Via 'Rumpelstielzchen' auf die Kleine Halt - halt besser den Fels zsammen!


Publiziert von kleopatra , 27. Juni 2014 um 21:26.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Kaiser-Gebirge
Tour Datum:18 Juni 2014
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: VII- (UIAA-Skala)
Klettersteig Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1600 m
Abstieg: 1600 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem PKW nach Kufstein und dort zum Parkplatz Kaisertal in Sparchen
Unterkunftmöglichkeiten:Hans-Berger-Haus
Kartennummer:ÖK50, 3213 Kufstein

Schon Mittwoch Abend machten wir uns auf den langen Weg über die Forststraße - die dummer Weise für Radfahrer gesperrt ist - auf zum Hans-Berger-Haus. Schnell in die Federn, denn für nächsten Tag hatten wir das 'Rumpelstielzchen' auf die kleine Halt vor - eine laut Führer alpine Sportkletterroute an festem und zum Teil auch sehr rauem Fels mit 16 Seillängen durch den rechten Teil der NW-Wand der kleinen Halt.

Da dies die erste gemeinsame Alpinklettertour mit meinem Kletterpartner (G.) war, starteten wir mit ausreichend Zeitreserven um 05:30 von der Hütte. Vorerst folgten wir den Wegweisern Richtung Kaiserschützensteig, wo wir nach ca. 1h das Mirakelbründl erreichten. Unmittelbar hinter diesem zweigt bei einem Steinmännchen ein Steiglein zum Wandfuß der Kleinen Halt ab, welchen wir nach 1:20 erreichten und zu unserer Freude auch gleich den Einstieg fanden.

Nach leichten Anlaufschwierigkeiten in der ersten Seillänge meinerseits meisterte diese mein Kletterpartner ohne Schwierigkeiten und schon standen wir drin in der ewigen Wand. Doch nun lernten wir den festen Fels erst näher kennen, der uns bis oben noch begleiten sollte.

Ich war in der zweiten Seillänge gerade 10 einfache Meter vom Stand weggeklettert und wollte in die Platte zum ersten Haken einsteigen als der Griff ausbrach. Schon halb im Flug konnte ich mich noch an einem Pfeiler festklammern und entkam so um Haaresbreite einem mindestens 10m Sturz auf stufiges Gelände. Bis auf einen blutenden Finger und wackeligen Knie fehlte mir Gott sei Dank nichts und ich konnte die Seillänge noch fertig klettern. Dort wurde ich erstmal moralisch von meinem auch ziemlich erschrockenen Kletterpartner aufgepäppelt und der Finger zugeklebt.

Für die nächsten schwierigen Seillängen blieb ich nun mal hinten am Strick, wobei es G. nicht anders gehen sollte als mir. Eben war er an der kniffligen Stelle einer 6+ flog der wunderbare Griff samt ihm aus der Wand. Wieder mal hatten wir mehr als Glück dass G. schon leicht vom Seil gebremst auf einem abschüssigen Graspolster landete und trotz wackeliger Knie gleich wieder raufkletterte ... So ging es weiter über recht viel plattiges Gelände bis zur 7- Schlüsselstelle. Diese war wie beschrieben schmierig und so beschloss ich, mich am dort angebrachten Strick hochzuziehen. Die Kraft wollte ich mir lieber sparen und hatten nun meine Nerven wieder so weit sortiert, dass ich mich in der 9ten Seillänge wieder in den Vorstieg traute. Diesmal hatte ich mehr Glück und mir die wohl besten Seillänge ausgesucht. Steil, plattig, Piaz, einfach alles dabei :)

Dann folgten zwei leichte Seillängen bis unters große Dach. Wieder war ich in an der Reihe für den Vorstieg. Der Aufschwung war ziemlich anstrengend und ich ächzte bis ich vermeintlich am dritten Haken in leichteres Gelände kam. Endlich einen guten Griff ... und schon hatte ich einen Stein der Größe eines 1kg Mehlpackerl in der Hand. Hervorragend! Gott sei Dank flog ich diesmal nicht, aber wohin mit dem Stein? Wieder reinstopfen ging nicht. Hinter uns keine Seilschaft, also einfach den Berg runterwerfen. Nach diesem moralischen Dämpfer musste ich aber durch dieses abdrängende Gelände weiter und nun kam irgendwie keine Absicherung mehr obwohl alles rund um mich mehr wackelte als zusammenhielt. Naja, mit viel Gezitter und Hoffnung auf platzierte Friends erreichte ich dann den Stand. Nun war ich aber froh, die nächste schwierige Seillänge nur mehr nachsteigen zu müssen. Mein Kletterpartner fluchte darin auch nochmals über viel loses Gestein. In den letzten 2 Seillängen verstieg ich mich noch leicht und löste einen Stein los, der fast G. Finger unter sich zerquetschte, bis wir endlich den Ausstieg erreichten ... uff nach 5,5h endlich raus aus diesem Schutthaufen!!!

Am Grat lachte uns sogleich die Sonne ins Gesicht und wir stiegen in 30 Minuten über 1-2er Gelände und Gras auf den Gipfel der kleinen Halt. Dort wurde erst mal verschnauft und wir freuten uns, trotz widriger Bedingungen unsere erste Tour so wacker durchstanden zu haben. Schön langsam begann es wie angekündigt zuzuziehen und wir turnten über den Kaiserschützensteig (B/C) wieder in die Scharlinger Böden. Dieser Abstieg war auch nicht zu unterschätzen und führte teilweise über recht exponiertes Gelände. Von den Scharlinger Böden dann über den Wanderweg wieder zur Hütte retour auf einen verdienten Topfen-Himbeer-Strudel :)

Material: 10 Express, 1 Satz Friend und Stopper, 60m Halbseile
Die Seillängenangaben im Topo sind hin und wieder zu lange angegeben
Ernsthaftigkeit laut Panico: E2, wobei wir eher mindestens ein E2+ vergeben würden, vor allem wegen der maroden Felsqualität.
Zeiten: Zustieg: 1:30h, Kletterzeit: 5:30h, Abstieg zum Hans-Berger-Haus: 2:00
Unterkunft: sehr gastfreundliche und unkomplizierte Wirtsleute im Hans-Berger-Haus, die auch super Gerichte zaubern

Tourengänger: kleopatra

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Kommentare (2)


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Martina hat gesagt: brüchige Tour
Gesendet am 28. Juni 2014 um 19:56
Hallo Kleo, na zum Glück ist das nochmal gut gegangen! Danke für die Aufklärung, ich versuche immer Touren mit miesen Fels zu vermeiden, das macht einfach keinen Spaß :(
LG Martina

kleopatra hat gesagt: RE:brüchige Tour
Gesendet am 29. Juni 2014 um 20:01
Hallo Martina, ja bei der Beschreibung aus dem Führer erwartet man etwas ganz anderes. Habt ihr andere Klassiker an der kl. Halt vor? Man kann nur hoffen, dass diese nicht ähnlich schlechte Qualität haben. lg kleo


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