Pigne de la Lé - 3396 m


Publiziert von davvman , 25. März 2015 um 12:04.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:27 August 2014
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 6:15
Aufstieg: 1000 m
Abstieg: 1000 m
Strecke:10 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Grimentz - Lac de Moiry
Unterkunftmöglichkeiten:Cabane de Moiry

Gemütlich um 10 Uhr fahren wir in La Sage, Val d'Hérens, los. Nach sehr archaischem Wegverlauf entlang dem zerklüfteten Val d'Anniviers erreichen wir den Parkplatz hinter dem Lac de Moiry, wo es vor Steinböcken nur so wimmelt. Gegen 12 Uhr mittags an einem herrlich warmen und windstillen Spätsommertag brechen wir zu Fuß Richtung Moiry-Hütte auf, für das Wohlbefinden der anderen Tourenteilnehmer mit "Abschleppseil", Hüftgurten und natürlich Helmen ausgestattet.
Die weitläufigen Kuhwiesen und aufgetürmten Moränen in der anfänglichen Ebene verwirren uns leicht, sodass unsere anfängliche Routenwahl etwas "lustig" anmutet. Wir steigen zu einer Art Hauptmoräne auf, die sich nahezu 100m aus der Ebene erhebt, hundertfach mit Steinmännchen bebaut ist und den nun richtigen Weg wieder aufzeigt, welcher eine Weile majestätisch auf dem Kamm der Moräne entlang führt.
Nach kurzem, steilem Abstieg in eine befirnte Mulde und Querung der Firnfelder beginnt der Aufstieg gen Hütte über einen Steilen Serpentinenhang. Der Weg bis zum Erreichen der Hütte ist wenig abwechselungsreich, wird jedoch durch die herrlichen Tiefblicke auf die westlich angrenzende, zerklüftete Gletscherzunge aufgewertet, deren Körper von Grand Cornier und Pointe de Bricola aufgespannt wird.
Der neue Anbau der Hütte wird als sehr gelungen empfunden; er ist technisch-schlicht gehalten, was nicht zuletzt der dunkelbraunen Farbe geschuldet ist, die sich sehr unauffällig in die umgebenden eisengebräunten Gneistrümmer eingliedert. Die Hütte ist derart gut ausgestattet, dass neben einem Brunnen auch Fassbier und Bergsteigerausrüstung angeboten werden. Die Krönung bildet das gletscherseitige Panoramadeck mit Logensicht auf das Angesicht der durch die Ewigkeit gestalteten, wallenden Eisskulpturen, die uns etwa eine Viertelstunde (0.25 h) in ihren Bann ziehen.
Hinter der Hütte ist der Weiterweg kaum zu verfehlen und darüber hinaus gut markiert. Sehr eindeutig geht es hoch und runter über die riesigen Brocken des umgebenden Geröllfeldes, bis man auf etwa 3000 m an den Rand eines Firnfeldes gelangt, welches die Mulde unterhalb des Col du Pigne, ca. 3150 m, auskleidet. Ab hier geht es mutterseelenallein weiter. Wahlweise über den Firn oder seine wässrig-matschige Begrenzung geht es nun entlang klarer Linie steil Richtung Col du Pigne, welches nach etwa 2 h erreicht ist und durch einen mächtigen Steinmann, ja Steinhaufen, auf seine Präsenz hinweisen zu wollen scheint.
Bei Erreichen des Col schweigen uns bereits die winterlich verschneiten Gipfelpyramiden von Weisshorn, Schalihorn und Zinalrothorn an, deren frostig-winterliche Ausstrahlung im Kontrast mit dem so sommerlich-warmen Tag eine einmalig unnahbare Schönheit und Ehrfurcht vermitteln. Nun wird klar, wie schwierig die Bedingungen auf den beliebten Gratrouten der Walliser 4000ern diesen Sommer gewesen sein müssen. Die Nordwand des Obergabelhorn hingegen sieht aus, als könne man einfach hochstapfen (bitte nicht!).
Nach kurzer Trinkpause kommt der noch interessantere Teil der Tour; der Gipfelgrat, welche laut Literatur mit steilem Gehgelände und teilweise leichter, genüsslicher Kletterei aufwartet, wovon wir nicht getäuscht worden sein sollen. Das Gelände ist sehr lose und wässrig, selten auch brüchig. Im Aufstieg wird der I. Klettergrat nach UIAA nicht überschritten. Das Antreten auf der Oberkante einer Gneisschuppe mit feinen Leisten zum Festhalten sorgt für den spannendsten Moment im Aufstieg. Das Geräusch beim Betreten erinnert an das Wackeln einer Grabplatte aus einem Drakulafilm; zum Glück sind wir nicht die ersten, die daran wackeln, worauf uns die unmittelbaren menschlichen Spuren hinweisen. Die ersten 2/3 des Weges verlaufen direkt auf dem Grat bzw. weiter oben auf der sonnig-warmen Westseite. Das Vorankommen vollzieht sich zügig-konzentriert, während die Hände hin und wieder aus der Hosentasche genommen werden dürfen.
