Auf und um den Piz Quattervals


Publiziert von phono , 6. August 2012 um 15:19.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Unterengadin
Tour Datum: 3 August 2012
Wandern Schwierigkeit: T5+ - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 3 Tage
Aufstieg: 3500 m
Abstieg: 3500 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo S-chanf, Parc Naziunal
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo S-chanf, Parc Naziunal
Unterkunftmöglichkeiten:Cluozza Hütte

Die diesjährige Augusttour im Bünderland führt uns auf das Dach des Nationalparks, den Piz Quattervals. Als zusätzliche Herausfoderung umrunden wir den Piz gleich doppelt: Einmal im Uhrzeigersinn rund um das Gipfelkreuz (the easy part) und einmal im Gegenuhrzeigersinn auf den markierten Wegen rund um das Massiv.

Prolog
Seit  dem letzten Besuch im Nationalpark standen sowohl die Fuorcla Val Sassa als auch der Piz Quattervals auf der Wunschliste. Dieses Jahr sollte es soweit sein und bereits Monate im Voraus wurde die Chamanna Cluozza entsprechend reserviert. Bekannterweise kann man das Wetter nicht vorbestellen. Als die Zeit näher rückte, machte sich mehr und mehr Ernüchterung ob der Wetterprognosen breit. Ausgerechnet aufs anvisierte Wochenende hin meldeten alle einschlägigen Wetterfrösche Regenschauer sowie Nachmittagsgewitter in steigender Intensität. Fast hätten wir die Tour abgeblasen und ein Alternativprogramm gesucht, doch die Intuition liess uns am Plan festhalten. Die Schlechtwetterkleider wurden gepackt und mental waren wir für drei Tage Regen gewappnet.

Im Nachhinein fiel während der ganzen Tour kein einziger Tropfen und von Gewittern war nichts zu spüren.

Tag 1
Da für den Freitag das Wetter noch am "schönsten" prognostiziert war, stand die Fuorcla Val Sassa auf dem Programm. Mit dem Zug ins Engadin, umsteigen auf den Bus in Cinuos-chel-Brail Richtung S-chanf, Parc naziunal. Soweit der (offizielle SBB-) Plan. Dummerweise ist der Bus längst abgefahren als wir aus dem Zug austeigen. Von hier aus loslaufen würde das Nachtessen auf der Hütte zeitlich in Frage stellen. Glücklicherweise finden wir einen Local, welcher uns kurzerhand zum Ausgangspunkt kutschiert.

Es geht gemütlich los ins Val Trupchun in den Nationalpark hinein. Bald kommt die Abzweigung nach links in eines der quatter Vals, das Val Müschauns. Nach der Überquerung der Ova da Müschauns gewinnt man schneller an Höhe. Bei einer Stelle nimmt man ein paar Steine in die Hand, von klettern kann man allerdings nicht sprechen. Auf dem Plateau bei P. 2601 kommt die Fuorcla Val Sassa in Sicht. Die letzten 200 Höhenmeter muss ich durchbeissen und bin froh, den höchsten Punkt des Tages nach 3.5 Stunden erreicht zu haben.
Eine Stunde und ein Mittagessen später gehts hinunter in das zweite der quatter Vals, das Val Sassa. Man bewegt sich hierbei auf einem Blockgletscher und folgt im Wesentlichen einer schwach ausgeprägten Spur entlang von Steinmännchen. Was für eine endlose Geröllhalde... Steine wohin das Auge reicht. Die Knie sind nicht begeistert. Eine richtige Wohltat sowohl für Augen als auch Gelenke als wir die Plaun Val Sassa mit den ersten Zeichen von Vegetation erreichen. Bald ist die Hütte und das ersehnte Bier erreicht.

Tagesbilanz: 3h 30min Aufstieg, 2h 30min Abstieg, 1h 15min Pause. Gemäss GPS sind das 16.8 km, 1300 m Aufstieg und 1100 m Abstieg.

Schwierigkeit: Fast durchgehend T3, die Kraxelstelle und je nach Nässe auch die Fuorcla Val Sassa könnte man mit T4 bewerten.

