Schwierigkeit: T5+ - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 
Aufstieg: 1000 m
Abstieg: 1800 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Col de Sanetsch
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Lauenensee

Wie es sich für Zwillings-Dreitausender gehört, gleichen sich Geltenhorn und Arpelistock in Form, Höhe - und der miesen Gesteinsqualität. In der Gunst der Bergsteigenden liegt der leicht erreichbare Arpelistock eindeutig vorne: Während dieser auf hikr.org in 24 Berichten erwähnt wird, bringt es das Gelenhorn gerade mal auf 4 Einträge.
Umso erstaunlicher, da ein augenfälliger Gratzug die Gipfel verbindet. Auf hikr ist diese Route - obwohl durchaus im Genussbereich - nicht präsent. Dafür hat sie es in den Topo-Hochtourenfürer Berner Oberland von Dani Silbernagel geschafft; er schlägt die Gesamtüberschreitung von Ost nach West vor.
Ich wähle einen etwas anderen Zustieg und erreiche das Geltenhorn vom Col de Sanetsch über die unsäglich schuttige Südflanke. Dann folgt das Herzstück, nämlich die Traverse zum Arpelistock, um die Tour dann via Geltenhütte SAC im Lauenensee abzuschliessen. Mehr Genuss verspricht die Sache eher andersrum...


Spannende Kraxeltour in miesem Fels über zwei Dreitausender

Nach einer epischen Anreise  per Zug und Postauto erreiche ich den Col de Sanetsch erst um 10.40, dafür ist die Starthöhe mit 2250m schon betrachlich. Über den sehr beliebten und aussichtsreichen Bergwanderweg entlang der Arrête de l'Arpille bis zum Kulminantionspunkt auf ca. 2650m, dann leicht absteigend bis ich nahe P. 2580 in die Südflanke zum Geltenhorn ziehe. Über die nächste Stunde im losen Schutt dieser Flanke verliere ich besser keine Worte, auch mit einer ausgereiften Bündner Geröllgehtechnik ist der Hang schlicht ein Graus. Omega3 tat gut daran, einen Tag mit Neuschnee für seine Begehung zu wählen. Irgendwann ist das nicht ganz ungefährliche Abenteuer auch zu Ende und ich erreiche den Grat ca. 30 hm unter dem Geltenhorn; im T4-Schuttgelände ganz hoch. Der Gipfel ist ein langezogener Grat und (fast) schmucklos.

Nun folgt das Herzstück der Tour, der Verbindungsgrat zum Arpelistock: es sind zwei Erhebungen zu überschreiten, wobei die erste, nicht kotierte die Schlüsselstelle bereithält: im Abstieg ist eine etwas exponierte Passage in einem nordseitigen Kamin mit unangenehm brüchigem/feuchtem Fels zu meistern (T5+, II). Der restliche, zuweilen schmale Kamm wird am besten immer auf der Kante angegangen, über P. 3051 vielfach exponiert, aber leicht (T5, I) zum einfachen Gipfelhang des Arpelistocks. Die Schuttkuppe trägt ein Gipfelkreuz und Steinmann.
Ich beschliesse noch einen kleinen Abstecher zum wenig markanten Arpelihorn, was im T4 auf Wegspuren auch schnell gemeistert ist. Dort dokumentiert das Gipfelbuch Überraschendes!

Zurück zum blau-weiss markierten Weg Arpelistock - Geltenhütte und über Moränengelände am sterbenden Glescher vorbei hinunter in die wunderbare Schwemmebene. Auch der Weg von der Hütte zum Lauenensee ist unterhaltsam und mit seinen rauschenden Wasserfällen jeden Meter wert. Abschlussbad mit den ersten Gewittertropfen im Lauenensee, Postauto um 17.40.

Hinweis für Nachahmer: Es ist weit genussreicher, die Tour in West-Ost Richtung zu begehen, nämlich vom Arpelistock zum Geltenhorn, denn man
a) geniesst im Aufstieg die grandiose Kulisse auf der Geltenseite wesentlich länger, die spektakulären Wasserfälle im Blickfeld.
b) meistert die schwierigsten Stellen im Verbindungsgrat im Aufstieg, wobei das ZS- des SAC-Führers deutlich übertrieben ist, es handelt sich um typtisches WS-Gelände.
c) kann so die Schuttflanke vom Geltenhorn bequem absurfen und
d) schliesst die Tour knieschonend auf dem hochgelegenen Sanetschpass ab!



Tourengänger: Alpin_Rise


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