Auf- und Abfahrten am Castor und Fletschhorn NE


Publiziert von danski , 19. Mai 2013 um 16:58.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:11 Mai 2013
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Ski Schwierigkeit: ZS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   I 
Zeitbedarf: 3 Tage
Strecke:Samstag: Klein Matterhorn - Castor; Abfahrt via Zwillingsgletscher; Sonntag: Simplon Dorf Egga - Biwak Piero de Zen; Montag: Abfahrt nach Simplon Dorf Egga

Im Vorfeld der Auffahrtsfeiertage kommt immer eine gewisse Hektik ins Spiel. Was, wann, wo? Die ständig wechselnden Wetteraussichten, geradezu symptomatisch für diesen "Frühling", liessen dieses Jahr  eigentlich nur ad-hoch Planung zu. Immerhin beherrschen wir diese mittlerweile auf hohem Niveau...

Samstag, 11.05.2013, Castor 4223m

Die Anreise am Freitagabend nach Zermatt ist dank ÖV sehr angenehm. Schon fast ausgestorben präsentierte sich die alpine Touristenmetropole an jenem Abend. Doch am Samstag Morgen sollte sich dies ändern. Obwohl noch eine dicke Nebelschicht die Berge verhüllte, liess die Präsenz von einigen Skibergsteigern deren Existenz vermuten. Fast schon etwas surreal erreicht man dank Luftseilbahnen in sehr kurzer Zeit 3820m. Emsiges Treiben vor dem Eingang zur Unterwelt des Klein Matterhorn liess auf viel Betrieb schliessen. Bald einmal verloren sich aber die skitourenden Menschenmassen aller couleur auf den weiten Gletscherflächen unterhalb des Breithorns und Pollux. Die eindrückliche Szenerie wird darum auch nur wenig gemindert durch den nicht unwesentlichen Auflauf von Berggängern. Recht zügig erreichten wir den Fuss des Castors und begannen nach einer kurzen Powerbar-Pause den steilen Aufstieg. Der Schnee erwies sich als hochalpin-Powder, heisst ein wenig windbearbeitet aber immer noch herrlich fahrbar. Die Höhe bremste auch uns nun in unserem Tempo. Die kurze, steile NW-Gipfelflanke sah fantastisch aus und so entschieden wir uns beim Skidepot, unsere Latten auf den Gipfel zu tragen und dann in Freeride-Manier wenige stiebende Kurven in den Hang zu zeichnen. Auf dem recht schmalen aber nicht sehr ausgesetzten NE-Grat zum Gipfel kommt grossartige Stimmung auf. Eine herrliche Gratschneide zieht sich geradewegs in den Himmel über Italien. Den Gipfel teilten wir mit einer motivierten Gruppe junger Berneroberländer, mit denen wir uns auf Anhieb anfreundeten. Ihr Plan war es, via Zwillingsgletscher und Grenzgletscher zum Gornergletscher abzufahren. Das sah für uns nach einer mehr als gleichwertigen Alternative zur geplanten Schwarztor-Abfahrt aus. Nicht zuletzt präsentierte sich der Zwillingsgletscher sehr gut eingeschneit und ganz ohne Spuren. Kurzerhand schlossen wir uns ihnen nach gegenseitiger Absprache an. Fairerweise liessen wir ihnen jeweils first lines, aber beim gebotenen Platzangebot hatte es für alle genug vom weissen Pulver. Ca. 20-30cm lockerer Powder lagen durchwegs auf dem Gletscher, herrlich! Und das in Mitten einer sehr eindrücklichen Umgebung aus hochhaushohen Séracs und drohenden Eisbalkonen. Die Routenfindung war im oberen Teil erstaunlich einfach und wurde erst oberhalb des Zusammenflusses mit dem Grenzgletschters etwas komplizierter. Das schmelzende Ende des Gornergletschers erreichten wir auf den letzten Schneeresten. Im Anschluss umgingen wir die Schlucht der Gornera rechtshaltend und immer leicht aufsteigend. Steinmännchen helfen bei der Wegsuche, man kann sich hier aber auch recht schnell in unangenehmen Situationen wieder finden, falls man sich zu weit in die glattgeschliffenen Flanken begibt. Dankend nahmen wir ab Furi die Seilbahn runter nach Zermatt, das nun endgültig aus seinem freitagabendlichen Dornröschenschlaf erwacht war.

