Hochreichkopf (3008 m) - mit Schneeschuhen via Nordostgrat


Publiziert von 83_Stefan , 16. März 2014 um 22:06. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Stubaier Alpen
Tour Datum: 7 März 2014
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Schneeshuhtouren Schwierigkeit: WT5 - Alpine Schneeschuhtour
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 1500 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Über die B186 durch das Ötztal nach Umhausen; dort abbiegen und auf der schmalen, kurvigen L238 hinauf nach Niederthai. Am östlichen Ortsrand großer, kostenfreier Parkplatz.
Unterkunftmöglichkeiten:Schweinfurter Hütte (DAV-Sektion Schweinfurt, 2034 m).
Kartennummer:AV-Karte 31/2 - Stubaier Alpen Sellrain

Ganz im Sinne seines Namens reicht der Hochreichkopf weit hinauf. Ziemlich weit sogar, denn er überragt die Dreitausend-Meter-Marke und zählt damit zu den nördlichsten Dreitausendern Tirols. Im Sommer führt ein markierter Anstieg zum Gipfel, der sowohl von der Dortmunder Hütte im Norden, als auch von der Schweinfurter Hütte im Osten erreicht werden kann. An Publikum mangelt es ihm daher nicht. Im Winter sieht das ganz anders aus - zwar wird er als Skitour gehandelt, aber die Bedingungen sollten schon sehr sicher sein, denn der Anstieg zum Nordostgrat durch die Südflanke ist steil und weicht schnell auf. Am überwächteten Grat kommt dann fast ein wenig Hochtourenfeeling auf. Aber auch mit Schneeschuhen lohnt die Besteigung - kurzum: eine anspruchsvolle Schneeschuhtour an der Grenze zur Hochtour.

Die Tour startet im kleinen Ort Niederthai. Der im Winter als Rodelbahn präparierte Versorgungsweg leitet durchs lange Horlachtal - vorbei an der Jausenstation Larstighöfe - hinauf zur Schweinfurter Hütte, die als Quartier für die Nacht dient. Klar könnte man die beschriebene Tour auch an einem Tag durchziehen, aber wieso, wenn man eine so gut bewirtschaftete Hütte auf dem Weg hat...

Wenn man früh morgens noch vor Sonnenaufgang startet, dann hat man beim Anstieg seine Ruhe. Auf dem Hüttenweg geht's wieder ein kleines Stück bergab, bis nach rechts der Sommerweg zur Finstertalalm abzweigt - auf ihm bei sicherer Lawinenlage durch den Hang hinüber zur Alm (bei nicht ganz astreiner Lawinensituation ist der Winteranstieg westlich des Finstertalbachs vorzuziehen).

Von der Alm folgt man dem breiten Tal in westlicher Richtung. Man hält sich leicht rechts, um nördlich des Gaißkogels des Steinkar zu erreichen; günstigerweise folgt man hierzu einem Graben aufwärts, um die steilen Hänge in der Karmitte zu umgehen. An geeigneter Stelle wird der schwach ausgeprägte Graben nach links verlassen, um im oberen Teil des Steinkars zwischen Hoher Wasserfalle und Hochreichkopf in westlicher Richtung weiter aufzusteigen - als Orientierungspunkt dient das Gipfelkreuz der Hohen Wasserfalle.

In der Südflanke des Hochreichkopfs fällt eine breite Terrasse auf, sie gilt es über eine Mulde zu erreichen. Nun hat man die Qual der Wahl - der Anstieg zum Nordostgrat ist durch mehrere Rinnen möglich. Die Rinne, die in Verlängerung der Mulde hinauf zieht, ist gut begehbar, aber im oberen Bereich recht steil (grob geschätzt etwa 45°) und erreicht schließlich den Grat. Ihm folgt man nach links - häufig überwächtet - zunächst eben dahin (eine Stelle I) zum Gipfelaufschwung. Wenige Meter nach Norden ausweichend, wird der höchste Punkt durch steile Felsen (I+) erreicht (Gipfelkreuz, aber kein -buch). Die Aussicht vom Hochreichkopf ist eines Dreitausenders würdig und umfasst sämtliche benachbarte Gebirgsgruppen sowie die weiter südlich gelegenen Stubaier Riesen. Natürlich macht auch die stark vergletscherte Ötztaler Bergwelt Eindruck.