Das letzte Drittel wird durch eine Art Aufschwung gesperrt, vor dem in die Ostseite gequert wird. Richtig ist man, wenn man an einer Gedenktafel vorbei kommt, die einer 2013 verunglückten, jungen Bergsteigerin gedenkt. Da dies auch der Moment ist, an dem man in die kalte, abgeschattete und exponiertere Ostseite wechselt, überkommt mich unwillkürlich ein Schaudern. Wie wir später erfahren sollten, ist die junge Dame von Steinschlag in die Tiefe gerissen worden. Der Nachvollziehung des traurigen Ereignisses bedarf es an dieser Stelle nur geringer Phantasie; über einem bauen sich gut 100 m brüchiger Gneis auf, von dem sich jeder Zeit Stücke lösen können und genau an dieser Stelle entlangkommen. Dankbar über unsere Helme verharren wir nicht lange und steigen im I. Grat durch die Ostflanke des Aufbaus zurück auf den Grat, der uns eine Weile später zum Gipfelschneefeld geleitet. Auf dem Weg sehe ich häufig in der Westseite Wegspuren.
Das Firnfeld ist stark komprimiert und oben sulzig, was optimale Bedingungen für eine unfreiwillige Rutschpartie in die abschüssigen Flanken des Pigne bietet. So gehen wir auf dem möglichst ebenen Weg Richtung Gipfelaufbau, der aus einem leicht zu ersteigenden, kleinen Aufschwung besteht und wie eine geräumige, abgerundete Aussichtsplattform ist, auf der man hervorragend mit einer ganzen Mannschaft zelten könnte. Es sind 3 h seit Abmarsch verstrichen.
Nun wird uns das gesamte Ausmaß des Rundumblicks bewusst und wir verstehen das Schwärmen über diesen Berg als einen der schönsten Aussichtspunkte der Alpen. An dieser Stelle lasse ich lieber die Bilder sprechen, da Worte dem Anblick nicht gerecht werden. Der Gipfel ist uns über eine Dreiviertelstunde (0.75 h) ein unterhaltsamer und zugleich beruhigender Gastgeber. Wir sitzen in T-Shirts bekleidet einfach nur da und schauen verträumt auf die stillen, weißen, abweisenden Gipfel und ihre jäh abfallenden Wände, die tief unten von wilden Gletschern aufgefangen werden.
Gestärkt und tief zufrieden begeben wir uns an den Abstieg. Ich denke mir, dass wir unter Umständen über die im Aufstieg gesichteten Wegspuren in der Westflanke des oberen Drittels absteigen und so den Schlenker in die unwirtliche Ostseite vermeiden könnten. Gesagt, getan, führt uns der glitschige Weg immer tiefer, bis wir an eine steile Felsnase umzingelt von ebenso steilem Firn gelangen. Der direkte Weg über den 35-40° steilen Firn zum Grat misst vielleicht drei Meter; es ist frustrierend, aber uns bleibt nur der Rückzug, da die Überquerung ohne Steigeisen zu gefährlich erschien. Kleinbei gebend suchen wir nun im Wiederaufstieg nach dem nächstmöglichen Übergang in die Ostflanke, hinter dem sich der Abstieg durch die Flanke in Form einer IIer-Stelle auftut, die aber dank Trittsicherheit und erprobtem Teamwork gut gemeistert werden kann.
Bald wieder sonnenwestseitig auf bekannter Route geht es zielstrebig Richtung Col, welches wir nach einer knappen Stunde (1h) erreichen.
Der weitere Abstieg verläuft routiniert-zügig. Auf der Hütte genieße ich ein kaltes Bier und eine Zigarette und steige nach kurzer Zeit ab, den vorgegangenen Freunden hinterher. Wir erreichen kurz nach 6 Uhr abends das Auto und fahren tiefenentspannt Richtung Val d`Herens zurück - eine phantastische Tour.

Tourengänger: davvman


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