Eine Ode an den Karst: Chratzerengrat - Silberen - Bietstock


Publiziert von Bergamotte Pro , 28. Juli 2013 um 17:09.

Region: Welt » Schweiz » Schwyz
Tour Datum:27 Juli 2013
Wandern Schwierigkeit: T5+ - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SZ   Ortstockgruppe   Zürcher Hausberge   Östliche Sihltaler Alpen 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1350 m
Abstieg: 1350 m
Kartennummer:1173 / 1153 (R. 302a, 307)

Wer sich durch die endlosen Karrenfelder zwischen Silberen und Charetalp bewegt, tut gut daran den markierten Wegen zu folgen. Denn die Überquerung der scharfen Karstzähne im Freistil fordert die Gelenke und vor allem die Nerven. Für die Begehung des (bedeutungslosen) Bietstocks beisse ich dann aber doch auf die Zähne.

Den direktesten Zugang zum Chratzerengrat vermittelt prinzipiell das Unter Roggenloch. Doch da ich meine Runde auf der Silberen abzuschliessen gedenke, verlege ich den Start auf den Pragelpass (1550m). Zeitunterschied gemäss Wegweiser: 40 Minuten. Wer das permanente Auf und Ab nicht scheut, dem hat diese Querung rüber zum Tor (1702m) einiges zu bieten: einsame, teils verwunschene Pfade, moorähnliche Landschaften, erste Eindrücke des folgenden Karsttrips.

Nach wenigen Hundert Metern Gross Mälchtal aufwärts wechselt man auf die Südseite des Chratzerengrats, wo die Sonne bereits erbarmungslos brennt. Der rauhe, aber eindrückliche Höhenweg oberhalb des Rätschentals führt mich zum oberen Chratzerenfurggeli (2167m). Wer direkt das Gämsiloch anpeilt, der soll bereits beim Hinderist Nollen den Weg verlassen und Richtung Grat hochziehen.

Vom Furggeli steige ich in direkter Linie zur Grathöhe hoch (bis T4). Die wenigen Meter auf der scharfen Kante rüber zum höchsten Punkt - Chratzerengrat (2349m) - vermitteln einen ersten Eindruck davon, was eine Gesamtüberschreitung bedeuten würde. Von hier könnte nun dem Grat direkt zum Gämsiloch rüber gequert werden. Es bräuchte ein gerüttelt Mass an Selbstvertrauen, um nicht die ganze Strecke im Reitersitz absolvieren zu müssen. Das fehlt mir heute, doch bei Gelegenheit möchte ich die Überschreitung angehen (s. auch ossis *Bericht). Also kurzer Abstieg über Geröll und Wiederaufstieg ins Gämsiloch, das erreicht kaum die T5-. Anspruchsvoller wird's, wenn man die letzten Meter zum Gratkreuz auch noch angehen will. Man bewegt sich da sicher in einer T5+. Nachdem das Gratbuch der MaeNis in den ersten beiden Jahren immerhin sporadisch Besuch erhielt, fehlen seit August 2011 weitere Einträge. Da die Temperaturen auf dem Grat erträglich sind, ziehe ich meine Mittagspause vor.

Der Wiederabstieg ins Gämsiloch ist auf beiden Seiten nicht ganz trivial, m.E. auf der Nordseite eine Spur einfacher, trotzdem eine (gefühlte) T6-. Im Loch begegnet mir eine Muotathalerin. Die Kombination Pfannenstock / Gämsiloch scheint bei Einheimischen relativ beliebt zu sein. Der anschliessende Abstieg zur Toralp-Furggel (2115m) überschreitet die T4 nicht mehr, sofern man den (breiten) Durchgang durch die Felsabbrüche nicht verpasst...

Nun folge ich einfach den Markierungen, welche mich geschickt durchs Karstlabyrinth auf das Plateau der Silberen (2319m) führen. Obschon der "Gipfel" wenig hergibt, geniesst er ziemliche Beliebtheit bei Wanderern. Im Abstieg verlasse ich beim Ochsenstrich den markierten Weg und ziehe weglos durch den Karsthorror Richtung Bietstock (2053m). Dieser Gipfel ist so unbedeutend, dass er es trotz Erwähnung im SAC Alpinführer noch zu keinem Hikr-Eintrag gebracht hat. Ohne GPS wird man die Kote nur mit viel Mühe identifzieren. Lohnend hingegen der Klettergipfel 300m nordwärts (grosser Steinmann, Gipfelschild). Der Balkon bietet einen schönen Ausblick auf die nahen Wägitaler Gipfel.

Weglos bescheisse ich mich anschliessend nach Butzen (1780m) runter, wo meine lädierten Knie dankbar den Wanderweg begrüssen. Wieder in Muotathal unten heisst es zunächst, den Hopfen- und Malzhaushalt wieder in Ordnung zu bringen, um anschliessend entspannt im Vierwaldstättersee zu baden.


Zeiten
3:15  Chratzerengrat / Gämsiloch
1:15  Silberen
0:40  Bietstock Nord
0:55  Pragelpass

Tourengänger: Bergamotte


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