Schäfler 1925m - Ebenalp 1640m


Publiziert von Bombo , 12. Mai 2008 um 01:52.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum:11 Mai 2008
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-AI 
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 1050 m
Abstieg: 1050 m
Strecke:Wasserauen - Seealpsee - Altenalp - Schäfler - Ebenalp - Wasserauen
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Herisau - Appenzell - Wasserauen
Kartennummer:LK 1:25'000, Bl 1115 "Säntis"

Eine weitere Folge von "bombostische Schlumpfentouren", heute:


"Ein Schäfler ohne Schafe und eine unebene Ebenalp"

Die heissen Temperaturen der letzten Tage nehmen mir ein wenig die Lust auf weitere Skitouren - da kommt die Einladung von Schlumpf wie gerufen: Flucht in den Alpstein, rein in die Wanderschuhe!

Von Wasserauen 868m südlich von Appenzell starten wir inmitten des Touristenpulks und schliessen uns der Karawane richtung Seealpsee 1141m an. Kaum dort angekommen fragen wir uns, wo nun all diese Turnschuh- und Sandalentouristen sich verkrochen haben - der Parkplatz in Wasserauen fast bis zum Bersten voll und jetzt sind wir schon beinahe alleine. Auf jeden Fall kommen uns zahlreiche Skitüürler mit den Skis am Rucksack entgegen - die Skiabfahrt vom Säntis 2502m lockt scheinbar noch immer - trotz der mittlerweilen unendlich langen Laufstrecke.

Wir geniessen die prächtigen Farben der Seealp sowie des Seealpsees - hier steht die Zeit der Welt mal wieder für einen Moment still. Südwestlich des Sees stechen wir auf dem markierten Wanderweg steil hoch richtung Altenalp 1595m. Von hier gehen die meisten rechts richtung Ebenalp 1640m - wir wollen jedoch auf den Schäfler 1924m. Ein markierter Weg führt bei der Altenalp sogar hoch, infolge eines kleinen Schneefeldes ist auch hier für diejenigen Feierabend, welche trockenen Fusses nach Hause kommen möchten. Eine 4er Gruppe vor uns schaute fragend in dieses Schneefeld und war sichtlich erleichtert, als wir dort ankamen. Eigentlich dachten wir, sie wollen uns nach dem Weg fragen (obwohl auch das logisch wäre) doch teilten sie uns mit, dass sie Angst hätten, unter dem kleinen Schneefeld eine Eisfläche vorzufinden. Na ja, wir konnten sie dann beruhigen, denn die Eiszeit am Schäfler dürfte etwa vor ca. 2.7 Mio Jahren zu Ende gegangen sein und der ganz böse Schäfler-Gletscher macht sich nur in der Mittagspause bemerkbar - nein, Spass beiseite - wir fanden es schön, dass diese Gruppe uns nach den Bedingungen fragten und entsprechend gaben wir uns Mühe, richtig schöne Tritte in das Schneefeld zu stampfen, sodass alle brav im Entenmarsch hinaufkraxeln können. Na ja, der einzige hinter mir kraxelnde war Roger - den anderen war dies doch zuviel und sie entschieden sich zur Umkehr. Uns hat vorallem genau dieser Aufstieg - ein Mix aus Schnee, heimtückischen plattgedruckten Grasbüscheln und Fels - am meisten Spass gemacht - endlich durfte man wieder Hände, Füsse und zusätzlich aber auch die Augen bzw. das Gehirn gebrauchen - so macht der Gipfelerfolg natürlich immer Freude. Der Gipfel selbst will ebenfalls verdient sein, kurz vor dem Gipfelaufbau liegt nämlich ebenfalls noch Schnee auf der Nordseite, sodass der Gipfelweg bzw. auch der Weg zum Gasthaus Schäfler unzugängig war. Also entschieden wir uns für die steile nordseitige Kraxelei auf den Gipfel - ganz nach dem Motto, jeder Tritt ein Schritt - vorausgesetzt, man findet auch einen stabilen Tritt :-) Roger kraxelte auf jeden Fall auf und davon, als hätte er einen zuschaltbaren Allrad-Antrieb - kein Wunder existieren nur Fotos von meiner Wenigkeit, wie ich schweisstreibend in dieser kleinen Flanke nach fixierten Steinen und Grasbüschel suche :-)