Tag 2
Während in der Nacht Wolken aufgezogen sind, lassen sich am Morgen bereits erste blaue Flecken am Himmel ausmachen. Wir wollen frühzeitig los um nicht auf dem Piz Quattervals einem dieser Nachmittagsgewitter ausgesetzt zu sein. In der Plan Valletta folgen wir dem Wegweiser und auf zu Beginn markiertem Pfad in das dritte der quatter Vals, das Valletta. Schnell ist die Vegetation wieder Geschichte und Steine machen sich breit. Zuerst werden zwei Absätze in mässig steilem Schutt erklommen. Man gewinnt dadurch schnell an Höhe. Nach der zweiten Stufe, bei P. 2469 flacht sich das Gelände angenehm ab und man hat erstmals einen richtigen Überblick über den weiteren Wegverlauf. Wenn man die Augen aufhält, ist bis etwa 2700 m.ü.M. ein "Pfad" erkennbar. Bis hierhin alles easy.
Noch 350 Höhenmeter und man ist auf dem Gipfel. Doch wo will man hoch? Wir wollen den Nordwest-Grat erreichen. Zur Auswahl stehen zwei Geröllhalden, wobei die Neigung in etwa dem kritischen Schüttwinkel des Materials entspricht. Das soll heissen, dass die Steine bei Belastung so richtig schön abwärts fliessen. Glücklicherweise sind wir alleine, ansonsten müsste man sich vor Steinschlag in Acht nehmen.
Wir wählen das linke, längere Couloir (anstatt den P. 2985) anzupeilen. Langsam gewinnen wir an Höhe und das Gelände wird zumindest gefühlt immer steiler. Irgendwann fliehen wir rechtshaltend über die Felsplatten (Griffe gut prüfen) und erreichen erleichtert den Grat. Dieser Abschnitt ist für mich irgendwas zwischen T5 und T6.
Der restliche Aufstieg fühlt sich dann wieder wie Spaziergelände an. Kleinere Aufschwünge können direkt erklettert oder aber rechts umgangen werden. Nach exakt 4 Stunden stehen wir auf dem Gipfel. Die Frisur sitzt, von Gewittern keine Spur.
Für den Abstieg nehmen wir wieder den Nordwestgrat, vor allem um den "richtigen" Weg durch das Couloir zu finden. Hinunter gehts natürlich einfacher, zuerst Geröll- dann Schneesurfen. Danach zieht uns die Aussicht auf ein Fussbad in der Ova di Cluozza sowie das Bier in der Hütte schnell talwärts zu.

Tagesbilanz: 4h Aufstieg, 2h 30min Abstieg, 1h Pause auf dem Gipfel. Total 11.3 km sowie 1450 Höhenmeter.

Schwierigkeit: Bis unterhalb des Gipfelaufbaus T3, dann je nach Routenwahl T5 bis T6.

Tag 3
Für den dritten Tag (wo es jetzt ja wirklich mal langsam regnen sollte!) hatten wir keine grossen Pläne. Als am Morgen früh wieder der blaue Himmel sichtbar wurde, reifte die Idee, anstatt nach Zernez abzusteigen, die Runde um den Piz Quattervals zu vervollständigen und zum Ausgangspunkt rückzukehren. So sind wir dann zügigen Schrittes nochmals 19 km in einem angenehmen Auf und Ab zurück Richtung S-chanf gelaufen. Ohne es zu merken, haben wir dabei nochmals 750 Höhenmeter gesammelt und sind 950 Meter abgestiegen. Beim Ausgangs- und Endpunkt gabs dann ein Bier und dieses Mal erwischten wir auch das Postauto zum Bahnhof.


Total waren wir 47.3 km unterwegs und haben 3500 Höhenmeter gemacht. Insgesamt ein wunderschönes Wochenende, aber Steine, die hab ich gesehen für die nächste Zeit.

Unterwegs mit M.

Tourengänger: phono


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Kommentare (3)


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Steinbock hat gesagt:
Gesendet am 9. August 2012 um 07:45
Gratuliere zum Quattervals! Eine tolle Leistung. Wir sind zwei Tage zuvor unter dem Nordwestgrat in der Wand kleben geblieben :-)

Gruss Felix

phono hat gesagt: RE:
Gesendet am 9. August 2012 um 14:32
Ich hab den Bericht gelesen. Zum Glück hattet ihr eine schöne Fernsicht.

Wir sind im linken Couloir aufgestiegen und mussten dann auf die Felsen rechternhand ausweichen. Zeitweise war das doch garstig, aber irgendwann blieb nur noch die Flucht nach oben.

Im Abstieg sind wir dann in etwa der bei dir eingezeichneten Route gefolgt. Allerdings erscheint es mir am besten, dort wo ihr umgekehrt seid, der Kante zu folgen und danach entlang der Platte den Grat zu erreichen.

Liebe Grüsse,
p.

Steinbock hat gesagt: RE:
Gesendet am 9. August 2012 um 21:15
Danke für Deine Infos, der Aufstieg war ja also doch so wie ich es gedacht habe. Dazu hätte ich wohl eine Raupe gebraucht!

Gruss Felix


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