Schäfler 1925 m - (fast) eine Winterbegehung


Publiziert von Ivo66 Pro , 19. Mai 2014 um 18:55.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum:19 Mai 2014
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-AI 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1300 m
Strecke:Wasserauen - Seealpsee - Altenalp - Chlus - Schäfler - Chlus - Äscher - Wasserauen
Kartennummer:1:25'000 Säntis

Die Eisheiligen sind dieses Jahr bekanntlich ihrem Namen wieder einmal gerecht geworden und haben auch dem Alpstein ordentliche Schneemengen beschert. Und dies gerade kurz nachdem die Alpinwandersaison so früh wie selten im Jahr eröffnet worden schien.

Die Webcams verhiessen wenig Gutes, scheint doch der Schnee nur langsam unter der Maisonne dahin zu schmelzen. Da dies aber aus der Ferne immer etwas täuschen kann, wollten wir einen Augenschein vor Ort nehmen und begaben uns ausnahmsweise an einem Montag in die Berge des Appenzellerlandes, wo sich der Ausgangspunkt Wasserauen wie erwartet frühlingshaft präsentierte. Auch im Aufstieg zum Seealpsee deutete nichts auf ein Rencontre mit dem Winter hin, zumal auch das nächste Etappenziel, die Altenalp, ein sonnendurchfluteter Ort ist. Aber die Sonnenhänge präsentierten sich bereits dort noch mehrheitlich weiss.

Der Südaufstieg zum Schäfler machte von unten keinen unbezwingbaren Eindruck, doch täuschte hier das Bild für einmal in umgekehrter Richtung, denn je näher man den vermeintlich harmlosen Schneefeldern kam, desto steiler und grösser wirkten sie aus der Nähe. Eine Spur, welcher wir im Aufstieg folgten, endete jäh. Wir stiegen mit Pickel ausgerüstet noch etwas höher bis an die Felsen, wo die Fortsetzung aber nach meiner persönlichen Einschätzung doch zu riskant gewesen wäre, denn das steilste zu passierende Schneefeld machte nicht den unwiderstehlichen Eindruck, nicht mitsamt Bergänger abzurutschen. Ausserdem war der Steig im obersten, steilsten Bereich praktisch durchgehend schneebedeckt und anschliessend wartete ja noch die Querung in die schattige Nordseite... Rückzug!

Der Abstieg erforderte nochmals höchste Konzentration; die Altenalp war aber nach einigem Herumturnen bald wieder erreicht. Später erkannten wir, dass der Entscheid des Rückzugs der Richtige gewesen war. 

Nun hiess es also: Nachsitzen, bzw. einen grossen Umweg anzutreten, um doch noch auf den normalerweise harmlosen Gipfel zu gelangen. Wir folgten dem Wanderweg Richtung Ebenalp, wo verschiedentlich Lawinenschnee der letzten Tage zu queren war, allerdings im gefahrlosen Bereich.

Abwechslungsreich ging es unter den mächtigen Kletterwänden hindurch hoch zur Chlus, wo uns ein eiskalter Wind empfing und uns bis zum Gipfel begleitete. Auf mit Schneematsch gefülltem Wanderweg erreichten wir dann nach insgesamt guten 4 Stunden Aufstiegszeit den Gipfel des Schäflers, wobei der kurze Schlussaufstieg fast etwas alpin anmutete. Das kurze Ausweichen in die schneebeladene Nordflanke bereitete aber aufgrund des tiefen Trittschnees - wir sanken hier bis zu den Knien ein - keine Schwierigkeiten.

Spuren, welche den Schäfler nordseits umgehen sollten, fehlten heute bzw. endeten nach wenigen Metern. Hier wäre also ein Hochkommen von der Altenalp her sehr unangenehm gewesen.

Den Abstieg bewältigten wir wiederum via Chlus, dann unter den Felswänden hindurch zum Äscher und auf dem gut gesicherten Bergwanderweg steil die bewaldete Flanke hinunter zum Strässchen, welches vom Seealpsee nach Wasserauen führt.

Fazit:

Ein schöner Tag im Alpstein mit vielen natürlichen Hindernissen. Die Schmelze des neu gefallenen Schnees wird wohl noch einige Tage in Anspruch nehmen; schattseitig sowieso. Der landschaftlich wunderschöne und spektakuläre Aufstieg von der Altenalp zum Schäfler dürfte bei anhaltendem Sommerwetter in spätestens zwei Wochen wohl wieder zu machen sein.

Tourengänger: Ivo66, Lena


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