Eine geniale Aussicht auf den gesamten Alpstein sowie aber auch zum Bodensee erwartet den erfolgreichen Gipfelstürmer auf dem Schäfler 1924m. Trotz der Namensgebung leben zur Zeit keine Schafe dort, dafür aber brodeln um uns herum bereits die Gewitterwolken, wie ein schwarzer Vorhang umschliessen sie die nördlichen Appenzeller-Erhebungen. Die Information von Roger, dass die Spitze des Triangulationspunktes auf dem Gipfel laut "surre" und deshalb ziemlich viel Energie in der Luft vorhanden sei, führte dazu, dass wir schleunigst weiterzogen. Am geschlossenen Gasthaus Schäfler vorbei und dann weglos über ein Schneefeld rutschend, hielten wir direkten Kurs unterhalb der Zisler-Felsen. Auch diese Rutschpartie weckte das Kind im Manne und liess schnell einmal die mittlerweilen vollständig mit Schnee gefüllten Wanderschuhe vergessen. Das "Surren" übrigens war tatsächlich ein gutes Alarmzeichen, denn nur wenige Minuten später, wo wir bereits einige Höhenmeter unter diesem T-Punkt waren, liess eine Gewitterzelle ihr volle Kraft walten, schickte einen Blitz exakt in diese Richtung und beendete dieses Schauspiel mit einem lauten Donnergeräusch. Zum Glück beendeten wir unsere Turnübungen an diesem Metallgestänge frühzeitig :-)

Kurz vor der Ebenalp existiert ein schöner Klettergarten - gemäss Aussagen von Kletterer seien die Routen von 6- an aufwärts - nichts für Anfänger also. Wir hörten bereits das Bier rauschen, weshalb wir direkt das Gasthaus auf der Ebenalp 1640m ansteuerten - willkommen zurück im Tourismus - wären wir nicht so spät dort gewesen - so hatten wir dieses mit wenigen Ausnahmen für uns alleine.

Hinunter ging es ebenfalls auf markiertem Wege - vorbei an der Bergstation Ebenalp und hinunter durch den Berg - ja richtig gelesen, durch den Berg. Hier führt der Weg nämlich durch eine gut ausgehölte (oder gewaschene?) Höhle - diese ist beleuchtet und es macht richtig Spass, sich unter dem tropfenden Felsendach zu bewegen. Wieder draussen im Tageslicht passieren wir das legendäre Wildkirchli, wo es sogar Kirchenbänke und einen Altar unter dem Felsen gibt - sicher auch ein schöner Ort zum heiraten. Wir wollten dann eigentlich den Weg über Mittler-Bommen wählen - dieser war jedoch geschlossen, da in jedem Moment die letzte noch hängende Schneewechte oberhalb des Weges hinunterstürzen sollte. Erst kürzlich hätte es hier ein tödliches Unglück wegen einer solchen Schneewechte gegegeben - wir hörten auf den guten Rat und folgten so dem Weg via Gasthaus Äscher, steil hinunter über natürliche und künstliche Treppentritte bis wir bei Chobel 1111m wieder unseren Aufstiegsweg bzw. -strasse kreuzten. Nochmals mühsam steil auf der geteerten Strasse die letzten Höhenmeter vernichtend zurück nach Wasserauen.


Fazit: eine schöne 3/4-Tages-Tour mit mehreren Möglichkeiten zum Einkehren, eine abwechslungsreiche Vegetation und eine interessante Kombination von verschiedenen Wegvarianten. Zudem hatten wir das Glück, von den umliegenden Gewitterzellen verschont zu bleiben - mit Ausnahme des "Schäfler-Donners".

Fazit 2: Die Aussicht auf den gegenüberliegenden Hohen Kasten sowie seines Südgrates verlangt nach einer Gratwanderung - diese werden wir morgen Pfingstmontag geniessen. To be continued... :-)


Tour mit Schlumpf - Hat Spass gemacht, Roger, ich freue mich auf morgen wie auch auf die geplante Säntis- / Altmanntour! Alpstein, wir kommen! :-)



Schlumpf's Bericht: Schäfler / Ebenalp

Tourengänger: Schlumpf, Bombo

Galerie


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T3
11 Mai 08
Schäfler 1925m, Ebenalp 1640m · Schlumpf

Kommentare (2)


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Burro hat gesagt: Bericht
Gesendet am 12. Mai 2008 um 19:48
Sehr unterhaltsamer Bericht zu einer schönen Tour:-)

Gruss
Jonas

Bombo hat gesagt: RE:Bericht
Gesendet am 12. Mai 2008 um 22:15
Danke Jonas, werde in Kürze noch Deinen Bericht lesen! Auf ein baldiges, Gruss Dominik


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