Einmal rund ums Glegghorn


Publiziert von marmotta , 12. November 2008 um 22:41.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Prättigau
Tour Datum: 9 November 2008
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1900 m
Abstieg: 1900 m
Strecke:Maienfeld-Steigwald-Lochrüfi-Enderlinhütte-Fläscher Fürgg-Fläscher Seen-Gleggkamm-Gleggtobel-Maienfeld
Zufahrt zum Ausgangspunkt:mit öV zum Bhf Maienfeld
Unterkunftmöglichkeiten:Enderlinhütte (SAC)

Der Wetterbericht versprach nochmals mildes Spätherbstwetter mit viel Sonnenschein, also suchte ich einen Gipfel, der auch nach den ergiebigen Schneefällen Ende Oktober noch "trockenen Fusses" erreichbar war. Meine Wahl fiel sofort auf den Falknis (2.562m), dessen steile Südwestflanke dank des Föhnwetters der letzen Tage eine (fast) schneefreie Begehung ermöglichen sollte. Vom Bahnhof Maienfeld geht es zunächst gemächlich ansteigend durch das Dorf, vorbei an Weinbergen und Höfen zum Waldparkplatz "Steigwald". Bis dahin könnte man auch mit dem Auto fahren und damit in Auf- und Abstieg eine gute Stunde einsparen.

Nun folgt man einem Fahrweg (oder kürzt  diesen -wie ich- über einen Waldlehrpfad ab) und gelangt bei P. 977 m (Lochrüfi) an einen Wegweiser, an dem der weiss-blau-weiss markierte Steig zum Falknis über die Enderlinhütte (SAC-Hütte) beginnt. Zunächst überquert man auf einem schmalen Holzsteg den Tobel, welcher sich vom Glegghorn herunterzieht und steigt meist entlang dieses Tobels auf recht steilem Pfad zur schön gelegenen Enderlinhütte hoch. Diese war heute verlassen und die Bänke bereits "winterfest" hochgeklappt. Nach der Hütte legt der Pfad noch einmal ein wenig an Steilheit zu, über steile Grasmatten steuert man auf einen vom Tal aus deutlich sichtbaren Felsriegel zu. Unterhalb dieses Felsriegels quert man die steil abfallenden Südhänge, einige etwas exponierte Stellen verlangen -insbesondere bei Nässe- Trittsicherheit. Kurz unterhalb der Fläscher Fürgg, welcher den Übergang ins Rätikon markiert, jagt eine steile Grasrippe nochmals den Puls nach oben; der in der Sonne auftauende Bodenfrost der Nacht und vereinzelte Schneereste machen das Ganze zu einer etwas schmierigen Angelegenheit. Während meines Aufstiegs begegnen mir erstaunlich viele Berggänger, die alle bereits auf dem Abstieg sind - und das am späten Vormittag! (Wann sind die denn losgelaufen?)
Da ich angesichts des schmalen Helligkeits-Zeitfensters im November doch etwas spät dran bin und sich der Himmel just in diesem Augenblick zuzieht, beschließe ich, den Falknis heute auszulassen und begebe mich direkt in den Abstieg zu den wunderschön gelegenen Fläscher Seen. Auch auf der Ostseite sind nur noch teils hartgefrorene Schneereste anzutreffen, die überhaupt kein Problem darstellen.

Von den Fläscher Seen quere ich auf Höhe des (um diese Jahreszeit ausgetrockneten) Untersten See -dem Wegweiser in Richtung Fläscher Alp-Bad-Älplibahn folgend- die Südostflanke des kühnen Glegghorns und steige oberhalb der Fläscher Alp weglos zum Südfuss des Glegghorn auf den Gleggkamm auf. Auf meiner Karte ist der Abstieg vom Gleggkamm Richtung Maienfeld noch als rot gestrichelter Wanderweg eingezeichnet, dieser wird aber seit Jahren nicht mehr unterhalten und verfällt zunehmend, vereinzelt sind noch einige blasse rot-weisse Markierungen aufzuspüren. Die jedoch noch deutlich zu erkennende Pfadspur führt zunächst sehr steil durch das Gleggtobel, mit ständigem Blick zu den beeindruckenden Westwänden von Glegghorn und Schwarzhorn. Auf dem Weg nach unten kann ich noch 5 Gemsen bei ihrem abendlichen Treiben beobachten, der von mir gewählte Weg scheint nur sehr selten von Wanderen oder Jägern begangen zu werden. Im weiteren Verlauf des Weges kämpfe ich ein wenig mit umgestürzten Baumstämmen, Gestrüpp und einer Runse, die den Pfad auf einer Breite von 2 m unterbricht (T5). Aufgrund des abschüssigen Geländes ist hier noch mal "högschde Konzentration" gefordert. Auf einer Höhe von ca. 1.330 m trifft der abenteuerliche Pfad dann auf eine hier endende Forststraße, welche sich -kaum Höhe verlierend- zeitraubend wieder über Lochrüfi nach Maienfeld zieht. Da mir nur noch wenig Zeit bleibt, um a) vor Einbruch der Dunkelheit aus dem Wald zu kommen und b) den nächsten Rheintalexpress zu erwischen, erhöhe ich sukzessive mein Tempo, nicht ohne alle 2 Minuten auf die Uhr zu schauen, und erreiche -nun fast im Laufschritt- in der hereinbrechenden Dämmerung Maienfeld und meinen Zug.

Fazit: Eine wunderschöne, aber konditionell anspruchsvolle Tour, welche bei trockenen Verhältnissen jedem trittsicheren Berggänger empfohlen werden kann. Für den Abstecher auf den Falknis ist nochmals mindestens 1 h einzuplanen, weshalb sich die Tour im November nur noch für Frühaufsteher (oder Bergläufer) eignet ;-)

Tourengänger: marmotta

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Kommentare (1)


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Berglurch hat gesagt:
Gesendet am 13. November 2008 um 16:45
Wow!

Schade, dass ich nicht am Start war....

Gruß

Klaus


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