Der Rückweg verläuft auf dem beschriebenen Aufstiegsweg. An der Finstertalalm bietet sich der direkte Abstieg ins Horlachtal westlich des Finstertalbachs an; wer mag, kann sich an der Schweinfurter Hütte einen Schlitten ausleihen und damit ins Tal rodeln.

Schwierigkeiten:
Von Niederthai zur Schweinfurter Hütte: T1 (im Winter als Rodelbahn präpariert).
Über Finstertalalm und Nordostgrat zum Hochreichkopf: WT5, I+ (bis zum Gipfelaufbau WT2; die Rinne zum Grat ist steil (grob geschätzt etwa 45°); der Grat ist am Anfang meist Gehgelände, aber teilweise recht ausgesetzt und häufig überwächtet, der Anstieg zum höchsten Punkt erfolgt durch steile Felsen (Stelle I+); wenn man eine westlichere Rinne zum Anstieg auf den Grat wählt, spart man sich den überwächteten Gratabschnitt).

Fazit:
Eine eindrucksvolle 5*-Schneeschuhtour in beeindruckender Bergkulisse mit hochalpinem Gipfelanstieg. Besonders schön ist der Aufstieg durch die weiten, sanft modellierten Hochkare, deren steile Begrenzungen einen schönen Kontrast dazu bilden. Mit jedem Meter ändert sich die Kulisse, sodass es auf der Tour nie langweilig wird. Die Schweinfurter Hütte ist als Stützpunkt sehr empfehlenswert.

Mit auf Tour: Kireko.

Anmerkungen:
Lawinenlagebericht zur Tour: Tag 1, Tag 2.
Die Tour wird deutlich seltener begangen als die Klassiker um die Schweinfurter Hütte; für die steile Südflanke sollte man nicht zu spät dran sein.
Kirekos Bericht gibt es hier.

Tourengänger: 83_Stefan, Kireko


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Kommentare (8)


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DHM123 hat gesagt: sehr schön
Gesendet am 16. März 2014 um 22:24
bei meiner Tour bin ich auf der anderen Seite des NO-Grats hoch - siehe
http://www.hikr.org/tour/post40555.html
also von Norden,
das muss auch nicht sein ;)
auf der Südseite ist's besser,
Wird als Schneeschuhtour bestimmt auch nicht oft gemacht ...

83_Stefan hat gesagt: RE:sehr schön
Gesendet am 17. März 2014 um 19:00
>Wird als Schneeschuhtour bestimmt auch nicht oft gemacht

Das denke ich auch! Mit Skiern aber auch nicht allzu oft - während die anderen Touren total verspurt waren, war hier nichts zu finden.

felixbavaria hat gesagt:
Gesendet am 16. März 2014 um 22:32
Sauber gemacht, das hätte mir auch gefallen!

Nic hat gesagt: RE:
Gesendet am 16. März 2014 um 22:38
Mir auch ;-) Tolle Tour!

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 17. März 2014 um 19:00
Dann auf geht's - der Hochreichkopf wartet!

felixbavaria hat gesagt: RE:
Gesendet am 13. Juli 2015 um 21:24
Waren gestern oben, der NO-Grat ist auch im Sommer sehr lohnend!

Yeti69 hat gesagt:
Gesendet am 17. März 2014 um 10:03
Klasse Tour Stefan,

dennoch... der Gipfel käme für mich nuuur mit Ski in Frage!

VLG Markus

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 17. März 2014 um 19:01
Danke dir! Klar, wärst ja auch blöd, mit Schneeschuhen runterzuhatschen. Allerdings haben sich die Tourengeher im Sulzschnee auch nicht gerade leicht getan.


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