Sonntag/Montag, 12./13.05.2013, Versuch Fletschhorn NE-Wand

Der zweite Postautokurs von Brig nach Domo brachte uns am Morgen nach Simplon Dorf, Egga, dem Ausgangspunkt für die 1. Etappe zum Fletschhorn. Bereits bei der Postautohaltestelle blies und ein kalter Nordwind entgegen und die Wolken in Gipfelnähe schienen Formel 1 zu spielen. Unsere sehnsüchtigen Blicke blieben am Ziel unserer Begierde hängen: Fletschhorn NE-Wand. Wir tauschten vielsagende Blicke, was soviel bedeutete, dass diese Wand fantastisch gut aussah! Bald kamen uns absteigende Italiener entgegen und natürlich mussten wir sie nach den Verhältnissen fragen. Die Antwort, es hätten 25 Leute im Biwak übernachtet, gefolgt von der Aussage, dass niemand die Wand in Angriff wegen zu viel Wind in Angriff genommen hätte, liess uns aufhorchen. Dann waren also noch keine Spuren vorhanden, was immer zu unseren Gunsten ist. Zwischenzeitlich verschlechterte sich das Wetter zusehends und es setzte Schneefall ein, der einige Zentimeter hinterliess. Auf dem Biwak Piero de Zen, 3014m, trafen wir zwei gesellige Italiener an, die die Zahl der Biwakübernachter auf 11 hinunter korrigierten... Bei 9 Schlafplätzen im Biwak immer noch eine mehr als ungemütliche Zahl! Sie hätten dann auch kaum geschlafen und seien erst um 10:00 auf die Senggchuppa aufgebrochen. So viel war von Ihnen noch zu erfahren, bevor auch sie sich Richtung Tal aufmachten. Endlich waren wir alleine und begannen Schnee zu schmelzen mit der Hoffnung, das Wetter würde sich wieder beruhigen und zumindest einen Blick in die NE-Wand erlauben. Leider nein... Selbst der Benzinkocher machte keine Anstalten, seinen Job zu machen. Mit viel Geduld brachten wir ihn dann aber doch noch dazu. Bald schlossen wir uns im Biwak ein und warteten auf die Dunkelheit. Wie würde das Wetter am Morgen um 04:00 wohl aussehen? Es dauerte nicht lange, bevor unser Schlaf in kurzen Abständen von heftigem Rütteln und Heulen unterbrochen wurde. Der Wind trieb nun definitiv seine Spielchen und demonstrierte uns seine Macht. Dementsprechend zog sich die Nacht in die Länge und unsere Hoffnung schwand mit jeder heftigen Böe. Mit steigendem Druck auf die Blase wagten wir uns am Morgen aus der Blechkiste und wurden just in diesem Moment von einem sehr eindrücklichen Sonnenaufgang empfangen. Noch eindrücklicher fuhr uns der heftige Wind ein. Dieser jagte die letzen lockeren Schneereste über alles hinweg und schliff die Schneeoberfläche spiegelglatt. Ganze Arbeit leistete er im oberen Teil der NE-Flanke, wo nun wieder Blankeis hervorschaute. Spätestens in diesem Moment war der Traum definitv geplatzt... Immerhin mussten wir uns "nur" von der Natur geschlagen geben, ohne deren Wohlwollen solche Unternehmungen unmöglich sind.

Wir räumten das Biwak und holperten über hartgeforeren Schnee ins Tal. Kein allzugrosser Spass. Im saftiggrünen, aber kühlen Simplon Dorf erkundigten wir uns erst einmal nach dem nächsten Bus nach Brig, doch die Fahrplandichte ist hier eher dünn. Fünf Stunden hätten wir warten müssen... Gut fährt der Bus in der Gegenrichtung bis Domodossola mit einer erträglichen Stunde Wartezeit in Simplon Dorf. Als einzige Fahrgäste wurden wir ins piemontesische Domo chauffiert wo wir uns der Italianità, bestehend aus Pizza, Gelato und dolce far niente hingaben. Life is good! :)


Tourengänger: nprace, danski

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Kommentare (3)


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Dino hat gesagt: Wahnsinnge Bilder
Gesendet am 19. Mai 2013 um 20:16
Salut Danski
Wir waren am gleichen Tag etwas spaeter am Castor und sind ebenfalls ueber den Zwillingsgletscher abgefahren. Danke fuer die Spuren! Eine wirklich beeindruckende Abfahrt.

Die Bilder vom Fletschhorn sind Mega!

orome hat gesagt:
Gesendet am 20. Mai 2013 um 16:25
sau schöne Fotos im Wind! Auf das Detail am Ausstieg hättet ihr ja sicher gerne verzichtet ;) vielleicht gehts sich ja in 1-2 Wochen noch aus? Ganz habe ich die Ski noch nicht verräumt ;)

Grüsse Manu

danski hat gesagt: RE:
Gesendet am 20. Mai 2013 um 22:53
Ich natürlich auch nicht. Ganz im Gegenteil!!! ;) Bin auf stand by für das nächste Schönwetterfenster, das da irgendwann mal kommen MUSS! Fletschhorn NE steht zwar momentan nicht mehr zu Diskussion, dafür andere Projekte... ;)

Gruess


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